Newton für Astrofotografie

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moonlight

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Hallo ich bin neu hier und wollte mal euren Rat einholen zum Kauf eines neuen Teleskops.
Im Moment habe ich noch meinen alten 60mm (Schul-)Refraktor von Tasco mit einer recht wackligen Azimutalmontierung der für meine Bedüfnisse leider nicht mehr ausreicht.
Ich möchte das Teleskop sowohl zur visuellen Beobachtung als auch Astrofotografie von Mond, Planeten und DeepSky einsetzen.
Ich hab mich bisher mal umgeschaut und bin dabei u.a. auf den 150/750er Newton von Celestron mit parallaktischer Montierung gestossen, bin mir aber noch nicht sicher ob das die richtige Variante für meine Anwendungszwecke ist und in welcher Ausstattung ich solch einen nehmen sollte. Ich hab also eine ganze Reihe noch offener Fragen und hoffe ihr könnt mir etwas weiterhelfen:

1.Das Teleskop sollte einigermassen transportierbar sein, sodass ich damit auch mal vom Feld (=>Fussweg) oder aber im Urlaub (=> Autotransport) beobachten kann. Hier sind also denke ich Baulänge und Gewicht relevant.

2.Für die Fotografie brauche ich vermutlich ein sehr stabiles Stativ mit parallaktischer Montierung. Hier bin ich am unsichersten was denn Sinn macht. Reicht ein EQ3-Stativ oder sollte es schon ein ADM- oder eher ein Astro5-Stativ sein? Wie sieht es eigentlich aus wenn man später einen Tubus mit noch grösserer Öffnung haben möchte - kann man den einfach gegen dan alten austauschen (und das alte Stativ verwenden?)

3.Wenn ich eine motorische Nachführung zum Ausgleich der Erddrehung haben möchte (z.b. während einer Aufnahme) brauche ich bei parallaktischer Montierung nicht eigentlich auch nur EINEN Motor zur Nachführung der Stundenachse? Worauf ist hierbei zu achten?

4.Ich hab gelesen dass man zur Astrofotografie ein sog. Leitrohr verwendet was an das eigentliche Teleskop (als Sucher?) "angeschnallt" wird. Könnte ich dafür meinen alten 60mm Refraktor verwenden, bzw. was für Anforderungen werden an das Leitrohr gestellt?

5.Welche zusätzlichen Okulare würdet ihr mir empfehlen? Zum Standardumfang gehört lediglich ein 20er Plössl Okular.

6.Wann und wie werden eigentlich die diversen Filterscheiben eingesetzt? Sind die nur für visuelle Beobachtung oder nur für Fotografie gedacht?

7.Welche Variante der Fotografie ist bzgl Aufnahme und Nachbearbeitung sinnvoller? Die Aufnahme mit einer Webcam per Videostream (=> viele schnelle Einzelbilder hintereinander) oder aber mit einer Digital-Spiegelreflexkamera (Nikon DX 50 steht zur Verfügung) und dann nur wenige Bilder pro Sekunde?

Das waren erstmal soweit meine Fragen. Ich hoffe ihr könnt mir etwas bei der Entscheidung für ein passendes Teleskop weiterhelfen

Grüsse
moonlight
 
Hallo moonlight,

da dir bisher noch niemand geantwortet hat will ich zu zwei, drei Punkten etwas beitragen, bin aber kein Fotofachmann <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />

Grundsätzlich solltest du nochmals einige threads der letzten Tage und Wochen durchlesen, dann merkst du zwei Dinge schnell:

1.) Es gibt kein Teleskop dass alle deine Anforderungen erfüllt, manche widersprechen sich auch leider (Urlaubsgerät für untern Arm vs. visuell DS + stabile Monti z.B.), gerade die Kombi 150/750 auf ADM habe ich mal vor einiger Zeit hier (ganz nach unten scrollen) gegen einen 8" Dobson aufgerechnet, vom Gewicht gibt sich das dann nichts mehr.

2.) Das Astrofotografie ein hartes Brot ist, dass neben einigem Geld noch sehr viel mehr an Erfahrung und Geduld bedarf um halbwegs gute Ergebnisse zu erzielen...

Zu deinem Punkt (2):

Wie sieht es eigentlich aus wenn man später einen Tubus mit noch grösserer Öffnung haben möchte - kann man den einfach gegen dan alten austauschen (und das alte Stativ verwenden?)

Klar aber nur wenn die Montierung (nicht Stativ, das sind nur die Beinchen) stabil genug ist um den größeren Tubus sicher zu tragen, bei der Kombination 150/750 und EQ3 ist das schon nicht mehr der Fall, schon gar nicht für Foto und selbst visuell grenzwertig, die ADM dürfte meines Wissens auch keine größeren Geräte mehr tragen.

Zu deinem Punkt (3):

Wenn ich eine motorische Nachführung zum Ausgleich der Erddrehung haben möchte (z.b. während einer Aufnahme) brauche ich bei parallaktischer Montierung nicht eigentlich auch nur EINEN Motor zur Nachführung der Stundenachse? Worauf ist hierbei zu achten?

Theoretisch ja, aber... für visuelle Beobachtung reicht das mit Sicherheit, aber wenn du fotografieren willst, dann muss die Montierung a.) sehr genau ausgerichtet sein und b.) die jeder Montierung innewohnenden Fehler ausgeglichen werden und das nicht nur in einer Achse, d.h. durch ein Leitrohr wird mit einem Fadenkreuzokular versucht ein Referenzstern im Zielgebiet genau mittig zu halten und zwar entweder durch manuelle Korrektur mit einer 2-Achsen-Steuerung oder automatisch durch eine an das Leitrohr angeschlossene Guidercam und Notebook (wir verlassen hier aber den dreistelligen Eurobereich...).

Zu deinem Punkt (7)

7.Welche Variante der Fotografie ist bzgl Aufnahme und Nachbearbeitung sinnvoller? Die Aufnahme mit einer Webcam per Videostream (=> viele schnelle Einzelbilder hintereinander) oder aber mit einer Digital-Spiegelreflexkamera (Nikon DX 50 steht zur Verfügung) und dann nur wenige Bilder pro Sekunde?

Planeten und Mond werden i.d.R. mit einer Webcam aufgenommen um das Seeing (Luftunruhe) so zu sagen "einzufrieren" also viele kurzbelichtete Bilder die dann addiert werden. Eine DSLR kann hier keine Vorteile ausspielen, denn das Objekt (Planet) nimmt nur so wenig Platz auf dem Chip ein, dass es keiner Megapixelauflösung bedarf. Für Deepskyobjekte sind wesentlich (!) längere Belichtungen angesagt, das kann bei 30 Sekunden anfangen und bis über eine Stunde gehen, aber je länger belichtet wird, desto genauer muss die Nachführung arbeiten, da sind dann Montierungen angesagt die finanziell richtig weh tun <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />

Was sicher geht, auch schon auf einer EQ3 ist Piggybackfotografie, also die aufgesattelte Kamera die mit normalen Objektiven mit geringen Brennweiten nachgeführt wird und nicht durch das Teleskop, da wird dir wohl auch jeder Fotograf zu raten damit anzufangen.

Zum Schluss noch zwei kleine Links zum Thema Foto, einmal der Artikel von Sven Wienstein zum Thema und zum zweiten ein kleiner Artikel den ich vor einiger Zeit mit Hilfe einiger Fotografen geschrieben habe.

Viele Grüße Benny
 
Hallo Moonlight,

Benny hat ja schon ausführlich geschrieben. Hier noch ein paar Anmerkungen, was ich (persönlich) als Fotomaschine ansehen würde. Wohl gemerkt, es ist auch Kompromiss, - wie alles im Leben:

ein Newton mit 800mm und f4, also 8" wäre eine hervorragende Fotomaschine, aufgesattelt auf einer GP-DX von Vixen oder, wenn`s sein muß, auf einer modifizierten EQ-6. Vorteil: Teleskop ist kurz und tragbar, die Montierung ist da noch nicht an der Leistungsgrenze, da die Hebelwirkung nicht allzu groß ist. Da hat man Reserven, noch den billigen Regraktor als Leitrohr mit einem 9-12mm Fadenkreuzokular aufzusatteln.
Nachteil: Nicht unbedingt ein Planetengerät, da zum einen von der Brennweite zu kurz, zum anderen zur visuellen Beobachtung auch nicht das Idealgerät. Zudem benötigt man recht teure Okulare, denn f4 ist schon sehr empfindlich, was gerade die Randschärfe von Okus anbelangt.

Zu Planeten braucht man schon die Webcam, ich habe es gerade mal am Jupiter mit der Canon Eos 1 probiert (17 mil Pixel, KB-Vollformat). Ergebnis: ein Minipünktchen, da nutzt auch die hohe Auflösung garnichts.
Aber die Planeten verschwinden für die kommenden Jahre gerade und wer mal mit Fotografie angefangen hat kommt sehr schnell zu Deep Sky. Und da kannst Du den 200/8oo sehr gut ausreizen.

Besser wäre allerdings, gerade am Anfang, mit der Piggy-Pack Methode, also der aufgesattelten Kamera + leichten Tele anzufangen. Da läßt Du den Nachführrefraktor weg und verwendest das Scope als Leitrohr. - So lange, bis man sich an das Nachführen gewöhnt hat.

Empfehlen würde ich einen Galaxy D8 f4 CM, ausgestattet mit Crayford und Microfocusierer, der einem das Scharfstellen erleichtert. Darunter die GP-DX von Vixen mit einem stabilen Berlenbach-Hartholzstativ. Auch das Hal 110 oder 150 von Vixen, ein sehr gutes Alustativ, empfinde ich hier als zu wackelig, speziell wenn dann später etwas größeres aufgesetzt werden soll.
Ich habe das Galaxy D8-f6 mit 1200mm Brennweite auf der GP-DX, das ist visuell noch tragbar, fotografisch schon über der Grenze des Wacheldackels.

Gruß
Winfried
 
Danke erstmal für eure umfassenden Antworten und Links. Ich schätze ich habe den Kostenaufwand für DeepSky Fotografie etwas unterschätzt ;-). Mein Budget für ein neues Teleskop inklusive allem liegt bei 700 Euro. Eine GP-DX ist dabei vermutlich nicht drin. Von daher sollte ich vielleicht das Stativ doch nicht "im voraus für einen grösseren Tubus" kaufen, sondern eines das den 150/750er + 6mm Refraktor trägt.
Wie sieht es bei dem eigentlich mit der Planetenbeobachtung aus? Ich höre immer (u.a. auch hier) dass kurze Brennweiten für Planetenbeobachtung eher schlecht sein sollen?
Eine Frage habe ich noch zur Motorischen Nachführung: Ich nehme mal an dass es beim motorischen Zweiachsenbetrieb so läuft dass die Stundenachse automatisch nachgeführt wird. Wie funktioniert das mit dem zweiten Motor? Drückt man da auf einen rauf-Runter-Knopf auf der Fernbedienung bzw. wenn man eh Hand anlegen muss bei der Nachführung der einen Achse kann man das doch auch manuell (ohne Motor) tun - oder ist das zu ungenau? Eine Autoguide Version kommt für mich aus Kostengründen nicht in Frage, genausowenig wie Teleskpe der NextStar-Reihe wegen der Bilddrehung.
Dann hab ich noch eine Frage zur genauen Ausrichtung: Ist es nicht möglich die Stundenachse des Teleskops genau auf den Nordpol auszurichten? Ich weiss dass der Polarstern nicht exakt in Richtung des Erdnordpols steht. Aber wenn man z.b. zwei Sterne nimmt - den Polarstern und einen anderen hellen in der Nähe müsste man doch wenn das Sucherfernrohr zwei Kreise aufweist - einen mit dem Radius Erdnordpol-Polarstern und einen mit dem Radius Erdnordpol- anderer heller Stern den Erdnordpol mittig erwischen. Sorry wenn das jetzt dumm klingt, aber ich hab an meinem Refraktor nur ein simples Fadenkreuz und weiss nicht was es sonst noch für "Zielvorrichtungsmarkierungen" gibt, war nur eine Idee.

Grüsse
moonlight
 
Du hast recht, Moonlight. (nenne doch bitte auch Deinen richtigen Namen...)
Die Erddrehung wird durch die Rektaszensionsachse ausgeglichen, die Deklination verstellt man durch Knöpfchendrücken. Aber auch motorisch, denn wenn Du das über biegsame Wellen von Hand machst, wackelt das Ganze. Und ein Millimeter gewackelt heißt "dort oben" halt mal ein paar Lichtjährchen...

Für reine Planetenbeobachtung bevorzugt man einen lang ausgelegten Newton mit f6 oder sogar noch mehr. Denn Planeten sind am Himmel (zumindest die nahen) reine Scheinwerfer und brauchen keine hohe Lichtstärke. Dafür aber Brennweite. Je länger je besser, man muß dann mit den Okularen nicht so weit runter gehen. Viele schwören bei Planeten auch auf den langen Refraktor.
Für Deep Sxy widerum mit seinen oft sehr ausgedehnten Nebelobjekten nimmt man lieber einen kürzeren Newton, der mehr am Himmel zeigt. das können schon mal bis zu 2 Grad sein.

Fang doch einfach mal mit einem Dobson an, so wie ich ihn genannt habe. Laß Dich begeistern vom Himmel und kauf Dir den Rest nach. Ab und an wird die Vixen GP-DX im Gebrauchtmarkt angeboten, die EQ6 auch. Da hast Du Luft und kannst noch etwas sparen.

Gruß
Winfried
 
Hallo Moonlight,

Ist es nicht möglich die Stundenachse des Teleskops genau auf den Nordpol auszurichten?

Das ist nicht nur möglich sondern nötig wenns um Fotografie geht.

Dazu gibts 2 Möglichkeiten:

1) Einen Polsucher benutzen

Das ist ein zusätzliches kleines Fernrohr, dass in die Montierung gesteckt wird. Im Polsucher ist eine Beschriftung zu sehen, mit der man die Achse genau auf den Himmelspol ausrichten kann.

2) Die Scheiner-Methode

Geht auch ohne Polsucher, insbesondere wenn der Nordpol gar nicht zu sehen ist. Im Prinzip beobachtet man abwechselnd Sterne im Osten bzw Süden und korrigiert Schritt für Schritt die Abweichungen im Fadenkreuzokular. Nähere Infos dazu über die Suchfunktion.

Deep-Sky-Fotografie ist ja nun sehr vielschichtig. Wenn Du mit einer DSLR und nem Teleobjektiv bis sagen wir 300mm fotografierst könnte Dein Budget von 700EUR (ohne Kamera u.(Objektiv!) schon hinhauen, der 6-Zöller auf ner ADM wäre ein Ansatz. Foto geht also schon. Das Problem ist halt, dass dieses Gerät nur begrenzte Möglichkeiten hat. Detaillierte Abbildungen von Galaxien wirst Du vermutlich damit nicht hinkriegen weil die Genauigkeit und die Tragfähigkeit der Montierung einfach Grenzen setzen.

CS

Klaus
 
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