Nebel und OS hopping mit "Belohnung"

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Martin_Wylicil

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Hallo Sternenfreunde,

nachdem ich vor einigen Tagen groß aufgebaut hatte und mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung machte..... heute ganz spontan bei klarem Himmel ein kurzes hopping von Stern zu Stern mit kleiner "Belohnung"...

Bei eisiger Kälte und Feuchtigkeit - das Teleskop ließ ich erst auskühlen, fand es dann aber in Wasser getränkt vor :-( - habe ich mal ein paar Messier-Objekte aufgesucht.

Als Teleskop ein Orion Newton auf Dobson-Montierung mit 12 Zoll Öffnung und 1500 mm Brennweite; als Okulare ein MEADE 5000 SWA mit 28 mm, ein Omegon SWAN 70 Grad mit 38 mm und ein TS Super Plössl mit 32 mm.

Zum Aufsuchen ein alter "Karkoschka" und das Uranometria 2000.0 Totschlag-Buch Volume I "The Northern Hemisphere".

M74 ließ sich noch einigemaßen leicht finden: Erst n Psc eingestellt, dann ein bißchen geschubst und schon im Zentrum. Die Sichtbeschreibung muss lauten: "gesehen" - mehr war nicht drin bei unserer Himmelsaufhellung in der schönen "Stadt des Lichts". Aber immerhin!

Gegen 23:00 dann "Jagd" auf M33 gemacht, gelang erst gar nicht, wollte schon verzweifeln. Habe den Uranometria-Schinken auf den Kopf gedreht, damit´s mit meiner Sicht im Newton übereinstimmt, und mich dann an den einzelnen Sternen entlanggehangelt; ein paar mal verlaufen, aber zu guter Letzt war M33 dann in der Falle. Na ja - beim Zeichnen habe ich kaum gewagt, den Bleistift aufzudrücken, so schwach war der Eindruck. Um 23:30 erst war es soweit.

Dann - zum Glück recht schnell - M1 aufgesucht, der war schon besser zu sehen.

Als Letztes den offenen Sternhaufen M35 auch noch gezeichnet und mit Uranometria verglichen - na ja, mit den Proportionen hab´ ich es beim Zeichnen nicht so.

Trotz Kälte, Nässe, schwieriger Suche hat es mal wieder großen Spaß gemacht, in die Ferne zu schweifen und Sternenwanderer zu sein. Als kleinen Bonus bekam ich zwischendurch noch drei Sternschnuppen zur Sicht, eine mit richtig schönem "Schweif", der ultrakurz als Nacheindruck der Flugbahn sichtbar war.

Zwischen den Aufsuchungen habe ich mir dann noch als ästhetischen Genuss h und chi im Perseus gegönnt - ich bin jedes mal ehrlich begeistert über den Anblick, wie funkelnde Diamanten auf schwarzem Samt. Ein kurzer Blick auf Andromeda und die Plejaden..

So selten ich auch dazu komme, dieses schöne Hobby auszuüben, so entspannend und gleichzeitig anregend finde ich es jedes Mal. Auch ohne Fotoequipment und ohne zeichnerische Fähigkeiten macht einfach die Jagd auch auf dunklere/schwierigere Objekte großen Spaß, und jede Sternschnuppe ist wie ein kleines highlight. Und das Zeichnen schult wirklich die Beobachtung, auch wenn meine Gemälde in keiner Galerie der Welt aufgenommen würden :-)

Viel Spaß beim Spechteln und CS,

Martin
 
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Moin Martin!

Danke für Deinen Beobachtungsbericht. Immer schön, sowas zu lesen, gerade weil diese Berichte immer seltener werden.
Das Wetter ist momentans eher sub-optimal (wir liegen hier seit vielen Tagen unter einer Hochnebeldecke, die spätestens bei Sonnenuntergang wieder geschlossen ist, wenn sie dann doch mal kurz aufreißt).

Was mich allerdings ein bißchen wundert: Du schreibst von stadtnahem, lichtverseuchten Himmel mit schlechter Transparenz. Warum dann diese geringen Vergrößerungen (40- bis 54fach)? Da saufen dir die DSO doch komplett im Dunst ab. Höhere Vergrößerungen würden bei dieser großen Optik deutlich mehr erkennen lassen.
 
Hallo Martin,

schön zu lesen, dass Dir das Beobachten trotz einiger Widrigkeiten so viel Freude bereitet.
Die meisten Nächte in diesem Jahr waren ziemlich feucht, deshalb staune ich, dass Du mit dem Uranometria draußen warst. Was machst Du, damit die Seiten nicht nass werden?

Deine Zeichnungen kannst Du nächstes mal trotzdem gern präsentieren. Das ist immerhin schon mehr, als nur zu beobachten.

Wenn Du unter aufgehelltem Himmel beobachtest, dann empfehle ich Dir, mal ein paar Offene Sternhaufen ins Visier zu nehmen. Da gibt es auch eine ganze Menge sehenswerte neben den üblichen Messierhaufen oder H & Chi. Cassiopeia ist besonders reich an OS, von denen einige zusammen ins Gesichtsfeld Deines Aufsuchokulars passen. Lohnenswert (auch in Deinem 12"er) aus meiner Sicht sind hier NGC 7789 (ein großer feiner Haufen gleichheller Sterne und leicht zu finden) - NGC 457 (sieht aus wie eine Eule). Oder NGC 1502 in der Giraffe (bei höheren Vergrößerungen sieht der Haufen mit etwas Phantasie ... also ich sehe eine Teufelsmaske) oder NGC 6834 im Schwan (müsste noch früh am Abend gehen um diese Jahreszeit - der OS ist ein "Gestaltwandler" - er wirkt bei kleinen Vergrößerungen länglich und wird deutlich runder, je höher Du vergrößerst). Früher habe ich OS immer links liegen gelassen, jetz schau ich öfter mal bei dem einen oder anderen vorbei, weil Erfolgserlebnisse meist garantiert sind ;-)

Beste Grüße

Rene
 
@ Micha:

Das verstehe ich nicht ganz - bisher war ich immer der Meinung, dass mit zunehmender Vergrößerung weniger Lichtsammlung erfolgt, Objekte also eher dunkler abgebildet werden, v.a. auch flächenhaft ausgedehnte Objekte wie Galaxien etc. Habe ich da einen Denkfehler?

Gruß und CS,

Martin
 
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@ Rene:

Das mit der Feuchtigkeit ist leicht erklärt: Ich beobachte zu Hause von meinem Atrium aus, habe also die Atlanten etc. drinnen liegen und gehe rein und raus (Die arme Familie muss natürlich im Dunkeln wuseln, aber man nimmt Rücksicht auf mich :-)

Danke für die vielen Tipps! Sieht ganz gut aus draußen, bin gerade heimgekommen und hab soeben die Maschine wieder zum auskühlen rausgestellt.... hoffentlich bleibt es klar.

Gruß und CS,

Martin
 
Moin Martin!

Bei zunehmender Vergrößerung erhöht sich der wahrnehmbare Kontrast zwischen Himmelshintergrund un Objekt. Hängt damit zusammen, daß das Auge ausgedehntere Objekte kontrastmäßig bessser unterscheiden kann. Das gilt für flächige Objekte. Es ist ja ein weitverbreiteter Irrtum, daß DS-Beobachtung am besten mit möglichst großer AP (wenig Vergrößerung) funktioniert. Die ideale AP für DSO liegt bei ca. 3 mm - bei deinem Teleskop wären das etwa eine 100fache Vergrößerung (15 mm Okular). Bei dunklem Himmel (falls man mal einen in der Stadt erwischt), kann man auch gern auf ein 20-25 mm Okular gehen.

Anschaulich beschrieben ist dieser Kontrasteffekt im Katalog von ICS, der als PDF verfügbar ist:
https://www.intercon-spacetec.de/fileadmin/downloads//Astronomie_2006_72dpi.pdf
 
Hallo Micha,

danke für den Tipp und den link, habe es gerade gelesen. Klingt plausibel - und ich werde es gleich mal ausprobieren und berichten, ob die Praxis auch der Theorie folgt...., wenn der Himmel frei bleibt...

Gruß und CS,

Martin
 
Hallo,

ein schöner Beobachtungsbericht. Magst Du Deine Zeichnungen auch veröffentlichen? Ich find es immer toll, wenn nicht nur Fotos sondern auch Skizzen von beobachteten Objekten gezeigt werden.

Gruß

Markus


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Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
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Juniper Hill Observatory

Markus A. R. Langlotz
Dr.-Bruno-Sahliger-Str. 8
D-93096 Köfering

Die Astroseite: www.N-T-L.de
Die Sternwarte: sternwarte.N-T-L.de
Die Mailadresse: ntl.observatory (at) freenet.de

 
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