Nebensonne

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randomdobson

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Hallo liebe Astrofreunde,

heute dachte ich mir doch nach einem stressigen Tag mal abends im Freibad schwimmen zu gehen und hatte das Glück eine Nebensonne (zum Norden sind) zu sehen. Zum einen finde ich es komisch, da ich dachte, diese würden sich nur im Winter / Frühjahr bilden, aber scheinbar sind einige Atmosphärenschichten derzeit kalt genug, um Eiskristalle zu bilden.

Leider konnte ich kein Foto machen, da zum einen höchstens mit dem Handy, zum anderen, weil sich sowas im Freibad nicht gehört!.

Wer aus dem Raum Oldenburg in Niedersachsen kann dies bestätigen? Gegen 20uhr.

Grüße

Thomas
 
Moin Thomas!

Nebensonnen sind zwar schön anzusehen, in Grunde aber nichts besonderes. Ich habe vorgestern Abend von meinem WoZi aus eine durch eine Wolkenlücke gesehen. Gegen 21 Uhr.
 
Hallo ihr zwei,

@Uwe: ja die zweite, von dir genannte Begründung erscheint doch am sinnvollsten, danke.

@Winnie: ja also ich muss sagen, dass ich das Glück seit dem letzten Winter 09/10 nicht hatte, und es gestern schon sehr markant und ausgeprägt war. Ich kann mich für sowas immer begeistern :).

Grüße

Thomas
 
Hi,
um ehrlich zu sein, musste ich den Begriff "Nebensonne" erstmal googlen, da ich ihn noch nie gehört hatte. Doch das angesprochene Phänomen konnte ich ebenfalls schon sehr oft beobachten. Zuletzt vor ca. 1 Woche in Ungarn, wo ich u.a. den größten/hellsten Boliden in voller Länge beoachten konnte, den ich je gesehn habe! Ich kenne mich leider mit der mag. Skalierung nicht aus und kann daher keine Angaben über Größe und Leuchtkraft machen, doch er glühte in verschiedensten Farben und war über die Hälfte des Nachthimmels zu sehen! Wirklich ein unvergessliches Erlebniss!
Doch eigntl wollte ich nicht abschweifen ;)

Wie gesagt, konnte ich am Tag zu vor eine sehr ausgeprägte Form einer/mehrerer Nebensonnen beobachten. Bisher hatte sich mir dieses Phänomen immer als "Regenbogen-Fleck" dargestellt, der entweder auf 1 oder beider Seiten der Sonne zu sehen ist. Wie ihr es wohl auch kennt. Doch bei diesem einen Mal war es anders. Es waren sehr viele Zirruswolken am Himmel. Und dadurch dehnte sich dieser "Fleck" zu einem richtigen Bogen aus! Man konnte die Krümmung erkennen und erahnen, dass dies einen Kreis um die Sonne bildet. Und als ich meine Aufmerksamkeit auf den Zenitpunkt dieses Kreises richtete, erlebte ich eine echte Überraschung! Nicht nur, dass ich erstmals an diesem Punkt ÜBER der Sonne (diese stand gegen ca. 18-19uhr schon recht tief) eine solche Nebensonne erkennen konnte (womit es ja schon 3 Nebensonnen auf einmal waren). Obendrein hat sich dieses "Regenbogen-Phänomen" noch weiter ausgeprägt! Und zwar in sofern, dass es aussah, als würde sich von dem o.g. Zenit-Punkt dieses Sonnenbogens, ein weiterer "Regenbogen" ausbilden, allerdings mit entgegengesetzter Krümmung zum herkömmlichen Bogen! D.h. er richtete sich nach oben in den Himmel - nicht wie alle anderen (Regen-)bögen nach unten zur Erde! Die Radien schätzte ich etwa gleich ein. Und auch wenn man von diesem 2ten Bogen ebenfalls nur einen kleinen Teil sehen konnte, war die Bogenform ganz klar zu erkennen! Also sah es im Grunde so aus, als würden 2 Regenbögen verkehrtherum auf einander stehen, sich in einem Punkt berrührend!
Falls nun meine Beschreibung doch etwas zu wirr ist, könnte ich eine kleine Skizze anfertigen, zur bessren Vorstellung :)
Zu ergänzen wäre wohl noch, dass ich eine recht gute Sonnenbrille aufhatte und dadurch das Schauspiel so gut beobachten konnte. Ohne diese waren lediglich die beiden Nebensonnen rechts und links leicht zu erkennen!

Ich weiss, dass sich das schon sehr merkwürdig anhört, doch ich hoffe, dass mir jmd. von euch eine kleine Erklärung hierzu geben kann, wie so etwas zustande kommt oder sogar schon ähnliche Beobachtungen machen konnte!

Falls es sinnvoller wäre, hierzu einen eigenen Thread zu erstellen, lasst es mich wissen. Ich dachte mir nur, dass es hier wohl recht angemessen wär.

alles liebe

nic
 
Wow, nach etwas Recherche hab ich tatsächlich ein Photo von meinem beschriebenen Phänomen gefunden:
http://www.radelow.ch/halo/complex05.jpg

Puuh :schwitz: bin ja schon ein wenig erleichtert, dass ich mir das nicht alles eingebildet habe und auch andere so eine derbe ausgeprägte "Nebensonne" beobachten konnten!
Aber ich wäre dennoch sehr an der Entstehung dieses Phänomens (des 2ten Bogens) interessiert, da ich im net nichts darüber finde.

alles liebe

nic
 
Das war eine Halo und wahrscheinlich ein Zirkumzenitalbogen. Ist gar nicht so selten, man muss eben nur nach oben schauen, um auch schwache Ausprägungen zu erwischen. So richtig stark farbige wie im Foto fallen freilich immer auf. Die sind aber seltener.
 
Ich danke euch für die Infos!
Eure links sind sehr hilfreich. Ja, das was ich beschrieben habe nennt man wohl Zirkumzenitalbogen. Hab mich jetzt noch etwas mehr belesen und war erstaunt wie häufig man sowas wahrnehmen kann, da es für mich das erste mal war, dass ich ausser den Nebensonnen noch eine andere Art von Halo gesehen habe.
Zwar habe ich auch versucht rauszulesen, wie diese anders gearteten Bögen entstehen, doch muss ich mir eingestehen, dass ich dafür wesentlich mehr Verständniss in der Physik von Eiskristallen brauche. Mir ist klar, dass es mit der Lichtbrechung zu tun hat. Aber warum dadurch ein Bogen entstehen kann, der von der Sonne weg zeigt, verstehe ich immer noch nicht ganz :( Oder warum die Bögen immer an der gleichen Stelle (relativ zur Sonne) zu sehen sind, immer mit dem gleichen 22 oder 46° Radius?

Der Vollständigkeit halber kann ich anhand der Infos die ich jetz habe, das Ereigniss etwas besser beschreiben:
Was ich sah waren die Nebensonnen des 22° Rings, die sich entlang des Ringes ausserordentlich weit ausdehnten, der oberer Berührungsbogen, den oberen Teil des 46° Rings und auch den Zirkumzenitalbogen, der sich ebenfalls sehr weit ausdehnte. Sie Sonne stand auf etwa 25-30°. Das ganze war ein sehr farbenprächtiges Spektakel, welches durch die vielen, wirr verlaufenden Zirruswolken noch verstärkt wurde! Ein Kenner hätte dort bestimmt sogar noch die Ansätze einiger anderer Bögen und Haloerscheinungen ausmachen können ;) Und hätte ich eine Kamera zur Hand gehabt (und nat. auch die Ahnung wie man so etwas gescheit ablichtet) wäre das wirklich ein grandioses Photo geworden!
Alles in allem, kommt das von mir oben gepostete Photo meiner Erscheinung am nähesten, allerdings war jeder einzelne der Bögen noch um einiges breiter und farbenreicher. In seiner Ausdehnung der 22° und 46° Ring nicht so weit ausgeprägt, dafür aber der Zirkumzenitalbogen um so weiter!

Einen Dank nochmals für eure Aufklärung! Bin nun wieder etwas schlauer :)

alles liebe

nic
 
> Aber warum dadurch ein Bogen entstehen kann, der von der Sonne weg zeigt, verstehe ich immer noch nicht ganz

Ich versuchs mal mit einer einfachen Antwort. Es geht hier um secheckige Eiskristalle (Blättchen oder Säulen), die in der Luft schweben. Das Sonnenlicht tritt in diese Kristalle ein, wird ein paar mal totalreflektiert und tritt an einer anderen Stelle wieder aus. Da die Kristalle alle anders orientiert sind, treten die Stahlen in unterschiedlicher Orientierung ein. Also in Bezug auf eine Seite des Sechsecks in verschiedenen (allen möglichen) Winkeln.

Für jede dieser Eintrittswinkel ergibt sich ein anderes internes Refelxionsmuster, und eine andere Austrittsstelle. Eben deshalb, weil die interne Reflexion immer unterschiedlich verläuft, gibt es Häufungen von Austrittspunkten. Und das sind 23° und 46°, bezogen auf den Eintrittswinkel. Es gibt auch alle anderen Austrittspunkte, aber schwächer. Diese ergeben die allgemeine Himmelsaufhellung der Zirren.

Nur wenn die Häufung in unsere Sichtlinie zeigt, sehen wir sie als Aufhellung. Deshalb die Häufung z.B. 23° neben der Sonne. Wenn die Plättchen alle waagerecht schweben (dafür spricht einiges), sind es "nur" Nebensonnen. Wenn zumindest ein erheblicher Teil auch gedreht in der Atmosphäre ist, bekommen wir einen Ring und Nebensonnen (weil das waagerechte Schweben dennoch die bevorzugte Lage ist).

Diese Lichtbrechung im Prisma (und nix anders sind die Sechsecke) ist natürlich von der Wellenlänge abhängig, so dass die Wellenlängen aufgespalten werden. Deshalb der Regenbogeneffekt.

Der Zirkumzentotalbogen entsteht wahrscheinlich etwas anders, aber das weiß ich jetzt aus dem Kopf nicht.
 
Wow, ich danke dir Uwe!
Das ist so ziemlich die Nachhilfe in Sachen optischer Physik, die ich gebraucht habe, um das Ganze etwas besser zu verstehen!

Zitat von UwePilz:
Eben deshalb, weil die interne Reflexion immer unterschiedlich verläuft, gibt es Häufungen von Austrittspunkten.

Doch wenn die Reflexionsmuster und die Lage der Kristalle immer unterschiedlich ist, wieso gibt es dann derartige Häufungen, die IMMER gleich sind? Ich hatte diesen gleichen Abstand der Nebensonnen bisher immer mit dem Abstand der Sonne zur Erde in Verbindung gebracht.

alles liebe

nic
 
Moin!

> Doch wenn die Reflexionsmuster und die Lage der Kristalle immer unterschiedlich ist, wieso gibt es dann derartige Häufungen, die IMMER gleich sind?

Lies bitte auch mal unter den Links weiter, die man Dir hier gibt! Bei Meteoros.de wird die Entstehung der Lichtbögen erklärt. Die Lage der Kristalle spielt dabei nämlich eine wesentliche Rolle.
http://www.meteoros.de/halo_so/eis.htm

Denk dran, hier sitzen keine Meteorologen, die Du löchern kannst, sondern Hobby-Astronomen!
 
Zitat von Psi0Nic:
Doch wenn die Reflexionsmuster und die Lage der Kristalle immer unterschiedlich ist, wieso gibt es dann derartige Häufungen, die IMMER gleich sind?

Die Lage der Plättchen bezüglich der flachen Seite (einer der Sechseckseiten) ist ungeordnet und damit ist kein Eintrittspunkt bevorzugt. Wenn man ein Computerexperiment machte, wo man Strahlen in den Kristall schickt, und dabei den Eintrittswinkel in kleinen Schritten, z.B. 1/10° ändert, dann ergibt sich für jeden dieser Strahlen ein anderer interner Verlauf. Manche werden nur einmal totalreflektiert, andere mehrmals, und der Austrittswinkle ist auch immmer anders. Diese ganzen Ergebnisse kann man über dem Austrittswinkel auftragen. Dabei ergeben sich ("is eben so") Häufungspunkte.
 
Ich habe noch einmal nachgesehen. Die für mich schlüssigsten Erklärungen stehen im Wolkenatlas :
22°-Halo: Zur Entstehung werden säulenförmige sechseckige Kristalle benötigt, die wilkürlich orientiert sind. Bei einem Winkelabstand von 22° sehen wir eine Helligkeitszunahme - selbst bei großen Änderungen des Einfallswinkel ergibt sich nur eine geringe Ablenkung der gebrochenen Lichtstrahlen.
Nebensonne: Plättchenförmige Eiskitsalle, die horizontal in der Luft schweben . Es gibt eine zwemalige Brechung, keine interne Reflexion, Austritt an der übernächsten Seitenfläche. Hier wird eine Computersimulation gezeigt, wie ich oben andeutette. Sehr erhellend.
Zirkumzenitalbogen: Auch hervorgerufen durch horizontale Plättchen, deshalb lohnt es sich, bei Nebensonnen danach zu schauen. Wieder ist eine Zeichnung und ein Simulationsergebnis im Buch:
Link zur Grafik: http://kometen.fg-vds.de/I/zzb.jpg
 
Auch wenns etwas länger dauerte, bedanke ich mich nochmals für eure hilfreichen Infos!

@ Micha: Mir war schon klar, dass diese Fragerei sehr grenzwertig ist, in einem Astronomieforum, jedoch haben mich einfach ein paar Basics zu dem Thema sehr interessiert, da ich eben selbst erst kurz zuvor ein ausserordentliches Halophänomen beobachtet habe und dann obendrein auch noch ein passender Thread aktiv war. Und zu tief wollte ich in diesem Thread gar nicht eindringen :)
Und btw, mit diesem einen "meteors.de" link hatte ich mich am ersten abend bereits zwischen 2-3 Std. beschäftigt (NUR mit dem einen) und habe dabei auch die von dir gepostete seite (über die Eiskristalle) gesehn. Doch wurde ich einfach nicht richtig schlau draus, deshalb meine Nachfrage. Denn es hatte leicht den Anschein, als würde mir unterstellt ich würde mich nicht mit den links befassen, die man mir zur Info gibt!

@ Uwe: Ja, mit dem "Is eben so" muss/kann ich dann leben :) bzw. so nach und nach wird mir das Thema klarer. Auch wenn ich mir die Entstehung des Zirkumzenitalbogens im Detail immer noch nicht so recht ausmalen kann. Genaugenommen ist es nur die andersgeartete Krümmung, die mich verwirrt.
Ein 22° oder 46°-Kreis erscheint ja plausibel (mir der Sonne als Mittelpunkt), doch warum es Bögen gibt (deren vervollständigter Kreis) einen anderen Mittelpunkt hat (wie die Lichtquelle) begreift mein Verstand immernoch nicht :D Sowas sieht man eben sonst nirgends (glaub ich).
Das soll nun aber wirklich nicht mehr eure Sorge sein, es sei denn ihr WOLLT mich weiter aufklärn :D

Abschließend kann ich nur sagen, dass mich dieser Thread sehr bereichert hat, in vielerlei Hinsicht. Und ich werde in Zukunft wesentlich aufmerksamer auf allerlei Haloerscheinungen sein und demnach auch mal öfter zum Zenit hochschaun, wenn sich Nebensonnen zeigen.

Danke an Alle!

alles liebe
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Moin!

> Mir war schon klar, dass diese Fragerei sehr grenzwertig ist

Ja, es ist ja alles kein Beinbruch. Zweckdienlicher wäre es IMO aber gewesen, Du hättest Dich bei den Kollegen von Meteoros eingeklinkt, denn die sind bei solchen Wetterphänomenen einfach mehr in der Materie drin als wir Hobby-Astronomen.
 
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