Hi Andrea,
das hat bestimmt eine Daseinsberechtigung. Offen gestanden, meinen "Geschmack" trifft es nicht, aber davon versuche ich gerade mal abzusehen.
Ob das etwas taugt ist erstmal eine Frage der Werkstoffeigenschaften, und ob die zur Anforderung passen. Plastik erfüllt schonmal eine Grundforderung des Maschinenbaus, die z.B. Holz nicht oder nur als verarbeitetes Spanprodukt erfüllt: definierte und vor allem homogene Eigenschaften.
Vom Teleskoptyp her wird die Bauart Dobson genannt. Das Hauptgewicht sitzt unten auf der Erde, und das Ding wird von Hand bewegt. Das sind im Prinzip schonmal Minimalanforderungen, sowas machen viele Leute aus Holz. Insgesamt sieht das Ding auf den Fotos ziemlich stabil und gleichzeitig leicht aus!
Kritik gibts aber dann doch noch: Der Okularauszug gefällt mir nicht. Der muss präzise sein, und da, wo die Kugellager laufen, langfristig Punktkräfte aushalten. Den hätte ich nie aus Plastik gemacht. Mit ner dicken Barlow-Linse und hoher Vergrößerung wird man bestimmt die Durchbiegung merken. Auch die Krafteinleitung für die Fangspiegelspinne aus dünnen Kunststoffwinkeln finde ich suboptimal.
Das sind aber Details, die das Gesamtkonzept nicht in Frage stellen.
Das ist bestimmt auch robuster als Holz beim Transport.
Nichtsdestotrotz reicht die Ästhetik (für mich) nicht an ein handwerklich schön gemachtes Holz- oder Alu- oder Karbonteleskop heran.
Auch frage ich mich, ob es wirtschaftlich ist, die unteren großvolumigen Teile aus dem 3D-Drucker zu fertigen.
Wenn man mal die Nostagik über Holzteleskope oder dergleichen beiseite legen möchte, fände ich den nächsten Schritt spannend, nämlich die Kombination der zur Verfügung stehenden Fertigungsmöglichkeiten dort, wo sie jeweils am sinnvollsten sind.
Beim eigenen 3D-Drucker bleibt wohl der Schreibtisch sauberer als bei der eigenen Werkstatt.
Tja... so ganz schaffe ich es nicht, meine Nostalgik auszublenden.
Weißt Du, was an so vielen Selbstbauteleskopen toll ist? Die allermeisten sind mit Low-Tech und Handarbeit entstanden. Und die Leute freuen sich wie die Schnitzelkönige, wenn sie es das erste Mal selber hinkriegen. Sozusagen: Weniger Konsum, mehr Freude (kommt mir zumindest so vor). Für den Konstrukteur war es natürlich kein Konsum, der hatte ja seine Freude beim 3D-Entwurf!
Wobei, besser als einen Chinabausatz finde ich OpenSource natürlich allemal!!!! Äh, ich lass jetzt gut sein, sonst rede ich mich noch um Kopf und Kragen ;-)
LiGrü von Henning