Zitat von vichman:
Hallo Gerrit,
Ich muss zugeben, dass meine Erfahrung mit Astrofotografie (bisher) rein theoretischer Natur ist (Forum, Bücher, Web). Mein Eindruck ist aber, dass doch die meisten Amateur-Astrofotografen eine Deutsche Äquatoriale Montierung verwenden. Vielleicht ist das schon der erste Denkfehler... :gutefrage:
Mein Weltbild bis dato bzgl. Tauglichkeit von Montierungen für Astrofotografie:
Azimutale Montierung: ungeeignet wg. Bilddrehung (max. Belichtung 10-30s)
Azimutale Montierung mit Polhöhenwiege: geeignet, aber mit Einschränkungen (in der Praxis instabiler und anfälliger für Schwingungen als Deutsche Monti)
Deutsche Äquatoriale Montierung: sehr gut geeignet, da sehr stabile Ausführungen möglich. Einzige Einschränkung: Meridian Flip (wobei ich zugeben muss, dass ich diesem mangels Erfahrung bisher wenig Bedeutung geschenkt habe)
Passt das Weltbild zur Praxis, oder bedarf es einer Korrektur?
Dein Argument mit der Kollimation beim Meridian Flip habe ich ganz ehrlich nicht verstanden. Dass das Bild nach einem Meridian Flip auf dem Kopf steht und man sicherstellen muss, dass man den gleichen Bildausschnitt (zum Weiterbelichten) hat, ist klar. Wobei das mit modernen Bildbearbeitungsprogrammen doch korrigierbar ist, oder?
(wieder: bin (bisher) nur Theoretiker)
CS
Stefan
Hallo Stefan, Hallo Tommy,
daß die meisten Amateurfotographen eine Deutsche Montierung verwenden, liegt mit daran, daß diese etwas flexibler genutzt werden können. Und ansonsten auch einfach und schlicht daran, daß es bis zum Erscheinen der Avalon-Montierungen keine gescheite Gabelmontierung gab, deren Antriebe die entsprechende Präzision (PE) hatten um diese auch gut fotographisch nutzen zu können.
Von den Massenherstellern werden Gabelmontierungen fast immer in einer gewissen Größe für ein spezifisches Gerät angeboten. Noch vor 3 Jahren gab es CPC's z.B. für 8", 9.25" und 11" SCT's deren PE sehr hoch war. Teilweise sogar mit Plastikrädchen im mechanischen Teil des Antriebes. Schneckenräder minderer Qualität waren auch keine Seltenheit und mal abgesehen von den Schneckenaufhängungen. Das kann man aber auch in einer Deutschen Montierung auf die gleiche Art und Weise versemmeln.
Meine Annahme ist daher, dass Gabelmontierungen daher selten genutzt werden, weil sie sehr günstig / billig ausgeführt werden. Das spiegelt sich auch im Preis wieder.
Das scheinen die Massenhersteller gerade zu ändern.
Man kann in diese Gabelmontierung auch nicht beliebige Tuben einbringen. Sie sind bevorzugt auf die kurzen SCT's ausgelegt. Oder auf gewissen Längen von Tuben begrenzt. Avalon bricht hier gerade den Markt etwas auf. Und das finde ich persönlich ganz gut.
Gute Gabelmontierungen waren bis dato nur im oberen Preissegement zu finden. Bespiel hier für ist die Montegra-Montierung mit der z.B. der sehr bekannte Astrofotograph Dietmar Hager lange Zeit sehr gute Aufnahmen gemacht hat.Und das mit einer sehr gut konstruierten und gefertigten One-Fork-Mount von Gemini (Andras Dan).
Warum der Meridian-Flip gerade am SCT eine erneute Kollimation erforderlich macht liegt am Mirror-Flop. Hier verlagert sich die Last des Hauptspiegels um 180° und gerade bei der fotographischen Anwendung unterhalb von F/8 muß dann die Justage angepasst werden. Schlimmer ist es sogar bei ab F/5 aufwärts. Das kann einem mit einer Gabelmontierung so schnell nicht passieren, weil diese keinen Meridian-Flip erforderlich macht.
Beispiel aus der Praxis: Selbst mein Meade ACF mit 14" mußte nach dem Meridian-Flip nochmal kollimiert werden, um weiter Aufnahmen im Vollformat zu machen. Und das noch bei F/10. Und dieses Öffnungsverhältnis ist toleranter als F/7.
Polwiegen. Hab ich mir auf der Photokina in 2013 angeschaut. Aus mechanischer Sicht hab ich da keinerlei Bedenken, daß angesichts der Last für die sie gemacht wurden Restriktionen existieren. Da wackelte nichts. Und selbst die Gewinde sind so ausgeführt, daß sie schon einiges mehr verkraften. Ein C11 mit weniger als 15 kg ist noch keine Last.
Deutsche Montierungen sind schon kompakter vom Aufbau. Das stimmt. Aber mir ist noch nicht so klar, welche Schwingungen Du während einer Aufnahme erwartest. Je nach Stativ und Bodenbeschaffenheit, bringt man den Autoguider auch bei einer deutschen Montierung aus dem Rhythmus. Ich denke, daß ist etwas weit hergeholt und Deine Annahmen bestätigen sich in der Praxis nicht oder Unterscheiden sich kaum zwischen den Montierungstypen.
Viele Grüße,
Gerrit