Nebelring um den Mond?

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Bendith

Mitglied
Hier ist mal wieder die Anfängerin mit einer Frage. Mittlerweilen geh ich seit drei Jahren Nacht für Nacht (wegen Hunden) wenigstens eine Stunde zwischen Mitternacht und ca. fünf Uhr morgens raus. Da hab ich mich zur Hobbyastronomin entwickelt :-) Ich begnüge mich allerdings mit dem, was ich von Auge sehe - was hier auf dem Land glücklicherweise sehr viel ist.

Also heute Nacht (Wohlen/AG, Schweiz, ca. 00.15) war reichlich Hochnebel da. Es waren nur drei Lichter am Himmel zu erkennen. Das waren Jupiter, Sirius und Rigel. Darüber der fast volle Mond. Dass um den Mond verschieden farbige Ringe sind, hab ich schon als Kind erkannt. Ich glaub, die nennt man Halo oder so, den Mondschein eben. Aber da war heute noch ein ganz anderer Ring um den Mond. So einer ist mir noch nie aufgefallen. Entweder ist das selten oder ich war bisher blind.

Ich weiss nicht recht, wie ich Grössen und Abstände beschreiben soll, drum versuch ichs mal mit meiner Hand. Ich hab meinen Arm geradeaus Richtung Mond gestreckt. Dabei verdeckte der Nagel des kleinen Fingers knapp den Mond. In diesem Grössenverhältnis war eine sehr grosszügige Handbreite vom Mond entfernt ein ca. zwei daumenbreiter Nebelring. Kreisrund, im rundum exakt gleichen Abstand zum Mond. Hat einfach toll ausgesehen. Aber es gibt ja wohl kein kreisrundes Wolkenloch um den Mond *ggg* Jedenfalls bin ich mal wieder mehr oder weniger den ganzen Weg mit dem Kopf im Genick gelaufen, weil ich den Anblick so umwerfend fand. Dabei fiel mir auf, dass ungefähr westlich vom Mond auf halber Strecke zum "Nebelring" noch ein einzelner Stern zu sehen war. Da mir aber die Umgebung zum identifizieren fehlte, kann ich nicht sagen, welcher das war.

Also, kann mir jemand erklären, was ich da gesehen habe oder wo ich das nachlesen kann? Das wäre sehr freundlich.
Vielen Dank und mal wieder ein Winker aus der Schweiz.
Bendith
 
Moin Bendith!

> Also, kann mir jemand erklären, was ich da gesehen habe oder wo ich das
> nachlesen kann?

Was Du da gesehen hast, war ein Mond-Haloring. Infos dazu gibt es sehr
ausführlich unter http://www.meteoros.de/halo.htm
 
> Also heute Nacht (Wohlen/AG, Schweiz, ca. 00.15) war reichlich Hochnebel da. Es waren nur drei
> Lichter am Himmel zu erkennen. Das waren Jupiter, Sirius und Rigel. Darüber der fast volle Mond.
> Dass um den Mond verschieden farbige Ringe sind, hab ich schon als Kind erkannt. Ich glaub, die
> nennt man Halo oder so, den Mondschein eben. Aber da war heute noch ein ganz anderer Ring
> um den Mond. So einer ist mir noch nie aufgefallen. Entweder ist das selten oder ich war bisher
> blind.

Das war ein 22°-Halo. Ich durfte es gegen halb eins auch bewundern, als es gerade besonders
prächtig war. Winnie hat dir den Link zu meteoros.de ja schon genannt, du darfst dort allerdings
nicht unter 'Mondhalos' suchen; die Beschreibung findet sich unter 22°-Ring.

Der milchige Wolkenschleier war kein Hochnebel, es waren Zirren (genauer ein Cirrostratus). Der
Unterschied ist wichtig, weil ein Hochnebel relativ niedrig über der Landschaft hängt und, wie
auch niedrige Wolken, aus Wassertröpfchen besteht. Scheint der Mond durch durch eine solche
dünne Wolkenschicht, bekommt er einen Hof; das ist ein heller Fleck um den Mond, in der
Regel mit einem rötlichen oder bräunlichen Aussenrand. Ein solcher Hof ist auf die Lichtbeugung
in den Wassertröpfchen zurückzuführen.

Zirren dagegen sind Wolken in grosser Höhe (bis ca. 10 km), wo es so kalt ist, dass die Wolken
aus Eiskristallen bestehen. Hier ist es die Lichtbrechung und -spiegelung in den Kristallen, die ein
Halo hervorruft. Das 22°-Halo gehört zu den häufigsten Haloerscheinungen und ist vielleicht alle
paar Monate mal zu sehen, meist ist es aber nicht so deutlich ausgeprägt, so dass man es leicht
übersieht, wenn man nicht angesichts einer leichten Zirrenbewölkung weiss, dass eventuell etwas
zu erwarten ist.

> Ich weiss nicht recht, wie ich Grössen und Abstände beschreiben soll, drum versuch ichs mal mit
> meiner Hand. Ich hab meinen Arm geradeaus Richtung Mond gestreckt. Dabei verdeckte der Nagel des
> kleinen Fingers knapp den Mond.

In der Entfernung des ausgestreckten Armes überdeckt ein Zentimeter ziemlich genau ein Grad.
Wenn dein Fingernagel einen Zentimeter breit ist, überdeckt er zweimal den Mond (Durchmesser
0.5°)

> In diesem Grössenverhältnis war eine sehr grosszügige Handbreite vom Mond entfernt ein ca. zwei
> daumenbreiter Nebelring. Kreisrund, im rundum exakt gleichen Abstand zum Mond. Hat einfach toll
> ausgesehen. Aber es gibt ja wohl kein kreisrundes Wolkenloch um den Mond *ggg* Jedenfalls bin ich
> mal wieder mehr oder weniger den ganzen Weg mit dem Kopf im Genick gelaufen, weil ich den Anblick
> so umwerfend fand.

Gemeint ist wohl eine Handlänge. Eine 18 oder 19 cm lange Hand würde gerade nicht ganz
ausreichen, die 22° Ringradius zu überdecken. Der Eindruck eines Wolkenlochs hat sich mir auch
aufgedrängt.

> Dabei fiel mir auf, dass ungefähr westlich vom Mond auf halber Strecke zum "Nebelring" noch ein
> einzelner Stern zu sehen war. Da mir aber die Umgebung zum identifizieren fehlte, kann ich nicht
> sagen, welcher das war.

Das war Saturn, der 10.5° westlich vom Mond stand.

Tschau,
Thomas
 
danke :-)

... wie immer vielen Dank für die prompten Antworten. Ich werd mir das auf dem angegebenen Link genau ansehen. Insbesondere möchte ich aber Thomas für seine ausführliche Erklärung danken :-)

Mal gucken, wann ich wieder mal so ein 22erHalo sehe. Der Anblick hat sich jedenfalls gelohnt.
Der Himmel bietet einer Laie wie mir ständig Neues :-)

In diesem Sinne wünsch ich euch alle eine klare Aussicht!
Liebe Grüsse und Danke
Bendith

 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben