Newbie sucht Orientierung im Teleskopdschungel

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Hallo Yvonne,

dann will ich auch mal meinen Senf dazugeben...

Grundsätzlich finde ich pers. einen Newton auf parallaktischer Montierung ist eine reine Fotomaschine. Zum visuellen Beobachten hast du viel zu häufig den Einblick an einer total ungünstigen Stelle, so dass man sich verrenken muss um etwas zu sehen. Von entspannter Beobachtung kann da nicht mehr die Rede sein. Selbst mit Rotationsschellen wird es nicht wirklich besser.

Ein Teleskop mit rückwärtigem Einblick finde ich auf einer solchen Montierung deutlich angenehmer, wenngleich zenitnahe Beobachtung auch damit wenig Spass machen kann, wenn das Teleskop nicht hoch genug montiert ist. Darüber hinaus hast du bei deinem Südbalkon, das heisst, beim Meridiandurchgang des Objekts mussst du das Teleskop von der Ostseite auf die Westseite umschlagen und damit verbunden idR. auch deinen Beobachtungsplatz wechseln.

Ein 16" Dobson, bzw. auch ein 10" Dobson wie Marcus und Alex ihn vorgeschlagen haben auf einem Balkon zu betreiben funktioniert nur, wenn du einen sehr großen Balkon hast. Bei der üblichen Breite von ca. 1m und einem eben so hohen Geländer wirst du damit vermutlich wenig Spass haben...


An deiner Stelle würde ich mir mal Montierungen wie die AYO II, oder Altair Sabre anschauen. Beide sind recht kompakt und auch nicht zu schwer, tragen aber durchaus noch ein C8. Umschwenken bei Meridiandurchgang entfällt, du hättest einen angenehmen rückwärtigen Einblick und Aufsuchen/Nachführen wäre wie bei einem Dobson. ABER: Fotografie kannst du damit eigentlich vergessen! Deepsky-Beobachtung mit einem 8" SC geht zwar, ist aber nicht vergleichbar mit einem größeren Dobson!

Wenn du Beobachten und Fotografieren willst, könnte eine AZ-EQ5 (oder gebr. AZ-EQ6) eine Lösung sein. Auch die trägt ein C8 visuell ohne Probleme, lediglich für´s Fotografieren müsstest du dir ein weiteres Teleskop anschaffen (z.B. SW 130PDS oder einen kleinen ED APO) Wobei Mond/Planeten filmen kein Problem darstellt und mit einem SC sogar sehr gut funktioniert, da du nicht zwingend eine Barlow brauchst. Bei Fotografieren spreche ich idR. immer von Langzeitbelichtungen!

Noch etwas zu den SCs: Die größte Schwäche eines Schmidt-Cassegrain-Teleskops ist die lange Anpassungszeit an die Umgebungstemperatur. Ist man diesbezüglich zu ungeduldig schlägt das Tubusseeing unerbittlich zu und man bekommt kein sonderlich scharfes Bild. Ein weiterer Schwachpunkt ist die Schmidtplatte selbst, die schon mal gern zutaut und dann ein weiteres Beobachten/Fotografieren unmöglich macht.

Für den visuellen Beobachter ist die hohe Obstruktion ebenfalls von Nachteil, da die hohe Abschattung durch den Fangspiegel auch einen deutlichen Kontrastverlust bedeutet.

Also ein SC müsstest du schon min. 2 Stunden vor Beobachtungsbegin auf den Balkon packen um das Teil "auf Temperatur zu bringen" und eine Taukappe (am besten mit Heizung) ist auch Pflicht!
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo ihr Lieben,

vielen Dank für eure Empfehlungen und Überlegungen. Wenn ich es richtig verstanden haben, stellt sich also nun die Frage, ob man ein Teleskop für beides: visuell und fotographisch anschafft und dabei einige Kompromisse eingeht oder man beides getrennt hält.
Leider ist es mir nicht möglich die Geräte mal in Augenschein zu nehmen und auszuprobieren, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Generell könnte ich mir vorstellen, dass mir ein Newton auf einer guten parallaktischen Montierung gefällt - aber natürlich besteht die Gefahr, dass es irgendwann auf Grund des etwas aufwendigeren Aufbaus doch nicht so häufig zum Einsatz kommt.
Eine Alternative wäre ein 8" oder 10" Dobson (obwohl mein Balkon mit 9 m2 bei 1,8 m Tiefe eine gute Größe hat, möchte ich kein größeres Gerät). Später könnte ich dann immer noch überlegen, mir ein Zweitgerät zuzulegen. Allerdings wäre mir ein Dobson mit Nachführung schon lieb :smiley61:
Ich überlege weiter :smiley47:
LG Yvonne
 
Hallo Yvonne,

dass du die Geräte nicht selber vor dem Kauf ansehen kannst, ist in der Tat schade, aber kein K.O.-Kriterium. Mit einigen Überlegungen bezüglich des Platzes kann man schon einiges klarmachen.

Mit 1,8 Meter Balkontiefe hast du es wirklich gut: Mein Balkon ist 6 Meter lang, aber nur ein Meter tief. Ich hatte mal selbst mit einem Newton geliebäugelt und zum Zollstock gegriffen: Entweder würde das Okular bei parallaktischer Montierung oft gefährlich weit über die Brüstung ragen, oder mit einem Dobson würde mir mit einem Meter Brüstungshöhe ein großer Teil des sichtbaren Himmels nicht zur Verfügung stehen. Friede der Asche meiner Newton-Überlegungen... Das nur als Beispiel.

Deine 1,8 Meter Platz in der Tiefe machen deinen Balkon eigentlich geradezu prädestiniert, um die Vorteile eines Newtons (hier: Dobsons) zu nutzen. Ich tendiere in deinem Fall zum Dobson, ggf. mit Nachführeinheit. Möglichst weit von der Brüstung weg an der Wand aufgebaut, dürfte die Brüstung kein nennenswertes Hindernis sein.

Ich ertappe mich selbst dabei, dass ich meistens das Teleskop mit der kürzesten Aufbau- und Auskühlzeit verwende, obwohl andere verfügbare Geräte leistungsfähiger wären. Ein weiteres Argument für einen Dobson der 8"-Klasse. Man ist halt von Natur aus bequem...

Die Nachführeinheit für den Dobson würde ich unbedingt im Hinterkopf behalten. Visuell bei hohen Vergrößerungen (Mond und Planeten) sieht man viel mehr, wenn das Teleskop nachgeführt wird: Will man Details erkennen UND dem Objekt im Okular folgen, wird das Auge quasi doppelt belastet, da es zwei Aufgaben gleichzeitig meistern muss. Man sieht folglich weniger Details, da spreche ich aus Erfahrung.

Der Dobson bringt den Vorteil, dass die Einblickposition meist bequemer ist als mit einer parallaktischen Montierung. Zudem fällt der Platzfresser Gegengewichtsstange weg.

Du merkst schon, in deinem Fall hat ein Dobson viele unschlagbare Vorteile.

VG Christian
 
Hi Yvonne,
Zitat von Galactica79:
Wenn ich es richtig verstanden haben, stellt sich also nun die Frage, ob man ein Teleskop für beides: visuell und fotographisch anschafft und dabei einige Kompromisse eingeht oder man beides getrennt hält.
der größte Kompromiss ist, dass man mit nur einem Gerät nicht gleichzeitig fotografieren und beobachten kann. Falls dein Balkon 'fototauglich' ist, kannst Du in der Zeit wenigstens irgendwas anderes machen - aber aufm Acker guckst Du dann in die Röhre bzw. eben nicht.


Zitat von Galactica79:
Leider ist es mir nicht möglich die Geräte mal in Augenschein zu nehmen und auszuprobieren, um ein Gefühl dafür zu bekommen.
Besuch doch mal ein Beobachtertreffen oder wenn es nur um die Größenordnung und das handling im Sinne von Trockenschwimmen geht, eine Messe oder die Ausstellung eines Händlers.


Zitat von Galactica79:
Generell könnte ich mir vorstellen, dass mir ein Newton auf einer guten parallaktischen Montierung gefällt - aber natürlich besteht die Gefahr, dass es irgendwann auf Grund des etwas aufwendigeren Aufbaus doch nicht so häufig zum Einsatz kommt.
Seinen Schweinehund lernt man leider erst mit der Zeit kennen.... nach meinem ersten Telesköpchen hab ich mir ein 'richtiges' angeschafft, schön parallaktisch montiert. Ein paar wenige male durfte es auf den Acker, danach fristete es im Garten sein Dasein, bis mir selbst das zu viel wurde. Mittlerweile nutze ich nur noch Kleinstgeräte, allerdings auch parallaktisch montiert, nur halt wesentlich leichter.


Zitat von Galactica79:
Eine Alternative wäre ein 8" oder 10" Dobson (obwohl mein Balkon mit 9 m2 bei 1,8 m Tiefe eine gute Größe hat, möchte ich kein größeres Gerät). Später könnte ich dann immer noch überlegen, mir ein Zweitgerät zuzulegen. Allerdings wäre mir ein Dobson mit Nachführung schon lieb
Dobson und Nachführung schließen sich nicht aus - manche haben goto und für praktisch alle gibt es EQ-Plattformen. Visuell ist das genau genug.

cs
Jürgen
 
Hallo liebe Forumsgemeinde,

ich habe dieses Thema noch einmal ausgegraben, da der Teleskopkauf nun langsam in konkrete Nähe rück *freu*
Nach umfangreichen Belesen, beabsichtige ich für den Anfang einen 8" Newton auf einer Skywatcher AZ-EQ5! zu erwerben. Leider habe ich über diese Kombi bisher nicht viel an Literatur gefunden. Vermutlich ist die Stabilität etwas grenzwertig.
Natürlich wäre eine AZ-Eq6 stabiler, dennoch habe ich ein bisschen Respekt vor dem Gewicht. Ich würde gerne eine halbwegs transportable Kombi haben, mit der ich schon viel sehen kann, auch wenn ich wahrscheinlich überwiegend auf meinem Südbalkon beobachten werde. Ich möchte zunächst auch nur beobachten, finde die Astrofotographie aber sehr verlockend und würde, sollte der Wunsch später noch bestehen, dafür z. B. einen 6" Newton anschaffen. Ich halte die AZ-EQ-Montierungen für ein rasches Alignment ohne Sicht auf den Polarstern etwas vorteilhafter als die normalen EQ-Montierungen.
Was haltet ihr von meinen Überlegungen? Werde ich als Newbie damit glücklich oder besteht ein Frustpotenzial? Bitte korrigiert mich, aber wenn ich den Newton für rein visuell im AZ-Modus betreibe, dürfte die Stabilität doch etwas höher sein, als im parallaktischen Betrieb, oder?
Vielen Dank für eure Meinungen.

LG. Yvonne
 
Hei Yvonne,

ich habe mir vor Jahren die EQ5 Pro SkyScan mit einem 150/750er zusammen gekauft.
http://www.teleskop-express.de/shop...50PDS-EQ5-SkyScan-6--F-5-GoTo---Teleskop.html

Der ist jetzt zu meiner Sammlung dazugekommen:
http://www.teleskop-express.de/shop...hey-Chretien-RC-Teleskop-mit-Metalltubus.html

Beide kommen mit der EQ5 klar, auch das Fotografien ist wenn die Ansprüche nicht all zu hoch gesetzt werden ausreichend.

Heute würde ich jedoch die EQ6 oder ähnliches kaufen.

Die Nachführung ist ok, jedoch eher für Einsteiger oder die viel unterwegs sind.

Mit dem 8" wirst du keine Freude haben da er dafür zu groß und die Nachführung zu schwach ist.
Wenn du nur am Balkon und sehr vorsichtig bist kannst du eventuell auch deine Freude damit haben, oder Frust ernten.
Ich habe selbst noch einen 200/1200 Newton den ich ein paar mal montiert habe jedoch ist das eher eine Wackelige Aktion und auch bei einer normalen Beobachtung nervig ist das man bei jeder kleinsten Berührung (scharfstellen, Wind) alles verwackelt.

Ob die AZ-EQ5 jetzt das bessere System ist kann ich nicht sagen jedoch müssen immer beide Achsen Nachgeführt werden.
Vom System her sicher Interessant jedoch vermute ich das dein Teleskop dann zu groß werden wird.

Ich würde zur EQ6 tendieren, Preislich für ihre Qualität günstig und du kannst auch schon große Brummer montieren die eventuell später einmal nachkommen, also etwas für die Zukunft.
Fotografisch bist du dann auch auf der sicheren Seite.

Ich habe mir für den schnellen Aufbau am Boden Markierungen gemacht wo ich meine Nachführung immer wieder hinstelle, so hast du den auf und abbau schnell erledigt.
Auch bei der AZ-EQ5 musst du "halbwegs" genau ausrichten weil dir sonst die Objekte aus dem Okular sausen.

Ich hoffe ich habe dich nicht verwirrt jedoch glaube ich das deine Zusammenstellung dir nicht viel Freude bereiten wird und dann das Geld rausgeschmissen ist und Frust für das schöne Hobby bringt.
Vielleicht kann dir ja jemand der die AZ-EQ5 kennt bessere Nachrichten und Vorschläge sagen.

Grüße Max




 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben