Nicht ganz richtiger Vergleich
Hallo Peter,
nun habe ich doch noch mal schnell nachgeschaut, was so an Beiträgen noch alles nachgekommen ist. Zu Deinem Punkt 2 ist eine kleine Korrektur nötig:
Fixfokuskameras basieren nicht primät auf der Tatsache, daß 95% der Bevölkerung noch als scharf akzeptieren, was den restlichen 5% noch nicht scharf genug ist, sondern darauf, daß ihre Objektive sehr kleine Blenden (entsprechend großen Blendenzahlen) haben und oftmals auch noch die Brennweite relativ kurz ist. Kleine Blende in Verbindung mit kurzer Brennweite gibt nämlich tatsächlich und nicht nur wegen minderer Qualitätsansprüche der genannten 95% eine große Schärfentiefe.
Der Preis, der dafür zu zahlen ist, sieht so aus:
1. relativ lange Verschlußzeit (bei ISO 100/21° kürzestenfalls 1/125 s), schnelle Bewegung wird unscharf
2. keine optimale Anpassung der Schärfentiefe an die Erfordernisse des Motivs möglich und insbesondere
3. keine „selektive Schärfe” möglich, mit der ein bildwichtiges Detail betont oder das Hauptmotiv vom Hintergrund gelöst werden kann,
4. reduzierte Maximalschärfe (dort, worauf scharfgestellt ist) wegen bereits deutlicher Beugungsunschärfe und schließlich auch noch
5. geringe Blitzreichweite (max. Entfernung = Leitzahl : Blendenzahl) wegen großer Blendenzahl.
Man kann also die Fixfokuskamera, die wirklich eine große Schärfentiefe (bei reduzierter Maximalschärfe und anderen Nachteilen) bietet, nicht mit dem Fall Steiner „Sports-Auto-Focus” vergleichen, bei dem nur die Werbesprüche überdurchschnittliche Schärfentiefe versprechen, aber um keinen Deut mehr geboten wird als bei anderen Ferngläsern gleicher Daten.
Und noch eine Randbemerkung, die mit Deinem Beitrag nichts zu tun hat, die ich jetzt aber auch noch loswerden will: Alle, die so hartnäckig darauf bestehen, daß die Steiner-Ferngläser eine so übergroße Schärfentiefe haben sollen, reden immer nur davon, daß sie durchgeschaut haben, und empfehlen uns „Theoretikern”, auch mal durchzuschauen. Aber durchschauen allein genügt nicht, man muß mit einem anderen Fernglas unter identischen Bedingungen vergleichen! Wer nur durchschaut und aus der wahrgenommenen Schärfentiefe schon schließt, daß die Werbeaussage von Steiner stimme, argumentiert im luftleeren Raum. Liebe „Praktiker”, nehmt also mal ein anderes Fernglas gleicher Daten zum Vergleich in die Hand und betrachet mit beiden (Steiner und XYZ) abwechselnd dasselbe Motiv!
Und dann noch was: Der überzeugte „Praktiker”, der a priori dem „Theoretiker” nicht glaubt, weil - wie weiter oben einer sinngemäß gesagt hat - in der Praxis sowieso alles anders ist, der glaubt doch sicher auch, daß die Sonne sich um die Erde dreht und nicht umgekehrt, wie manche Theoretiker behaupten. Denn man sieht es ja jeden Tag, wie die Sonne im Osten morgens hochsteigt, ihre Bahn hoch am Himmel zieht und abends im Westen versinkt, um während der Nacht die andere Hälfte der Erde zu umkreisen.
MfG Walter E. Schön