Neptun am Taghimmel

#1
Hallo zusammen!

Nachdem es mir im Januar gelungen ist, Uranus am Taghimmel aufzusuchen, fehlt mir als letzter Taghimmel-Planet nur noch Neptun.

Dies soll ein Aufruf an andere visuelle Beobachter sein, die sich nicht davor scheuen im Sommer noch vor der Morgendämmerung aufzustehen. Und solche, die auch einen möglichen Misserfolg nicht scheuen. :biggrin:

Das ganze stelle ich mir so vor:
Wir werden Neptun noch vor der Morgendämmerung aufsuchen und dann versuchen, ihn bis nach Sonnenaufgang so lange wie möglich im Okular zu halten.

Die Leichtigkeit, mit der ich Uranus gefunden habe, hat mich zu dieser sportlichen Aktion angespornt. Neptun ist natürlich eine wesentlich härtere Nuss als Uranus, andererseits geht es hier um eine morgendliche Beobachtung, d.h. die größte Schwierigkeit, das Auffinden am Taghimmel, fällt weg. Es geht nur um das Halten im Laufe der Morgendämmerung.

Ich habe den Kontrast zwischen Neptun und dem Himmelshintergrund berechnet. Die Grafik zeigt zum einen den Kontrast ohne Verwendung eines Polfilters und zum anderen mit Verwendung eines Polfilters.



Folgende Bedingungen liegen der Grafik zugrunde:

- Sonne 2° über dem Horizont

- max. Polarisationsgrad von 70% (Der max. Polarisationsgrad tritt im Abstand von 90° von der Sonne auf. Bei kleinerem oder größerem Abstand von der Sonne verringert sich der Polarisationsgrad. Dies ist in meiner Simulation berücksichtigt. Kürzlich habe ich den Polarisationsgrad für meinen Beobachtungsplatz selbst gemessen. Ergebnis: 71 %)

Das Auge kann ein Objekt ab einem Kontrast von etwa 2 % wahrnehmen, wobei natürlich die Größe des Objekts eine wesentliche Rolle spielt.

Hier noch ein paar Tipps zur Beobachtung:

- Teleskop: Alles ab ca. 8 Zoll sollte ausreichen, größer ist natürlich besser. Ich werde meinen 18-Zoll-Dobson verwenden.

- Vergrößerung: Möglichst stark! Mindestens 200fach. Ich selbst werde mit 330fach dran gehen.

- Filter: Polfilter verwenden (ganz wichtig)! Noch vor der Morgendämmerung einschrauben.

- Okular oder Filter nicht mehr wechseln sobald die Dämmerung eingesetzt hat. Sonst findet man u.U. den Fokus nicht mehr.

- Wann beobachten? Möglichst im Maximum der Kurve, also am Wochenende 09./10. Juni oder 16./17. Juni. An anderen Wochenenden wird's schwerer.

Würde mich freuen, wenn sich mir noch ein paar Hartgesottene anschließen würden.

Gruß
Wolfgang
 
#2
Das Interesse der Forengemeinde lag zwar bisher bei 0,0. Trotzdem möchte ich kurz über den Zwischenstand des "Projekts" informieren.

Seit dem Wochenende des 26.05.18 warte ich auf passende Wetterbedingungen. Es ist aber wie verhext. Es herrschten werktags immer mal wieder sehr gute Bedingungen, aber nie am Wochenende. Wegen meiner Arbeit funktioniert das aber leider nur an Wochenenden.

Das Optimum der Kurve ist mit diesem Wochenende bereits überschritten. Nächstes Wochenende wäre auch noch O.K., dann geht es mit dem Kontrast aber schon deutlich nach unten, sodass die Chancen immer geringer werden. Das hieße ein ganzen Jahr warten. ;(

CS
Wolfgang
 
#3
Hallo Wolfgang,

Du bist nicht allein, auch wenn sich nicht immer alle mit ihrem Interesse outen.

Zu deinen Tips würde ich unbedingt noch "Beide Augen nutzen" hinzufügen, ==> Binoansatz. Allein der Gewinn an "Natürlichkeit" wenn das Hirn nicht mit sehr unterschiedlichen Reizen der beiden Augen umgehen muss halte ich für wichtig.

Fokus korrekt einstellen und halten, ist natürlich aüßerst wichtig. Nochmal mehr wenn nix einfaches zu sehen ist wo sich das Auge dran festhalten könnte.

Grüße, Martin
 

Kerste

Mitarbeiter
#5
Hi!

Ich hatte deinen Vortrag auf dem TAN gehört, daher gibt's hier kaum was anzumerken. Nur eines vielleicht: Fü Beobachtungen am Taghimmel wird ja gerne ein Rotfilter empfohlen (der das Himmelsblau rausfiltert). Hast du damit auch schon mal experimentiert, oder ist der Polfilter generell besser?

Beste Grüße und viel Erfolg,
Alex
 
#6
Leider war bisher kein Wochenende klar genug, um einen Versuch zu starten. Das Maximum der Sichtbarkeit ist schon seit 2 Wochen überschritten. Noch ist die Chance aber nicht vorbei. Am kommenden Wochenende bin ich unterwegs und kann wieder keinen Versuch starten. Frustrierend!

Alex, einen Versuch mit Rotfilter habe ich noch nicht gemacht. Fest steht aber: Die Kontraststeigerung mit Polfilter ist enorm. Wenn der Planet an einer günstigen Stelle steht (90° von der Sonne entfernt), dann ist die Polarisation maximal und man sieht den Himmel durchs Okular schon eher in einem dunkelgrau als in einem satten blau. Drüber hinaus bringt ein Rotfilter aller Voraussicht nach nichts. Anders sieht es wahrscheinlich in Himmelsarealen mit geringer Polarisation aus (z.B. an der Position des Polarsterns). Da kann ich mir schon eine bessere Wirkung durch einen Rotfilter vorstellen.

Gruß
Wolfgang
 
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Kerste

Mitarbeiter
#7
Hi!

Stimmt, du planst ja immer den Sonnenabstand mit ein. Ich war mir nicht sicher, wie dunkel der Polfilter den Himmel wirklich macht im Vergleich zum Rotfilter (ich weiß nur, dass er am Weitwinkelobjektiv der Kamera ganz gerne mal stört, weil der Himmel deutlich unterschiedlich gefärbt ist, habe es aber noch nie am Teleskop ausprobiert). Und was ich so bislang zu dem Thema gelesen hatte, war immer "Rotfilter für Tagbeobachtung"; den Polfilter habe ich dafür erst durch dich kennen gelernt.

Viel Erfolg! Ich habe gerade auch das Problem, dass ich entweder unterwegs bin oder am nächsten Morgen raus muss, wenn es klar ist. Grmpf.

Beste Grüße,
Alex
 
#8
Hallo Alex!

Das Beobachtungsoptimum ist sowieso dann gegeben, wenn der Planet in einem Abstand von ca. 90° zur Sonne steht und mit Sonnenaufgang gerade kulminiert. Insofern hilft ein Polfilter für diese Art von Beobachtungen automatisch. Man braucht sich über die Wirksamkeit gar keine Gedanken zu machen. Er wird zur Beobachtung von Neptun oder Uranus am Tag immer besser sein als ein Rotfilter.

Falls die Wolken bis heute Abend noch abziehen, werde ich mal den Polarstern mit Orangefilter aufsuchen und mit der Ansicht ohne Filter vergleichen. (Habe keinen Rotfilter; Polfilter bringt an der Position Null)

Gruß
Wolfgang

 
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Kerste

Mitarbeiter
#9
Hi!

Ja, du hast da einen Spezialfall mit den Planeten - ich habe mich bislang nur an Albireo bei Tag versucht. Mal sehen, wann ich wieder bei Tag auf unsere Sternwarte komme und rumexperimentieren kann.

Viel Erfolg,
Alex
 
#10
Hi!

Albireo bei Tag ist sehr schön. Da würde ich mir aber ungern die Farben mit Rotfilter verhunzen. Überhaupt Doppelsterne! Letzten Mittwoch habe ich noch Alkor und Mizar mit meinem kleinen Rucksackteleskop (114/450er Skywatcher auf Fotostativ) bei 50fach beobachtet. Alkor tauchte allerdings erst kurz vor Sonnenuntergang auf (Sonne ca. 3° über dem Horizont). Merkur ging am selben Tag auch einigermaßen, war aber schwerer (und gefährlicher) als Mizar. Abstand zur Sonne nur 16,5°.

Sirius ist auch gut. Der einzige(?) nicht zirkumpolare Stern, den man schon mit kleinem Gerät ganzjährig beobachten kann. Aktuell beste Beobachtungszeit (Kulmination): ca. 13:30 Uhr. Ca. 40° südlich von der Sonne. Superhell!

CS
Wolfgang

 
#11
Hi!

Völlig d'accord:) Aber für deine Verhältnisse war das eh viel zu leicht - fest aufgestelltes 6"-Teleskop mit Teilkreisen und Nonius-Skala am Okularauszug, da war kein Filter nötig :smiley61:

Da arbeitest du schon auf einem anderen Level - Venus auf dem TAN "einfach so" bei Tag einstellen war schon eindrucksvoll, auf die Idee muss man erstmal kommen :respekt2:

Beste Grüße,
Alex
 
#12
Bei voller Mittagssonne gilt:

"Einfach so", also nur über Faust oder Hand gepeilt, funktioniert nur bei Venus.(Fernglas)

Sterne bis 2 mag gehen noch mit Kompasspeilung und kleinem Gerät auf Fotostativ.

> 2 mag erfordert "härtere Maßnahmen".

Kurz vor Sonnenuntergang geht natürlich deutlich mehr.
 
#13
Moin Wolfgang,

Deine Tagesaktionen erfordern schon richtig viel Erfahrung. Hätte ich einen Hut, müsste ich ihn ziehen.

Ich spiele da eher in der Kreisklasse. Vor 3 Jahren habe ich aus "sportlichem" Motiv mal die Venus tagsüber mit einer Kompktkamera und normaler Brennweite aufgesucht und abgelichtet - wohlgemerkt nicht im Hochgebirge, da ist das ja eher einfach.

https://flic.kr/p/KJ9UWc

Aufnahmedaten sind im Exif

Gruß Helmut
 
#14
Hallo Helmut,

Venus mit Kompaktkamera! Sehr gut!

Ich habe nochmal kurz recherchiert. Beim ITV 2017 konnten wir die Venus am Taghimmel extrem klar mit bloßem Auge sehen.

Die Bedingungen waren allerdings auch optimal: Schönwetterkatastrophe / -4,4 mag / 45° Abstand zur Sonne

Gruß
Wolfgang
 
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#15
Mit freiem Auge habe ich sie auch gesehen, sonst hätte ich sie mit meinem Fotostatv ja gar nicht gefunden. Das Kameradisplay ist dafür auch völlig ungeeignet.

Helmut
 
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#17
Hat übrigens leider nicht geklappt. An den passenden Wochenenden hat das Wetter einfach nicht mitgespielt. In der Nacht vom 7. auf den 8. Juli hatten wir eine schöne Beobachtungsnacht inkl. Neptun. Leider wurde es morgens sehr dunstig, sodass wir noch vor Sonnenaufgang abgebrochen haben. Sonst hätte ich es nochmal probiert, obwohl das Optimum längst überschritten war.

Nächstes Jahr neuer Versuch!

CS
Wolfgang
 
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Neustes Astronomie Foto

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