Neuling braucht Rat für neues Teleskop

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matmei_78

Neues Mitglied
Hallo!

Ich habe nuns chon einige Zeit mitgelesen im Forum, da ich mich nun schon seid 20 Jahren für Astronomie interessiere. Nach einigen kleineren Linsenfernrohren von 50 bis 60 mm Durchmesser habe ich nun den Wunsch nach einem größeren Gerät.

Leider wohne ich jedoch in der Stadt, so daß ich zum Beobachten rausfahren muss. Es soll also ein robustes und dennoch transportables Teleskop sein. Nun habe ich mich soweit informiert, daß die bevorzugten Beobachtungsobjekte die Wahl des Teleskops beeinflussen. So liest man häufig, daß für Planetenbeobachtung (die mich vorwiegend interessieren) ein Linsenfernrohr besser geeignet sei. Ein Freund von mir hat z.B. einen 200 mm Newtonreflektor, es ist zwar beeindruckend, was man damit beobachten kann, doch ist mir ein solches Gerät schon zu groß.

So habe ich mir vor kurzem unter Beratung eines Kollegen ein TS Linsenfernrohr 102/1000 mm ausgeguckt. Er empfahl mir ein solches Gerät mit einer Vixen GP-E Montierung und einem stabilen Holzstativ wie das Baader oder eines von Berlebach. Da ich aber erstmal keine Möglichkeit habe, mir ein solches Gerät aus der Nähe anzusehen, wollte ich euch als erfahrene Hobby-Astronomen mal um Rat fragen.

Also im Einzelnen sieht das so aus:

1. Transportabel soll es sein und nicht zu groß
2. Robust und einfach in der Bedienung
3. vorzugsweise für Planetenbeobachtung
4. Fotografie interessiert mich zunächst garnicht, also nur visuelle Beobachtung
5. wie mein Kollege sagte "stabil soll es sein"
6. Und dazu möglichst günstig, ich möchte gern so um die 700 bis 800 EUR maximal ausgeben

Meine Fragen an euch: ist das TS Linsenfernrohr 102/1000 mm ein gutes Gerät? Und wie "stabil" ist diese GP-E Montierung? Welche Alternativen gibt es in dieser Preisklasse, bzw. was kann man für den anvisierten Preis an Maximum an Qualität rausholen? Es muss also nicht die größte mögliche Öffnung sein oder irgendwelcher elektronischer Schnickschnack, sondern wenn dann lieber ein kleineres Teleskop aber von guter Qualität.

Schonmal danke an Euch.

Viele Grüße
Matthias
 
Hallo Matthias

willkommen hier ins Forum.
Für die Planetenbeobachtung ist nicht grundsätzlich ein Refraktor das bessere Gerät, es sei denn es hat ein Öffnungsverhältnis ab f/15) sondern eher ein Mak-Cassegrain. Dieser verbindet auch direkt die positiven Eigenschaften, die Du suchst wie, leicht, transportabel und sicher auch bezahlbar. Ein 8" Dobson ist natürlich auch ein schönes Planetengerät, ist jedoch mit Transportabilität so eine Sache. Soll nicht heissen, daß es nicht transportabel betrachtet werden kann, aber es ist gewichtig. Ich würde Dir raten, für das angelegte Budget entweder ein 5" Mak-Cassegrain von Synta zu holen auf einer EQ5 Monti, oder in Verbindung mit einem ED. Diese Monti trägt das Teleskop sehr souverän und kann als noch gut transportabel betrachtet werden, auch das Gewicht ist da nicht so der "Rückenbrecher". Falls Du dennoch einen Refraktor vorziehst, dann lieber direkt ein ED und da sollte das ED 100/900 in Betracht gezogen werden. Das kleinere 80/600 ED ist zwar auch gut an Planeten, jedoch bietet es mit 300 mm weniger Brennweite, was am Planeten einfach fehlt.
Die GP Montierung ist sehr gut für den Anfang, dann aber bleibt vom Budget nicht mehr viel für eine gute Optik über. Die von mir gemeinte EQ5 ist da nicht viel schlechter, so daß Du mit dem Budget voll auskommen wirst und sogar noch ein paar Okulare mehr kaufen kannst.

Schönen Gruß
Robert
 
Hallo Matthias.

Mir erging es ebenso wie Du. Auch die Zeitspanne für das Interesse an der Astronomie dürfte stimmen.
Ich hatte auch die Überlegungen, wie Du sie hier anstellst und ich denke Du wirst bestimmt einige Anworten und Tipps hier bekommen.
Worauf Dein Schwerpunkt liegt hast Du ja schon gesagt. Wie bei aber allen solchen Fragen, werden die Meinungen sounterschiedlich sein, wie die Vielzahl der Anwender.
Deinen Wunsch sich den Refraktor mal aus der Nähe anzusehen, um einen Eindruck zu gewinnen ist sehr gut. Vielleicht meldet sich ja jemand aus Deiner Nähe (vielleicht solltest Du noch Deinen Wohnort angeben).

Ich habe mich damals (und habe es bis jetzt noch nicht bereut), für einen 5"-Refraktor entschieden (einen Meade 5" auf einer LXD75, das dürfet etwa vergleichbar sein). Meiner Meinung nach sind solche Teile relativ robust und unempfindlich. Allerdings sollte man hier auch nicht, den Umfang (sprich Gewicht) der kompletten Ausrüstung vergessen. Das schleppst Du mal nicht so eben über eine Acker.
Ich wohne ebenfalls in der Stadt (Oberhausen), habe aber den Vorteil eines relativ großen Gartens. Trotz der Lichtverschmutzung hat doch viel Möglichkeiten. Da ist eher das Wetter hinderlicher <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/pfeif.gif" alt="" />.

Ich hoffe Du kommst zu einer, für Dich richtigen, Entscheidung.

Gruß
Frank
 
Hi Frank,

lol du kommst aus Oberhausen?

Grüss dich Nachbar. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />
 
Hallo Matthias,

also für die Planetenbeobachtung musst Du nicht unbedingt rausfahren, solange Du mit 100mm eine recht kleine Öffnung an den Start bringst. Streulicht stört bei der Planetenbeobachtung nämlich nicht, nur die verschiedenen Wärmestörungen, also wabernde Luft über warmen Dächern, Schornsteinen und offenen Fenstern (oder von der eigenen Balkon/Terrassentüre) verschlechtern die Bedingungen. Aber auch da ist man mit 100mm Öffnung nur "leicht gefährdet".

Die GP-E Montierung ist für den geplanten 100mm Refraktor gut geeignet und meiner Meinung nach reicht das Holzstativ der GP-E mit der diese normalerweise ausgeliefert wird vollkommen aus. Es gibt sogar ein paar Leute, die das Holzstativ der GP-E dem einfachen Alustativ der GP vorziehen. Allerdings gibt es einige Händler, die insofern etwas Schindluder treiben, als sie zu den GPs nicht die vorgesehenen Stative verkaufen, sondern eben andere aus ihrem Sortiment damit vertreiben. Oft ist das eher ein Nachteil, aber wenn es sich um etwas wirklich robustes wie eines der großen Berlebach Stative oder gar das Baader Hartholzstativ handelt, dann macht man natürlich einen Gewinn. Entscheidend für die beiden letztgenannten ist übrigens die Höhe, denn je höher sich das Stativ ausziehen lässt, so lange es dabei stabil bleibt, desto angenehmer ist die Beobachtung am Refraktor (weil man sonst schnell auf dem Bauch liegt, wenn man im Zenit schauen will).

Wenn die nötige Kohle da ist, würde ich Dir auch für die Planetenbeobachtung zu einem Mak-Newton (z.B. MN 56) oder wenn es kompakter sein soll zu einem Mak-Cassegrain (ab 5") raten. Ich selbst denke aber auch, daß es Sinn macht, 6" Öffnung anzustreben, weil ich meine, daß man damit eine so starke optische Leistung erhält, daß man an 95% der Tage nicht mehr am Planeten sehen kann, als so ein Gerät zulässt. Das heisst wenn man in dieser Öffnungsklasse eine richtig gute Planetenoptik hat, dann ist man "fertig" und braucht sich vielleicht ein Leben lang keine Gedanken mehr über eine weitere Planetenoptik zu machen (kann natürlich sein, daß man's nach ein paar Jahren doch tut <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />).

Ich meine übrigens, daß ein Teleskop für die Planetenbeobachtung möglichst farbrein abbilden muß. Daher würde ich wenn überhaupt auf einen Achromaten, dann nur auf einen mit sehr langer Brennweite (z.B. 100/1500) setzen.
Ich habe das hier mal sehr ausführlich beschrieben: http://www.svenwienstein.de/HTML/optiksysteme.html

Aber egal, welches Teleskop es wird: Du brauchst ein Gerät bester Optikqualität. Das ist für die Planetenbeobachtung das wichtigste. Und denke auch daran, daß Du immer mit einem Teleskop und einem Okular beobachtest. Das Ergebnis hängt sehr davon ab, wie gut beide Teile zusammen arbeiten!

Clear Skies
Sven
 
Hallo Matthias.

Ich kann dem Sven nur zustimmen (seine Tipps sind immer klasse). Das Okular spielt eine nicht unerheblich Rolle. Das merke ich jetzt selber nach und nach.
Was die Luftverschmutzung angeht, Thyssen und Ruhrchemie liegen direkt nebenan, aber Planeten sind gar kein Problem und sogar DeepSky läßt sich im gewissen Rahmen machen.
Zum MAK kann ich nicht viel sagen, da ich keine Erfahrung habe.


Hallo Kowski.
Ja, wir sind fast Nachbarn. Schau mal hier ins Postfach, damit wir den Thread hier nicht stören.


Gruß
Frank
 
Hi folks!

Zu dem Gerät speziell kann ich Dir etwas behilflich sein, da ich den TS Refri 102/1000 seid gut einem Jahr selbst habe.

Der Refraktor an sich ist ein - für den Preis - gutes Gerät mit einer guten bis sehr guten Abbildung (je nachdem, was man gerade "erwischt", die Qualität schwankt da ein wenig). Ich selbst beobachte sehr gern mit dem Refraktor, wobei natürlich die Frage des sekundären Spektrums, also des vielzitierten "Farbfehlers" auch eine gewisse Geschmacksfrage ist. Andere stören sich eben genauso an den "Spikes" bei Newtons, etc. Ich denke aber, daß sich der Farbfehler bei diesem Refraktor mit einem Öffnungsverhältnis von 1:10 in Grenzen hält.

Auf einer Vixen GP-E macht das Ganze eine gute Figur. Vorteil der GP-E zu den billigen China-Clones: die Verarbeitung ist hochwertiger, die Mechanik präziser. Spielt aber eigentlich nur dann eine wirklich gewichtige Rolle, wenns an die Astrofotografie geht. Die GP-E lässt sich mit zahlreichem Zubehör aufrüsten, bis hin zu GOTO-Nachführung per Computersteuerung.

Ein stabiles Holzstativ macht jedoch Sinn, da man hier das Schwingungsverhalten und die "Stabilität" deutlich verbessern kann - insbesondere bei hohen Vergrößerungen. Wie Sven schon sagte, profitiert man durchaus von den namhaften Produkten wie Baader oder Berlebach. Vorsicht jedoch bei den meist minderwertigen Alustativen.

Die Frage nach einem Mak ist sicherlich gerechtfertigt. So ein 5 Zoll Mak-Newton sprengt alleine schon den Rahmen des hier gesteckten finanziellen Budgets. Von einem 4 bis 5 Zoll Maksutov aus chinesischer Massenproduktion würde ich jedoch aufgrund der meist sehr wankenden Qualität und der bauartbedingten großen Obstruktion eher meiden. Da tuts ein 4 Zoll Refraktor eher.

Der nächste logische Sprung wäre also 6 Zoll. Das ist gut transportabel und leistet am Himmel eine ganze Menge. Ein 150/1200 mm Newton wäre z.B. ein sehr schönes Planetengerät mit "Allroundeignung". Ein 6 Zoll Mak wäre eine Möglichkeit, hier ist das Angebot etwas umfangreicher. Doch gerade die meist auf den ersten Blick interessanten Geräte von Bosma zeigen hinsichtlich der Qualität doch einige Schwächen.

Ich kann den 102/1000 mm Refraktor durchaus empfehlen. Je nachdem, wo Du her kommst, würde ich Dich auch zu einer Beobachtung einladen. Ich selbst sitze hier mitten im Ruhrgebiet (zwischen Bochum, Essen und Recklinghausen) und habe einige ziemlich dunkle und bestens geeignete Plätze mit einem guten winterlichen 5,8 mag Himmel nicht allzu weit entfernt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />

Ansonsten gilt: lieber noch etwas sparen und zu einem guten 6 Zoll Mak greifen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />

cu ...
Luzy
 
Hallo!

Vielen Dank erstmal für die zahlreichen Vorschläge und Infos. Das hat mir schonmal geholfen. Ganz herzlichen Dank auch für die Angebote zum Beobachten. Ich komme selbst aus Gladbeck, das ist ebenfalls in Mitten des Ruhrgebietes (bei Recklinghausen). Das würde sich also ganz prima treffen! Wie kann man sich mal zum Beobachten verabreden?

Viele Grüße
Matthias
 
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