Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achromaten

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Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Zum Thema Apo:
Der soll hier nicht schlecht geredet werden.
Ein APO ermöglicht eben (gegen erheblichen Preisaufschlag) eine kürzere Brennweite /Bauweise bei sogar besserer Farbkorrektion als ein langbrennweitigerer Fraunhofer.
Bringt halt was für blaue Farbkontraste, Ästhetik und Wide-Field-Deep-Sky, aber eben bei gleicher Öffnung nicht unbedingt mehr an Auflösung.
Wenn ich im Lotto gewinne, würde ich auch einen 12´´ Apo anschaffen.
Mir hat aber die Beobachtung mit einem historischen unvergüteten 12´´ f/12 Fraunhofer schon gereicht. War das beste , was ich je vor dem Auge hatte bei MArs und Jupiter.


C.S.

Roger
 
Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Lieber zzzip,

Persönlich fände ich es recht spannend zu erfahren was der Titel "Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achromaten" mit dem Geschriebenen zu tun hat.

Antwort:
Sinn des Beitrages ist es, die Annahme zu widerlegen, daß der Farbfehler eines Fraunhofer eine Auflösungs- und Kontrastverminderung bewirkt. Es bestand immer eine Diskrepanz zwischen der praktischen Erfahrung (daß dem nicht so ist) und der falsch begründeten bzw. unvollständigen "Theorie", daß die Auswirkungen des Farbfehlers so stark sein müssen, daß eine beugungsbegrenzte Abbildung innerhalb der Schärfentiefe garnicht möglich ist.

Wenn ich aus meiner Sicht zusammenfassen darf, steht in dem Posting an Fakten doch nur, dass Taylor auf experimentelle Weise Gründe dafür gefunden hat warum Fraunhofer als weniger schlecht empfunden werden, als sie rechnerisch, nach den Methoden der geometrischen Optik, sein müssten.

Antwort:
Taylor hatte zu seiner Zeit nicht die Möglichkeit, seine experimentellen Befunde der erweiterten Schärfentiefe zu beweisen. Dazu hätte es schon des Computers bedurft. Der "Beweis" ist als computerberechnetes Bild des Fokusverlaufs im Suiter (Star Testing Astronomical Telescopes) S. 188 ganz oben. Dort sieht man den erweiterten, zylinderförmig verlaufenden Schärfentiefebereich.
ußerdem hat Taylor die spektrale Augenempfindlichkeit und die "Fokuswahl" durch das Auge mit berücksichtigt, die die visuelle Wahrnehmung/Auswirkung des Farbfehlers weiter verringern.

Gegeben die Aussagen der ebenfalls angegebenen Biographie über Taylor, passt das doch auch sehr schön in's Bild, da der Gute sein Handwerk ja als Kunst verstanden haben muss, wegen des ständigen Zwangs Kompromisse eingehen zu müssen. Da ist es doch ausgesprochen naheliegend sich das Design der damaligen Messlatte genauer anzuschauen und die besten Möglichkeiten für Kompromisse zu identifizieren.

Antwort:
praktische Optik ist seit Galilei eine "Kunst", in der Theorie, zur Verfügung stehende Materialien und Bearbeitungstechniken, praktischer Bedarf/Machbarkeit und betriebswirtschaftliche Erwägungen zu einem Kompromiß zusammengeführt werded müssen.
Die "Kunst" besteht darin, entweder alle o.g. Anforderungen in einer Person (Clark-Dynastie) oder in einer Gruppe(Fraunhofer-Reichenbach; Cooke&Sons-Taylor; Abbe-Zeiss-Schott) vereint zu finden. Taylor war in dieser Hinsicht (fast) "komplett", da er Theorie, Entwurf, Fertigung und praktische Erfahrung in bestmöglicher Form vereinigte.

Ebenfalls könnte man bei der Lektüre der Biographie auf die Idee kommen, dass Taylor sich der schlechten Abbildungsleistung von FHs bei fotographischen Anwendung sehr bewusst war, und gezielt nach Optionen gesucht hat wo visuell Kompromisse gemacht werden können, um die Farbfehler auf Fotographien zu reduzieren. Man darf ja nicht vergessen, dass seinerzeit noch keine Farbfotographien existierten und der Farbfehler bei blauempfindlichen Emulsionen schlicht als Unschärfe in Erscheinung trat.

Antwort:
Stimmt. Wenn Du den Beitrag zu Ende gelesen hast, wirst Du auch die Bemerkung sehen, daß der Farbfehler in der Photographie bei einer im Gegensatz zum Auge ungefähr linearen Spektralempfindlichkeit 10...100mal stärker in Erscheinung tritt und damit katastrophal ist.
Außerdem ermöglicht ein 3-Linser (Triplett) zusätzlich die Korrektion erheblich größerer Bildfelder, wie Sie für die Photographie mit großen Platten damals nötig waren.
Geht aber an der Intention des Artikels vorbei, da es hier ausschließlich um die visuell wahrgenommenen Auswirkungen des Frabfehlers geht.

* Wenn denn der FH Achromat so toll ist, warum hat man dann den Apochromaten entwickelt? Das ist keineswegs eine rethorische Frage, denn der Apo leidet unter den selben mechanischen Problemen wie der Achromat, erlaubt also auch keine grösseren Öffnungen zur Steigerung der Auflösung, sondern erreicht diese durch Eliminierung des Farbfehlers.

Antwort (s.o.):
Der Apochromat wurde erst für die Photographie (s.o.) und wegen des Strebens nach Perfektion (und möglicherweise auch wegen des überschätzten Einflusses des Farbfehlers auf die visuelle Auflösung) entwickelt.
Welche "mechanischen" Probleme meinst Du???
Die Elimierung/Verringerung des Farbfehlers bei einem Apo bringt von der Auflösung eher wenig Vorteile.
Die Vorteile des Apos liegen eher in kurzer Bauweise, Vermeidung der ästhetisch störenden Blausäume und besserem Farbkontrast für blaue Details
Auch Zeiss hat manchmal aufgrund falscher Annahmen oder unvollständiger Theorie "Fehler" gemacht.

Wie kommt es dann bloss, dass ausgerechnet Apos die Fähigkeit zum exakten Fokussieren nachgesagt wird. Wenn die Tiefenschärfe so gross ist, müsste doch der Fokus innerhalb eines weiten Bereichs stimmen.

Antwort:
Die Schärfentiefe ist für alle telskop-Formen unabhängig von der Ausführung der Optik als Achromat/Apochromat/Spiegel, sondern nur vom Öffnungsverhöltnis.
Da Apochromaten häufig schnellere Öffnungsverhältnisse haben, ist der Schärfentiefebereich dort naturgemäß (s.o.) kleiner, so daß man das Gefühl hat, daß der Fokus klarer definiert ist, weil man mit geringsten Drehungen am Fokussierrad sich zwischen scharf und unscharf bewegt.
Dies liegt aber wie gesagt am i.d.R. schnelleren Öffnungsverhältnis und nicht in erster Linie an der Apo-Eigenschaft.
Man kann einen vergleichbaren Effekt mit einer Spiegelreflexkamera und einem lichtstarken Objektiv beobachten. Wenn die Blende ganz auf ist, "springt" das Bild bei geringsten Fokussierbewegungen von scharf auf unscharf. Blende dann man manuell auf f/16 ab und beobachte, was beim Fokussieren passiert. Es scheint jetzt, als ob der Fokus viel "unklarer" definiert, obwohl die Linsen ja noch die gleichen geblieben sind. Liegt eben nur an der Blende, hat aber mit APO oder FH nix zu tun.

* Die Grösse des Beugungsscheibchens hängt vom verwendeten Kriterium ab, z.B. Rayleigh, Airy, ... Welches wurde hier verwendet und warum?

Antwort:
Die (Winkel-)Größe des Beugungsscheibchens hängt nicht von einem Deiner genannten Kriterien ab, sondern nur von der Wellenlänge des Lichtes (hier: 550 nm) und dem Durchmesser der Öffnung.
Der lineare Durchmesser des Beugungsscheibchens im Brennpunkt hängt nur von der Öffnungszahl ab.
Du verwechselst das vielleicht mit den verschiedenen "Auflösungskriterium".


Damit müßte ein 100mm Refraktor bereits eine Blendenzahl von 36 haben...
Irgendwie habe ich immer ein Öffnungverhältnis von 14.4 im Hinterkopf. Kann es sein, dass beim Umformen der Gleichungen auf moderne Dimensionen (zöllig vs. metrisch) irgendwo der Faktor 2.5 verlogen gegangen ist? 36 / 2.5 = 14.4

Antwort:
Wenn Du den Beitrag aufmerksam liest, wirst Du feststellen, daß es keinen festen Wert für die Mindest-Blendenzahl eines FH für ausreichende Achromasie gibt.
Die Aussage "ein FH muß mindestens f/15 haben" ist sowohl nach der geometrischen Optik (N~D) als auch der Wellenoptik (N~D^1,6) Quatsch.
Die Mindest-Blendenzahl für Achromasie hängt nur vom Durchmesser des Objektivs ab, wie ja im Beitrag einmal aus der (falschen) geometrischen Optik abgeleitet und einmal aus der wellenoptischen Beobachtung, die eine andere Potenz und Konstante ergibt.
Die Umrechnung von Zoll in metrische Einheiten beherrsche ich übrigens.

...wellenoptische Fraunhofer-Bedingung N(min)= (0,025*D)^1,67
Da ergibt sich jetzt aber ein kleines Problem, denn die Blendenzahl hat damit eine Dimension, nämlich m^(5/3). Welche Entsprechung hat das in der Realität?

Antwort:
Bitte noch einen Satz nach der Formel weiterlesen.
Dort steht, D in Millimeter zu nehmen.
Die Formel ist eine "zugeschnittene Größengleichung" und wurde von mir der Einfachheit und Darstellbarkeit als Text bereits für Millimeter-Einheiten zugeschnitten.


Zitat:"Komisch, daß sich die Astronomen auf Mount-Hamilton und an den anderen Refraktor-Sternwarten vor 100 Jahren nicht beschwert haben über ein Gerät, daß 17mal lichtstärker ist, als es die klassische Fraunhofer-Bedingung fordert !?"

Effektiv haben sie das doch! Refraktoren solcher Bauart hatten Blenden vor dem Objektiv, mit denen die Beobachter den Kompromiss Farbfehler gegen Lichtstärke für die jeweilige Beobachtung optimieren konnten. Die komischen Stangen, die man an den Aussenseiten solcher Refraktoren immer sieht, sind die "Fernbedienung".

Antwort:
Da irrst Du.
Eine Iris-Blende vor der Optik hat vor allem Percival Lowell in Flagstaff benutzt, in der irrigen Annahme, daß durch geringeren Einfluß des Seeings bei Abblendung der Optik mehr Details (auf Mars) zu sehen sind.
Er ist damals von mehreren Kapazitäten widerlegt worden (u.a. Barnard) und bis heute gilt: mehr Öffnung gibt mehr Auflösung -auch bei schlechtem Seeing.
Die Irisblende war mal eine Art Modeerscheinung Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts an großen Refraktoren, die in der Praxis aber praktisch nie (außer für die Photographie oder zur Ausblendung fehlerhaft geschliffener Randzonen des Objektivs z.B. beim Potsdam-Refraktor) eingesetzt wurde!

Zitat "... - Fraunhofer-Achromate, die die modifizierte wellenoptische Achromasie-Bedingung (gerade) erfüllen, sind nicht farbneutral!
Sie haben weiterhin einen blau-violetten Hof um alle hellen Objekte. Dieser wirkt sich aber eben nicht (bzw. viel geringer als meist vermutet) auflösungs- oder kontrast-verschlechternd aus. Die blau-violetten Höfe sind mehr ein ästhetischer Störfaktor als ein Auflösungskiller.
- Taylor schreibt allerdings ganz klar, daß das sekundäre Spektrum zwar kaum Verlust an Details-Erkennbarkeit, aber sehr wohl einen Verlust an Farbkontrast bedingt. Schwache Farbkontraste werden also sehr wohl verschmiert, nicht aber die Objektdetails."


Genau das ist doch der Punkt, an dem sich die Diskussion um die Detailerkennbarkeit immer wieder entzündet: Zahlreiche spannende Details beim Jupiter machen sich gerade im blauen Spektrum bemerkbar und sind daher besonderes von der fehlenden Farbreinheit betroffen. Der Farbfehler produziert ja eben nicht nur Höfe um die Sterne oder am Rand des Monds, sondern verwischt Details über das gesamte Gesichtfeld, auch wenn dadurch die Farbbalance des Objekts insgesamt nicht beeinträchtigt wird.

Antwort:
Bitte genau lesen.
Der Farbfehler verwischt eben keine Objekt-Details und Objekt-Kontraste!
Er vermindert nur (leicht) blaue Farbkontraste.
Bispiel:Die beste Jupiterbeobachtung, die ich je gemacht habe, war am historischen 30/36cm-Doppelrefraktor am Observatorium Hoher List. Das sah aus wie auf Voyager-Bildern mit Strukturen auch auf den Jupitermonden (!) etc.
Vom Farbfehler oder fehlenden Blaukontrasten habe ich da nichts bemerkt.

Desweiteren möchte ich noch wissen, wie die Aussage zustande kommt, dass die Beobachter mit einem 10 mal schnelleren Lick Refraktor zufrienden waren, (nach Wellenoptik, die wiederum fast doppelt so schnell wie nach Fraunhofer ist) also in welcher Relation der Faktor 10 mit der Zufriedenheit steht.


Antwort:
Ich verstehe die Frage nicht ganz. Der Lick-Refraktor wurde von Leuten wie E.E.Barnard, S.W. Burnham.... bis nah an die Grenze seiner theoretischen Auflösung gebracht.
Das gute Seeing auf Mount Hamilton kommt natürlich noch dazu.
Deswegen habe ich auch den Lick- und nicht den Yerkes-Refraktor als Extrembeispiel genommen (Barnard hat es sein Leben lang bereut, von Lick nach Yerkes gegangen zu sein).

Es geht darum, daß auch diese Leute sich nie über den Farbfehler "beklagt" haben, weil er eben auch bei einem Gerät, das um den Faktor 10 von der (wellenoptischen) Achromasie-Bedingung entfernt ist, kaum kontrast- und auflösungsverschlechternde Wirkung zeigt.
Taylor hat eben ausgerechnet, daß selbst beim Lick nur 27% des visuell wahrgenommenen Lichtes nicht im inneren Beugungsscheibchen landen.
Das habe ich übrigens auch mit einer modernen Augenempfindlichkeits-Kurve in einer Excel-Tabelle nachgerechnet und bin zum (fast) gleichen Wert gekommen.

Das würde einem (visuellen) Strehl-Verhältnis von (100%-27%)=73% entprechen, un das bei einem Gerät, daß (visuell) um den Faktor 10 die modifizierte Achromasie-Bedingung überschreitet!

Das "Rennen" um immer größere Refraktoren vom 17. bis Ende des 19. Jahrhunderts hätte ja nie stattgefunden, wenn schon bei Fraunhofers Original-Refraktoren der Farbfehler so
auflösungsverschlechternd gewesen wäre, daß es keinen Sinn mehr gemacht hätte, größere Refraktoren zu bauen.
Man hat sich ja schrittweise zu immer größeren Refraktoren "hochgearbeitet", weil man merkte, daß sich der Farbfehler eben garnicht so schlimm auswirkt, wie es die geometrische Optik vorhersagt.
Es konnte den Optikern damals ja auch egal sein, welcher unbekannte Faktor den Refraktor in der Praxis vor den (visuellen) Auswirkungen des Farbfehlers bewahrte.

Aber seit 100 Jahren kennt man nun die Ursache und hat sie anscheinend wieder vergessen.
Das war -um an den Anfang Deiner Antwort zurückzukehren- der Grund für diesen Beitrag.


Darf man daraus ableiten, dass ein 2-linsiger 10cm Refraktor mit f2.5, also 6x schneller als nach Fraunhofer (20^(3/5)), befriedigende Abbildungen liefern sollte?

Antwort:
Nein. Weil dann sphärische Aberration, Koma, Astigmatismus und mechanische Ausführung (Zentrierempfindlichkeit) nicht mehr tolerierbar sind.

Viele Grüße und C.S.

Roger
 
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Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Noch was zu "Kometensucher"-Achromaten (N<=5):

Man sollte aus dem Beitrag nicht den Schluß ziehen, daß man nun
bedenkenlos zu den lichtstarken Achromaten greifen kann.

Auch wenn der Farbfehler bei "ultralichtstarken" Fraunhofern die Auflösung nicht unbedingt versaut, gibt es natürlich andere
Überlegungen, warum ein "Kometensucher" sein theoretisches Auflösungsvermögen nicht erreichen kann:

- Sphärische Aberration, Koma und Astigmatismus sind ab gewissen Lichtstärken nicht mehr ausreichend korrigierbar. Insbesondere die sphärische Aberration ist aber das wichtigste Qualitätskriterium zur Erreichung der beugungsbegrenzten Abblidung

- Schliff, Zentrierung und Kollimierung werden immer schwieriger bis unmöglich

- Kleinste Abweichungen der Glasschmelze von den "Katalog-Daten" ergeben bei großen Lichtstärken untolerierbare Fehler


Ich drücke es also noch mal anders aus:

Wer sich einen Refraktor zulegen möchte, sollte sich bei vorgegebenem Budget:

1.) die größte Öffnung zulegen von einem Hersteller, der eine akzeptable Fertigungsqualität erwarten läßt.
2.) die dafür dann längste Brennweite wählen, die seine Montierung schwingungsfrei trägt. Im Zweifelsfall lieber große Öffnung und (moderat) kurze Brennweite, als kleine Optik mit langer Brennweite
3.) sich den Spaß am Refraktor nicht durch Blausaum-Theoretiker vermiesen lassen

(Punkt 3. gilt natürlich auch für Schon-Refraktor-Besitzer)


C.S.

Roger Leifert
 
Re: Artikel


"Zur Qualität des Bildes astronomischer Objekte bei der Abbildung
durch Schmidt-Cassegrain-Teleskope unter besonderer Berücksichtigung
des Vergleiches zu sogenannten kurzen Fraunhofer-Achromaten mit
Öffnungszahlen N<10 und Apochromaten beliebigen Öffnungsverhältnisses
sowie obstruierten Spiegelteleskopen der Bauarten nach Newton,
Maksutow und Cassegrain mit N>10 und N<10 und obstruktionsfreien
Systemen mit einem (Herschel), zwei (Kutter, Yolo) oder mehr
Spiegeln, nebst diversen Zusätzen betreffend die Systeme nach
Gregory, Schmidt und Schupmann"


- erschienen zu Berlin am 25.04.2005 -


Jedes Fernrohr hat seinen Himmel(1)[1,2,3,4,5,6,7,8,9,10,11,12,13].

____________
(1) Sorry, we can't guarantee that the most recent image of each
type was obtained in the last 24 hours: curious agglomerations
of water vapor and dust called clouds sometimes appear over
observatories on Earth[...]
(http://umbra.nascom.nasa.gov/images/latest.html)


Literaturverzeichnis
[1] Newton, "Optics"
[2] Gregory
[3] Cassegrain
[4] J. v. Fraunhofer "Opera"
[5] Schupmann "Die Medialfernrohre", Leipzig 1899
[6] Herschel
[7] Kutter "Der Schiefspiegler"
[8] Hamilton
[9] Repsold "Zur Geschichte der astronomischen Meßwerkzeuge"
[10] Handbuch der Physik, Bd. 23 (1926)
[11] Zeitschrift für Instrumentenkunde, div. Jahrgänge
[12] Riekher, "Fernrohre und ihre Meister", 1990
[13] Handbuch der Astrophysik

Danksagung Mein besonderer Dank gilt Oberförster Pudlich, der
trotz eines Feldstechers von Zeiss noch immer nicht weiß, wie weit
oder hoch eine Wildsau ihre Frischlinge wirft.

Competing interests statement The authors declare that they
have no competing financial interests.
 
Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Der Saturn sieht ähnlich aus wie in dem 12"


Glaubst du wirklich? Für dein C8 bekommst du gut 600,- und ein
6"f8-Farbeimer kostet weinger, oder?

Außerdem, wenn ein 6"f8 Farbfernseher genauso viel zeigt wie
ein 12" SC, dann hast du mit einem 4"f5 FH schon dieselbe Leistung
wie mit deinem C8. Also hau doch wech deinen billigen Mörser!

Bino-Tom
 
Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Hallo Roger,

das Thema ist ziemlich vielschichtig...

Auflösungsverlust:
Solange sich die beiden Beugungsscheibchen eines Doppelsternes aus dem blau-
violetten Halo herausheben wird die Auflösung des bunten FH nicht gemindert.

Aber der Kontrast (Objektkontrast - Bildkontrast = Kontrastübertragung) leidet
stark unter dem Farbfehler.Bei hochkontrastobjekten wie dem Mond am Terminator
ist der Ausgangskontrast des Objektes hoch genug um noch genug hinüberzuretten.
Bei schwierigen Objekten wie Jupiter mit seinen subtilen Farb-und Helligkeits-
Unterschieden in den Bändern versagt der schnelle FH in einer für den Laien
kaum zu glaubender Weise.Man muß einfach mal gesehen haben was dann alles im
150/1200 FH nicht mehr sichtbar ist´während es der 150/1200er Newton daneben
noch zeigt.

Hier haben wir es mit dem Problem zu tun,daß Jupiter genügend hell ist und
das Auge noch mit den Stäbchen sieht,also farbsehen möglich ist.
Deshalb sieht man ja auch die Farben in den Bändern,sofern das Teleskop
sie darstellen kann.

Unter diesen Bedingungen versagt der zu kurze FH besonders stark.
Bei der Sonnenbeobachtung mit Herschelkeil und engbandigem Filter um 546nm
herum kann der FH dagegen tark punkten,weil hier kein Farbsaum die Granulation
unkenntlich macht und ein guter Herschelkeil der Solarfolie überlegen ist.

Ebenso kann man am Mond mittels entsprechendem Filter dem Farblängsfehler
ein Schnippchen schlagen,hat dann allerdings einen fehlfarbigen Mond was
ich wiederum nicht gerade sehr ästhetisch finde.

MfG,Karsten
 
Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Hi all,
Es soll mir niemand, ich wiederhole: niemand (!) herbeizutheoretisieren versuchen, dass ein kurzbrennweitiger (z.B. f/5-) es mit einem langbrennweitigen (ab f/15-) Achro oder gar einem beliebigbrennweitigen Apo in irgendeiner Weise auch nur im Entferntesten aufnehmen kann.
Letztes Frühjahr konnten wir auf 1600 m Höhe bei BESTEM Seeing und nach mehrstündigem Austemperieren folgende 3 Fernrohre miteinander vergleichen: Skywatcher-150/750, Zeiss APQ-100/640 und Takahashi FCT-100/640. Vergleichsobjekte waren Jupiter und M 13.
An Jupiter schenkten sich die beiden Apos gegenseitig nicht das Geringste - es war kein Unterschied feststellbar. Der Blick durch den Skywatcher war dagegen ein regelrechter Witz: farbverschmiertes, kontrastarmes Bild, das nur gerade knapp die beiden äquatornahen Wolkenstreifen ohne weitere Details erkennen liess, kein Vergleich mit dem kontrast- und detailreichen Bild in den Apos.
Dies hat uns denn auch nicht weiter überrascht. Das eigentliche Aha-Erlebnis war erst M13, der aufgrund des vergleichsweise verschmierten Bildes und der grossen farbstreuungsbedingten Hintergrundhelligkeit im 150er-Skywatcher weniger schwache Sterne in einem auch insgesamt weit weniger erfreulichen Bild erkennen liess als die beiden (untereinander wiederum gleich starken) 100er-Apos.
So wahr ich hier sitze und schreibe: Sogar in Deep-Sky ist ein solcher Farbenschmierer keine Konkurrenz gegen einen bedeutend kleineren, guten Apo!
Howgh - ich habe gesprochen: beat fankhauser
 
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Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Hallo Beat,

Du hast meine volle Zustimmung.

Hier wird noch von Auflösung geredet, wenn schon sämtliche Farben einträchtig nebeneinander liegen.

Was das wohl sein soll: Auflösung bei Nullkontrast? Eine leere Menge, die man auch noch bewundern kann? Schwachsi..!

Den einzigen Fraunhofer, von dem hier geredet wird, ist der von Gerd.

Ein kurzer Fraunhofer ist kein Fraunhofer.

Warum beleidigt man eigentlich den alten Fraunhofer immer mit diesen chinesischen Fehlkonstruktionen?

Wer sie trotzdem verwenden will soll das tun, aber dann bitte nicht von einem Fraunhofer reden!

Gruß
Walter
 
Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Hallo Walter,
der Lange ist kein Fraunhofer,
es ist ein AS <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

Mit freundlichem Gruß, Gerd
 
Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Hallo Gerd,

danke für die Richtigstellung - hab ich wohl in der Eile überlesen.
Ein Gerät mit diesem Öffnungsverhältnis könnte man (in der entsprechenden optischen Konfiguration) sicher gerade noch als "echten" Fraunhofer bezeichnen.

Gruß
Walter
 
Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Hi all,
Es soll mir niemand, ich wiederhole: niemand (!) herbeizutheoretisieren versuchen, dass ein kurzbrennweitiger (z.B. f/5-) es mit einem langbrennweitigen (ab f/15-) Achro oder gar einem beliebigbrennweitigen Apo in irgendeiner Weise auch nur im Entferntesten aufnehmen kann.
mein Vergleich sah völlig anders aus: 5" f/8 China- Röhre gegen 130 mm f/7,7 Newton, 25% Obstruktion (8" f/5 abgeblendet).

Testobjekte:
Jupiter, Mars, Sonne mit Solarfolie.

Ergebnis: China- Röhre verkauft weil im direkten Vergleich nicht die Spur einer Chance bezüglich Kontrastwiedergabe und Bildschärfe. Außer Farbfehler und kräftiger sphärischer Aberration war das Röhrchen kerngesund. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Gruß Kurt
 
Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Hi!

Ich hab ja nur einen 6" F/10, aber ich kann mir nicht vorstellen, das der Kontrastverlust bei F/8 dermaßen viel schlimmer wird, das man nur noch die beiden Hauptwolkenbänder auf Jupiter sieht. Zumal der Himmel in den Bergen sicher bedeutet besser war als hier, 20km ausserhalb Berlins.

Karsten, Du kannst so oft wiederholen wie Du willst... aber es ist schlichtweg falsch was Du schreibst. Attribute wie "leidet stark", "versagt .... besonders stark" sind doch sehr subjektiv angehaucht. Objektiv sind sie nicht.

Gruß...
Vader
 
Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Hi Vader,
Nicht Kurt hat von den Wolkenbändern des Jupiter geschrieben, sondern ich. Und wenn Du mein Posting ordentlich gelesen hättest, wüsstest Du, dass ich von einem f/5-Achro geschrieben habe, und nicht von einem f/8.
Aber ganz unter uns: Von einem 5-Zoll f/8 Achro halte ich auch nicht viel, sondern bin überzeugt, dass Kurts Vergleich ebenso den Tatsachen entspricht wie der meinige.
Beat F.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Hi Vader,
Ich hab ja nur einen 6" F/10, aber ich kann mir nicht vorstellen, das der Kontrastverlust bei F/8 dermaßen viel schlimmer wird, das man nur noch die beiden Hauptwolkenbänder auf Jupiter sieht.
Den Unterschied in der Kontrastwiedergabe zwischen einem 5" f/8 FH und einem vergleichbar großen Newton konnte ich mir leider vor dem Kauf des FH auch nicht vorstellen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smirk.gif" alt="" />. Man sollte weniger oft direkt vergleichen und schon gar nicht bei guten Bedingungen im Hochgebirge... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Gruß Kurt
 
Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Hallo Frank

Im Grossen und Ganzen gilt halt auch hier: You get what you pay for...

Ich denke auch das man diese Aussage bei solch Theoretischen Diskusionen beherzigen sollte und nicht Äpfel mit Birnen vergleicht!

Qualität ist letzt endlich der Masstab bei allen Instrumententypen.

Geht man einmal von einem perfeckten Objektiv z.B. 100/1000 aus, wie sie es durch aus gibt, von Vixen oder dan die Größeren von TMB und D&G.
Dann sind damit durch aus schöne Detailbeobachtungen möglich.

Auch sollte man sich einmal gedanken darüber machen was man mit einem Teleskop überhaupt so machen kann?
Auser auf einer toten Theoretischen Ebene kaputt diskutieren.
Na was? Beobachten natürlich!
Was will der fortgeschritene Amateurastronom beobachten, muss er sich wie der Anfänger überhaupt erst einmal Orientieren?
Nein, deshalb greift der fortgeschritene gleich zum APO oder zum 18" Dobson.
Also zu Qualitativ hochwertigen Produckten.
Wenn man sich jetzt aber einmal von der Theorie lösen kann und sich der Beobachtungetechnik zuwendet, merkt man es gibt noch andere Dinge wie der Farbsaum eines Frauenhofers.
Ein Punkt aus der Mensch-Natur-Technik Problematik ist die "Spektralphotometrie".
Das ist die visuelle oder photographische Beobachtung einer Planetenatmosphäre oder eines bestimmten Oberflächendetails, in verschiedenen, genau definierten ausgewälten Spektralbereiche. Beispiele wären Blaue Details auf Jupiter, die Marsatmosphäre usw..
Diese sind bei unseren Mitteleuropäischen Klimabedingungen nur sehr schwer oder garnicht zu beobachten.
Deshalb greift man zum Farbfilter!
Um soche Phänomene überhaupt wahrzunehmen bedarf es der dauerhaften Systematischen Beobachtung!
Einem Anfänger bleiben diese Details der Beobachtungskunst mit einem Chinakracher in der Regel vorenthalten.
Die Filterbeobachtung ist ein legitimes Mittel der Beobachtung und findet sowol bei Spiegel und Linsenteleskopen statt!
Die Details des Jupiters werden ab ca. 8" schlicht weg überstrahlt somit finden dort die beobachtungen mit Neutralfiltern statt welche erst einmal neutral sein müssen. D&W Neutralfilter sind oft gelbbräunlich eingefärbt also nicht neutral. Ebenso kann man mit einem leichten Gelbfilter an einem bunten aber Qualitativ hochwertigen FH, Details auf Jupiter sehen.
So sind manche Detail beobachtungen nur mit Filter möglich!
Sowol bei Spiegeln wie bei Refraktoren.
Jetzt mag die Filterbeobachtung für den einen nicht angebracht sein, aus Gründen der Ästhetik oder weil er sein Instrument so wählt das er darauf verzichten kann 5"APO z.B. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />
Ist die Filterbeobachtung aber für den angerschierten Planetenbeobachter doch unverzichtbar!
Und so finde ich relativiert sich diese ganze Diskusion! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Denn hat man einmal durch ein Qualitativ hochwertiges Instrument beobachtet so wird man feststellen das sie alle gut sind, der Spiegel wie die Linse!
So liegt die Anschaffung eines Instrumententyps in den Vorlieben des Beobachters und er ist glücklich und zufrieden damit.
Dann brauchen wir uns nicht mehr über diese Krümelkackerrei zu streiten und können und wieder unserem schönsten aller Hobbys zuwenden, der Astronomie.

Gruß Uwe
 
Farbeimer am Planeten

Hallo Vader,

Karsten, Du kannst so oft wiederholen wie Du willst... aber es ist schlichtweg falsch was Du schreibst. Attribute wie "leidet stark", "versagt .... besonders stark" sind doch sehr subjektiv angehaucht. Objektiv sind sie nicht.
leider stimmt es was ich schrieb."Leidet Stark","versagt" und "besonders stark"
in Bezug auf Farbfehler und Kontrastverlust sind genau die Attribute die
versierte langjährige Planetenbeobachter die auch mal einen Vergleich mit
hochwertigen farbreinen Teleskopen am Planeten gemacht haben diesen kurz-FH-
Teleskopen verleihen:

- Binoviewer (mehrere verschiedene FH)
- Kurt Schreckling (eigener 5"f/8 im Vegleich zum auf 5" abgeblendeten Newton)
- Beat Fankhauser (Vergleich zum 4" APO hier im Thread)
- Gerd Huissel (in mehreren Threads hier im Board)
- Ich selbst (Vergleich zum auf 6" abgeblendeten Newton)

Es ist sooo einfach:
An Jupiter mit seinen subtilen Details killt der Farbfehler massiv die Kontraste.
Das kannst du nicht wegdiskutieren,denn jeder der den Vergleich macht und
nicht farbenblind ist sieht das Kontrastproblem des dicken kurzen FH auf Anhieb.
Dein 6"f/10 mag etwas besser abschneiden (entspannteres Öffnungsvrhältnis,
Einzelanfertigung welche eventuell wenigstens die theoretischen Möglichkeiten
erreicht weil nicht noch zusätzliche Probleme mit verkippten Linsen dazukommen).

Da beißt die Maus keinen Faden ab:
Ein 6"f/8 ist nun mal ein Kometensucher,aber bestimmt kein Planetenteleskop.

Farbreine Grüße,Karsten
 
Re: Farbeimer am Planeten

Musste jetzt eigentlich wirklich seitenlang über etwas diskutiert werden, was doch schon von Anfang an klar war ?

CS Michi <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />
 
Hallo,

wo gibt es denn diese theoretisch so guten echten Fraunhofer zu kaufen? Und wo
sind die Leute mit dem Gabelstapler, die die Montierung dafür zum Beobachtungsplatz
fahren. Aber wenn es einen nicht stört, das ein 6" Fernrohr 3,5 m lang ist, und
Belichtungszeiten langsam länger werden als eine Nacht, dann wird der echte Fraunhofer
demnächst sicher wieder einen Boom erleben. Man sollte das freiwerdende Geld aus den zurückgekauften
Telekomaktien schon mal bei einer solchen Firma anlegen. Ich sehe da einen echten Wachstumsmarkt.
Aber merken: Nicht unter 200mm Öffnung und 6m Rohrlänge anfangen, alles andere ist ja Kinderkram.
Und die Konstruktion von 4m hohen Stativen, auf die man die nur 50kg schwere Montierung ja mit
links und einer Leiter ganz leicht draufsetzt, kriegt man ja auch ohne Probleme mit einen nicht
allzugroßen Tieflader zum Beobachtungsort, der hat dann oft auch einen Kran dran!
Wo war noch mal der Vorteil der Fraunhofer Teleskope? Ach ja, sie sind Obstruktionslos. Tolle
Sache das. Mein nächstes Teleskop in etlichen Jahren wird ein 12". Ich erspar mir aber einfach
mal die Rechnung für die Dimensionen.
 
Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Hallo Roger,

Das ist ein langes und wirklich gut geschriebenes Post. Einige Aussagen möchte ich jedoch kommentieren, da es zum einen erwartet wird (vor allem von Hannes) und zum anderen, weil ich sie einfach für falsifizierbar oder überdenkenswert halte. Dein Titel des Posts ist auch denkbar schlecht gewählt, denn nichts was du bringst spricht wirklich für den Fraunhofer, sondern im Gegenteil, es spricht sogar dagegen. Wenn ich meine Argumentation so aufbauen muß, daß ich gezwungen bin zu beschwichtigen (ist ja alles nicht so schlimm), dann ist schon alleine dadurch klar was Sache ist.

Und nun zu den Details:

"Lieber ein lichtstarker Refraktor mit großem Durchmesser als ein kleiner (gleichlanger) mit höherer Blendenzahl!"

Wozu überhaupt? Du bekommst für weniger Geld einen Newton mit größerer Öffnung, mehr Leistung und völlig frei von jeglichem Farbfehler. Der Griff zum Refraktor ist also in fast allen Fällen völlig unnötig und obige Aussage packt das Übel daher nicht an der Wurzel, sonder mildert höchstens die Symptome.

bei der Fotografie wirkt sich der Farbfehler dramatisch (Faktor 10...100) stärker aus, als bei der visuellen Beobachtung

Das ist zum einen zu pauschal (welche Art der Fotografie?) und zum anderen, was z.B. die Mondfotografie betrifft auch schlichtweg falsch. Wenn der FH im grünen gut korrigiert ist, kann er am Mond in diesem Spektralbereich fotografisch hervorragende Ergebnisse bringen.
der Beweis:
Link zur Grafik: http://www.binoviewer.at/galerie/mond/images/moon80400lrgb.jpg
Das Foto wurde mit einem 80/400mm Snyta-Chromaten gemacht und zeigt MEHR Details als visuell wahrnehmbar sind. Das Gerät ist im Grünen beugungsbegrenzt.

Sie haben weiterhin einen blau-violetten Hof um alle hellen Objekte. Dieser wirkt sich aber eben nicht (bzw. viel geringer als meist vermutet) auflösungs- oder kontrast-verschlechternd aus. Die blau-violetten Höfe sind mehr ein ästhetischer Störfaktor als ein Auflösungskiller.

Das ist ebenfalls falsch. Der Kontrast leidet deutlich, was ein simpler Vergleich von Fraunhofern mit verschiedenen F-Verhältnissen bei gleicher Öffnung an beliebigen(!) Objekten auch zeigt. Das liegt zum einen am Farblängsfehler selbst, zum anderen, weit geringeren Teil am Gaussfehler.
Mache einfach selbst den Vergleich und du siehst es sofort.

daß das sekundäre Spektrum zwar kaum Verlust an Details-Erkennbarkeit, aber sehr wohl einen Verlust an Farbkontrast bedingt. Schwache Farbkontraste werden also sehr wohl verschmiert, nicht aber die Objektdetails.

Das ist in sich ein Widerspruch und somit völliger Quatsch. Details auf Jupiter, Saturn oder Mars unterscheiden sich sehr oft nur durch den Farbkontrast, nicht durch Helligkeitskontrast (Luminanz) und werden überhaupt erst durch den Farbkontrast sichtbar. Ein Verlust an Farbkontrast bedeutet immer einen Verlust an Detail, anders geht das gar nicht. Die guten Planetenbeobachter wissen das und greifen daher zu völlig(!) farbreinen Systemen mit ausreichend Öffnung.

Und zuletzt noch ein wichtiger Punkt:
Das ein kurzer FH nur einen unbedeutenden oder sehr geringen Lichtverlust mitbringt ist wiederum falsch. Schon der Gaußfehler alleine bringt hier deutliche Verluste an der Spothelligkeit. Ein auf Grün korrigierter FH ist bei Rot und Blau stark fehlkorrigiert und hat hier einen sehr niedrigen Strehl, wodurch bei diesen Farben entsprechend weniger Licht im zentralen Beugungsscheibchen landet. Der Farblängsfehler tut, Schärfentiefe hin oder her sein weiteres dazu.
Ein von mir selbst durchgeführtes Beispiel aus der Praxis belegt das auch. Ich habe meinen 80/400mm Synta mit einem 80/1200mm Vixen direkt nebeneinander am Sternhaufen M38 verglichen, natürlich bei identischer Vergrößerung (= gleiche AP) und mit demselben Okulartyp. Dabei zeigte der schnelle 80/400er deutlich weniger Sterne. Die Differenz in Größenklassen würde ich auf etwa 0,3 Magnituden schätzen. Beide Geräte bilden im Grünen beugungsbegrenzt ab. Der Vixen hat sogar nur ein einfaches MgF2-Coating, während der Synta über ein Breitband-Multicoating verfügt.
Die Theorie von Taylor stimmt also leider nicht. Er hätte vielleicht mehr beobachten und weniger messen sollen.

Warum die alten Beobachter aus dem vorigen Jahrhundert mit der Abbildung ihrer Riesenfarbscheinwerfer zufrieden waren kann ich dir auch gerne sagen: weil sie nämlich nichts besseres kannten! Außerdem ist doch klar, daß eine Öffnung von 1m gewaltig viele Details bringt, trotz des Farbfehlers. Das liegt ganz einfach an der riesigen Öffnung. Aber was denkst du hätte ein 1m-APO erst an Details gezeigt oder ein perfekter 1"-Spiegel visuell? Die hätten ihre Riesen-Chromaten dann ganz schnell eingestampft und vergessen. Und vergessen sind sie mittlerweile, warum wohl?

Mein Fazit deines Artikels:
Stilistisch sehr gut verfasst, inhaltlich überwiegend falsch und zum großen Teil leider völlig an der Praxis vorbei. Beobachtungserfahrung kann eben durch nichts ersetzt werden. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Zuletzt noch für Einsteiger, die noch nicht so viel mit der Theorie anfangen können, ein einfacher Bildvergleich, der den Unterschied klar und deutlich zeigt:

Jupiter im 120/1000mm Pseudo-Fraunhofer-Refraktor:
Link zur Grafik: http://www.binoviewer.at/beobachtungspraxis/images/jupiter1201000_180x.jpg

und hier im 114/900mm Newton, der für ein drittel des Preises zu haben ist:
Link zur Grafik: http://www.binoviewer.at/beobachtungspraxis/images/jupiter114900_180x.jpg

Urteilt selbst!

Bino-Tom
 
Eine Lanze für den langen Faltrefraktor

Hallo Antonius,

Aber wenn es einen nicht stört, das ein 6" Fernrohr 3,5 m lang ist, und
Belichtungszeiten langsam länger werden als eine Nacht, dann wird der echte Fraunhofer
demnächst sicher wieder einen Boom erleben.
da gäbe es durchaus eine Lösung.Jan Fremerey hat sie hier im Board ja auch
schon einmal gezeigt,den gefalteten lang-FH.
Dieser kann die Vorteile eines langen FH mit guter Transportabilität verbinden,
als 6" montierbar auf Losmandy GM8,GP-DX oder ähnlichen Montis.Dafür
braucht er einen hochgenauen Planspiegel in einer justierbaren Fassung.
Damit ist er dann leider für "echte Refraktorfreunde" mit begrenzten Justier-
fähigkeiten und ausgeprägter Farbenblindheit leider schon gestorben <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/confused.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

Was soll,irgendwann bau ich mir sowas,nicht weils besser als ein guter
langbrennweitiger Spiegel ist sondern weils einfach Spaß macht <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Viele Grüße,Karsten
 
Re: Eine Lanze für den langen Faltrefraktor

Damit ist er dann leider für "echte Refraktorfreunde" mit begrenzten Justierfähigkeiten und ausgeprägter Farbenblindheit leider schon gestorben

Wirklich herrlich sowas! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />
Da beisst sich die Katze also wieder in den Schwanz.

Bino-Tom
 
Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Vielleicht sollten wir das Thema wieder etwas versachlichen, da es jetzt doch wieder ungewollt in die Refraktor/Reflektor-Diskussion ausartet, die mit dem ursprünglichen Beitrag nicht beabsichtigt war.

Vielleicht können wir uns zunächst auf einige Dinge einigen:

- China-Refraktoren taugen bedingt durch die Serienstreuung wenig als Vergleichsmaßstab für einen perfekt ausgeführten Fraunhofer. Die China-Refraktoren kranken an mangelnder Korrektur der sphärischen Aberration, Justage etc. Sie versauen sich also zunächst durch ganz andere Effekte ihr theoretisches Auflösungsvermögen als durch den Farbfehler. Mangelnde Ausführung eines Achromaten kann sogar den Farbfehler noch weiter vergrößern gegenüber einem "perfekt" ausgeführten Fraunhofer.

- Wie ich mehrfach in Anmerkungen in dem Thread geschrieben habe, haben lichtstarke "Kometensucher" mit N<=8 noch ganz andere Probleme, die die therotisch mögliche Auflösung zerstören: Sphärische Aberration nicht mehr voll korrigierbar, Zentrierempfindlichkeit steigt überproportional, Glassortenschwankungen wirken sich extrem aus, beugungsbegrenzter Bildfeld wird (wie bei Newtons auch)
durch Koma und Astigmatismus immer kleiner...
Es geht hier mehr darum, daß bei einem perfekt ausgeführten Fraunhofer die auflösungsverschlechternde Wirkung des Farbfehlers überbewertet ist, obwohl einen der sichtbare Blausaum um helle Objekte suggeriert, daß der Farbfehler katastrophale Auswirkungen auf Auflösung und Kontrast hat (s. nächster Punkt).

- Der Blausaum um helle Objekte ist von seinen Auswirkungen zu unterscheiden von der Wirkung auf den Planetenscheibchen/Mond/Sonne.
Wenn z.B. 1% des vom Auge wahrgenommenen Lichtes nicht im Schärfentiefebereich zu liegen kommt, erzeugt dieses 1% an extremen Hell/Dunkel-Kanten (Mondrand, Planetenrand) einen deutlich wahrnehmbaren Blausaum in den "dunklen" Bereichen (also um das beobachtete Objekt), weil das Auge problemlos Kontrastunterschiede von 1000:1 und mehr gleichzeitig wahrnehmen kann.
(Trotzdem ist Sirius B bei Testbeobachtungen mit einem großen Clark-Refraktor) "innerhalb des Blausaums" entdeckt worden!)
Innerhalbdes Planetenscheibchens/Mond/Sonne ist dieses 1% "Blauverschmierung" aber kaum mehr von Belang. Es legt sich wie ein 1% heller Schleier über das Planetenscheibchens. Das ist das gleiche wie mit der unvermeidlichen Beugung. Man kann sich das Bild des Planetenscheibchens ja aus unendlich vielen aneinandergereihten Beugungsscheibchen zusammengesetzt denken. Da auch hier ein Teil des Lichtes (sagen wir mal 20%-genaue Zahl habe ich nicht im Kopf) in den Beugungsringen verloren geht, legt sich also auch hier ein "Schleier" von 20% "Falschlicht" allein aufgrund der Beugung über das ganze Bild des Planetenscheibchens.
Entscheidend ist also nur, daß für die Wahrnehmung von Details auf dem Planetenscheibchen die wahrgenommene Kontrastverschlechterung durch den Farbfehler unter (beispielsweise) 10% bleibt.

-Der "Blauschleier", der sich über den Planeten/Sonne/Mond legt, vermindert allerdings die Farbkontrast-Wahrnehmung von blauen Farbkontrasten, nicht (oder nur gering) aber die grundsätzliche Auflösung bzw. Detailwahrnehmbarkeit.

-Alle Ausführungen hier beziehen sich nur auf die visuelle Wahrnehmung, die von der photographischen deutlich zu unterscheiden ist aufgrund des völlig unterschiedlichen Verlaufs der Farbempfindlichkeit von Auge und CCD/Film.


Ich habe hier mal zwei Tabellen beigefügt, die sich leider nur sehr schwer darstellen lasse.
Vielleicht kann jemand mal versuchen, die Tabelle so zu formatierten, daß die Lesbarkeit besser wird.

Die erste ist der prozentuale Anteil des Lichtes, der durch den Farbfehler kontratmindernd "verloren" geht, also vom Auge außerhalb des Taylorschen Schärfebereichs wahrgenommen wird (also bereits mit der Augenempfindlichkeit multipliziert).

D N=5 N=6 N=8 N=10 N=12 N=15 N=20
50 mm 2% 2% 1% <1% <1% <1% <1%
60 mm 3% 2% 2% 1% <1% <1% <1%
70 mm 3% 3% 2% 2% 1% <1% <1%
80 mm 4% 3% 3% 2% 2% 1% <1%
90 mm 5% 4% 3% 3% 2% 2% 1%
100 mm 6% 5% 3% 3% 3% 2% 2%
110 mm 6% 6% 5% 3% 3% 3% 2%
125 mm 9% 8% 6% 5% 3% 3% 2%
150 mm 12% 10% 8% 6% 5% 4% 3%
200 mm 16% 15% 12% 9% 8% 6% 5%
300 mm 28% 25% 21% 17% 15% 12% 9%
400 mm 34% 34% 28% 23% 21% 17% 15%
500 mm 41% 37% 34% 28% 28% 23% 21%
600 mm 44% 41% 37% 34% 34% 28% 23%
900 mm 52% 52% 44% 44% 41% 37% 34%

Bei amateurüblichen Objektivdurchmessern von D<=200 mm hält sich der Auflösungs- und Kontrastverlust für Wahrnehmung mit dem Auge also in Grenzen.

Die zweite Tabelle zeigt diejeneige Grenz-Wellenlänge im Blauen, die gerade noch innerhalb der Taylorschen Schärfentiefe liegt. Alles, was noch kurzwelliger ist, ist nicht mehr scharf.

D N=5 N=6 N=8 N=10 N=12 N=15 N=20
50 mm 470 [nm] 465 [nm] 460 [nm] 455 [nm] 450 [nm] 445 [nm] 435 [nm]
60 mm 475 [nm] 470 [nm] 465 [nm] 460 [nm] 455 [nm] 450 [nm] 445 [nm]
70 mm 480 [nm] 475 [nm] 470 [nm] 465 [nm] 460 [nm] 455 [nm] 450 [nm]
80 mm 485 [nm] 480 [nm] 475 [nm] 470 [nm] 465 [nm] 460 [nm] 455 [nm]
90 mm 485 [nm] 485 [nm] 480 [nm] 475 [nm] 470 [nm] 465 [nm] 465 [nm]
100 mm 490 [nm] 485 [nm] 480 [nm] 475 [nm] 475 [nm] 470 [nm] 465 [nm]
110 mm 490 [nm] 490 [nm] 485 [nm] 480 [nm] 475 [nm] 475 [nm] 465 [nm]
125 mm 495 [nm] 495 [nm] 490 [nm] 485 [nm] 480 [nm] 475 [nm] 470 [nm]
150 mm 500 [nm] 500 [nm] 495 [nm] 490 [nm] 485 [nm] 480 [nm] 475 [nm]
200 mm 505 [nm] 505 [nm] 500 [nm] 495 [nm] 495 [nm] 490 [nm] 485 [nm]
300 mm 515 [nm] 515 [nm] 510 [nm] 505 [nm] 505 [nm] 500 [nm] 495 [nm]
400 mm 520 [nm] 520 [nm] 515 [nm] 510 [nm] 510 [nm] 505 [nm] 505 [nm]
500 mm 525 [nm] 520 [nm] 520 [nm] 515 [nm] 515 [nm] 510 [nm] 510 [nm]
600 mm 525 [nm] 525 [nm] 520 [nm] 520 [nm] 520 [nm] 515 [nm] 510 [nm]
900 mm 530 [nm] 530 [nm] 525 [nm] 525 [nm] 525 [nm] 520 [nm] 520 [nm]



Das erstaunliche an der 2. Tabelle ist, daß die Wahl einer höheren Blendenzahl bei einem festen Objetivdurchmesser D nicht dramatisch viel bringt.
Als farbfehlerfrei korrigiert gilt eine Optik für visuelle Zwecke, wo die Grenze bei 485 nm liegt.
Apochromaten schaffen es übrigens meist auch nur bis ca. 460 nm das Licht innerhalb des Schärfentiefebereich zu fokussieren.

C.S.

Roger
 
Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Hallo Roger,

ich kann einen Teil der Taylor`schen Annahmen nicht recht nachvollziehen.

Um auf das Ausgangsposting eizugehen:

Die Fokussierung bei polychromatischem Licht ausreichende Helligkeit
erfolgt beim FH tatsächlich nicht exakt auf grün,sondern zwischen günem
und blau/rotem Fokus.

Insofern verhält es sich wie bei einem farbreinen Telesekop mit sphärischer
Aberration wo aus der "Blurr" mit der geringsten Ausdehnung fokussiert wird.

Doch das funktioniert nur in dem Bereich wo wir uns innerhalb einiger weniger
Wellenlängen um den Fokus herum aufhalten,wo der Wellencharakter des Lichtes
zum Tragen kommt.

Ist die Fokus-Differenz des Grünen sowie blau/roten Fokus zu groß fällt dann der blau/rote aus diesem Breich heraus und die geometrische Betrachtung des
Farbfehlerproblems kann dann den Sachverhalt recht gut darstellen.

Ein meiner Ansicht nach weiterer Fehler der Tailor`schen Betrachtung des
Farblängsfehlers des FH bei der Planetenbeobachtung ist folgender:

Bei der helligkeit der Planeten Jupiter,Mars und Saturn befindet sich das Auge im Bereich des Farbsehens (Zapfensehen).Die relative spektrale Empfindlichkeit
des Auges ist dann bei rot und blau wesentlich höher als
im Schwarz/weiß Modus (Stäbchensehen) des Sehens.
Daß die so ist bemerkt de Beobachter daran daß er das blau-violette Falschlicht
(= Streulicht) auch tatsächlich farbig wahrnimmt(!) und nicht nur als
grauen Schleier.

Es gelten also bei der Planetenbeobachtung die relativen Empfindlichkeiten der Rezeptoren in der Netzhaut für farbsehen,nicht etwa die viel geringeren
Empfindlichkeiten für blaues und vor allem rotes Licht bei geringen Lichtintensitäten,bei denen nur noch schwarz/weiß-sehen möglich ist!

Alle Ausführungen hier beziehen sich nur auf die visuelle Wahrnehmung, die von der photographischen deutlich zu unterscheiden ist aufgrund des völlig unterschiedlichen Verlaufs der Farbempfindlichkeit von Auge und CCD/Film.
Das gilt meiner Ansicht nach wie oben ausgeführt nur bei geringen Lichtintensitäten.

Was der CCD an blauem Licht (für welches das Auge empfindlich ist,also
nicht Ultraviolett) wegen zu großer Fokusdifferenz und daraus folgend zu
ausgedehnter "Abbildung" des blauen Fleckchens nicht mehr scharf bekommt,
bekommt auch das Auge nur dann scharf wenn auf blau nachfokussiert wird.

Deine Rechnung (bzw die von H.D.Tailor) bezüglich des Ausmaßes des Streulichtes
ist meiner Ansicht nach falsch:

Es sind bei den schnellen Öffnungsverhältnissen viel mehr als die angegebenen
zum Teil nur 1 oder 2%.

Der Farbfehler vermindert die Auflösung dann nicht,wenn der Kontrast im
Objekt ser hoch ist.Beispiel:

-Doppelstern zweier gleichheller Komponenten.Solange sich die beiden Beugugsscheibchen aus dem falschfarbenem Hintergrund herausheben ist das
Auflösungsvermögen nicht beeinträchtigt,wohl aber die Kontrastwiedergabe

-Mond am Terminator.Hier ufern die Blausäume der hellen Bereiche deutlich
erkennbar aus.Aber wegen des hohen Kontrastes zwischen hellen (fast 100% und danebenliegenden dunklen (fast 0%) Strukturen kann der bunte FH noch
soviel Kontrast herüberretten daß keine oder nur geringe Beeinträchtigung
der Auflösung stattfindet.

Aber bei Jupiter sieht das ganz anders aus!Hier findest du (fast) nur
niedrigkontrastige Objektdetails,die gemeinerweise auch noch in verschiedenen
Farben auftreten und hell genug sind um auch farbig wahrgenommen zu werden.

Beim 15% Kontrast zwischen einer bläulichen Girlande und einem beigefarbenen
Detail in einem der Jupiterbänder schickt die Defokussierung des blauen
Lichtes dieses bläuliche Details dieses unter sagen wir 5% Bildkontrast
und damit schlicht ins Nivana.

Und genau deshalb ist der "farbreine Refraktor" namens APO dem zu kurzen FH am Planeten weit weit überlegen.Dies zeigen auch entsprechende Vergleichsbeobachtungen
mit FHs und APOs.

MfG,Karsten
 
Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Hallo binoviewer,

Und nun zu den Details:

Zitat:
"Lieber ein lichtstarker Refraktor mit großem Durchmesser als ein kleiner (gleichlanger) mit höherer Blendenzahl!"



Wozu überhaupt? Du bekommst für weniger Geld einen Newton mit größerer Öffnung, mehr Leistung und völlig frei von jeglichem Farbfehler. Der Griff zum Refraktor ist also in fast allen Fällen völlig unnötig und obige Aussage packt das Übel daher nicht an der Wurzel, sonder mildert höchstens die Symptome.

Antwort:
Also nochmal: Es geht mir nicht darum ,eine neue Refraktor-Reflektor-Diskussion zu entfachen, den FH zum Universalinstrument zu deklarieren oder einen lichtstarken "Kometensucher"-FH zum idealen Planeteninstrument zu machen.
Eher ist meine Intention, den Refraktor-Besitzern etwas den Rücken zu stärken, daß sie -bei guter Ausführung des Gerätes- mehr an Auflösung
erreichen können, wie Ihnen einige einzureden versuchen.
Und vor allen, woran das liegt, daß der Refraktor -auch in der historischen Entwicklung- mehr geleistet hat, als er eigentlich "dürfte".

Die Intention ist gewesen, einige immer wieder vorgebrachte Theorie-Berechnungen zur Auswirkung des Farbfehlers etwas gerade zu rücken, weil die meiste "Farbfehler-als-Auflösungskiller-Theorie" mindestens einen Faktor (erweiterter Schärfentiebereich) oder zwei (Spektralempfindlichkeit des Auges) nicht berücksichtigt.

Auch APOs sind nicht bis zur Grenze des menschlichen Sehvermögens bei etwa 380nm korrigiert (s. Astrooptik v. Laux; Telescope Optics von Rutten/Van-Venrooij etc.), sondern nur bis etwa 440...480 nm farbrein, zeigen aber visuell meist gar keinen Blausaum mehr. Der APO profitiert also genauso von der erweiterten Schärfentiefe und der Spektralempfindlichkeit des Auges, obwohl auch hier mit der "falschen" Theorie-ableitung bewiesen werden könnte, daß der APo auch nix taugt, weil er es auch nicht schafft, bis 380nm
alle Farben innerhalb der geometrischen Schärfentiefe zu vereinigen.

Wer über die Neuanschaffung eines Gerätes nachdenkt, sollte sich zumindest nicht von vornherein völlig vom Refraktor abhalten lassen. Ich selbst bin mit Refraktoren (2...14 Zoll; Lichtenknecker/Steinheil) und Newtons (8...12 Zoll; Meade/Discory) gleichzeitig großgeworden und mich hat der Farbfehler nie gestört, noch habe ich bisher die Erfahrung gemacht, daß (bei gut ausgeführten) Fraunhofern ich weniger auf den Planeten sehe, als mit Newtons.



Zitat:
bei der Fotografie wirkt sich der Farbfehler dramatisch (Faktor 10...100) stärker aus, als bei der visuellen Beobachtung

Das ist zum einen zu pauschal (welche Art der Fotografie?) und zum anderen, was z.B. die Mondfotografie betrifft auch schlichtweg falsch. Wenn der FH im grünen gut korrigiert ist, kann er am Mond in diesem Spektralbereich fotografisch hervorragende Ergebnisse bringen.
der Beweis:

Das Foto wurde mit einem 80/400mm Snyta-Chromaten gemacht und zeigt MEHR Details als visuell wahrnehmbar sind. Das Gerät ist im Grünen beugungsbegrenzt.

Antwort:
Das angefügte Foto zeigt mir erstmal, daß die Auswirkungen des Farbfehlers bei einem linearen Detektor durch moderne Bildverarbeitung drastisch gemildert werden können im Gegensatz zu der früher möglichen chemischen Fotografie.
Es gibt ja uach viele Bildbeispiele von Farbaufnahmen mit CCD oder chemischem Film, die den Farbfehler viel deutlicher zeigen, als er visuell wahrnehmbar ist aufgrund der mehr oder weniger linearen Empfindlichkeit des CCD/Films.
Allerdings zeigen auch die meisten CCDs einen starken Abfall der Empfindlichkeit im Blauen, der uns hier wieder zugute kommt (im Gegensatz zum chemischen Film), der im Blauen teilweise am empfindlichsten ist.
Ziehe aus Deinem Beispiel-Bild doch mal den Blaukanal raus und vergleiche ihn mit dem Grünkanal. Ich wette, daß der Blaukanal deutlich unschärfer ist, als der Grünkanal.
Im übrigen ist Dein Bild ja dann wieder ein Argument für den FH???


Zitat:
Sie haben weiterhin einen blau-violetten Hof um alle hellen Objekte. Dieser wirkt sich aber eben nicht (bzw. viel geringer als meist vermutet) auflösungs- oder kontrast-verschlechternd aus. Die blau-violetten Höfe sind mehr ein ästhetischer Störfaktor als ein Auflösungskiller.


Das ist ebenfalls falsch. Der Kontrast leidet deutlich, was ein simpler Vergleich von Fraunhofern mit verschiedenen F-Verhältnissen bei gleicher Öffnung an beliebigen(!) Objekten auch zeigt. Das liegt zum einen am Farblängsfehler selbst, zum anderen, weit geringeren Teil am Gaussfehler.
Mache einfach selbst den Vergleich und du siehst es sofort.

Antwort: Den Unterschied zwischen blauen Höfen und der Wirkung auf dem Objekt (Planetenscheibe/Sonne/Mond) habe ich in einer anderen Antwort bereits detaillierter erläutert.
hier noch mal zur Wiederholung:
Der Blausaum um helle Objekte ist von seinen Auswirkungen zu unterscheiden von der Wirkung auf den Planetenscheibchen/Mond/Sonne.
Wenn z.B. 1% des vom Auge wahrgenommenen Lichtes nicht im Schärfentiefebereich zu liegen kommt, erzeugt dieses 1% an extremen Hell/Dunkel-Kanten (Mondrand, Planetenrand) einen deutlich wahrnehmbaren Blausaum in den "dunklen" Bereichen (also um das beobachtete Objekt), weil das Auge problemlos Kontrastunterschiede von 1000:1 und mehr gleichzeitig wahrnehmen kann.
(Trotzdem ist Sirius B bei Testbeobachtungen mit einem großen Clark-Refraktor) "innerhalb des Blausaums" entdeckt worden!)
Innerhalbdes Planetenscheibchens/Mond/Sonne ist dieses 1% "Blauverschmierung" aber kaum mehr von Belang. Es legt sich wie ein 1% heller Schleier über das Planetenscheibchens. Das ist das gleiche wie mit der unvermeidlichen Beugung. Man kann sich das Bild des Planetenscheibchens ja aus unendlich vielen aneinandergereihten Beugungsscheibchen zusammengesetzt denken. Da auch hier ein Teil des Lichtes (sagen wir mal 20%-genaue Zahl habe ich nicht im Kopf) in den Beugungsringen verloren geht, legt sich also auch hier ein "Schleier" von 20% "Falschlicht" allein aufgrund der Beugung über das ganze Bild des Planetenscheibchens.
Entscheidend ist also nur, daß für die Wahrnehmung von Details auf dem Planetenscheibchen die wahrgenommene Kontrastverschlechterung durch den Farbfehler unter (beispielsweise) 10% bleibt.


Und zuletzt noch ein wichtiger Punkt:
Das ein kurzer FH nur einen unbedeutenden oder sehr geringen Lichtverlust mitbringt ist wiederum falsch. Schon der Gaußfehler alleine bringt hier deutliche Verluste an der Spothelligkeit. Ein auf Grün korrigierter FH ist bei Rot und Blau stark fehlkorrigiert und hat hier einen sehr niedrigen Strehl, wodurch bei diesen Farben entsprechend weniger Licht im zentralen Beugungsscheibchen landet. Der Farblängsfehler tut, Schärfentiefe hin oder her sein weiteres dazu.
Ein von mir selbst durchgeführtes Beispiel aus der Praxis belegt das auch. Ich habe meinen 80/400mm Synta mit einem 80/1200mm Vixen direkt nebeneinander am Sternhaufen M38 verglichen, natürlich bei identischer Vergrößerung (= gleiche AP) und mit demselben Okulartyp. Dabei zeigte der schnelle 80/400er deutlich weniger Sterne. Die Differenz in Größenklassen würde ich auf etwa 0,3 Magnituden schätzen. Beide Geräte bilden im Grünen beugungsbegrenzt ab. Der Vixen hat sogar nur ein einfaches MgF2-Coating, während der Synta über ein Breitband-Multicoating verfügt.

Antwort: Auch darauf bin ich schon mehrfach eingegangen. Bei zu großer Lichtstärke eines FH kommen andere Fehler wie sphärische Aberration etc. mehr ins Spiel und überwiegen den Farbfehler u.U. schon.
Darum ging es aber nicht.
Die Kernaussage ist, daß der (isolierte) Farbfehler in seinen Auswirkungen überbewertet ist und nicht, daß alle lichtstarken FHs supertoll sind. Daher würde ich auch die 0,3 mag Grenzgrößenverlust überwiegend auf andere Ursachen schieben. Außerdem kommt bei Grenzhelligkeiten hinzu, daß sich hier die Spektralempfindlichkeit für das Nachtsehen um 50nm zum Blauen verschiebt und damit der Farbfehler prozentual stärker zum Tragen kommt, als in den angeführten Berechungen. Diese beiden Faktoren zusammen erklären wohl die ca. 0,3 mag Grenzgrößenverlust.
Aber auch das geht am Thema vorbei. Ich habe ja nie behauptet, daß ein kurzbrennweitiger Refraktor gleichwertig zu einem langbrennweitigen gleichem Druchmessers ist.
Bei gegebener Montierungsstabilität würde ich mich aber trotzdem eher zu einem 6´´ f/8 als zu einem 4´´ f/12 entscheiden.

Die Theorie von Taylor stimmt also leider nicht. Er hätte vielleicht mehr beobachten und weniger messen sollen.

Antwort:
An den Messungen von Taylor gibt es m.E. nichts zu deuteln und alle Ableitungen daraus sind mathematisch korrekt.
Ich verweise nochmal auf die Abbildung S.188 im Suiter, in der der erweiterte wellenoptische Schärfentiefebereich zu sehen ist. Als weitere Annahmen sind nur der Durchmesser des Beugungsscheibchens und die Spektralempofindlichkeit des Auges. Auch daran gibt es wohl keine Zweifel.
Wie oben ausgeführt, bestätigen die modernen APOs sogar die Ableitungen Tylors. Die sind ja auch nicht bis 380nm farbrein und erzeugen visuell nur deswegen ein "scheinbar" völlig farbreines Bild, weil Taylors Messungen und die daraus folgenden Konsequenzen korrekt sind.
Denen wurde in der Literatur übrigens auch nie wiedersprochen. Sie sind nur in Vergessenheit geraten.

Warum die alten Beobachter aus dem vorigen Jahrhundert mit der Abbildung ihrer Riesenfarbscheinwerfer zufrieden waren kann ich dir auch gerne sagen: weil sie nämlich nichts besseres kannten! Außerdem ist doch klar, daß eine Öffnung von 1m gewaltig viele Details bringt, trotz des Farbfehlers. Das liegt ganz einfach an der riesigen Öffnung. Aber was denkst du hätte ein 1m-APO erst an Details gezeigt oder ein perfekter 1"-Spiegel visuell? Die hätten ihre Riesen-Chromaten dann ganz schnell eingestampft und vergessen. Und vergessen sind sie mittlerweile, warum wohl?

Antwort: Also der Reflektor war ja zumindest seit Newton bekannt. Es kann also keine Rede davon sein, daß die Optiker und Astronomen des 17...19. Jahrhunderts nichts anderes kannten. Spiegel waren allerdings reproduzierbar beugungsbegrenzt erst durch den Foucault-Test herstellbar und erst mit Liebigs Versilberungsmethode vergleichbar lichtstark mit einem gleich großen Refraktor.
Es hat wohl historisch ganz andere Gründe, daß der Refraktor bis Anfang des 20. Jahrhunderts das "klassische" Astronomen-Instrument war: bessere Astrometrie-Eigenschaften, bei gleicher Lichtstärke um den Faktor 4 geringere Schleif-Toleranzen, Langzeitstabilität etc.
Das geht aber am Thema vorbei. Wenn die von Dir scherzhaft "Riesen-Farbscheinwerfer" genannten Groß-Refraktoren für Planeten so schlecht gewesen wären, hätte sich jede Sternwarte ja als Zweitinstrument einen Herschel-Dobson oder sowas anschaffen können, der auch noch viel billiger als das Hauptinstrument gewesen wäre.
Haben die aber deswegen nicht gemacht, weil sie in der Praxis mit Ihrem Refraktor auch an Planeten völlig zufrieden
waren. Und die Ursache für diese Zufridenheit ist eben durch Taylor erst aufgedeckt und danach wieder in Vergessenheit geraten.
Wie erklärst Du, daß mit Farb-Scheinwerfern so Sachen wie die Encke-Keeler-Lücke im Saturn-Ring, Sirius B.... entdeckt wurden. Nach der klassischen Theorie nimmt bei einem konstantne Öffnungsverhältnis von sagen wir mal 1:15 der Farbfehler mit größer werdender Öffnung so schnell zu, daß es gar keinen Sinn gemacht hätte, größere Öffnungen als 4´´ herzustellen.


Mein Fazit deines Artikels:
Stilistisch sehr gut verfasst, inhaltlich überwiegend falsch und zum großen Teil leider völlig an der Praxis vorbei. Beobachtungserfahrung kann eben durch nichts ersetzt werden.

Antwort: Danke für das Stil-Lob. In den anderen Punkten widerspreche ich Dir natürlich, da Du weder einen Fehler in der Ableitung nachweisen kannst, nach meinen Erfahrungen und denen anderer (Astronomen von damals wie Amateure von heute)
das sehr wohl mit der Praxis übereinstimmt.
 
Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Ich sehe den Versuch scheitern, dem (relativ) kurzbrennweitigen Achromaten seine Daseinberechtigung abzusprechen.

Unmöglich gar, den sich häufenden, erfreulichen Observierungen mit achromatischen Linsenrohren, bis hinab zu f8, teils untermauert durch detailgetreue Zeichnungen, zu widersprechen. Ausgerechnet Jupiter entzückt die Benutzer solcher Rohre, der ja angeblich so gut wie unbeobachtbar mit einem f8 Achromaten sein soll. Die Theorie ist nur so lange nützlich, solange sie das Verstehen der Praxis erleichtert.

Vergessen wir eine Weile all diese fragwürdige Theorie, die uns hier aufgetischt wird und sprechen wir mit den Sternfreunden, die einen 100/1000 oder 150/1200 Achromaten benutzen, so werden wir nicht selten Positives hören. Eigentlich ist es das, was wirklich zählt. Gerade einmal 30 Jahre nach C8, Lichtenknecker und Quelle-Versand schicken wir uns an, nur noch das Vollkommene als eben noch hinnehmbar zu betrachten.

Es könnte doch sein, daß es Sternfreunde gibt, die einfach keine Lust haben

+ ständig Optikjustagen durchzuführen
+ Löcher in ihre Teleskoptuben zu schneiden
+ Zwangsentlüftungen und elektrisch betriebene Lüfter einzubauen
+ ihrem Teleskop eine Stunde Zeit für Temperaturanpassungen zu gewähren

Vielleicht haben sie keine Lust. Vielleicht wollen sie es nicht. Vielleicht können sie es nicht. Es spielt keine Rolle.

Sie betrachten ihren Refraktor - zurecht - als pflegeleichtes, robustes Allroundgerät mit langen Inspektionsintervallen. Für sie ist der Refraktor "der" Mutter aller Teleskope.

Im Gegenzug sind sie bereit dazu, einen Farbsaum hie und da zu akzeptieren. Hinzunehmen, dass unter gewissen Umständen ein Quäntchen Kontrast durch die Chromasie verloren geht. Nur theoretisch ist dieses Quäntchen Kontrast vielleicht in anderen Teleskopen vorhanden, wenn es nicht durch andere Einflüsse (Tubusseeing, imperfekte Kollimierung, ...) zunichte gemacht wird.

Oft ist exakt das der Fall und alle landen wieder am gleichen Punkt.

Punkt.

Lasst euch grüßen vom
Paule
 
Re: Eine Lanze für den langen Faltrefraktor

Als Schüler (lang ist's her) konnte ich mit Polarex Unitron) FH - Refraktoren mit 60mm und 75mm Öffnung beobachten. Sie hatten ein Öffnungsverhältnis von 1:15. Damit konnte man sehr gut den Mond, die Sonne, Jupiter und Saturn beobachten. Es waren schöne Teleskope. Später hatte ich kurzfristig einen Bresser Uranus 100/1000mm FH und fand die Abbildung eher bescheiden. Die Farbsäume an den Kanten verdarben das Vergnügen. Ähnliches offenbarte der 100/1000 FH Refraktor von TAL. Die bläulich-purpurfarbenen Säume sind sehr störend. Theorie hin oder her, nur die 1:15 FH-Refraktoren waren in Ordnung.
 
Re: Eine Lanze für den langen Faltrefraktor

Hallo,

Spaß machen würde mir auch ein gestrecktes 8" Ungetüm mit 6 m Brennweite. Nur
allein die finanziellen Mittel und das Nudelholz meiner Frau halten mich von solchen
Sachen fern. Da geht ein 8" f/6 - f/8 Newton ja doch schon einfacher. Für den Amateur hört
es eben bei 4" und 1,5 m auf praktikabel zu sein. Und selbst das ist schon nicht mehr schön,
da das Stativ dann auch schon fast 2m hoch sein darf. Die Bilder solcher Fernrohre sind sicher
ohne Frage visuell äußerst brauchbar, aber so ein spezielles Rohr ist eben wirklich nur was
für Liebhaber. Und dafür krampfhaft Vorteile zu suchen ist unsinnig, entweder man steht zu
seinem Spleen und legt sich so ein Ding zu, oder man macht was anderes. Aber Fraunhofer schön
zu reden, die gar keine sind ist unsinnig. Das Prinzip funktioniert eben nur durch Länge, und je
mehr Länge umso besser. Das Fraunhofer Kriterium gibt ja nur die minimale Länge an, und mit der
doppelten Länge geht es aber noch besser. Das kann man sich ja mal an Hand der Tabelle überlegen,
ich fang dann immer leicht an zu glucksen, wenn ich mir die Teleskope dann mal so bildlich vorstelle.
Aber so ein 10 m langer 8", da wäre man schon in einem exclusiven Club, dagegen sind ja APO Besitzer
schon richtige Warmduscher <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> .
 
Da isser ja wieder mal!

Hallo "Paule",

... sprechen wir mit den Sternfreunden, die einen 100/1000 oder 150/1200 Achromaten benutzen, so werden wir nicht selten Positives hören.

naja,die beiden Teleskope würde ich nicht in einem Atemzug nennen.
Der 100/1000er ist etwas zu kurz um richtig überzeugen zu können,
der 150/1200er ist dagegen viel viel zu kurz um auch nur halbwegs
annehmbar zu sein.

Positives hörtest du sogar zum Bresser Pluto,Seben Star Sherrif,
TS-Megastar,Seben Big Boss,wo es meiner Ansicht nach ebensowenig hingehört.

Einige Monate nach der mit großem Brimborium erfolgten Einführung der großen
chinesischen 150/1200er Tüten kam es zu einer Welle von Gebrauchtverkäufen.

Zufrieden waren die Verkäufer auf Nachfrage mit ihrem Farbeimer selbstredend
alle,aber behalten wollten sie ihn eben nicht <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

Macht ja nichts,die meisten haben einen neuen Besitzer gefunden,für eine
Handvoll Dollar <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />

Ich sage immer jedem das seine:
Den einen die bunten Tüten,den anderen die langen Spargel,einigen die teuren
APOs und einigen die verschiedenen Reflektoren.

Wenn aber das die kontrastarmen Farbschleudern als "Planetenrohre" geadelt
werden sollen ist bei mir der Ofen aus,da spiele ich eben nicht mit.

MfG,Karsten
 
Re: Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achrom

Hallo Karsten,

Um auf das Ausgangsposting eizugehen:

Die Fokussierung bei polychromatischem Licht ausreichende Helligkeit
erfolgt beim FH tatsächlich nicht exakt auf grün,sondern zwischen günem
und blau/rotem Fokus.

Insofern verhält es sich wie bei einem farbreinen Telesekop mit sphärischer
Aberration wo aus der "Blurr" mit der geringsten Ausdehnung fokussiert wird.

Doch das funktioniert nur in dem Bereich wo wir uns innerhalb einiger weniger
Wellenlängen um den Fokus herum aufhalten,wo der Wellencharakter des Lichtes
zum Tragen kommt.

Ist die Fokus-Differenz des Grünen sowie blau/roten Fokus zu groß fällt dann der blau/rote aus diesem Breich heraus und die geometrische Betrachtung des
Farbfehlerproblems kann dann den Sachverhalt recht gut darstellen.

Antwort:
Das ist m.E. nur ein Verständnisproblem bei Dir, weil ich im Moment nicht in der Lage bin, hier Diagramme zu posten. Ein Bild sagt ja mehr als tausend WOrte.
Der Verlauf des Farbfehlers (mit der Wellenlänge variierende Brennweite) hat nichts mit dem Unterschied geometrischer zu Wellenoptik zu tun.
Die Wellenoptik kommt nur bei einem Punkt hier zur Anwendung, nämlich wie groß (linear) der Schärfebereich einer Optik ist. Alles was brennpunktmäßig an Farben innerhalb dieses Schärfebereichs liegt, ist auf jeden Fall beugungsbegrenzt scharf. Dieser wellenoptische Schärfebereich ist aber größer, als gemeinhin aus der geometrischen Optik abgeleitet werden kann.
Dein Vergleich mit dem "sphärischen Blur" ist leider ein falsches Beispiel. Dann ist das Bild ja schon im idealen Fokus (und dann auch noch für alle Wellenlängen) kaputt, also nicht beugungsbegrenzt. Da nützt ein Schärfentiefebereich überhaupt nichts.
Du kannst ja auch nicht ein unscharf aufgenommenes Dia im Diaprojektor durch Abblenden oder Fokussieren des Projektionsobjetives wieder scharf kriegen.

Der Farbfehler ist etwas ganz anderes. Dort wird ein beugungsbegrenztes Bild für jede Wellenlänge an einen anderen Brennpunkt gelegt. D.h. es gibt einen ausgedehnten Bereich, an dem entlang unendlich viele Bilder des Beugungsscheibchens mit verschiedenen Farben aufgereiht sind.
Alle dieser aufgereihten Bilder, die innerhalb des Schärfentiefebereichs liegen, werden scharf wahrgenommen.
Alles was außerhalb liegt, erzeugt einen "Farbschleier".

Ein meiner Ansicht nach weiterer Fehler der Tailor`schen Betrachtung des
Farblängsfehlers des FH bei der Planetenbeobachtung ist folgender:

Bei der helligkeit der Planeten Jupiter,Mars und Saturn befindet sich das Auge im Bereich des Farbsehens (Zapfensehen).Die relative spektrale Empfindlichkeit
des Auges ist dann bei rot und blau wesentlich höher als
im Schwarz/weiß Modus (Stäbchensehen) des Sehens.
Daß die so ist bemerkt de Beobachter daran daß er das blau-violette Falschlicht
(= Streulicht) auch tatsächlich farbig wahrnimmt(!) und nicht nur als
grauen Schleier.

Es gelten also bei der Planetenbeobachtung die relativen Empfindlichkeiten der Rezeptoren in der Netzhaut für farbsehen,nicht etwa die viel geringeren
Empfindlichkeiten für blaues und vor allem rotes Licht bei geringen Lichtintensitäten,bei denen nur noch schwarz/weiß-sehen möglich ist!

Antwort: Da habe ich mich vielleich nicht klar genug ausgedrückt. Es ist hier von vornherein die Tag-Empfindlichkeit des Auges (photopisches Sehen, Zäpfchen)
angenommen worden. Diese ist aber um 50 nm in Richtung Rot gegenüber der Nachtempfindlichkeit verschoben. Gerade das Tagsehen hat also im Blauen eine (auf das Maximum bezogene) geringere relative Empfindlichkeit!


Zitat:
Alle Ausführungen hier beziehen sich nur auf die visuelle Wahrnehmung, die von der photographischen deutlich zu unterscheiden ist aufgrund des völlig unterschiedlichen Verlaufs der Farbempfindlichkeit von Auge und CCD/Film.


Das gilt meiner Ansicht nach wie oben ausgeführt nur bei geringen Lichtintensitäten.

Was der CCD an blauem Licht (für welches das Auge empfindlich ist,also
nicht Ultraviolett) wegen zu großer Fokusdifferenz und daraus folgend zu
ausgedehnter "Abbildung" des blauen Fleckchens nicht mehr scharf bekommt,
bekommt auch das Auge nur dann scharf wenn auf blau nachfokussiert wird.

Deine Rechnung (bzw die von H.D.Tailor) bezüglich des Ausmaßes des Streulichtes
ist meiner Ansicht nach falsch:

Es sind bei den schnellen Öffnungsverhältnissen viel mehr als die angegebenen
zum Teil nur 1 oder 2%.

Antwort:
Auch hier gibt es ein Verständnisproblem, weil ich hier keine Grafiken posten kann.
Linear geht natürlich mehr als 1% oder 2% Licht verloren im Blauen und Roten Farbbereich. Mit einem Detektor, der für alle Wellenlängen gleich empfindlich ist, würde sich das also auch in einem -gegenüber dem Auge- recht starken Kontrast- und Auflösungsverlust bemerkbar machen.
Das Auge ist nun aber ein Detektor, das zumeinen nicht für alle Wellenlängen die gleiche Relative Empfindlichkeit hat, sondern wo es zum Blauen und Roten dramatisch an relativer Empfindlichkeit bergab geht.
Außerdem ist das Auge ein Detektor, der auf Helligkeitsunterscheide (Kontraste) reagiert.
Beides muß man berücksichtigen. Und genau so ist auch die Herleitung.
Kontrastmindernd wirkt also nur das Verhältnis der außerhalb
des Schärfebvereichs liegenden Wellenlängen multipliziert mit der Spektralempfindlichkeit des Auges (numerisch integriert) in diesen Bereichen. So sind die Werte in den Tabellen und von Taylor hergeleitet.

Der Farbfehler vermindert die Auflösung dann nicht,wenn der Kontrast im
Objekt ser hoch ist.Beispiel:

-Doppelstern zweier gleichheller Komponenten.Solange sich die beiden Beugugsscheibchen aus dem falschfarbenem Hintergrund herausheben ist das
Auflösungsvermögen nicht beeinträchtigt,wohl aber die Kontrastwiedergabe

-Mond am Terminator.Hier ufern die Blausäume der hellen Bereiche deutlich
erkennbar aus.Aber wegen des hohen Kontrastes zwischen hellen (fast 100% und danebenliegenden dunklen (fast 0%) Strukturen kann der bunte FH noch
soviel Kontrast herüberretten daß keine oder nur geringe Beeinträchtigung
der Auflösung stattfindet.

Aber bei Jupiter sieht das ganz anders aus!Hier findest du (fast) nur
niedrigkontrastige Objektdetails,die gemeinerweise auch noch in verschiedenen
Farben auftreten und hell genug sind um auch farbig wahrgenommen zu werden.

Beim 15% Kontrast zwischen einer bläulichen Girlande und einem beigefarbenen
Detail in einem der Jupiterbänder schickt die Defokussierung des blauen
Lichtes dieses bläuliche Details dieses unter sagen wir 5% Bildkontrast
und damit schlicht ins Nivana.

Und genau deshalb ist der "farbreine Refraktor" namens APO dem zu kurzen FH am Planeten weit weit überlegen.Dies zeigen auch entsprechende Vergleichsbeobachtungen
mit FHs und APOs.

Antwort:
Deine Herleitung der Konsequenzen von Hoch- und Niedrig-Kontrast Details enthält noch einen Denkfehler.
Über den Unterschied zum Blausaum außerhalb des Randes eines Objektes habe ich schon zweimal in Antworten auf andere Beiträge in diesem Thread geantwortet.
Noch mal in Kürze: Wenn das blaue, defokussierte Licht z.B. 10% der visuell wahrgenommenen Gesamthelligkeit hat, dann folgt daraus, daß (stark vereinfacht) um den Planeten/Mond ein Blausaum mit einer Helligkeit von 10% der Helligkeit des Planeten/Mond selbst ist.
Außerhalb des Planeten/Mond interessiert uns das aber i.d.R. nicht, weil es da ja nix zu beobachten gibt.

Was ist aber mit den 10% Blausschleier auf dem Planetenscheibchen?
Wir nehmen Dein Beispiel, daß es dort nun ein Objektdetail mit 15% Kontrastdifferenz gibt.
Der erzeugt ein "Blauschleier" oder jeder sonstige "Schleier" von 10% "Falschlicht" eine Kontrastminderung von ursprünglich 15% auf

(100%-10%)*(100%-15%)= 13,5% !!!

(O.K. mathematisch ist es etwas komplizierter, aber für uns reicht diese Näherung)

Der wahrgenmmene Kontrast wird also von ursprünglich 15% auf 13,5% reduziert.
Und das bei einem angenommenen Blauschleier von 10% !
In Wirklichkeit ist es noch viel weniger schlimm, weil 10% visuell wahrgenommener Blauschleier schon recht viel wären (s.Tabelle in einem Posting von mir weiter oben).

Zum Thema APO habe ich mich mehrfach (positiv) geäußert.
Ich will eher den "einfachen" FH-Besitzern wieder mehr fundierte "Rückendeckung" gegenüber FH-Schlechtrednern geben.
Der APO bleibt das Traumgerät gegen erheblichen (notwendigen) Preisaufschlag.
Man muß hier immer zwischen ästhetischem Bildgewinn und realem Auflösungsgewinn unterscheiden. Der Blausaum außerhalb von hellen Objekten läßt das Gehirn natürlich vermuten, daß dann vom Kontrast auf den Planetenscheiben nicht mehr viel übrig bleiben kann.
Dieses "Gefühl" trügt aber.

C.S.

Roger

 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Eine Lanze für den langen Faltrefraktor

Hallo Antonius,

es sollte doch mal eine gemeinsame Beobachtung mit Jan Fremerey und seinem
6"f/20 Falt-FH hinzubekommen sein.Sein Konzept finde ich wirklich interessant.
Deshalb würde mich echt interessieren wie es sich in der Praxis bewährt...

Viele Grüße,Karsten
 
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