NGC 3310 = Arp 217

Chris_in_hd

Aktives Mitglied
Heute zeige ich ein Bild das nicht einfach zu bearbeiten war, NGC 3310 die Pfeil und Bogen Galaxie.

NGC 3310 = Arp 217 ist eine Balken-Spiralgalaxie vom Hubble-Typ SBbc pec im Sternbild Großer Bär. Sie ist rund 47 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt und eine maximale Ausdehnung von etwa 45.000 Lichtjahren.
Man nimmt an, dass das Objekt vor etwa 100 Millionen Jahren mit einer ihrer Satelliten-Galaxien zusammengestoßen und mit ihr verschmolzen ist. (Wikipedia)
NGC3310_20260607-Ha2-s-crop-64.jpg


@DietSky und @K.Bahr
Nach euren tollen Aufnahmen werde ich auch hier wie versprochen Teil dieser Polonaise. :D
Es hat hier nur etwas gedauert, ich weiß nicht wie viele Ausarbeitungen ich inzwischen gemacht habe. Jetzt will ich es aber gut sein lassen. Es gibt noch weitere Daten zu bearbeiten.

Aufgenommen wurden die Daten im April und Mai 2026. Das Seeing war über 5 Nächte hinweg gut, der FWHM Wert des L Stacks liegt bei 1,56”. Von den oben gelisteten Aufnahmen kamen nur die besten 60% RGB und Ha sowie die besten 50% L Frames zum Einsatz. Integriert wurde per Drizzle 2, BTX kam nur mit sehr geringen Werten zum Einsatz, am Ende wurde das Bild auf 2/3 Größe runter gerechnet. Die Ha Daten - aufgenommen mit 3nm Filter - ins Bild zu mischen war auch aufwendiger als sonst. Durch die Rotverschiebung in 47 mio. LJ Entfernung entsteht ein Shift von ~2,2nm womit die Effizienz des 3nm Ha Filters unter 20% sinkt. Eine simple Kontinuumsubtraktion funktionierte nicht mehr. Ich habe mir dann damit beholfen die sternlosen Ha Daten sehr vorsichtig ins Bild zu mischen.
Die größte Herausforderung in der Bearbeitung lag aber im enorm großen Halo des Sternes HD 92095 nördlich von NGC 3310. Da das Teleskop eine Alt/AZ Montierung besitzt und durch die Position des Objektes am Himmel wird das Halo durch das Beugungsmuster der Sekundärspiegelspinne verstärkt. In der Position ist die Bildfeldderotation recht schnell, wodurch die Spikes stark verschmiert werden. Hier seht ihr den Effekt:[IMG alt="NGC3310_20260606-L-org-10.jpg"]https://cdn.astrobin.com/ckeditor-f...d058-2e56-4176-8bc0-844dfecf2897.jpg[/IMG]Ich habe versucht den das Halo in Pixinsight durch MSLT bzw. MSMT zu separieren und vom Bil abzuziehen. Das führt dann zu folgendem Ergebnis:
[IMG alt="NGC3310_20260606-L-proc-10.jpg"]https://cdn.astrobin.com/ckeditor-f...50bf-d380-40ea-8f40-ec954d355cde.jpg[/IMG]Die Abbildung von HD 92095 ist dadurch nicht vollständig zu restaurieren, jedoch lässt sich so ein wesentlich größerer Teil des Gesichtsfeldes nutzen. Die Abbildung der Sterne wird durch den beschriebenen Effekt natürlich auch negativ beeinflusst.

Trotz des Halos sind die Strukturen des IFN und/oder möglicher Sternströme speziell im invertierten, stark gestreckten zu erkennen.
[IMG alt="NGC3310_20260606-L-proc-inv-20.jpg"]https://cdn.astrobin.com/ckeditor-files/282903/2026/8ff80ceb-2355-4f59-b284-5e8e8fd5bda8.jpg[/IMG]Es wäre interessant zu untersuchen was von den sichtbaren Strukturen IFN ist und was davon ggf. Sternströme sind. Ein sehr spannendes Paper hierzu findet man hier:
https://ui.adsabs.harvard.edu/abs/2006MNRAS.371.1047W/abstract
Dort wird der Bogen in Richtung NO als Gezeitenbogen beschrieben. Interessant finde ich auch den im invertierten Bild oben erkennbaren langgezogenen, leicht gekrümmten, weit nach Süden reichenden Bogen.

Die im Paper beschriebenen Ergebnisse und Rückschlüsse zur Entstehungsgeschichte des aktuellen Zustandes der Galaxie sind lesenswert. Neben den Informationen zu den Sternströmen sind die photometrischen Untersuchungen sehr interessant. Die Farbverteilungen / speziell die Rötungen in den Außenbereichen der Galaxie kann ich zum Teil in mein Aufnahmen wiederfinden, speziell im Osten und Süden.

Die vollständigen Infos zum Bild sowie die volle Auflösung findet ihr wieder auf Astrobin.

Ich hoffe das Bild Gefällt euch.

CS
Christof
 
Sorry, da ist wieder mal etwas beim Kopieren schief gegangen mit den Bildern. :(
Darum noch einmal:
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Heute zeige ich ein Bild das nicht einfach zu bearbeiten war, NGC 3310 die Pfeil und Bogen Galaxie.

NGC 3310 = Arp 217 ist eine Balken-Spiralgalaxie vom Hubble-Typ SBbc pec im Sternbild Großer Bär. Sie ist rund 47 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt und eine maximale Ausdehnung von etwa 45.000 Lichtjahren.
Man nimmt an, dass das Objekt vor etwa 100 Millionen Jahren mit einer ihrer Satelliten-Galaxien zusammengestoßen und mit ihr verschmolzen ist. (Wikipedia)

NGC3310_20260607-Ha2-s-crop-64.jpg


@DietSky und @K.Bahr
Nach euren tollen Aufnahmen werde ich auch hier wie versprochen Teil dieser Polonaise. :D
Es hat hier nur etwas gedauert, ich weiß nicht wie viele Ausarbeitungen ich inzwischen gemacht habe. Jetzt will ich es aber gut sein lassen. Es gibt noch weitere Daten zu bearbeiten.

Aufgenommen wurden die Daten im April und Mai 2026. Das Seeing war über 5 Nächte hinweg gut, der FWHM Wert des L Stacks liegt bei 1,56”. Von den oben gelisteten Aufnahmen kamen nur die besten 60% RGB und Ha sowie die besten 50% L Frames zum Einsatz. Integriert wurde per Drizzle 2, BTX kam nur mit sehr geringen Werten zum Einsatz, am Ende wurde das Bild auf 2/3 Größe runter gerechnet. Die Ha Daten - aufgenommen mit 3nm Filter - ins Bild zu mischen war auch aufwendiger als sonst. Durch die Rotverschiebung in 47 mio. LJ Entfernung entsteht ein Shift von ~2,2nm womit die Effizienz des 3nm Ha Filters unter 20% sinkt. Eine simple Kontinuumsubtraktion funktionierte nicht mehr. Ich habe mir dann damit beholfen die sternlosen Ha Daten sehr vorsichtig ins Bild zu mischen.
Die größte Herausforderung in der Bearbeitung lag aber im enorm großen Halo des Sternes HD 92095 nördlich von NGC 3310. Da das Teleskop eine Alt/AZ Montierung besitzt und durch die Position des Objektes am Himmel wird das Halo durch das Beugungsmuster der Sekundärspiegelspinne verstärkt. In der Position ist die Bildfeldderotation recht schnell, wodurch die Spikes stark verschmiert werden. Hier seht ihr den Effekt:

NGC3310_20260606-L-org-10.jpg
Ich habe versucht den das Halo in Pixinsight durch MSLT bzw. MSMT zu separieren und vom Bild abzuziehen. Das führt dann zu folgendem Ergebnis:
NGC3310_20260606-L-proc-10.jpg

Die Abbildung von HD 92095 ist dadurch nicht vollständig zu restaurieren, jedoch lässt sich so ein wesentlich größerer Teil des Gesichtsfeldes nutzen. Die Abbildung der Sterne wird durch den beschriebenen Effekt natürlich auch negativ beeinflusst.

Trotz des Halos sind die Strukturen des IFN und/oder möglicher Sternströme speziell im invertierten, stark gestreckten zu erkennen.
NGC3310_20260606-L-proc-inv-20.jpg

Es wäre interessant zu untersuchen was von den sichtbaren Strukturen IFN ist und was davon ggf. Sternströme sind. Ein sehr spannendes Paper hierzu findet man hier:
https://ui.adsabs.harvard.edu/abs/2006MNRAS.371.1047W/abstract
Dort wird der Bogen in Richtung NO als Gezeitenbogen beschrieben. Interessant finde ich auch den im invertierten Bild oben erkennbaren langgezogenen, leicht gekrümmten, weit nach Süden reichenden Bogen.

Die im Paper beschriebenen Ergebnisse und Rückschlüsse zur Entstehungsgeschichte des aktuellen Zustandes der Galaxie sind lesenswert. Neben den Informationen zu den Sternströmen sind die photometrischen Untersuchungen sehr interessant. Die Farbverteilungen, speziell die Rötungen in den Außenbereichen der Galaxie, kann ich zum Teil in mein Aufnahmen wiederfinden, speziell im Osten und Süden.

Die vollständigen Infos zum Bild sowie die volle Auflösung findet ihr wieder auf Astrobin.

Ich hoffe das Bild Gefällt euch.

CS
Christof
 
Hallo Christof,

als einer der Teilnehmer dieser Polonaise, möchte ich dir zu diesem aussergewöhnlichen Ergebnis gratulieren. Ich war schon stolz auf meine Aufnahme, aber deine ist noch einmal ein andere Liga! Die Tiefe ist beeindruckend und auch die Details innerhalb der Galaxie kommen sehr feinstrukturiert herüber.
Man sieht dem Bild die Instrumentengröße an. Davon träumt jeder Astrofotograf!

Der Farbkontrast in der zweiten Version bring diese Details noch besser heraus. Die Beeinflussung durch den hellen Feldstern hast du gut in den Griff bekommen. Ich hatte auch etwas Mühe, ihm nicht zu viel Gewicht im Bild zu geben.

CS Dietmar
 
Hallo Christof,

sehr interessante Aufnahme von NGC 3310, der Pfeil-und-Bogen-Galaxie!
Ich bin da ganz bei Dietmar, was die Liga des eingesetzten Equipments betrifft.
Mir persönlich gefällt allerdings die erste Version am besten.

In der 100%-Ansicht auf AB fallen mir im gesamten Hintergrund kleine streifen- bzw.
filamentartige Strukturen auf.
Artefake-.jpg

Diese wirken ein weinig wie Glättungs- oder Bearbeitungsartefakte.
Hast du eine Idee, worum es sich dabei handelt?
Könnten das tatsächlich schwache reale Strukturen sein, eventuell Reste von IFN,
oder sind diese Erscheinungen eher bei der Bearbeitung entstanden?

Grüße und CS
Karsten
 
Hallo zusammen,

vielen Dank für eure Likes.

@DietSky danke für deinen Kommentar und den Verweis auf meine Aufnahme in deinem letzten Post.

@K.Bahr: Ich nehme an du sprichst von den kleinen, „monochromen Fetzen“? Fall nicht lass es mich wissen und beschreibe bitte was genau du meinst.
Falls Ja: Ich gehe davon aus, dass die Strukturen durch die Bearbeitungskette "verstärkt" werden.
Durch Drizzle, BXT (auch wenn nur in sehr geringem Maß eingesetzt) und entrauschen durch NXT werden vermutlich winzige eng zusammenstehende Galaxien und Sterne tief im Hintergrund geglättet und "geschärft“. Hier zum Vergleich der unbearbeitete nicht gedrizzlete L Stack nur etwas stärker gestreckt.
1780911797028.png

Die "fetzenartigen" Strukturen sind auch hier zu sehen, vielleicht weniger betont da sie nicht "geschärft" sind und im Rauschen liegen.
Hier kommt natürlich wieder die Frage nach der stärke des Glättens und Schärfens auf. Ich habe wie erwähnt sehr viele Bearbeitungsdurchläufe mit diesen Daten gemacht. Dabei habe ich die Parameter bei Drizzle, BXT, NXT in x Varianten durchgespielt.

Da bereits die Rohdaten so feine Details zeigten, siehe hier der Selbe rohe L Stack in 1:1,
1780912442203.png
wollte ich aus den Daten ein möglichst optimales Ergebnis herausholen. Ich hoffe man sieht im Vergleich zum voll aufgelösten Bild auf Astrobin wie wenig BXT hier zum Einsatz kam. Im Grunde reduzierte ich vorrangig die Sterne ein wenig und das auch nur mit einem Wert von 0.2.

Irgendwann war es dann aber genug. Vielleicht mache ich mich in einigen Tagen wieder dran wenn ich meine Finger doch nicht davon lassen kann. :LOL:
Im hier gezeigten Ergebnis gefallen mir z.B. die Sternabbildungen (Bitte immer in Astrobin in voller Auflösung anschauen, die reduzierten Bilder hier zeigen schon wieder ein "anderes Bild".) der hellen Sterne nach wie vor nicht so richtig. Ob das noch etwas besser geht ohne Werkzeuge einzusetzen die mehr Kunst als Bildverarbeitung sind weiß ich nicht. Irgendwo sind Grenzen auch schon da wir über ein ALt/Az montiertes Teleskop sprechen. Wenn ich mich aber noch einmal dran wagen sollte, vielleicht sollte ich dann auch das Entrauschen etwas reduzieren was den Objekten im Hintergrund vermutlich zugute kommen wird und sie natürlicher wirken lässt. Mal schauen vielleicht gibt es noch die x+1 Variante.

Auf jeden Fall bedanke ich mich für solches Feedback. Man selbst wird einfach Betriebsblind wenn man sich zu lang mit einem Datensatz auseinander setzt.
Außerdem lernt man mehr durch Kritik und Diskussion als nur durch Applaus - über den man sich natürlich freut und für den ich mich bedanke.
Mir ist es wichtig die Realität zu zeigen. Werkzeuge wie Deconvolution und Entrauschen haben für mich dabei einen wissenschaftlich greifbaren und belegten Hintergrund, auch das anheben von Farbsättigung ist nicht nur ein Stilmittel, es erlaubt wie Falschfarbdarstellungen z.B. bei einer Hubble Palette das Hervorheben von vorhandenen Strukturen.
Man bewegt sich in jedem Bereich der Fotografie aber schnell im Grenzbereich und wie so oft liegt es dann im Auge jedes Betrachters,ob etwas zu bunt, zu glatt, zu scharf, ... ist. Wenn es für all das den einen optimalen Verarbeitungsprozess gäbe wäre es sowohl beim Bearbeiten als auch beim anschauen langweilig. Dann wirft man seine Daten nur nich in PI (oder Siril oder Astroart oder...) rein und am Ende sieht alles gleich aus.

CS
Christof
 
Hallo Christof,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

Die Bezeichnung „fetzenartige Strukturen“ trifft es tatsächlich viel besser
als meine ursprüngliche Beschreibung. Genau diese Strukturen meinte ich.

Meine Frage war übrigens überhaupt nicht als Kritik gemeint.
In meiner gesamten Astrofotografie-Zeit kenne ich im Grunde nur mein eigenes Rohmaterial,
und meine Ausrüstung liefert bei Weitem nicht die Qualität, die du mit deinem Traumgerät
an diesem Traumstandort erreichst.
Deshalb sind mir diese kleinen Fetzen auf meinen eigenen Aufnahmen bisher nie begegnet,
und ich konnte sie mir entsprechend auch nicht erklären.

Wenn man dein unbearbeitetes, nicht gedrizzeltes L-Stack darüberlegt,
erkennt man eindeutig, dass dort etwas Reales vorhanden ist.

Ich frage mich nur, was genau das sein könnte. Hintergrundsterne oder Galaxien
sehen für mich jedenfalls nicht danach aus. Eventuell handelt es sich tatsächlich um
IFN-/IGF-Strukturen, aber bei der erreichten Aufnahmetiefe müsste dann doch eigentlich
auch eine zusammenhängende Struktur sichtbar sein, die diese Fetzen miteinander verbindet.

Fetzen.gif


Um es mit den Worten von Spock zu sagen: Das ist faszinierend. ;)

Viele Grüße und CS
Karsten
 
Hallo Karsten,

ich verwendete den Begriff Kritik im positiven Sinne. :y:

Ich würde schon davon ausgehen, dass wir hier vorrangig Hintergrundsterne oder Galaxien sehen. Ich komme zu dem Schluss wenn ich mir PanSTARRS Daten anschaue.

Was man in deinen Animationen schön sieht ist, dass wir uns nah am Rauschuntergrund bewegen und die Verarbeitungsschritte nicht zuverlässig funktionieren.
Wie die Pixelgruppen „zusammengefasst“ werden ist fragwürdig. In der linken Animation zeigt sich links oben ein orangefarbener „Stern“.
Leider sind die PanSTARRS Daten in Aladin nicht tiefer, jedoch vermute ich in den Daten eine einzelne Galaxie. Die „Fetzen“ ober- und unterhalb im Farbbild scheinen nicht real. Ich denke hier „zerlegte“ die Bearbeitungskette das einzelne Objekt in drei Teile.

Ein Problem in meiner Bearbeitung ist anscheinend auch die Hintergrundneutralisierung. Hierbei kann ich sicher auch etwas weniger aggressiv vorgehen. Das nehme ich mit auf die Todo Liste. ;)

CS
Christof
 
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