ich finde das Bild deutlich zu stark geschärft und auch deutlich zu stark entrauscht. Dadurch mag es an "Knalleffekt" gewinnen und dem Zeitgeist entsprechen (wie man an den vielen Likes erkennen kann), verliert jedoch an Authentizität.
Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können.
Gibt es hilfreiche Anhaltspunkte, wie man hier den perfekten Punkt in Bezug von Rauschen trifft? Das Beispiel von SDSS ist ja schon ziemlich körnig, und würde sich wohl weniger als gutes Beispiel eignen - vermute ich mal einfach.
Das Problem ist meiner Erfahrung nach weniger die Deconvolution von BXT und eher die Methode, wie NXT das Ergebnis von BXT entrauscht. NXT arbeitet mit einem Schärferegler, der dazu da ist, dem Detailverlust durch das Entrauschen entgegen zu wirken. Denoise AI funktioniert ähnlich, ist aber nicht speziell trainiert. Wenn man das übertreibt, in dem man mit dem Schärferegler versucht Details zu erzeugen und das im schlimmsten Fall sogar noch mehrfach hintereinander anwendet, kommt es zu diesen Artefakten. Wenn zusätzlich BXT noch mit maximaler Stärke angewendet wird, am besten mehrfach, entstellt es das Bild komplett.
Die Bilder vom SDSS haben eine Auflösung von ca. 1". Das gilt auch für die Staubwolken in der Galaxie. Dein Rohbild würde ich auf mehr als 2" schätzen. Das schließe ich daraus, dass du Doppelsterne bis zu dem Level noch auflöst. Vermutlich ist es im Rohstack eher weniger aufgelöst, da bei dir elliptische Galaxien als Doppelsterne aufgelöst wurden. 2" ist aber schon extrem gut. Alles unter 2,5" ist außergewöhnlich, wenn man nicht gerade in einer Sternwarte auf einem außergewöhnlich guten Standort sitzt.
Lösen kann man das eigentlich ganz einfach, in dem man es nicht übertreibt. Ja, das sieht dann halt weniger stark aufgelöst aus. Das ist aber in Wirklichkeit auch so. Deconvolution sollte in Deepsky Fotos nicht mehr bewirken können als eine feine Anhebung der Details. Das ist eher ein filigraner Effekt und kein Unterschied wie Tag und Nacht. Dass BXT das stärker kann, liegt meiner Meinung daran, dass es mit hochauflösenden und danach herunter gesampelten Bildern trainiert wurde. D.h. das Tool weiß wie bestimmte Strukturen aussehen sollten und kann das dann einfach soweit hoch schärfen bis das Sampling ausgereizt ist. Das sieht dann wie echt aus, ist es aber nicht. Dass das mit reiner Deconvolution nichts mehr zu tun haben kann, sieht man schon ganz einfach daran, wie extrem das Tool die Sterne zurück nehmen kann. Das kann die praktisch auf eine Punktquelle zurücknehmen, weil es weiß dass es eine ist auch wenn das im Bild nicht der Fall sein kann. Das geht nicht mit Deconvolution.
Ich habe PI und die *XT zwar nicht selbst, ich hatte das aber mal über die 30Tage Trial Periode zusammen ausgiebig getestet. Das sind eigentlich tolle Tools. Ich grübele immer wieder, ob ich mir das nicht doch zulegen sollte. Weniger wegen dem Schärfen sondern eher wegen der Möglichkeit CA bei Sternen zu eliminieren und SXT, das viel weniger Artefakte erzeugt als Starnet. Damit könnte ich sämtliche Bilder eine Iteration weiter strecken und die sähen trotzdem noch besser aus.
Mit BXT konnte ich wider Erwarten nichts kaputt machen. Nur bei den Sternen ist es zu extrem. Normale Deconvolution reduziert den FWHM Wert kaum, BXT nach belieben. Wo man wirklich aufpassen muss ist NXT. Der Schärferegler erzeugt die Artefakte. Wenn man den so einsetzt wie oben beschrieben, also nur detailerhaltend und nicht detailerzeugend, dann kann da auch nichts schief gehen. Außerdem sind diese Tools nicht dafür gemacht sie mehrfach hintereinander einzusetzen. Einmal genügt. Und man sollte immer zumindest eine gewisse Menge vom Original einmischen.
Es gibt noch einen anderen Weg. Der heißt Entrauschen in Graxpert. Das entrauscht automatisch detailerhaltend und nicht verstärken. Man hat die Option gar nicht. Da kann man auch nichts falsch machen. Auch da gilt aber, genau wie in NXT, immer etwas vom Original einmischen. Sonst wirkt das nicht mehr natürlich.
Das hat aber dann, wie Stathis so schön geschrieben hat, nicht mehr den Knalleffekt. Meine Wahrnehmung ist, dass Leute, die über die Astronomie zur Astrofotografie gekommen sind, irgendwann eher dazu neigen ehrliche Bilder zu machen, auch wenn sie dann weniger Ahs und Ohs bekommen. Auf der anderen Seite neigen Leute, die über die Fotografie und weniger durch das Interesse an der Materie an sich zur Astrofotografie gekommen sind dazu, das Maximum bearbeitungstechnisch möglich ist, auch auszureizen.
Es muss jeder für sich entscheiden, welchen Weg er gehen will. Knalleffekt erzeugen oder eher bescheidenere, aber dafür natürliche Bilder machen. Ich selbst habe mich dafür entschieden, nachdem ich den ganze KI Schärfungswahn vorwärts und dann wieder rückwärts durchlaufen habe, meine Bilder so zu belassen wie sie sind. Ich schärfe und entrausche natürlich auch, aber das muss so sein, dass man das auf 100% noch anschauen kann und dass es dann noch natürlich wirkt. Kriege ich weniger Likes, was solls. Dafür hat man weniger Stress, weil's keinen interessiert. Man muss das nicht auf allen möglichen Kanälen posten um die schmale Interessengemeinschaft maximal auszureizen. Braucht sich nicht über teure Ausrüstung, Remote Sternwarten, Astroreisen und so Zeug zu grämen. Und das wichtigste: man kann sich mehr auf die astronomischen Aspekte hinter den Objekten konzentrieren.
Das ist mein Weg. Das heißt nicht, dass ich es nicht respektiere, wenn jemand sich für den anderen Weg entscheidet und aus seinen Bildern Kunstwerke machen will.
Grüße
Joachim