Neues Bino im Härtetest

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

KlausZott

Aktives Mitglied
Hallo Spechtelfreunde,

ich habe zwar schon im Sommer mein neues 6"/f5 Synta-Bino von Matsumoto erhalten, war aber im Herbst die meiste Zeit mit optischen und mechanischen Verbesserungsarbeiten beschäftigt. Inzwischen bin ich mit der Leistung sehr zufrieden und denke, dass sich der Aufwand gelohnt hat.

Gegenüber meinem jahrelang benutzten Miyauchi 26/37x100 (Achro) ist es ein echter Quantensprung bei noch bequemerer Beobachtungshaltung durch den 90° Einblick.
Die Blicke im 24 Panoptik sind bei knapp 2,5° Gesichtsfeld einfach nur atemberaubend. Aber auch bei Vergrößerungen bis über 100-fach sind die Bilder trotz des zwangsläufigen Farbfehlers ästhetisch. Dazu tragen sicher die ausgewählten, getesteten Objektive, die komplette Innenverblendung der Tuben und die Benutzung des neuen Baader Fringe Killers im deep sky Bereich bei.
Abgeblendet sind auch Mond und Planeten bei 150-200-fach ein Genuss.

Die neue Beobachtungsqualität konnte ich am 18. Dezember am Spitzing (1100m) in den Bayerischen Alpen zum ersten Mal ausgiebiger testen und genießen.
Zeit: 19 -23 Uhr
Grenzgröße etwa 6,0m im Kleinen Bären
Temperatur -9° C

Okulare:
24 mm Panoptik, 12 und 8 mm Radian

Von den vielen neuen Eindrücken dieser Nacht möchte ich nur exemplarisch ein paar Highlights aus Cetus und Orion herausgreifen:

CETUS

247 Glx 9,2/14,1
Flächenschwache südliche Glx der Scl-Gruppe, mit 60x indirekt einfach, ca 6' großes N-S-Oval, etwas exzentrisch liegender Kern sogar direkt sichtbar.

253 Glx (Scl)
Mit 60x ein Traum, riesig groß (ca 20'), NO-SW elongiert, vielfach strukturiert mit knotigen Aufhellungen und Dunkelfilamenten.

PGC 143 (WLM) 10,6/14,6(!)
Irreguläre Zwergglx der Lokalen Gruppe, Indirekt bei 95x gerade noch als schwacher, mitelgroßer (5') N-S-Streifen zu halten, ohne zentrale Aufhellung.

IC 1613 9,2/15,2(!)
Weitere Zwergglx der Lokalen Gruppe, sehr schwierig, zunächst Fehlanzeige, nach intensiver Betrachtung zeigt sich bei 60x und abgewandter Blickweise ein neblig-granulierter Fleck ähnlich dem Milchstraßenhintergrund, konnte ihn nachträglich als den helleren NO-Teil der Glx identifizieren.

IC 1602 14,4 (p-Helligkeit)
Meine bisher weitest entfernte Glx (710 Mio Lj), im Zentrum von Abell 117 und zum Pisces/Cetus Superhaufen gehörig, liegt SW von Glx 309, indirekt bei 95x nur blickweise als kleiner (<1') Nebelspot zu erkennen.

Glxgr Hickson 16
Alle 4 Glx bei 95x im Blickfeld, die hellste 835 (12,1/13,2) einfach direkt als rundlicher Nebelfleck, unmittelbar 1' westlich interagierend, aber indirekt noch zu trennen 833( 12,7/12,6), beide sind auch im Arp-Katalog unter der Nr 318 augeführt, östlich dieses Pärchens waren 838 (12,9/13,4) relativ einfach und 839 (13,1/13,0) gerade noch indirekt zu halten.

ORION

Trapezsterne
Bei 95x waren die E und F Komponente sauber getrennt zu beobachten, rundherum der Orionnebel in unbeschreiblichem Detailreichtum, schöner als auf einem Foto, lediglich ohne Farbe, wenn man von leichten Grüntönen absieht.

2024 Flaming Tree Nebel
Bei 60x ohne Filter direkt zu sehen. Besonders, wenn man zeta Ori außerhalb des Blickfelds hält, nicht nur die mittlere Dunkelteilung (Stamm), sondern auch die seitlichen Dunkeläste (etwas deutlicher die östlichen) erkennbar.

Pferdekopfnebel
Bei genauer Kenntnis der Lage ist an der schwachen Nebelkante von IC 434 eine dunkle Einbuchtung (natürlich nicht die Pferdekopfform) wahrzunehmen und dies bei 60x ohne jeglichen Filter.

Diese und andere Beobachtungen mit meinem neuen Großbino eröffneten mir einen neuen Himmel und machten Lust auf mehr.

Nach vier Stunden war das Gerät komplett eingeeist bis auf die Objektive. Obwohl auf den Okularen vereinzelte Reifkristalle auftraten, liefen sie nicht ein einziges Mal an. Bei winterlich-feuchten Bedingungen erweisen sich Okulare mit großem Augenabstand (20 mm) als unbedingt empfehlenswert, weil immer genügend Luft zirkulieren kann.
Mit den 37-fach Okularen von Miyauchi (12 mm Augenabstand) war ich früher unter vergleichbaren Bedingungen mehr mit dem Enttauen der Glasflächen als dem Beobachten beschäftigt.

Weihnachtliche Astrogrüße von

Klaus

 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben