Neue, geniale Fernglas-Erfindung...

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Des Rätsels...

...Annäherung?

Folgende Überlegung. Wenn wir die von Walter angegeben 140mm-220mm Brennweite mal zum Maßstab nehmen, sind das doch schon erhebliche Blendenunterschiede (finde ich). f/2,8 zu f/4,4 oder 36% bezogen auf die Brennweite! Daraus ergibt sich für das längere Objektiv (220mm) ein deutlich schmalerer Strahlenkegel und daraus resultierend, ein größerer "quasi-scharfer" Bereich (im Vergleich zum kürzeren). Könnte sich dieser Effekt in der Praxis so auswirken, dass man tatsächlich einen größeren "quasi-scharfen" Bereich bekommt und der Rest Unschärfe mit den Augen dann ausgeglichen wird? Ist mal so eine Überlegung ...
 
Über den Einfluß des Gehirns

Hallo Willi,

Deine Anmerkung, daß auch das Gehirn eine wichtige Rolle spielen kann, ist richtig, wie nicht zuletzt garade diese Diskussion hier beweist. Allerdings in einer etwas anderen Weise, als Du wahrscheinlich vermutest.

Das Gehirn kann das, was die Optik nur als unscharfes Bild liefert, nicht scharf zaubern, also die Schärfentiefe nicht vergrößern. Insofern muß man das Gehirn als Einflußfaktor (nicht jedoch zum Nachdenken) ausklammern, wenn man physikalisch korrekt argumentiert. Außerdem diskutieren wie hier die Schärfentiefe, die das (gehirnlose) Fernglas liefert, und nicht, was der Betrachter möglicherweise z.B. im Kokainrausch oder unter Alkohol oder auch nur bei Müdigkeit oder unter dem Einfluß geschickt formulierer Werbetexte alles wahrnimmt.

Aber das Gehirn hat eine Fähigkeit, die man Einbildungskraft nennt, und die kann sich wahrlich über physikalische Gesetze hinwegsetzen. Man denke dazu nur an die vielen Käufer der von mir schon weiter oben erwähnten Kupferarmbänder und Magnet-Schlafmatten, an die bei Astrologen und anderen Wahrsagern Ratsuchenden, an die Guru-Anhänger, die angeblich andere schon auf der Erde (nicht in der Umlaufbahn eines Satelliten) haben schwerelos schweben sehen und an die selbstmörderischen Sektenanhänger, die sich vor ein paar Jahren vergiftet haben, um mit einem UFO von der Erde zu einem anderen Planeten (im Jenseits?) abgeholt zu werden. Wenn das alles funktioniert, warum sollte die Einbildungskraft nicht auch im Steinerschen Interesse dazu ausreichen, bestimmten Ferngläsern größere Schärfentiefe zuzuschreiben?

MfG Walter E. Schön
 
Realitaet und Marketing

Hallo Willi,

Dein Beispiel mit der Verlautbarung des Verbandes der deutschen Optiker bestaetigt ja nur das oben
gesagte: Es wird immer wieder versucht, durch Marketing einem unbedarften Kunden irgendwelche
Scheinargumente zu verkaufen. Das gilt fuer die Behauptung, japanische Glaeser seien ungesund, genauso
wie fuer Steiners Behauptung, sie haetten Autofokus Fernglaeser. Nur diejenigen, welche das
entsprechende Grundwissen mitbringen, gehen diesen Aussagen nicht auf den Leim.

Und jetzt noch mal zu Johann: Die Grundlagen der Optik, mit denen man die Schaerfentiefe bestimmt, sind
ja keine hochschwebende Theorie sondern Basiswissen eines jeden Konstrukteurs, und das seit vielen
Jahrzehnten. Trotzdem kann es natuerlich immer wieder Fortschritte geben, aber bevor ich mich
hinstelle und sage: Mein Fernglas hat Eigenschaften, die von den etablierten Gesetzen der Optik abweichen,
muss ich doch ganz vorsichtig sein. Ich muss doch dann mal ganz genau nachmessen, und wenn ich immer noch
der Meinung bin, dass ich da etwas Besonderes sehe, dann muss ich den 'Theoretikern' mal sehr genau beschreiben,
wie und unter welchen Bedingungen ich etwas gemessen habe und was genau dabei herauskam. Die Bemerkung: 'Die
Theorie mag ja fuer euch richtig sein, nicht aber fuer mich' ist nicht konstruktiv. Schliesslich schaffen wir
unsere Theorien, um unser Wissen zusammenzufassen, damit wir halt nicht bei jedem einzelnen Instrument aufs
Neue nachmessen muessen, wie es mit der Schaerfentiefe aussieht. Mit Deiner Einstellung 'Theorien
bringen meistens nichts, weil die Praxis sowieso anders aussieht' wuerden wir heute vermutlich noch
auf den Baeumen leben. Mein Fazit: Beobachtungen, die vom etablierten Wissen abweichen, sind natuerlich
erlaubt und koennen auch wirklich manchmal nuetzen, aber nur, wenn man sehr genau weiss, was man tut.
Und dazu sollte man sich bei den 'Theoretikern' auch mal schlau machen.

Gruss,
Holger
 
Re: Über den Einfluß des Gehirns

Hi Walter,

Zitat:

Deine Anmerkung, daß auch das Gehirn eine wichtige Rolle spielen kann, ist richtig, wie nicht zuletzt garade diese Diskussion hier beweist. Allerdings in einer etwas anderen Weise, als Du wahrscheinlich vermutest.

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<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />
 
Theorie ist kein fälschbares Prüfprotokoll

Hallo Johann,

ich will niemandem seinen geliebten Geisterglauben und Hokuspokus nehmen. Aber wer die gesicherten optischen Gesetze in Frage stellt, sollte nicht im Astronomie-, sondern im Astrologie-Forum mitmachen. Eine Argumentation auf der Basis bewiesener physikalischer Gesetze ist nicht mit einem jederzeit fälschbaren Gutachten oder Prüfprotkoll zu vergleichen. Wenn Du auch nur einen einzigen Fehler in meiner physikalisch-mathematischen Argumentation findest, so teile ihn mir bitte mit, damit ich ihn korrigieren kann. Aber argumentiere bitte nicht Prüfprotokollen, um die es hier nicht geht.

MfG Walter E. Schön
 
Re: Theorie ist kein fälschbares Prüfprotokoll

Hallo Walter,

Zitat: Wenn Du auch nur einen einzigen Fehler in meiner physikalisch-mathematischen Argumentation findest, so teile ihn mir bitte mit....
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Nein finde ich nicht, wäre wahrscheinlich auch nicht so ohne mich einzulesen in der Lage dazu...

Zitat: Aber wer die gesicherten optischen Gesetze in Frage stellt, sollte nicht im Astronomie-, sondern im Astrologie-Forum mitmachen.
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<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> ...Wissenschaft ist Irrtum auf neuestem Stand... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> Nimm´s mir bitte nicht übel, aber einer hat hier schon wegen dieser Kleinigkeiten das Forum verlassen, ich seh´s halt nicht so tierisch..
Bin übrigens selbst Techniker (seit langem eher Theorethiker)

nix für Ungut

Johann


 
Achtung, Denkfehler!

Hallo Jochen,

Du hast zwei ganz entscheidende Denkfehler gemacht.

1. Du betrachtest nur das Bild im Primärfokus (auf das sich das von Dir genannte Öffnungsverhältnis bezieht). Du übersiehst, daß dieses dort entstehende reelle Bild durch das nachfolgende Okular in ein virtuelles Bild übertragen wird und bei längerer Objektivbrennweite auch eine längere Okularbrennweite wirksam ist. Die von mir angegebene Formel berücksichtigt aber die Abbildung sowohl durch das Objektiv als auch nachfolgend durch das Okular!

2. Du schließt aus dem bei längerer Brennweite spitzeren Strahlenkegel auf größere Schärfentiefe, weil Du wahrscheinlich nicht bedenkst, daß dieser Strahlenkegel auch entsprechend länger ist, der Bildpunkt also sehr viel weiter von der Primärfokusebene entfernt liegt! Während nämlich der Strahlenkegel salopp gesagt proportional zur Brennweite schlanker wird, wird es nahezu proportional zum Quadart der Brennweite länger. Folglich überwiegt dieser zweite gegenläufige Effekt. Nach Deiner Argumentation müßten ja beim Fotografieren Teleobjektive bei gleicher Objektentfernung eine viel größere Schärfentiefe als Weitwinkelobjektive haben, doch das Gegenteil ist der Fall!

Wenn Du die Sache korrekt durchrechen willst, mußt Du erst ausrechnen, wo das vom Objektiv erzeugte reelle Bild liegt, und dann, wohin das in seiner Position gegenüber der Unendlicheinstellung nicht veränderte Okular dieses reelle Bild (welches für des Okular der „Gegenstand” ist) als virtuelles Bild wirft. Weil das reele Zwischenbild näher am Okular liegt als dessen Brennweite beträgt, entsteht kein reelles, sondern ein virtuelles Bild, und nur das ist das, was das Auge beim Blick durchs Fernglas sieht!

MfG Walter E. Schön
 
Ist Theorie wirklich grau?

Hallo Holger,

sei beruhig, ich will nicht kontern (ich bin nicht von Natur aus streitsüchtig). Im Gegenteil, ich möchte Deinen Anmerkungen zur Meinung vieler sog. Praktiker über die Theoretiker nur noch einen Satz bekräftigend hinzufügen:

Wer behaupte, grau sei alle Theorie, sagt dies in dem meisten Fällen wegen eigener Farbenblindheit.

In diesem Sinne veraschiede ich mich für heute nun endgültig aus dem Forum.

MfG Walter E. Schön
 
Re: Zitierte Behauptung ist ausgemachter Unsinn

Hallo Willi,

die von Dir angeführten deutschen Optiker können viel erzählen, wenn der Tag lang ist. Auch wenn ich selbst Optiker bin, muß ich mir nicht jede Jacke anziehen, die mir irgend jemand hinhält!

Dein Beispiel zeigt eben, wie wichtig es ist, sein Gehirm einzuschalten und nicht einfach Werbeprospekten zu glauben. Durch meinen Beruf bin ich in der glücklichen Lage, die Steiner-Behauptungen zu überprüfen, auch ohne dass ich 20km in den nächste größere Stadt fahre, einen Händler mit Steiner-Gläsern aufsuche und dann das bestätigt finde, was ich jetzt schon weiß. Das hört sich für den Außenstehenden sicher arrogant an, aber wer sich die Mühe macht, die gar nicht so schweren theoretischen Regeln zu durchdenken, der kann zu keinem anderen Urteil kommen.

Ich finde es fast unglaublich, wie stark in diesem Board, welches mit Optik so viel zu tun hat wie kaum ein anderes, die Wundergläubigkeit verbreitet ist. Allerdings lege ich auch keinen gesteigerten Wert mehr darauf, noch weitere seitenlange Texte zu schreiben, die die Adressaten gar nicht wirklich interessieren. Der Mensch glaubt oft lieber das, was er glauben möchte, selbst da, wo er wissen könnte.

Beste Grüße, Herbert





 
Re: Zitierte Behauptung ist ausgemachter Unsinn

Hallo Hausmeister,

zunächst mal was zur Klarstellung. Ich hatte noch nie ein Steiner-Fernglas in den Händen gehalten, geschweige denn, hindurch geschaut.
Aber ich habe schon mehrmals vernommen, über welche Schärfentiefe diese Dinger verfügen sollen, und dass man sie nur einmal auf sein Auge einstellen müsse. Wie das funktionieren soll, weiß ich nicht. Auf jeden Fall scheint doch ein subjektiver Eindruck, auch von Besitzern dieser Ferngläser, vorzulegen, dass diese Gläser eine größere Schärfentiefe haben als andere. Ob dieser subjektive Eindruck einer objektiven Überprüfung standhalten kann, dies zu beurteilen bin ich nicht in der Lage.
Mir ist klar, dass du nicht die Zeit hast, mal kurz in die nächste Stadt zum Steiner-Händler zu fahren und so ein Glas in Augenschein zu nehmen.
Aber wenn du mal zufälligerweise in dieser Stadt sein solltest,und dein Weg führt dich bei einem Optikhändler vorbei, der Steiner-Ferngläser verkauft, dann statte ihm doch mal bitte einen Besuch ab und schau durch solch ein Fernglas durch.
Vielleicht findest du dann heraus, woran es liegt, dass auch viele ihrer Besitzer dem Fernglas eine überdurchschnittliche Tiefenschärfe nachsagen.
Ich finde, der Blick durch das Fernglas ist durch keine noch so genaue optische Berechnungen zu ersetzen.

Salut
 
Hab schon weiter unten gelesen, schade...

...hätte so schön sein können <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> .

 
Anmerkung des Thread-Starters...

Hallo!

Als Verursacher dieser Diskussion erlaube ich mir kurz einige Anmerkungen:

1.) Ich wollte eigentlich nur darauf hinaus, dass aufgrund des speziellen Gases(!) das Einstellen der Schärfe nicht mehr erforderlich sei! Das ist natürlich Schwachsinn!

2.) Es gab schon vor Jahrzehnten sog. Kameras mit Fix-Fokus-Objektiv, bei denen man die Schärfe gar nicht einstellen konnte. Die Bilder waren ziemlich scharf, aber nicht so scharf wie mit einem "richtigen" Objektiv! Man machte sich nur den Umstand zunutze, dass eine 95%-"Fraktile" der Bevölkerung (Normaluser) die mit der Fixfokus-Kamera gemachten Bilder als "scharf" bezeichnen würde, während 5% (Kenner und Könner) diese nur als "beinahe scharf" beurteilen würden.

Wenn also eloi das Bild eines Steiner "Sports-Autofocus" als scharf bezeichnet, dann hat er subjektiv recht. Objektiv betrachtet ist das Bild aber nur ziemlich scharf.

Alles nur eine Frage des Anspruchs und der eigenen Maßstäbe.

Gruß,
Peter
 
Thanxx @all!

Hallo zusammen!

Dass das ZF natürlich für andere Anwendung optimiert ist, als ein (astro) Fernglas, das war mir ja klar.

Jenes ZF, durch welches ich geschaut habe, war ein sauteures Zeiss, 3-12x56. Ich habe mich massiv über die theoretischen knapp 20mm AP (bei 3x) gewundert; und auch darüber, dass es bei 12x angenehm zitterfrei zu halten war. (ohne Gewehr im anschlag.. Nur das ZF, freihändig etwa 10cm vor's Auge gehalten)

Die Sache mit der Schärfentiefe*... Ich habe einen alten Fotoapperat, einen "Zeiss ikon Voigtländer", Modell "Vitessa 500". Da ist auf'm f=35mm Objektiv am Fokusierring eine Skala dran, wo ich an der Distanzskala je nach Blendenöffnung ablesen kann, wie viele Meter + und - ich auf'm Bild die "Tiefenschärfe" sein wird. Entfernungsmesser ist auch keiner drin, aber ich kann von 1-50m ziemlich gut schätzen und somit vor dem "schnappschuss" bestimmen, ob ich mein Objekt eher am vorderen, oder hinteren Rand der Tiefenschärfenbegrenzung haben will.
"Schnappschüsse machen" ist mit mit dieser Kamera fast nicht möglich:

- erst muss ich mal eine gewünschte Belichtungszeit einstellen (meist komm'ich auf 1/125s, mit'm "Illford 400" Schwarzweiss-film. 1/60 halt'ich auch noch sicher)
- dann beim Durchsehen die Blende soweit schliessen, bis die Belichtungsintensität als OK angezeigt wird (hat im inneren ein Zeigerlein)
- dann auf das Objektiv schauen; Blende ablesen & die "tiefe" des scharfen Bereiches ablesen
- dann die Entfernung zum Objekt schätzen
- dann den Fokus am Objektiv so drehen, dass das gewünschte Objekt entsprechend forne/mitte/hinten im Schärfefeld platziert ist
- dann den Film aufziehen (der Auslöser hat keine Verriegelung, darum spann'ich erst VOR dem Bild)

- dann nochmals Zielen und abdrücken

Eine Echte Prozedur, aber SO habe ich anno dazumal Fotografieren gelernt, und SO liebe ich das Fotografieren!
(habe auch noch eine alte Spiegelreflex Riccoh KR10, leider ohne Abblendetaste. Das ist meine "Hauptkamera", die hat mit mir schon den halben Globus bereist..)
Schnappschüsse macht meine Freundin mit der APS (*würg*, auch wenn die Bilder "gut" sind)


Ich werde bald 30 (soviel zu meiner Pupille) wie flexibel die ist, weiss ich nicht; aber, als ich vor etwa 'nem halben Jahr zwecks neuer Brille beim Augenoptiker war, habe ich ihn angewiesen, auch auf Hornhautverkrümmung zu achten, besonders am linken Auge.. (weil ich am Teleskop die Brille abnehm..) und er meinte, meine Hornhaut sei überdurchschnittlich gut in Form.. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" />
Auch, dass ich auf beiden Augen EXAKT den selben Fehler hätte (-1,55 Dioptrin) sei eher selten; ich sei wohl ein symmetrischer.. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/tongue.gif" alt="" /> (ich wusste nicht, ob das nun gutes, oder schlechtes heissen sollte..)



P.s. (Schärfentiefe - Tiefenschärfe... im Zusammenhang mit Fotos wird das in CH wirklich "Tiefenschärfe" genannt.. Ist dieser Ausdruck falsch? Ein typisch "schweizer-deutscher" Ausdruck also? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> Es gibt ja auch ein paar typisch deutsch-deutsche hässlichfalsche Ausdrücke wie "einzigste" oder "optimalste" wenn es eh nur "einen einzigen" gibt, wie soll's dann noch einen "einzigsten" geben??? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> )
 
Nicht ganz richtiger Vergleich

Hallo Peter,

nun habe ich doch noch mal schnell nachgeschaut, was so an Beiträgen noch alles nachgekommen ist. Zu Deinem Punkt 2 ist eine kleine Korrektur nötig:

Fixfokuskameras basieren nicht primät auf der Tatsache, daß 95% der Bevölkerung noch als scharf akzeptieren, was den restlichen 5% noch nicht scharf genug ist, sondern darauf, daß ihre Objektive sehr kleine Blenden (entsprechend großen Blendenzahlen) haben und oftmals auch noch die Brennweite relativ kurz ist. Kleine Blende in Verbindung mit kurzer Brennweite gibt nämlich tatsächlich und nicht nur wegen minderer Qualitätsansprüche der genannten 95% eine große Schärfentiefe.

Der Preis, der dafür zu zahlen ist, sieht so aus:

1. relativ lange Verschlußzeit (bei ISO 100/21° kürzestenfalls 1/125 s), schnelle Bewegung wird unscharf
2. keine optimale Anpassung der Schärfentiefe an die Erfordernisse des Motivs möglich und insbesondere
3. keine „selektive Schärfe” möglich, mit der ein bildwichtiges Detail betont oder das Hauptmotiv vom Hintergrund gelöst werden kann,
4. reduzierte Maximalschärfe (dort, worauf scharfgestellt ist) wegen bereits deutlicher Beugungsunschärfe und schließlich auch noch
5. geringe Blitzreichweite (max. Entfernung = Leitzahl : Blendenzahl) wegen großer Blendenzahl.

Man kann also die Fixfokuskamera, die wirklich eine große Schärfentiefe (bei reduzierter Maximalschärfe und anderen Nachteilen) bietet, nicht mit dem Fall Steiner „Sports-Auto-Focus” vergleichen, bei dem nur die Werbesprüche überdurchschnittliche Schärfentiefe versprechen, aber um keinen Deut mehr geboten wird als bei anderen Ferngläsern gleicher Daten.

Und noch eine Randbemerkung, die mit Deinem Beitrag nichts zu tun hat, die ich jetzt aber auch noch loswerden will: Alle, die so hartnäckig darauf bestehen, daß die Steiner-Ferngläser eine so übergroße Schärfentiefe haben sollen, reden immer nur davon, daß sie durchgeschaut haben, und empfehlen uns „Theoretikern”, auch mal durchzuschauen. Aber durchschauen allein genügt nicht, man muß mit einem anderen Fernglas unter identischen Bedingungen vergleichen! Wer nur durchschaut und aus der wahrgenommenen Schärfentiefe schon schließt, daß die Werbeaussage von Steiner stimme, argumentiert im luftleeren Raum. Liebe „Praktiker”, nehmt also mal ein anderes Fernglas gleicher Daten zum Vergleich in die Hand und betrachet mit beiden (Steiner und XYZ) abwechselnd dasselbe Motiv!

Und dann noch was: Der überzeugte „Praktiker”, der a priori dem „Theoretiker” nicht glaubt, weil - wie weiter oben einer sinngemäß gesagt hat - in der Praxis sowieso alles anders ist, der glaubt doch sicher auch, daß die Sonne sich um die Erde dreht und nicht umgekehrt, wie manche Theoretiker behaupten. Denn man sieht es ja jeden Tag, wie die Sonne im Osten morgens hochsteigt, ihre Bahn hoch am Himmel zieht und abends im Westen versinkt, um während der Nacht die andere Hälfte der Erde zu umkreisen.

MfG Walter E. Schön
 
Re: Anmerkung des Thread-Starters...

Nachdem ich mich seit Tagen durch diesen Thread quäle, will ich nun auch mal meinen Senf dazu geben:

Ich habe vor einigen Tagen bei Saturn Hansa (!) ein 8x30 Steiner-Glas mit Einzelokulareinstellung in der Hand gehabt. Nach Einstellen beider Okulare auf einen ca. 10 m entfernten Punkt war von 8 - 12 m (oh Wunder) alles scharf. Über 12 und unter 8 m mußte ich nachjustieren. Das ist für ein 8x30 etwas völlig normales wie ich es von meinen Leica und Zeiss-Gläsern her kenne. Daß die Schärfentiefe je nach Lichtstärke, Vergrößerungsfaktor und Adaptionsfähigkeit des Auges (und nach dem eigenen Anspruch an "Schärfe" sowie der Leistungsfähigkeit der Optik) variiert, ist natürlich klar. Und da sind wir beim entscheidenden Argument, welches auch auf die Besitzer von Fixfokus-Kameras zutrifft: Diese Mitglieder der Instamatic, APS-Kamera und Billig-Digitalkamera-Fraktion sind schlicht und ergreifend mit einer niedrigeren Schärfeleistung zufrieden bzw. halten diese für normal. Man muß allerdings zugute halten, daß die entsprechenden Fotos meist mit den für Fixfokus-Objektive notwendigen 400er Filmen gemacht werden und weder auf einer Dialeinwand auf 1,50 x 1,50 m aufgeblasen werden noch auf 30x40 Papier vergrößert werden.
Wenn solch ein Besitzer eines derartigen "Filmverbrennungsmaschinchens" sich dann ein seinem Geldbeutel oder Anspruch entsprechendes Fernglas kauft, ist klar, mit welcher Einstellung an die optische Leistung herangegangen wird. Und (es tut mir leid, das sagen zu müssen) die Steiner Gläser aus der martialisch gummierten 100,- - 200,- EUR-Fraktion, die ich kenne, erfüllen eben nur genau diese Ansprüche. Um es auf den Punkt zu bringen: beim Steiner halte ich alles von 3 - 20 m für scharf. Bei Zeiss oder Leica sehe ich, daß es nur von 8 - 12 m scharf ist und nehme allenfalls bei fehlender spontaner Nachfokussiermöglichkeit (Ornithologie, Jagd) bei gleicher Einstellung Unschärfen zwischen 3 und 20 m kurzfristig in Kauf.

Einer, der seit 35 Jahren intensiv fotografiert
 
die besteste Tärfenschiefe

Hallo Slyv,

die Tiefenschärfe ist vom Wort her die innerhalb einer definierten Größe des Zerstreuungskreises liegende Schärfe verschieden tief in Richtung optischer Achse liegender Objekte vor und hinter einem Objekt optimaler Schärfe.

Durch eine Abblendung vergrößert sich der Bereich der Tiefenschärfe vor und besonders hinter dem Objekt optimaler Schärfe, bei Aufblendung geschieht das Gegenteil.

Die Schärfentiefe beschreibt die räumliche Tiefe, in der Tiefenschärfe herrscht. Der Bereich kann schon allein durch eine Änderung der Fokussierung, ohne Änderung der Blende verlagert werden.

Ich hoffe, das trifft so den Kern.

Die optimalste Schiefentärfe erhältst Du aber nur bei einer einzigsten Einstellung, und zwar wenn die Tärfenschiefe in keinster Weise tärfer als schief ist! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

vlobg, Herbert
 
Re: Fixfokus-Fotokameras und Ferngläser

Jetzt muß ich doch auch noch mal meinen Senf dazugeben, obwohl der thread eigentlich schon völlig unleserlich
geworden ist: das wichtigste ist für mich, daß man:

zwar aus jeder "normalen" Kamera mit 35-55mm Objektiv in wenigen Sekunden eine Fixfokuskamera machen kann, indem man die
Entfernung auf ca. 3-5m und die Blende auf 8 stellt, "Schönwettervollautomatik" entsteht durch zusätzliche Wahl der
Verschlußzeit von 1/125s bei 100er Film.

es aber nicht möglich ist, mit einer Fixfokuskamera etwas anderes als Schnappschüsse bei bestem Licht zu machen.
der ganze Kamerabody wird also, nur um ein paar Mark für Entfernungstrieb und eine einstellbare Blende zu sparen,
komplett abgewertet.

Das ist bei einer "Wegwerf-Einmalkamera" wie sie als Dokumentationskamera für Verkehrsunfälle manchmal als
ständiger Begleiter im Handschuhfach empfohlen wird, sicher nicht schlimm (allerdings ist die Chance, daß damit
die Beule, die man dokumentieren wollte, dann gar nicht sichtbar ist weil ca 50cm-1m zu nah ist, ziemlich groß)
- bei einem Fernglas der "Steiner-Preisklasse" halte ich es für eine Unverschämtheit, dieses Thema zudem so
abzuhandeln, als ob es sich um einen Produktvorteil handelt.
Aber wie man hier sieht, gibt es ja doch selbst dafür eine begeisterte Kundschaft (so wie auch für die vielen
vielen Esoterikbücher und Horoskope, die sich ja auch bekanntlich in der täglichen Praxis oft bewähren,
). Leider handelt es sich hier aber wohl nicht um den bekannten "Waldorfschulen-Steiner" sondern um die
deutsch Optikfirma - und das ist für mich nach Dosenpfand, toll-collect, Praxisgebühr... leider wieder einmal
ein ziemlich unschönes Beispiel für "armes Deutschland" (made in poor Germany?).

Bei anderen Gläsern mit Einzelokulareinstellung (auch die Fujinons sind solche "Autofokus") habe ich so eine unseriöse Darstellung
bisher noch nicht gesehen,nicht mal bei meinem "Jenoptik 7x50 high quality binocular" bei dem zudem nur ein Okular
überhaupt einstellbar ist (wie wäre es da mit "Semi- Autofokus" als Stichwort?), und das ich dem Hersteller
daher am liebsten um die Ohren hauen würde (gekauft bei ebay!!!)!!!
(einziger Vorteil hier: wenn man es Kindern in die Hand gibt, ist es nicht nach 5 Sekunden total verstellt)

Gruß


 
Steiner gibt Fehler zu u. will Aussage korrigieren

An alle,

bevor diese Diskussion von der „Schärfentiefe bei Ferngläsern” gänzlich zum neuen Thema „Fixfokus-Kleinbildkameras” hinüber schlittert, möchte ich nochmals (und für mich abschließend) auf das ursprüngliche Thema zurückkommen:

Gestern hatte ich mitgeteilt, daß ich mit Herrn Seifert von der Technik bei Steiner Optik telefoniert hatte und er mir bei allen meinen Kritikpunkten bezüglich der Schärfentiefe zustimmte. Allerdings verwies er mich wegen der im Internet und in den Prospekten wiedergegebenen Aussagen von Steiner an Herrn Göhl, der für das Marketing verantwortlich ist. Herr Göhl war aber gestern nicht erreichbar.

Heute habe ich wieder bei Steiner angerufen und ausführlich mit Herrn Göhl diskutiert. Er hat am Ende die Richtigkeit meiner Kritik bestätigt und eingeräumt, daß die Aussagen zur Schärfentiefe und zum „Auto-Focus” falsch sind und von Werbetextern schon vor längerer Zeit ohne Absicht der Irreführung, aber wohl aus mangelnder Fachkenntnis so geschrieben wurde. Nach dem Motto „in dubio pro reo” (im Zweifel für den Angeklagten) will ich ihm das mal abnehmen. Er hat ferner angekündigt, daß er eine Überarbeitung der im Internet auf der Steiner-Website stehenden Texte veranlassen und die neuen Texte von fachkundigen Technikern vor der Veröffentlichung auf Richtigkeit überprüfen lassen wird.

Mal sehen, ob und wann diesen Worten die Taten folgen. Wenn es so käme, wäre das doch ein Erfolg! Ich habe ja überhaupt nichts dagegen, daß es Leute gibt, die von den Steiner-Ferngläsern begeistert sind. Aber es stellen sich mir die Nackenhaare auf, wenn ich als Begründung dieser Begeisterung völlig unsinnige, den physikalischen Gesetzen widersprechende Behauptungen höre. Wenn Steiner nun bei aller Werbewirksamkeit der neuen Texte auf dem Boden der Tatsachen bleibt und dem potentiellen Käufer nur das als Vorteil beschreibt, was wirklich ein Vorteil ist (Steiner kann da durchaus einiges aufweisen), dann darf auch der Käufer mit weniger Optikwissen wieder davon ausgehen, daß er nicht übers Ohr gehauen wurde und das bekommen hat, was ihm versprochen wurde.

Wenn es so kommen sollte, hat diese Diskussion etwas bewirkt, worüber sich auch eloi und Gesinnungsgenossen freuen sollten. Natürlich freue ich mich dann auch.

MfG Walter E. Schön
 
Re: Steiner gibt Fehler zu u. will Aussage korrigi

Hallo,

Nachdem der Kontakt von Walter Schön zum Unternehmen Steiner zum Thema "Schärfentiefe und Sports-Auto-Focus" mehr als ein Jahr und neun Monate zurückliegt, habe ich heute einmal auf die Steiner-Seite geschaut sowie aktuelle Steiner-Prospekte gesichtet. Ich habe dabei nicht den Eindruck gewonnen, dass beim Steiner-Marketing zwischenzeitlich ein Umdenken eingesetzt hat und dieses auch an die potenzielle Kundschaft weitergetragen wird.

"Sports-Auto-Focus" ist da weiterhin die Art der Fokussierung bei Ferngläser mit Einzelokulareinstellung (für Ferngläser mit Mitteltrieb heißt es bei Steiner "Fast-Close-Focus"), die als hochwertiges Ausstattungsdetail und bester Bedienkomfort angepriesen wird: "Mit dem Steiner Sports-Auto-Focus ist von 20 m bis unendlich kein Fokusieren notwendig. Ein wichtiger Zeitvorteil, besonders bei sich schnell bewegenden Objekten."

Das hat auch das Magazin "Wild & Hund" überzeugt, das auf der Steiner-Seite wie folgt zitiert wird (über das Nighthunter XP 8x56): "Bei rasch wechselnden Beobachtungsdistanzen auf der Jagd zeigt der Sports-Auto-Focus von STEINER seine volle Stärke: Die Schärfe muss nicht mehr umständlich nachfokussiert werden. Die Dioptrin-Einstellungringe an den Augenmuscheln werden nur einmal justiert - fertig. Abhängig von der Vergrößerung und ab etwa 20 Metern hat man dann ein scharfes Bild. Erhältlich zum Beispiel bei der Nighthunter XP-Serie."

Schade eigentlich, dass Walters Aufklärungs- und Überzeugungsbemühungen auf so unfruchtbaren Boden gefallen sind. Aber etwas Verständnis sollte man schon zeigen:

Vor etwa 15 Jahren warb Steiner noch so (aus einem damaligen Prospekt): "Die Einzelokulareinstellung sorgt für gleichbleibende Schärfe bei wechselnden Beobachtungsentfernungen: einmal scharfstellen, immer scharf sehen! Das ist unverwechselbar STEINER!"

Da war das Marketing zwischenzeitlich doch wirklich kreativ und hat den "Sports-Auto-Focus" erfunden, den kann man doch nicht so mir nichts dir nichts einfach wieder streichen. Schon gar nicht, wenn Kunden und Magazine (bei denen Steiner ja auch noch Werbekunde ist) voll des Lobes für ein Feature sind, das bei anderen Herstellern so ja offensichtlich nicht zu bekommen ist.

Nebenbei möchte ich noch erwähnen, dass ich selbst ein Steiner-Glas besitze (Rallye 7x50), das ich trotz Sports-Auto-Focus mag. Lieber fokussiere ich aber an meinem Zeiss...

Viele Grüße und CS
Martin
 
Ist eigentlich schade, dass jetzt schon deutsche Markenhersteller auf solch einen Humbug setzen. Der "Autofokus" oder "Fixfokus" oder wie auch immer benamst bedeutet doch im Klartext, dass die Ueberwindung des residualen Defokus durch die Akkommodation des Auges geschieht, wodurch die Augenmuskulatur gestresst wird, sodass kein ermuedungsfreies Langzeitbeobachten gewaehrleistet ist. Dieser Nachteil (fehlende Fokussierung) wird dann auch noch als Vorteil verkauft.

Das erste Glas dieser Art, das ich in meiner Hand hatte, war Anfang der 90er ein Billigfernglas von Tasco, und ich hab gleich mit dem Kopf schuetteln muessen ueber so viel Unsinn. Andere setzen sich davon ab, so der Feldstecherhaendler Bresser, der in einem Katalog von 1994 schreibt, dass "Fixfokus" ein "Rueckschritt im internationalen Fernglasbau und eine Verdummung des Kaeufers" sei. Dem schliesse ich mich an, und ich greife lieber zu meinem 10x50 LIDL-Meade, weils besser ist dank existierender Fokussierung. Was man natuerlich bezahlen muss, schliesslich hats stolze 15 Pfund gekostet <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> .

Voellig neu die Begruendung, das laege daran, dass der Ackerpiekser mit einem "speziellen Gas" gefuellt sei. Also ein Gas, das zufaellig weiss, in welcher Entfernung gerade beobachtet wird, und dementsprechend seine Brechzahl aendert ?
<img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/gutefrage.gif" alt="" />

Ups, merke gerade dass der Thread schon etwas aelter ist -- aber wenn Steiner trotz anderslautender Versprechungen nichts am Werbetext geaendert hat, ueberzeugt es mich um so mehr lieber gute Chinaware zu kaufen.
 
Funktionsweise und "Elastizität"

Hi,

natürlich ist die Aussage mit der Gasfüllung ausgemachter, blanker Unsinn. Das Gas hat keinen nennenswerten Einfluß auf die optischen Eigenschaften.

Dennoch gibt es Ferngläser, bei denen das Auge einen Gutteil der Akkomodationsarbeit übernehmen kann, und andere, bei denen man schon nachfokussieren muß, wenn das Objekt sich nur wenig wegbewegt.

Wie kann das möglich sein?

Das Objektiv erzeugt ein Zwischenbild, welches dann mit dem Gesamtsystem Okular+Auge auf die Netzhaut projeziert wird. Klar. Wählt man aber nun Objektiv- und Okularbrennweite sehr hoch, ist zwar die Vergrößerung diesselbe, jedoch trägt das Element "Auge" bei einem sehr langbrennweitigen Okular mehr zur Brechkraft des Gesamtsystems Okular + Auge bei, d.h. auch Änderungen (Akkomodation) wirken sich stärker aus. Unter gewissen Einschränkungen kann man also ein Fernglas so designen, daß das Auge akkomodieren kann, ohne daß dies die Optikgesetzte verletzt.

Die Steiner-Fergläser sind gute Geräte, und daß das Auge viel Scharfstellarbeit übernehmen kann, ist verblüffend.
Ich glaube, solche Ferngläser werden als "elastisch" bezeichnet.

Ein langbrennweitiges Objektiv + ebensolches Okular bzw. ein äquivalentes Gesamtsystem muß logischerweise komplett anders designed werden.

Der Grenzfall dieser Überlegungen wäre ein System ohne Objektiv und eine große Lupe direkt vor dem Objekt - hier kann das Auge die Scharfstellarbeit völlig übernehmen.

Dies ist also kein Hexenwerk.

Gruß
Julian <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />
 
Das stimmt so nicht

Wählt man aber nun Objektiv- und Okularbrennweite sehr hoch, ist zwar die Vergrößerung diesselbe, jedoch trägt das Element "Auge" bei einem sehr langbrennweitigen Okular mehr zur Brechkraft des Gesamtsystems Okular + Auge bei, d.h. auch Änderungen (Akkomodation) wirken sich stärker aus.

Hallo Julian,

das wuerde ja bedeuten, dass man durch Wahl der Objektiv- und Okularbrennweite die Schaerfentiefe (bei konstanter Vergroesserung) variieren koennte. Wie hier aber mehrfach und in allen Details gezeigt wurde (insbesondere von Walter E. Schoen), haengt diese Schaerfentiefe nur von der Vergroesserung und der (effektiven) Austrittspupille ab. "Effektiv" bedeutet hier der jeweils kleinere Wert, Fernglas Austrittspupille oder Augenpupille. Bei Variation der Okular- und Objektivbrennweite (wobei deren Verhaeltnis konstant bleibt) heben sich die von Dir beschriebenen Effekte auf. Ein 7x50 ist immer gleich "elastisch", egal wie Objektiv oder Okular konstruiert sind. Irgendwo hier im Forum hat das jemand (ich glaube: Juergen Tautz) auch mal explizit vorgerechnet.

Allgemein gilt: Die Schaerfentiefe nimmt zu, falls Vergroesserung und Austrittspupille abnehmen. Ein 8x30 ist in dem Sinne 'elastischer' als ein 10x50.

Ich hoffe, ich habe das korrekt in Erinnerung, und erspare dem Walter hiermit eine laengere Rede :-)

Gruss,
Holger
 
nicht stichhaltig ?

Hallo,

korrekt, die Schärfentiefe ändert sich nicht, aber der Einfluß des Auges im Gesamtsystem Fernglas + Auge kann doch unterschiedlich sein (was hier wesentlich wäre)? Gibt es einen Fehler in meiner Argumentation?

Ich bin etwas verunsichert.

Ich konnte jetzt in der Argumentation von W. Schön nichts entdecken, was meine Argumentation ausschließt (über den etwas polemischen Stil rede ich jetzt mal nicht)

Der Vergleich mit der Schärfentiefe ist m.E. nicht alleine ausreichend, da hier das variable Element "Auge" nicht mit berücksichtigt wird?

Ich kann mir doch zwei irgendwie geartete Optikkonstruktionen vorstellen, die jeweils ein Bild auf ein Blatt Papier projezieren; bei der ersten hat ein Verändern der letzten Linse wenig Einfluß, bei der zweiten einen hohen. Ersetze ich in Gedanken das Blatt Papier durch die Netzhaut und die letzte Linse durch meine Augenlinse, habe ich einmal ein Fernglas, bei welchem das Auge nicht genug Brechkraftveränderung aufbringt, um Unterschiede auszugleichen, ein andermal geht es.

Es gibt doch solche Ferngläser, auch lichtstarke, wie sollen die sonst funktionieren? Das ist doch nicht nur Einbildung?

Gruß
Moriarty
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: nicht stichhaltig ?

Hallo Moriarty,

es gibt eine realtiv einfache Formel für die Berechnung der Bildlagen in Ferngläsern. Für ein Fernglas, genauer für das auf unendlich fokussierte Fernglas, liegen die von ihm erzeugten Abbilder aller Objekte in e/v^2 vor der Okularlinse (gegen die Lichtrichtung). D.h.: ein Objekt in 500m Entfernung wird von einem 10fachen Fernglas auf 500/10^2 = 5m Entfernung abgebildet. In der Formel ist nicht zufällig keine Objektiv- bzw. Okularbrennweite enthalten, weil sie, wie leicht gezeigt werden kann, keine Rolle spielt, sondern nur ihr Verhältnis.

Auf diese Entfernung muss das Auge akkommodieren können. Wenn ja, sieht es scharf, wenn nicht, ist es unscharf. Bei im Inneren des Fernglases eingebauten Blenden mag sich durch die damit verbundene Verkleinerung der Zerstreuungsscheibchen die Bildschärfe erhöhen, aber so etwas macht man normalerweise nicht, schon gar nicht aus diesem Grund! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" /> Bei Ferngläsern gleicher Vergrößerung und Kenndaten ist daher unter der genannten Bedingung die Schärfe des Bildes abhängig von der Akkommodationsbreite des Benutzers, mit Sicherheit aber nicht vom Namen des Herstellers. Optische Gesetze können auch nicht von Steiner oder ... außer Kraft gesetzt werden. Im Übrigen hat W. Schön nach diesem oben erwähnten Thread Rücksprache mit Steiner genommen und erhielt die sinngemäße Auskunft, es handele sich um von den Webetextern missverständlich formulierte Prospektaussagen...

Beste Grüße, Herbert
 
nachgerechnet...

Hallo,

ich hab jetzt ein bischen nachgerechnet und komme zu dem Schluß, daß ich mich geirrt habe und ihr recht habt.

Hm. Sehr interessant, also doch nur ein Marketing-Gag?

Danke für die Korrektur <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />

Gruß
Julian
 
Re: nachgerechnet...

Hallo an alle,

Ein wahrlich alter Threat. Ich habe ein Marineglas 7x30 von Steiner im Einsatz. Nicht astronomisch sondern für den alltäglichen Gebrauch.

Die Aussage von Steiner von 20m bis unendlich scharf zu sehen kann ich so nicht bestätigen.

Bei größeren Entfernungssprüngen im Bereich von ca. 50 Metern ist sehr wohl eine kleine Fokuskorrektur erforderlich.

Ich kann aber sagen das diese Gläser eine überdurchschnittliche Schärfentiefe haben.

Die Werbeaussage kann man aber so nicht stehen lassen.

Sie steht aber immer noch so auf der Steinerpage.

Trotz allem bin ich sehr happy mit dem Teil.

Das wollte ich nochmal loswerden.

CS Obi
 
Re: nachgerechnet...

Interessant: Diese Diskussion ist schon 10 Jahre her, ich erinnere mich noch gut daran!

Du hast die Aussage von Steiner nicht ganz richtig interpretiert: Steiner verweist hier auf die Möglichkeit, auf die hyperfokale Distanz zu fokussieren, um einen bestimmten Entfernungsbereich zwischen der Minimaldistanz (hier: 20m) und Unendlich scharf zu erkennen. Es ist also nicht etwa so gemeint, dass man auf 20m fokussiert und dann alles bis unendlich scharf sieht.

Ich habe die weiter oben von Walter E. Schön angeregten Berechnungen inzwischen erweitert und allgemeingültige Formeln hergeleitet, die auch die Akkommodationsbreite des Auges berücksichtigen und die es erlauben, den scharfen Bereich bei jeder Fokussierentfernung zu berechnen. In einer Vorschau zu meinem Fernglasbuch (das hoffentlich im Herbst endlich erscheinen wird) ist das bereits gezeigt:

Vorschau Fernglasbuch

In der Abbildung 7.12 (Seite 120) ist ein entsprechendes Diagramm gezeigt. Für ein 7x30 Fernglas errechnet sich die hyperfokale Distanz zu 210 m, falls die Austrittspupille d' mit dem Durchmesser von 4.3mm voll genutzt wird. Am Tage ist die Augenpupille meist enger, also setzen wir besser d' = 3mm, und erhalten eine hyperfokale Distanz von 147m. Auf diese Distanz musst Du Dein 7x30 einstellen, um von Unendlich bis zu Deinem Nahpunkt scharf beobachten zu können. Dieser hängt nun von Deiner individuellen Akkommodationsbreite ab. Die Abbildung zeigt zwei Beispiele: Einerseits einen durchschnittlichen 25-Jährigen (10 Dioptrien Akkommodationsbreite) und einen normalen 50-Jährigen (2 dpt Akkommodationsbreite). Man sieht in der Abbildung 7.12, dass der Nahpunkt (bei 7x Vergrößerung in hyperfokaler Stellung) für den jungen Beobachter bei etwa 4.5m liegt, für den älteren bei 18.5m. Steiner hat also im Prinzip recht: Wenn man das 7x30 am Tage auf etwa 150m Entfernung fokussiert, dann müssen die meisten Beobachter zwischen 20m und Unendlich nicht nachfokussieren.

Das Diagramm zeigt auch, wie dieser Schärfebereich von der Vergrößerung abhängt. Dein 7x30 hat eine recht große Schärfentiefe, weil es 7x vergrößert, nicht etwa, weil es ein Steiner ist :-)

Somit ist Steiner auch nicht entschuldigt: Sie machen für etwas Werbung (Sport-Autofokus), das es nicht gibt, oder andersherum: für etwas, das bei jedem Fernglas identischerweise zu finden ist.

Viele Grüße,
Holger
 
Re: nachgerechnet...

Diese Thematik, hyperfokale Distanz, müsste den Fotografen unter uns bekannt sein. Auf älteren Objektiven gibt es Skalen die abhängig von der Blende anzeigen wie groß der Schärfebereich bei Einstellung auf eine bestimmte Entfernung ist. Man wählt also z.B. eine Blende, stellt die Entfernung so ein, dass die zur Blende gehörende obere Klammer der Skala auf Unendlich steht und kann dann an der unteren Klammer ablesen wo der Schärfebereich anfängt. Wenn das dann nicht ausreichte wählte man eine kleinere Blende und wiederholte das Spiel. So habe ich früher und manchmal auch heute noch in speziellen Fällen fokussiert.

Thomas
 
Re: nachgerechnet...

unglaublich, die physikalisch fundierten aber auch sehr emotionalen beiträge...
Steiners markterfolg beruht meiner Ansicht nach nur auf der sehr genauen Ausrichtung der Produkte auf den jeweiligen einsatzbereich. Segler z.B. suchen nur in einem bestimmten Entfernungsbereich nach Tonnen, genauen Landmarken usw...militärische Nutzer genauso.. (vielleicht so 2-5km oder 2-3 Sm entfernte Objekte) 7 x 50...
Da hat ein Steiner Glas für den schnellen Blick - einmal für sich mit einzelokular persönlich eingestellt - vielleicht 30 sekunden oder maxinmal 1 Minute Gucken, den Vorteil, großen schärfentiefenbereich für kurzen blick, schnelle Schwenks ohne Verzerrrung incl brillenträger-tauglichlichkeit usw für diese nutzer sind die berechnet. und die Dinger sind einsatzbezogen
u konstruktionsbedingt unglaublich robust,dicht, mit Spitzenoptik genau für diesee Nutzer und entsprechende Anwendungen gemacht.(die wisssen genau, was sie da tun und übertreiben natürlich bei Werbeaussagen bis heute...(2016) Die ganze alte Diskussion liegt daher ein wenig daneben!! (auch Steiner kann physikalische Gesetze nicht aushebeln oder hat den Stein der Weisen gefunden) aber doch genau das hergestellt, was abseits Vogelbeobachtung oder Astronomie gefragt war... nicht umsonst marktführer weltweit marine und militär...
 
Re: nachgerechnet...

Ja gut, aber so könnte man das dann ja auch bewerben. Man könnte schreiben: "Unsere Ferngläser verwenden eine Einzelokularverstellung, weil diese zuverlässig und wartungsfrei wasserdicht ist. Der Anwendungsschwerpunkt unserer Ferngläser liegt im mittleren bis weiten Entfernungsbereich, in dem die Schärfentiefe voll genutzt werden kann, so dass eine Nachfokussierung nur selten erfolgen muss ..."

Damit wäre der Käufer korrekt informiert und beraten. Stattdessen wird etwas von "Steiner Autofokus" geschwafelt, um zu suggerieren, dass Steiner hier etwas Besonderes erfunden hätte. Jetzt, im Jahre 2016, beginnt sogar Leica damit, an den verbotenen Früchten zu naschen, und bei seinen neuen Noctivid von "kompromissloser Schärfentiefe" und "3D-Bild" zu faseln.

Wir müssen einfach schlussfolgern, dass das Marketing - selbst technischer Produkte im High-End Sektor - vor allem auf eine Verblödung des Konsumenten setzt, und damit die eigentliche Grundlage des technischen Fortschritts, nämlich nüchterne Analyse und kompromisslose Präzision, erodiert. So gesehen sägen die Marketingstrategen an genau dem Ast, auf dem sie sitzen, denn die Ingenieure derselben Firma hätten ohne ihre physikalisch-technische Ausbildung genau diese Produkte gar nicht erschaffen können, deren Physik das Marketing anschliessend verleugnet.

All das entwickelt sich bereits zu einem Zeitgeist, der sämtliche Schichten der Gesellschaft erfasst. Ich erlebe es inzwischen häufiger, dass ich als Physiker schief angeguckt werde, und man mir (bzw. uns Wissenschaftlern) vorwirft, in einem Elfenbeiturm zu leben und die Realität zu ignorieren! Leute erklären mir, während sie eifrig in ihrem Smartphone herumtippen, dass man nicht so viel Geld für Wissenschaft verplempern solle. Wohin es letztlich jedoch führt, wenn im globalen Wettbewerb nur noch das Management und das Marketing das Sagen haben, sieht man doch am Automobilsektor: Am Ende werden selbst die Ingenieure korrupt, und beginnen damit, Testmethoden systematisch zu fälschen, um der Firma einen vermeintlichen Wettbewerbsvorteil zu sichern. Die letzte Konsequenz ist dann technischer Stillstand, bis der gesamte Industriesektor von Konkurrenten (z.B. China) überholt wird und ausstirbt. Wenn wir das zulassen, dann gibt es bei uns irgendwann nur noch Banken (sprich: Casinos) und Dienstleistungen.

Kurz und bündig: Wir haben in Deutschland eine enorme technische und wissenschaftliche Tradition, die bis jetzt unsere Zukunft gesichert hat. Wir dürfen nicht zulassen, all das in die Hände eines Marketings zu legen, das keine anderen Ziele hat, als seine Kunden für dumm zu verkaufen.

Viele Grüße,
Holger
 
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