Testkriterien
Heute ist nun auch mein ersteigertes "Russen Fernglas" 7x50 für 2,50 Euro angekommen.
Habe es natürlich gleich mit meinem kürzlich erworbenen Zeiss Dekarem 10x50 verglichen. ...
Die Optik ist meiner Meinung nicht schlechter wie das Zeiss.
Hallo Werner,
gib doch mal einen Link zu den von Dir mit Erfolg abgeschlossenen ebay Auktionen, damit man sich ein Bild machen kann, was Du da eigentlich ersteigert hast. Oder sind die Auktionen geheim? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> Als erstes wäre es gut zu wissen, wie alt das Dekarem ist und wie man das "Russen Fernglas" zeitlich einordnen muß. Dann stellt sich die Frage nach dem Zustand der Ferngläser. Sind beide ohne Mangel? Ist die Justage ok? Sind die Flächen der Objektive und Prismen im Innern sauber und ohne Staub oder irgendwelche Beläge?
Gibt es gewisse Testkriterien die an den Gläsern ausprobieren kann, um wirlich Unterschiede aufzudecken ??
Solche Kriterien gibt es zur Genüge. Allerdings kann man ein 7x50 und ein 10x50 nur bedingt vergleichen. Beide haben unterschiedlich große scheinbare Sehfelder. Du kannst Dir Mittenschärfe und Randschärfe im Vergleich anschauen und bewerten, kannst damit aber nur relative Aussagen tätigen. Zum Beispiel in der Art: die inneren 30 Grad (auf den scheinbaren Sehwinkel bezogen) erscheinen Dir scharf, danach wird's mehr oder weniger schnell unscharf. Zum Vergleich eines 7x50 mit einem 10x50 taugen solche Aussagen aber nur bedingt. Dazu mußt Du beachten, dass Du bei Tag mit ca. 2,5 oder 3mm großer Augenpupille beobachtest und so nicht die volle Austrittspupille des Fernglases und logischerweise auch nicht die volle Eintrittspupille (Objektivöffnung) desselben ausnutzt. Daher kann Deine Einschätzung zur Randschärfe (-unschärfe) am Tag anders ausfallen als bei Nacht am Sternhimmel, wenn sich die Augenpupillen weiter öffnen.
Du kannst Dir die Farbwiedergabe im Vergleich vorknöpfen. Damit lassen sich Aussagen zu einem evtl. vorhandenen "Farbstich" treffen. Ein Vergleich der "Schärfe" ist bei unterschiedlichen Vergrößerungen kaum möglich. Im direkten Vergleich von zwei 10-fach vergrößernden Ferngläsern kann man gut deren "Schärfe" und Auflösungsvermögen, z.B. an weit entfernten feinen Strukturen (Bäume, Sträucher, eine Wand, ...) testen. Bei so unterschiedlichen Vergrößerungen wie 7- und 10-fach ist ein Vergleich wenig sinnvoll.
Weitere wichtige Punkte sind Transmission und Kontrast. Nimm ein weißes Blatt Papier, hänge es bei Tageslicht senkrecht irgendwo auf (Test der Transmission nach Walter E. Schön) und schau mit beiden Ferngläsern (verkehrt herum halten) durch eins der Objektive auf das weiße Blatt (aber bitte nicht in die Sonne). Wenn Du das machst und Deine Augen in etwa 20 oder 30 cm Abstand auf die Objektive blicken, dann siehst Du eine helle, runde Fläche. Vergleiche nun Deinen subjektiven Eindruck von der Helligkeit dieser Kreisfläche in beiden Ferngläsern. Im direkten Vergleich solltest Du mit etwas Übung und gesundem Augenmaß sehr schnell sehen, ob ein Fernglas einen Farbstich produziert und in welchem der beiden die Fläche heller erscheint. Das ist ein erster, brauchbarer Test auf die Gesamttransmission der Optik. Beim Kontrast wird es schwieriger, will man mehr als subjektive Eindrücke sammeln. Suche Dir ein paar für Ferngläser kritische Beobachtungssituationen und schau, ob ein Fernglas da Probleme bereitet. Bei schönstem Sonnenschein sieht auch manch schlechtes Fernglas noch recht gut aus. Interessant wird es dann, wenn man z.B. bei Seiten- oder Gegenlicht etwas beobachten will. Dabei kann Falschlicht im Fernglas zu ungewollten Reflexen führen, das Bild teilweise mit einem "Schleier" überziehen und den Kontrast ruinieren. Eine vegleichbare Situation hat man, wenn man in der Dämmerung eine dunkle Szenerie beobachtet (z.B. einen dunklen Waldrand). Dabei kann der noch hellere Himmel ebenfalls Falschlicht im Fernglas erzeugen, welches nicht zum beobachteten Objekt gehört, den Kontrast aber ebenfalls ruiniert.
Ein weiterer Test ist der "Laternentest" bei Nacht. Schau Dir eine Lampe an und vergleiche die Ferngläser bezüglich von im Sehfeld auftauchenden, störenden Reflexen. Solche Reflexe können auch dann auftreten, wenn die Lichtquelle schon außerhalb vom Sehfeld liegt. Weniger Reflexe sind ein guter Hinweis, dass der Hersteller nicht an der Qualität der Vergütung gespart hat. Ärgerlich sind solche Reflexe dann, wenn man z.B. eine Sternbedeckung durch den Mond beobachten will oder einfach mal so "in den Mond guckt". Aber auch am Sternhimmel ohne Mond und am Tag ist eine effektive Vergütung natürlich wichtig, denn die Vergütung fördert die Transmission und den Kontrast. Reflexe und Streulicht können durch ein intelligentes System aus Blenden und einer vernünftigen Innenschwärzung weiter reduziert werden. Das ist u.a. ein Punkt, bei dem es in Billiggläsern oft erheblich mangelt.
Daher auch mein Tipp: wenn Du zu einem Händler gehst, suche Dir möglichst einen mit Erfahrung im Bereich Fernoptik und mit einem vernünftigen Fernglasprogramm. Darunter verstehe ich eine Auswahl, die sowohl preiswerte als auch teure Ferngläser beinhaltet. Ich hatte es schon an anderer Stelle geschrieben: nur wenn Du die Auswahl zwischen weniger gut, gut und sehr gut hast, kannst Du auch wirklich wählen und letztendlich kannst Du auch nur dann wirklich entscheiden, ob Du ein Nikon, Zeiss oder Leica gar nicht gebrauchen kannst und mit einem Glas der Mittelklasse oder gar der billigen Sorte zufrieden bist. Wenn Dir ein Händler an seinem Stand nur Billiggläser und ein paar der mittleren Kategorie präsentiert, dann kann er Dir auch einreden, dass das Geld für ein Zeiss, Leica oder von mir aus auch Swarovski gar nicht nötig ist. An der Stelle sollte man seinen gesunden Menschenverstand einschalten <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> und sich vor dem Kauf ein eigenes Bild machen. Das geht schon mal ganz gut in einem Fotoladen, wenn neben einem 150 Euro Glas auch eins für 300, 600 oder 1000 (+ x) Euro in der Auslage liegt.
Frank.