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Präludium
Man sagt ja gemeinhin der erste Eindruck ist immer prägend und bei mir war der uberhaupt erste Blick durch ein Telekop eben der Saturn mit Ringen durch einen 114er Vixen Spiegel mit kurzen Kellnerokularen, die heute wohl als "Augenimplantat" durchgegangen wären. Trotzdem hat mich die Liebe zum Newton seit dem nie wirklich verlassen.
Früher (war sowieso alles besser…) hatte Ich daher zuweilen 2-3 Newtonteleskope, dann in anderen Zeitabschnitten jahrelang wieder mal gar keinen (viele Umzüge). In der Langeweile der Covid-Dramas war die Zeit wieder einfach wieder "Newton-reif". Nachdem bereits ein 12“ F/5 Truss dieses Jahr dazugekommen ist, gab es da noch eine klaffende Lücke zwischen den richtig langen Brennweiten und dem kleinen Zoo der Weitfeld-Refraktoren unter 500mm Brennweite. Das sind natürlich langfristig keine haltbaren Zustände...
Der Zufall kam zu Hilfe: Aus persönlichen Gründen trat mir der Forist @Michael_DN seinen „alten“ Vixen R200SS fuer einen sehr fairen Preis ab. Er hatte damit ursprünglich familiäre Plaene, die sich leider dann leider doch nicht realisiert haben.
Wie's halt immer so ist und wie auch schon berufenere Leute es zusammengefasst haben: "Wer die Götter zum Lachen bringen will, der erzähle ihnen von seinen Plänen."
Und so wurde Ende Oktober ein kurzer Tripp in Richtung Eifel unternommen und das gute Stück vom Michael kurzerhand eingesackt.
Eigentlich wollte Ich bei ihm nur ganz kurz vorbeischneien, aber daraus wurde dann doch fast ein halber vergnüglicher Nachmittag mit viel Quatschen und reichlich Kaffee (und auf der Rückfahrt dementsprechend vielen Stopps an der Tanke...). Aus Karmagründen wurde im Verlauf des Nachmittags noch zweimal die vorsichtige Nachfrage eingeflochten, ob er das gute Stück wirklich für den Preis über die Theke gehen lassen will (?) … ja er will. Nun dann.
Im Bild unten ist das gute Stück im Zustand der Übergabe auf seinem Gartentisch (Vixen Originalzustand) und rechts (sneak Preview) dann nach dem Umbau:
Erste Bestandsaufnahme
Der Vixen ist das alte R200ss Modell mit dem relativ schmalem 232mm Tubus und mit dabei war ein Ross-Korrektor (der Vixen Coma Corrector 2) mit zwei Linsen. Der schnelle Vixen-Spiegel ist ein echter Klassiker unter den Astrographen und das „aktuelle“ Modell wird noch immer für einen sehr fairen Preis neu verkauft, aber leider im Meer der preiswerten China-Telekope einerseits und den „Luxus“ Manufaktur-Newtons andererseits inzwischen regelmäßig gerne übersehen.
Der Korrektor/Flattener war zu seinen besten Zeiten für die Anforderungen von chemischem Film ausgelegt (dafür dann aber für Vollformat!), ist aber durch CMOS&Cie über die Jahre weitgehend in die Obsolenz gerutscht, weil er für die kleinen Pixelgrößen auf der Achse zu viel sphärische Aberration mitbringt. Dementsprechend war das daher absehbar Baustelle Nummer eins.
Abgesehen davon ist es nicht mein erstes Vixen Teleskop und i.d.R. haben diese Telekope eine sehr gute Optik, aber nur eine „ok“ Mechanik. Vixen hat wohl wie Takahashi als Gießerei angefangen und auch die stehen auf Alu-Guss und „einfache Technik“. Das ist zwar prinzipiell nicht schlecht, hat aber auch seine Nachteile und ist zunehmend etwas hinter dem Stand der (Fertigungs-) Technik.
Nach der ersten Bestandsaufnahme am Nachthimmel zwei Tage nach dem Abholen zeichnete sich auch genau dieses Bild ab: Optisch sah das eigentlich alles sehr gut aus, aber der Fokussierer war einfach ausgenudelt. Trotz einer peniblen Nachstellung mit den beiden „Trimmschrauben“ und einer Runde Teflonspray auf den "Lager-Gleitbahnen" stellte sich das – insbesondere für schwerere fotografische Lasten – etwas zu grenzwertig dar: Entweder "Shifting", oder bei angeballerten Madenschrauben ein extrem schwergängiger Auszug ud relativ wenig dazwischen.
Nun kann man meiner Erfahrung nach am schnellen Newton bei F/4 Fotografie mit „Wackeldackel“ Auszug einfach komplett vergessen. Solche Teleskope müssen perfekt kollimiert werden und diese Kollimation auch dann halten, wenn da größere fotografische Lasten am Auszug hängen. Da irgendwelche Telfonstreifen auf den Gleitbahnen des alten Zahnstangenauszugs zu sanieren, ist eher was für Liebhaber als für (Amateur-) Astrofotografen. Auch mein alter Vixen Refraktor erlebte seine fotografische Renaissance erst dann, nachdem der aehnlich gebaute Vixen-Originalfokussierer von anno-Domini gegen einen 2.5“ Moonlite getauscht worden war.
Es musste also ein neuer Auszug und gleichzeitig ein neuer passender Komakorrektor her.
Die Qual der Wahl: Auszug + Korrektor Kombination
Was an den alten R200SS doch sehr knapp bemessen ist, auch und gerade um seinerzeit mit moderater Größe des Sekundärspiegels noch Vollformat auszuleuchten, ist leider der Backfocus.
Im Gegensatz zu Ross-Korrektoren verschwinden Wynne-Korrektoren aber schon ein schönes Stück im Auszug. Ein erster Test mit dem vorhandenen GPU-Korrektor (10 cm lang …) zeigt sehr schnell, das wird nichts, denn bei Fokuslage mit Kamera ragt der weit in den Strahlengang hinein.
Großes Kopfkratzen…
Eine Alternative waere eventuell der “TS-Optics NEWTONIAN Coma Corrector” (auch ein Wynne ähnlicher Korrektor) gewesen, aber auch da wäre es wohl sehr, sehr knapp geworden. Alternativ wäre der Baader MPCC noch gegangen, was allerdings dann wieder auf einen Ross-Type Korrektor hinausläuft.
Da allerdings erstens mein absehbares fotografisches Interesse an diesem Fernrohr wohl nicht jenseits des APS-C Formats geht und zweitens meine Wahl in Richtung des „alten“ (und oft unverdient vergessenen) Baader RCC-I Komakorrektors ging, ging die Tendenz zur Laubsägearbeit …
Die Logik war grob gesagt diese:
Da der Sekundärspiegel im Originalzustand auf Vollformat ausgelegt ist, gibt es genug Spielraum den Hauptspiegel 20mm nach vorne zu verlegen, ohne dass bei APS-C die Vignettierung zu schlimm wird (wir werden sehen...).
Gesagt, getan: Dazu wurde zuerst eine Sägeschablone 3D gedruckt, um einen geraden Schnitt zu bekommen und damit einfach frivol der Tubus gekürzt.
Zeitgleich lief die Suche nach einem neuen Auszug.
Grundsätzlich sollte ein 2“ Auszug für APS-C locker reichen. Meine erste Wahl wäre dabei wie der weiter unten im Bild gezeigt der manuelle Moonlite 2“ gewesen (ein Archivbild eines anderen Telekops). Ich mag die „manuellen“ Moonlites ziemlich gern, denn die sind preislich noch ok, bieten aber trotzdem eine sehr gute Qualität.
Das Problem ist aber leider, Moonlite hat die manuellen 2“ Auszüge dieses Jahr „inoffiziell“ aus dem Programm genommen. Den 2“ Auszug will Moonlite offenbar nur noch in der Kombo mit hauseigener Motorisierung verkaufen und das dann leider zu Mondpreisen (da ist Name wohl Programm), obwohl die Motorisierung letztendlich nicht wirklich besser als ein ZWO EAF ist (ok hat ne Kupplung, aber sonst …). Die Dinger liegen daher bleischwer und überteuert motorisiert bei vielen Händlern im Regal, die kosteneffektive manuelle Version ist dagegen so gut wie nirgends zu bekommen. Nach der fünf Nachfragen und einer gecancelten Bestellung im einschlägigen Fachhandel (...in sechs Monaten wird eventuell was geliefert...), habe Ich das Handtuch geschmissen…
Tja, was bleibt zu tun?
Wertige Alternativen (Baader Steeltrack, Lacerta Octo) bauen leider einen Tick zu hoch für den knapp bemessenen R200ss und soweit wollte Ich den Tubus dann doch nicht kürzen (müssen). Da Covid-bedingt eh‘ kaum was lieferbar ist, kam am Ende dann doch zähneknirschend der 2“ Feathertouch „Shorty“ rein, qualitätsmäßig aber leider auch preislich die Rolls-Royce Klasse. Aber wie's halt immer so 'is: Besser sich am Anfang einmal ärgern …
Für denFeathertouch gibt’s übrigens sogar eine extra konstruierte Vixen R200SS Basis, die aber dann – wenn schon denn schon – dann gleich zum doppelten Preis der eh‘ schon saftig teuren Standardbasis (flach und in 3-4 Tubuskruemmungen), die ja notwendigerweise zum teuren Auszug noch dazukommt. Man staunt nicht schlecht: 200 Euro für ein einfaches Alu-Frästeil mit vier Bohrungen und zwei Madenschrauben. Ok, nochmal in Worten z-w-e-i-h-u-n-d-e-r-t Euro für ein ...
Wow.
Dass war mir dann aber doch zu doof, es blieb daher beim flachen Standardadapter (der war auch auf Lager) und die Adaption auf den Vixen-Tubus wurde mit carbonfaserverstärktem ABS Plastik 3D-gedruckt (siehe Bild unten), welches extrem biegesteif ist. Der Adapter wurde dann auch gleich asymmetrisch etwas weiter Richtung Hauptspiegel ausgeführt, um die Hebelkräfte der fotografischen Last im Zenit besser auf dem Aluminiumtubus abzustützen.
Als kleines pikanntes Detail lernt man bei diesem Umbau auch dazu, dass die Schraublöcher des Feathertouch Standardadapters übrigens exakt mit den Bohrungen des R200SS fluchten (... verwundertes Weglegen der Bohrmaschine ...ja aber wozu dann die extra Basis ...?). Wahrscheinlich begründet sich daher der immerhin doppelt so hohe Preis dieses speziellen R200SS Tubusadapters damit, dass Feathertouch mit extrem hoher Präzision weder die Positionierung der Bohrlöcher noch die der Krümmung des Standardadapters (für generische 230mm Tuben) irgendwie ändern musste…
Und solche Präzision hat bei Feathertouch nun mal den entsprechenden Preis.
Meine bessere Hälfte bemerkte dazu nur trocken, dass „Feathertouch“ wohl das Gefühl der Brieftasche nach dem Einkauf bei dem Verein symbolisieren soll …
Zusammenbau und fotografische Adaptation
Kollimiert wurde mit einem Baader-Laserkolli und einem sehr gut zentrierenden 1.25“ auf M48 Adapter (dem Filterthread eines Moonlite 1.25-2“ Adapters) und zwar verschraubt und direkt auf den Korrektor.
Nach dem Tubuskürzen ist die Kollimation des Newton natürlich jenseits von Gut und Böse und man muss das iterativ angehen: Erst mal den Fangspiegel justieren, dann den Hauptspiegel so dass der Laserstrahl wieder grob zurück in den Auszug fällt, dann wieder von vorne. Nach 2-3 Runden kommt dann der Feinschliff mit der Endjustage nur mit dem Hauptspiegel.
Das Image-Train wurde so zusammengestückelt: Auf dem Korrektor sitzt eine verstellbare M48 Verlängerung mit Schraub-Arretierung und eher heftigen Dimensionen (beides KO-Kriterium) und dahinter eine selbstzentrierende M48 Schnellwechselplatte, die erlaubt die Kamera bequem anzuflanschen und auch um die optische Achse zu rotieren.
Dahinter dann wieder die M48-M54 Adapterplatte von QHYCCD, der Off-Axis-Guider, das Filterrad und schließlich die Kamera, welche alle zu einem Block verschraubt sind. Die Wahl des Baader RCC 1 Korrektors war auch dadurch motiviert, durch den langen Backfokus (>90mm hinter dem Korrektor) Platz für den ganzen Stapel zu haben. Flankiert wird das Ganze von einem ZWO EAF am Feathertouch Auszug für den Autofokus, ohne den Fotografie an solchen schnellen Spiegeln mit Alutubus IMHO ein hartes Brot ist.
First Light
Tja, irgendwann kommt dann der Tag (oder besser: die Nacht) der Wahrheit und das Fernrohr geht auf die Montierung und wird dort noch mal kurz nachkollimiert. Letzten Mittwoch war’s dann so weit und Petrus eine Nacht lang gnädig.
Los gings’s, Angstgegener #1: Sitzt die Kamaera & Co nach dem Anflanschen sauber senkrecht zur optischen Achse?
Den AF hatte Ich am Nachmittag bereits auf ein 200m entferntes Haus vorjustiert. Für den ersten AF am Nachthimmel kurz NINA konfiguriert, über NINA motorisiert nahe genug an den Fokus gefahren und los geht’s. Das klappt auf Anhieb, aber es ist sofort klar, der mit Schieblehre eingestellte Abstand zwischen Chip und RCC-1 Korrektor ist hoffnungslos zu kurz.
Macht aber nix, denn diesmal sitzt da aber eine stufenlose Verlängerung im Lichtweg, weshalb erstens die nun eigentlich fällige Adapterschlacht entfällt und zweitens die nun fällige Justage nach 3-4 klassischen Iterationen erledigt ist (klassisch = zu klein, immer noch zu klein, … ungeduldiges Drauflosschrauben, … Mist – nun zu groß, …usw.). Danach waren die Sterne auch in den Ecken für die erste Nacht passabel genug. Offensichtliche Verkippung gibt’s keine (erleichtertes Seufzen), was eben auch daran liegt, dass die M48 Verlängerung ein solider Alu-Block mit M68 Gewinde zur Verstellung ist und somit die Querlast der schweren Kamera offenbar gut verkraften kann. Anfangs hatte Ich erwogen das mit T2/M42 zu loesen, aber die Entscheidung da lieber „Eiche massiv“ zu verbauen zahlt sich aus. Bei den ersten AF-Versuchen (siehe Bild unten) fällt auch auf: Der Rolls-Royce Feathertouch läuft beim AF absolut spielfrei und die Fokuskurve ist wie aus dem Bilderbuch.
Weil das Thema Verkippung nun sowieso auf dem Tisch war, daher anschließend gleich der große Test am Angstgegner #2: verkippt der ganze Laden je nach Zenitstand, d.h. ist der Tubus und der Adapterturm steif/spiefrei genug?
Also AF machen, dann von 30 Grad Osthorizonthöhe ein Sternbild machen, danach auf den Zenit gehen und ein Bild weiteres Bild schießen und dann zum Westhorizont, zum letzten Bild. Alle drei Bilder vergleichen und nach Verkippung suchen. Der Blutdruck geht eine weitere Kerbe runter: Auch das ist ohne Befund, check.
Man kann zwar über die Preise von Feathertouch meckern wie man will, aber. mechanisch. wackelt. da. wirklich. absolut. nix.
Letzter Schritt in Sachen Optik-Justage: AF mit allen Filtern und in NINA die Offsets eingeben, damit der AF später am „schnellsten“ mit dem UHC gemacht werden kann, den Ich hier in Stadtnaehe i.d.R. als Lumineszenskanal verwende.
Auch das geht mit so einem schnellen Teleskop (<2s Belichtungszeit) sehr flott. Gemessen wird LRLGLBLHLOLSL und van der Farb/NB Filterposition das Mittel der beiden benachbarten L-Werte abgezogen. Als gebranntes Kind habe Ich da mit Alutuben so meine Erfahrungen, denn wenn man L nicht dauernd nachmisst und mittelt, dann holt man sich schnell die ganze Fokusdrift der Akklimatisierung in die Messung und bekommt dann später dann mit den "falschen" Offsets zwischen den Filtern nie den kritischen Fokus. Dabei kommt es zu einer überraschenden Feststellung: Der Vixen braucht offenbar so 30 Min zum akklimatisieren (die Ich mit den anderen Justagearbeiten verbraten habe), danach hält der den Fokus extrem stabil. Es soll ja Leute geben, die diese Astrografen deshalb mit Carbontubus ausstatten, aber der alte Vixen Eimer ist trotz seines Alutubus überraschend kollimationsstabil.
Prima - unerwarteter Bonuspunkt.
Die erste DS Aufnahme
Damit stand einem ersten „richtigen“ Bild eigentlich nix mehr im Wege, daher einfach mal auf das draufgehalten, was einigermaßen passabel über dem Horizont stand und daher die Triangulum-Galaxie angepeilt und einfach mal losgelegt...
Wie das obige Bild-Kollage zeigt, ist die technische Abnahme erfreulicherweise ohne große Beanstandungen:
Der Baader RCC-I hat (zusammen mit dem neuen HS-FS-Abstand) schon etwas Vignetierung (30% in der Bildecke), aber im Vergleich mit anderen Koma-Korrektoren wird das wohl gemeinhin etwas überdramatisiert. Was man schon merkt, das Kerlchen mag‘ Verkippung wirklich gar nicht und der Korrektor kann seine wirklich sehr,sehr gute Bildschärfe nur ausspielen, wenn alles sehr gut kollimiert und spiel- / wackelfrei montiert ist. Da wird gelegentlich auch noch mal etwas am Abstand zum Chip optimisiert werden.
Der Themenkomplex „Autofokus“ und „Fokusdrift“ „Verkippung“ ist dagegen dem ersten Eindruck nach komplett gelöst. Sicher, man kann sich berechtigt fragen ob es denn wirklich ein Feathertouch sein muss, aber wenn einer drin ist, dann ist wirklich Ruhe.
Und gibt's am Ende auch ein Bild?
Na klar, voila:
Tja, was soll man sagen?
Ohne epische Bearbeitung in PI und spontan aus der Hüfte aus Bortle 7-8 doch schon sehr passabel. Die starke Beugung der Spinne ist etwas gewöhnungsbedürftig - ein Upgrade der Spinne ist daher noch nicht vom Tisch - aber fürs erste ist der gute alte Vixen-Eimer wieder zurück im Astrofoto-Geschäft.
Sodele, da habt Ihr den Salat ...
MfG & CS
Man sagt ja gemeinhin der erste Eindruck ist immer prägend und bei mir war der uberhaupt erste Blick durch ein Telekop eben der Saturn mit Ringen durch einen 114er Vixen Spiegel mit kurzen Kellnerokularen, die heute wohl als "Augenimplantat" durchgegangen wären. Trotzdem hat mich die Liebe zum Newton seit dem nie wirklich verlassen.
Früher (war sowieso alles besser…) hatte Ich daher zuweilen 2-3 Newtonteleskope, dann in anderen Zeitabschnitten jahrelang wieder mal gar keinen (viele Umzüge). In der Langeweile der Covid-Dramas war die Zeit wieder einfach wieder "Newton-reif". Nachdem bereits ein 12“ F/5 Truss dieses Jahr dazugekommen ist, gab es da noch eine klaffende Lücke zwischen den richtig langen Brennweiten und dem kleinen Zoo der Weitfeld-Refraktoren unter 500mm Brennweite. Das sind natürlich langfristig keine haltbaren Zustände...
Der Zufall kam zu Hilfe: Aus persönlichen Gründen trat mir der Forist @Michael_DN seinen „alten“ Vixen R200SS fuer einen sehr fairen Preis ab. Er hatte damit ursprünglich familiäre Plaene, die sich leider dann leider doch nicht realisiert haben.
Wie's halt immer so ist und wie auch schon berufenere Leute es zusammengefasst haben: "Wer die Götter zum Lachen bringen will, der erzähle ihnen von seinen Plänen."
Und so wurde Ende Oktober ein kurzer Tripp in Richtung Eifel unternommen und das gute Stück vom Michael kurzerhand eingesackt.
Eigentlich wollte Ich bei ihm nur ganz kurz vorbeischneien, aber daraus wurde dann doch fast ein halber vergnüglicher Nachmittag mit viel Quatschen und reichlich Kaffee (und auf der Rückfahrt dementsprechend vielen Stopps an der Tanke...). Aus Karmagründen wurde im Verlauf des Nachmittags noch zweimal die vorsichtige Nachfrage eingeflochten, ob er das gute Stück wirklich für den Preis über die Theke gehen lassen will (?) … ja er will. Nun dann.
Im Bild unten ist das gute Stück im Zustand der Übergabe auf seinem Gartentisch (Vixen Originalzustand) und rechts (sneak Preview) dann nach dem Umbau:
Erste Bestandsaufnahme
Der Vixen ist das alte R200ss Modell mit dem relativ schmalem 232mm Tubus und mit dabei war ein Ross-Korrektor (der Vixen Coma Corrector 2) mit zwei Linsen. Der schnelle Vixen-Spiegel ist ein echter Klassiker unter den Astrographen und das „aktuelle“ Modell wird noch immer für einen sehr fairen Preis neu verkauft, aber leider im Meer der preiswerten China-Telekope einerseits und den „Luxus“ Manufaktur-Newtons andererseits inzwischen regelmäßig gerne übersehen.
Der Korrektor/Flattener war zu seinen besten Zeiten für die Anforderungen von chemischem Film ausgelegt (dafür dann aber für Vollformat!), ist aber durch CMOS&Cie über die Jahre weitgehend in die Obsolenz gerutscht, weil er für die kleinen Pixelgrößen auf der Achse zu viel sphärische Aberration mitbringt. Dementsprechend war das daher absehbar Baustelle Nummer eins.
Abgesehen davon ist es nicht mein erstes Vixen Teleskop und i.d.R. haben diese Telekope eine sehr gute Optik, aber nur eine „ok“ Mechanik. Vixen hat wohl wie Takahashi als Gießerei angefangen und auch die stehen auf Alu-Guss und „einfache Technik“. Das ist zwar prinzipiell nicht schlecht, hat aber auch seine Nachteile und ist zunehmend etwas hinter dem Stand der (Fertigungs-) Technik.
Nach der ersten Bestandsaufnahme am Nachthimmel zwei Tage nach dem Abholen zeichnete sich auch genau dieses Bild ab: Optisch sah das eigentlich alles sehr gut aus, aber der Fokussierer war einfach ausgenudelt. Trotz einer peniblen Nachstellung mit den beiden „Trimmschrauben“ und einer Runde Teflonspray auf den "Lager-Gleitbahnen" stellte sich das – insbesondere für schwerere fotografische Lasten – etwas zu grenzwertig dar: Entweder "Shifting", oder bei angeballerten Madenschrauben ein extrem schwergängiger Auszug ud relativ wenig dazwischen.
Nun kann man meiner Erfahrung nach am schnellen Newton bei F/4 Fotografie mit „Wackeldackel“ Auszug einfach komplett vergessen. Solche Teleskope müssen perfekt kollimiert werden und diese Kollimation auch dann halten, wenn da größere fotografische Lasten am Auszug hängen. Da irgendwelche Telfonstreifen auf den Gleitbahnen des alten Zahnstangenauszugs zu sanieren, ist eher was für Liebhaber als für (Amateur-) Astrofotografen. Auch mein alter Vixen Refraktor erlebte seine fotografische Renaissance erst dann, nachdem der aehnlich gebaute Vixen-Originalfokussierer von anno-Domini gegen einen 2.5“ Moonlite getauscht worden war.
Es musste also ein neuer Auszug und gleichzeitig ein neuer passender Komakorrektor her.
Die Qual der Wahl: Auszug + Korrektor Kombination
Was an den alten R200SS doch sehr knapp bemessen ist, auch und gerade um seinerzeit mit moderater Größe des Sekundärspiegels noch Vollformat auszuleuchten, ist leider der Backfocus.
Im Gegensatz zu Ross-Korrektoren verschwinden Wynne-Korrektoren aber schon ein schönes Stück im Auszug. Ein erster Test mit dem vorhandenen GPU-Korrektor (10 cm lang …) zeigt sehr schnell, das wird nichts, denn bei Fokuslage mit Kamera ragt der weit in den Strahlengang hinein.
Großes Kopfkratzen…
Eine Alternative waere eventuell der “TS-Optics NEWTONIAN Coma Corrector” (auch ein Wynne ähnlicher Korrektor) gewesen, aber auch da wäre es wohl sehr, sehr knapp geworden. Alternativ wäre der Baader MPCC noch gegangen, was allerdings dann wieder auf einen Ross-Type Korrektor hinausläuft.
Da allerdings erstens mein absehbares fotografisches Interesse an diesem Fernrohr wohl nicht jenseits des APS-C Formats geht und zweitens meine Wahl in Richtung des „alten“ (und oft unverdient vergessenen) Baader RCC-I Komakorrektors ging, ging die Tendenz zur Laubsägearbeit …
Die Logik war grob gesagt diese:
Da der Sekundärspiegel im Originalzustand auf Vollformat ausgelegt ist, gibt es genug Spielraum den Hauptspiegel 20mm nach vorne zu verlegen, ohne dass bei APS-C die Vignettierung zu schlimm wird (wir werden sehen...).
Gesagt, getan: Dazu wurde zuerst eine Sägeschablone 3D gedruckt, um einen geraden Schnitt zu bekommen und damit einfach frivol der Tubus gekürzt.
Zeitgleich lief die Suche nach einem neuen Auszug.
Grundsätzlich sollte ein 2“ Auszug für APS-C locker reichen. Meine erste Wahl wäre dabei wie der weiter unten im Bild gezeigt der manuelle Moonlite 2“ gewesen (ein Archivbild eines anderen Telekops). Ich mag die „manuellen“ Moonlites ziemlich gern, denn die sind preislich noch ok, bieten aber trotzdem eine sehr gute Qualität.
Das Problem ist aber leider, Moonlite hat die manuellen 2“ Auszüge dieses Jahr „inoffiziell“ aus dem Programm genommen. Den 2“ Auszug will Moonlite offenbar nur noch in der Kombo mit hauseigener Motorisierung verkaufen und das dann leider zu Mondpreisen (da ist Name wohl Programm), obwohl die Motorisierung letztendlich nicht wirklich besser als ein ZWO EAF ist (ok hat ne Kupplung, aber sonst …). Die Dinger liegen daher bleischwer und überteuert motorisiert bei vielen Händlern im Regal, die kosteneffektive manuelle Version ist dagegen so gut wie nirgends zu bekommen. Nach der fünf Nachfragen und einer gecancelten Bestellung im einschlägigen Fachhandel (...in sechs Monaten wird eventuell was geliefert...), habe Ich das Handtuch geschmissen…
Tja, was bleibt zu tun?
Wertige Alternativen (Baader Steeltrack, Lacerta Octo) bauen leider einen Tick zu hoch für den knapp bemessenen R200ss und soweit wollte Ich den Tubus dann doch nicht kürzen (müssen). Da Covid-bedingt eh‘ kaum was lieferbar ist, kam am Ende dann doch zähneknirschend der 2“ Feathertouch „Shorty“ rein, qualitätsmäßig aber leider auch preislich die Rolls-Royce Klasse. Aber wie's halt immer so 'is: Besser sich am Anfang einmal ärgern …
Für denFeathertouch gibt’s übrigens sogar eine extra konstruierte Vixen R200SS Basis, die aber dann – wenn schon denn schon – dann gleich zum doppelten Preis der eh‘ schon saftig teuren Standardbasis (flach und in 3-4 Tubuskruemmungen), die ja notwendigerweise zum teuren Auszug noch dazukommt. Man staunt nicht schlecht: 200 Euro für ein einfaches Alu-Frästeil mit vier Bohrungen und zwei Madenschrauben. Ok, nochmal in Worten z-w-e-i-h-u-n-d-e-r-t Euro für ein ...
Wow.
Dass war mir dann aber doch zu doof, es blieb daher beim flachen Standardadapter (der war auch auf Lager) und die Adaption auf den Vixen-Tubus wurde mit carbonfaserverstärktem ABS Plastik 3D-gedruckt (siehe Bild unten), welches extrem biegesteif ist. Der Adapter wurde dann auch gleich asymmetrisch etwas weiter Richtung Hauptspiegel ausgeführt, um die Hebelkräfte der fotografischen Last im Zenit besser auf dem Aluminiumtubus abzustützen.
Als kleines pikanntes Detail lernt man bei diesem Umbau auch dazu, dass die Schraublöcher des Feathertouch Standardadapters übrigens exakt mit den Bohrungen des R200SS fluchten (... verwundertes Weglegen der Bohrmaschine ...ja aber wozu dann die extra Basis ...?). Wahrscheinlich begründet sich daher der immerhin doppelt so hohe Preis dieses speziellen R200SS Tubusadapters damit, dass Feathertouch mit extrem hoher Präzision weder die Positionierung der Bohrlöcher noch die der Krümmung des Standardadapters (für generische 230mm Tuben) irgendwie ändern musste…
Und solche Präzision hat bei Feathertouch nun mal den entsprechenden Preis.
Meine bessere Hälfte bemerkte dazu nur trocken, dass „Feathertouch“ wohl das Gefühl der Brieftasche nach dem Einkauf bei dem Verein symbolisieren soll …
Zusammenbau und fotografische Adaptation
Kollimiert wurde mit einem Baader-Laserkolli und einem sehr gut zentrierenden 1.25“ auf M48 Adapter (dem Filterthread eines Moonlite 1.25-2“ Adapters) und zwar verschraubt und direkt auf den Korrektor.
Nach dem Tubuskürzen ist die Kollimation des Newton natürlich jenseits von Gut und Böse und man muss das iterativ angehen: Erst mal den Fangspiegel justieren, dann den Hauptspiegel so dass der Laserstrahl wieder grob zurück in den Auszug fällt, dann wieder von vorne. Nach 2-3 Runden kommt dann der Feinschliff mit der Endjustage nur mit dem Hauptspiegel.
Das Image-Train wurde so zusammengestückelt: Auf dem Korrektor sitzt eine verstellbare M48 Verlängerung mit Schraub-Arretierung und eher heftigen Dimensionen (beides KO-Kriterium) und dahinter eine selbstzentrierende M48 Schnellwechselplatte, die erlaubt die Kamera bequem anzuflanschen und auch um die optische Achse zu rotieren.
Dahinter dann wieder die M48-M54 Adapterplatte von QHYCCD, der Off-Axis-Guider, das Filterrad und schließlich die Kamera, welche alle zu einem Block verschraubt sind. Die Wahl des Baader RCC 1 Korrektors war auch dadurch motiviert, durch den langen Backfokus (>90mm hinter dem Korrektor) Platz für den ganzen Stapel zu haben. Flankiert wird das Ganze von einem ZWO EAF am Feathertouch Auszug für den Autofokus, ohne den Fotografie an solchen schnellen Spiegeln mit Alutubus IMHO ein hartes Brot ist.
First Light
Tja, irgendwann kommt dann der Tag (oder besser: die Nacht) der Wahrheit und das Fernrohr geht auf die Montierung und wird dort noch mal kurz nachkollimiert. Letzten Mittwoch war’s dann so weit und Petrus eine Nacht lang gnädig.
Los gings’s, Angstgegener #1: Sitzt die Kamaera & Co nach dem Anflanschen sauber senkrecht zur optischen Achse?
Den AF hatte Ich am Nachmittag bereits auf ein 200m entferntes Haus vorjustiert. Für den ersten AF am Nachthimmel kurz NINA konfiguriert, über NINA motorisiert nahe genug an den Fokus gefahren und los geht’s. Das klappt auf Anhieb, aber es ist sofort klar, der mit Schieblehre eingestellte Abstand zwischen Chip und RCC-1 Korrektor ist hoffnungslos zu kurz.
Macht aber nix, denn diesmal sitzt da aber eine stufenlose Verlängerung im Lichtweg, weshalb erstens die nun eigentlich fällige Adapterschlacht entfällt und zweitens die nun fällige Justage nach 3-4 klassischen Iterationen erledigt ist (klassisch = zu klein, immer noch zu klein, … ungeduldiges Drauflosschrauben, … Mist – nun zu groß, …usw.). Danach waren die Sterne auch in den Ecken für die erste Nacht passabel genug. Offensichtliche Verkippung gibt’s keine (erleichtertes Seufzen), was eben auch daran liegt, dass die M48 Verlängerung ein solider Alu-Block mit M68 Gewinde zur Verstellung ist und somit die Querlast der schweren Kamera offenbar gut verkraften kann. Anfangs hatte Ich erwogen das mit T2/M42 zu loesen, aber die Entscheidung da lieber „Eiche massiv“ zu verbauen zahlt sich aus. Bei den ersten AF-Versuchen (siehe Bild unten) fällt auch auf: Der Rolls-Royce Feathertouch läuft beim AF absolut spielfrei und die Fokuskurve ist wie aus dem Bilderbuch.
Weil das Thema Verkippung nun sowieso auf dem Tisch war, daher anschließend gleich der große Test am Angstgegner #2: verkippt der ganze Laden je nach Zenitstand, d.h. ist der Tubus und der Adapterturm steif/spiefrei genug?
Also AF machen, dann von 30 Grad Osthorizonthöhe ein Sternbild machen, danach auf den Zenit gehen und ein Bild weiteres Bild schießen und dann zum Westhorizont, zum letzten Bild. Alle drei Bilder vergleichen und nach Verkippung suchen. Der Blutdruck geht eine weitere Kerbe runter: Auch das ist ohne Befund, check.
Man kann zwar über die Preise von Feathertouch meckern wie man will, aber. mechanisch. wackelt. da. wirklich. absolut. nix.
Letzter Schritt in Sachen Optik-Justage: AF mit allen Filtern und in NINA die Offsets eingeben, damit der AF später am „schnellsten“ mit dem UHC gemacht werden kann, den Ich hier in Stadtnaehe i.d.R. als Lumineszenskanal verwende.
Auch das geht mit so einem schnellen Teleskop (<2s Belichtungszeit) sehr flott. Gemessen wird LRLGLBLHLOLSL und van der Farb/NB Filterposition das Mittel der beiden benachbarten L-Werte abgezogen. Als gebranntes Kind habe Ich da mit Alutuben so meine Erfahrungen, denn wenn man L nicht dauernd nachmisst und mittelt, dann holt man sich schnell die ganze Fokusdrift der Akklimatisierung in die Messung und bekommt dann später dann mit den "falschen" Offsets zwischen den Filtern nie den kritischen Fokus. Dabei kommt es zu einer überraschenden Feststellung: Der Vixen braucht offenbar so 30 Min zum akklimatisieren (die Ich mit den anderen Justagearbeiten verbraten habe), danach hält der den Fokus extrem stabil. Es soll ja Leute geben, die diese Astrografen deshalb mit Carbontubus ausstatten, aber der alte Vixen Eimer ist trotz seines Alutubus überraschend kollimationsstabil.
Prima - unerwarteter Bonuspunkt.
Die erste DS Aufnahme
Damit stand einem ersten „richtigen“ Bild eigentlich nix mehr im Wege, daher einfach mal auf das draufgehalten, was einigermaßen passabel über dem Horizont stand und daher die Triangulum-Galaxie angepeilt und einfach mal losgelegt...
Wie das obige Bild-Kollage zeigt, ist die technische Abnahme erfreulicherweise ohne große Beanstandungen:
Der Baader RCC-I hat (zusammen mit dem neuen HS-FS-Abstand) schon etwas Vignetierung (30% in der Bildecke), aber im Vergleich mit anderen Koma-Korrektoren wird das wohl gemeinhin etwas überdramatisiert. Was man schon merkt, das Kerlchen mag‘ Verkippung wirklich gar nicht und der Korrektor kann seine wirklich sehr,sehr gute Bildschärfe nur ausspielen, wenn alles sehr gut kollimiert und spiel- / wackelfrei montiert ist. Da wird gelegentlich auch noch mal etwas am Abstand zum Chip optimisiert werden.
Der Themenkomplex „Autofokus“ und „Fokusdrift“ „Verkippung“ ist dagegen dem ersten Eindruck nach komplett gelöst. Sicher, man kann sich berechtigt fragen ob es denn wirklich ein Feathertouch sein muss, aber wenn einer drin ist, dann ist wirklich Ruhe.
Und gibt's am Ende auch ein Bild?
Na klar, voila:
Tja, was soll man sagen?
Ohne epische Bearbeitung in PI und spontan aus der Hüfte aus Bortle 7-8 doch schon sehr passabel. Die starke Beugung der Spinne ist etwas gewöhnungsbedürftig - ein Upgrade der Spinne ist daher noch nicht vom Tisch - aber fürs erste ist der gute alte Vixen-Eimer wieder zurück im Astrofoto-Geschäft.
Sodele, da habt Ihr den Salat ...
MfG & CS