NGC 4565 - Die Nadelgalaxie (Neuer Versuch mit dem C11 EdgeHD)

Dane Vetter

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

im Mai 2024 habe ich bereits eine Aufnahme von NGC 4565, der Nadelgalaxie, gemacht. Damals verwendete ich meinen LZOS Apo 152/1200 zusammen mit einer ASI 6200MC Pro und erreichte eine Gesamtbelichtungszeit von etwa 9 Stunden. Wer sich das Ergebnis noch einmal ansehen möchte, hier der Link: NGC 4565 – Die Nadelgalaxie.

Mich hat jedoch immer interessiert, welches Potenzial mein C11 EdgeHD bei diesem Objekt entfalten kann. Daher habe ich nun dieses Jahr einen neuen Versuch mit dem gleichen Objekt gestartet. Diesmal konnte ich tatsächlich eine Gesamtbelichtungszeit von 24 Stunden zusammenbekommen, verteilt über sechs Nächte. Zum Einsatz kam eine ASI 2400MC Pro.

NGC4565.jpg

Hier als Crop:
NGC4565_crop.jpg


Annotated + Finding Chart
NGC4565_Annotated.jpg
FindingChart.jpg


Aufnahmedaten:
Teleskop: Celestron C11 EdgeHD
Kamera: ZWO ASI2400MC Pro auf -10°
Montierung: EQ8-R auf Betonsäule
Aufnahmesteuerung: ASIAIR Plus
Bildbearbeitung: PixInsight und Photoshop
Integrationszeit: 24h 5min über 6 Nächte

2025-03-10 03_50_06-Weighted Batch Preprocessing Script v2.8.2.png
0D0A8690-Bearbeitet Kopie.jpg
 
Zuletzt bearbeitet:
Unter den ganzen kleinen Details ist mir hier folgendes Objekt aufgefallen, bei dem ich zuerst an ein Artefakt dachte. Ich wäre zu neugierig, worum es sich da handelt. Ich habe mal bei Aladin geschaut, und in den SDSS9 Aufnahmen kann man ganz schwach auch so einen Bogen erkennen. Ich kann das Programm aber nicht so gut bedienen, dass ich damit das Objekt identifizieren kann. Vielleicht kann mir hierbei bitte jemand helfen.

Das hier in der Mitte, das irgendwie so aussieht, als wäre es von einer Dunkelwolke umgeben.
2025-03-21 21_59_50-NGC4565.tif bei 300% (Ebene 1, RGB_16) _.jpg
 
Hallo Dane,

Tolle Aufnahme mit sehr guter Auflösung und Tiefe. 24 Stunden für so ein helles Ding wie NGC4565 zu investieren ist aber auch beachtlich.

Ich bin auch gerade an dieser Galaxie, habe aber bisher gerade mal etwa 5 Stunden Belichtungszeit gesammelt. Da ist von dem Bogen nichts zu sehen.
Nach Deinem Bild würde ich auf einen Gezeitenschweif einer interagierenden Galaxie tippen, aber das ist wirklich schwer zu sagen.

Grüße und CS,
Steffen
 
Hallo zusammen!
Interessant finde ich an dieser Galaxie, in Kantenlage, dass die Außenkanten wie ein S entgegengesetzt verbogen sind!
Ist natürlich durch die lange Belichtungszeit sehr schön zu erkennen!
Viele Grüße Frank
 
Wow, Dane, super schön!

Links neben der Galaxie, etwas unterhalb der Mitte sind zwei helle "Fitzelchen" zu sehen. Artefakte?

Die hier meine ich:
1742650361310.png


Aber wirklich beeindruckend, kommt gleich auf meine (schon sehr lange) Liste!

LG Wolfgang
 
Hallo Leute,

danke für das Lob und euren Input. Ich habe noch etwas mit Aladin gespielt, und es sieht wohl so aus, als wären das alles Galaxien, und keine Artefakte. :)

@Wolfgang - Die Fitzelchen sind Galaxien. Siehe hier aus Aladin:

1742655024681.png

Quelle: Aladin Sky Atlas


Das von mir oben angefragte Objekt habe ich dort nun auch gefunden, wobei man im dortigen Bild den Schweif eher nur erahnen kann:

Echt Wahnsinn was da alles so zum Vorschein gekommen ist. Da ist alles voll von winzigen Galaxien! Selbst im Hintergrund sieht man überall noch schwache Elipsen und milchige Flecken. Schade, dass die Auflösung so begrenzt ist. Es gäbe da wohl unendlich viel an Formen zu entdecken.
 
Hallo Markus, vielen Dank! Ich muss zugeben, dass die vielen Details und die damit verbundene Entdeckungsreise fast spannender sind als die Galaxie selbst. :) Das motiviert durchaus etwas, auch bei schlichteren Objekten doch etwas mehr Zeit zu investieren. Ich habe das bisher immer unterschätzt.
 
Hallo Dane,

An den Galaxien-"Fitzelchen" sieht man leider, dass das Schärfen ein wenig übertrieben wurde. Verglichen mit dem Bild aus Aladin sind die an sich schwachen, weich auslaufenden Galaxien zu fast weißen, dünnen Fäden geworden
.
Das schmälert nicht den tollen Eindruck vom Hauptobjekt, aber der Hintergrund würde von einer zurückhaltenden Bearbeitung nach meiner Meinung profitieren. Allerdings ist da natürlich viel Geschmacksfrage dabei, und die meisten Betrachter hier bevorzugen auch eher sehr stark bearbeitete Bilder.
(Teilweise - nicht hier! - in einem Maße, dass ich mir ernsthaft Sorgen um die Sehtüchtigkeit der Leute Sorgen mache... ;))

Grüße und CS,
Steffen
 
Hallo Steffen,

danke für deinen Input. Ja die Deconvolution von BXT hat hier besonders bei den kleinen kantenseitigen Galaxien schon ordentlich rein gehauen, auch wenn die nicht auf volle Pulle eingestellt war. Die Fäden hat es auch schon bei den niedrigen Stufen gegeben. Bei den aufliegenden Galaxien und Nebeln hat das meiner Meinung nach eher einen positiven Effekt gehabt. Ich hatte noch überlegt, ob ich die kleinen kantenseitigen Galaxien ausmaskieren soll. Letzten Endes habe ich mich eher für die höhere Deconvolution über das gesamte Bild zugute dem Hauptobjekt entschieden, da ich jetzt generell eine nicht so hohe Auflösung biete, um hier so nah ran zu gehen. Ich behalte das mal im Hinterkopf, falls ich mal eine Überarbeitung plane. :y:

Die Intensität der Bearbeitung ist ein generelles Thema, das auch in der klassischen Fotografie eine Rolle spielt. Einerseits ist die Entscheidung über den Grad der Nachbearbeitung eine Frage des individuellen Geschmacks, sowohl des Bearbeiters als auch des Betrachters. Andererseits stellt sich die Frage, inwieweit die Bearbeitung die Realität verfälscht oder bewusst manipuliert wiedergibt.
 
Hey Dane, was ein Brett! Auflösung und Farbgebung sind allererste Sahne! Das macht sehr viel Lust auf eine Optik mit viel Brennweite und Öffnung! ;)
Viele Grüße Ben
 
Hallo Dane,

ich finde das Bild deutlich zu stark geschärft und auch deutlich zu stark entrauscht. Dadurch mag es an "Knalleffekt" gewinnen und dem Zeitgeist entsprechen (wie man an den vielen Likes erkennen kann), verliert jedoch an Authentizität.

Die "Diätkur" an den Edge On Galaxien wurde ja bereits erwähnt. Andere eng beieinander stehende schwache Galaxiechen werden mit Fäden wie Gezeitenschweife verbunden. Auch in der Galaxie werden diverse Sternhaufen und Knoten zu Sternen kondensiert, während größere Strukturen stark geglättet und unnatürlich rauschfrei erscheinen. Im Hintergrund und den Außenpartien der Galaxie kann ich kaum Rauschen erkennen. Ähnliche Effekte sehe ich auch in deiner oben verlinkten vorigen Version mit dem 6" Apo. Vergleiche z.B. mit dem NGC 4565 SDSS Survey oder dem ebenfalls stark bearbeiteten 3,6 m CFHT Bild.

Das Bild als solches geht beeindruckend tief, ich finde selbst die schwächsten Sterne aus dem SDSS wieder und der geht bis 23 mag, wow!. Die Farben gefallen mir sehr gut: Die warmgelben alten Sterne im Bulge, die Rötung durch das Staubband, die blauen Riesen in den Sternentstehungsgebieten im Außenbereich und in IC 3571, alles wunderbar.

Mich würde eine einfachere Bearbeitung ganz ohne oder nur mit sehr zurückhaltender BXT und NXT- Dosis interessieren. In der verkleinerten Forumsdarstellung wird man vielleicht nur wenig Unterschied erkennen, wohl aber, wenn man ordentlich reinzoomt.
 
Hallo Stathis,

vielen Dank für deinen ausführlichen Input! Ich denke, ich werde die Gelegenheit nutzen, das Projekt in PI noch einmal zu öffnen, und versuchen, den letzten Feinschliff zu geben. Aber auch um mein Auge in diesen beiden Punkten zu schulen, was in meinem Interesse liegt. Da meine Schritte recht überschaubar sind, sollte das ein einfacher Weg sein, um BXT und NXT mal mit sparsamen Einstellungen einzusetzen.

Für BXT habe ich vielleicht schon eine grobe Vorstellung. Beim Glätten tue ich mich allerdings etwas schwer, das richtige Mittelmaß zu finden. Wie viel Rauschen gilt als ideal? Die fadenförmigen Strukturen, die an Gezeitenschweife erinnern, sind mir während der Bearbeitung ebenfalls aufgefallen und werden durch NXT definitiv verstärkt. Die Frage ist hierbei auch, wie lassen die sich schon von vornherein vermeiden? Und wie entstehen diese überhaupt?

Gibt es hilfreiche Anhaltspunkte, wie man hier den perfekten Punkt in Bezug von Rauschen trifft? Das Beispiel von SDSS ist ja schon ziemlich körnig, und würde sich wohl weniger als gutes Beispiel eignen - vermute ich mal einfach.

Ich werde dann hier mal einen Vergleich mit Ausschnitten vorzeigen.
 
ich finde das Bild deutlich zu stark geschärft und auch deutlich zu stark entrauscht. Dadurch mag es an "Knalleffekt" gewinnen und dem Zeitgeist entsprechen (wie man an den vielen Likes erkennen kann), verliert jedoch an Authentizität.
Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können.

Gibt es hilfreiche Anhaltspunkte, wie man hier den perfekten Punkt in Bezug von Rauschen trifft? Das Beispiel von SDSS ist ja schon ziemlich körnig, und würde sich wohl weniger als gutes Beispiel eignen - vermute ich mal einfach.
Das Problem ist meiner Erfahrung nach weniger die Deconvolution von BXT und eher die Methode, wie NXT das Ergebnis von BXT entrauscht. NXT arbeitet mit einem Schärferegler, der dazu da ist, dem Detailverlust durch das Entrauschen entgegen zu wirken. Denoise AI funktioniert ähnlich, ist aber nicht speziell trainiert. Wenn man das übertreibt, in dem man mit dem Schärferegler versucht Details zu erzeugen und das im schlimmsten Fall sogar noch mehrfach hintereinander anwendet, kommt es zu diesen Artefakten. Wenn zusätzlich BXT noch mit maximaler Stärke angewendet wird, am besten mehrfach, entstellt es das Bild komplett.

Die Bilder vom SDSS haben eine Auflösung von ca. 1". Das gilt auch für die Staubwolken in der Galaxie. Dein Rohbild würde ich auf mehr als 2" schätzen. Das schließe ich daraus, dass du Doppelsterne bis zu dem Level noch auflöst. Vermutlich ist es im Rohstack eher weniger aufgelöst, da bei dir elliptische Galaxien als Doppelsterne aufgelöst wurden. 2" ist aber schon extrem gut. Alles unter 2,5" ist außergewöhnlich, wenn man nicht gerade in einer Sternwarte auf einem außergewöhnlich guten Standort sitzt.

Lösen kann man das eigentlich ganz einfach, in dem man es nicht übertreibt. Ja, das sieht dann halt weniger stark aufgelöst aus. Das ist aber in Wirklichkeit auch so. Deconvolution sollte in Deepsky Fotos nicht mehr bewirken können als eine feine Anhebung der Details. Das ist eher ein filigraner Effekt und kein Unterschied wie Tag und Nacht. Dass BXT das stärker kann, liegt meiner Meinung daran, dass es mit hochauflösenden und danach herunter gesampelten Bildern trainiert wurde. D.h. das Tool weiß wie bestimmte Strukturen aussehen sollten und kann das dann einfach soweit hoch schärfen bis das Sampling ausgereizt ist. Das sieht dann wie echt aus, ist es aber nicht. Dass das mit reiner Deconvolution nichts mehr zu tun haben kann, sieht man schon ganz einfach daran, wie extrem das Tool die Sterne zurück nehmen kann. Das kann die praktisch auf eine Punktquelle zurücknehmen, weil es weiß dass es eine ist auch wenn das im Bild nicht der Fall sein kann. Das geht nicht mit Deconvolution.

Ich habe PI und die *XT zwar nicht selbst, ich hatte das aber mal über die 30Tage Trial Periode zusammen ausgiebig getestet. Das sind eigentlich tolle Tools. Ich grübele immer wieder, ob ich mir das nicht doch zulegen sollte. Weniger wegen dem Schärfen sondern eher wegen der Möglichkeit CA bei Sternen zu eliminieren und SXT, das viel weniger Artefakte erzeugt als Starnet. Damit könnte ich sämtliche Bilder eine Iteration weiter strecken und die sähen trotzdem noch besser aus.

Mit BXT konnte ich wider Erwarten nichts kaputt machen. Nur bei den Sternen ist es zu extrem. Normale Deconvolution reduziert den FWHM Wert kaum, BXT nach belieben. Wo man wirklich aufpassen muss ist NXT. Der Schärferegler erzeugt die Artefakte. Wenn man den so einsetzt wie oben beschrieben, also nur detailerhaltend und nicht detailerzeugend, dann kann da auch nichts schief gehen. Außerdem sind diese Tools nicht dafür gemacht sie mehrfach hintereinander einzusetzen. Einmal genügt. Und man sollte immer zumindest eine gewisse Menge vom Original einmischen.

Es gibt noch einen anderen Weg. Der heißt Entrauschen in Graxpert. Das entrauscht automatisch detailerhaltend und nicht verstärken. Man hat die Option gar nicht. Da kann man auch nichts falsch machen. Auch da gilt aber, genau wie in NXT, immer etwas vom Original einmischen. Sonst wirkt das nicht mehr natürlich.

Das hat aber dann, wie Stathis so schön geschrieben hat, nicht mehr den Knalleffekt. Meine Wahrnehmung ist, dass Leute, die über die Astronomie zur Astrofotografie gekommen sind, irgendwann eher dazu neigen ehrliche Bilder zu machen, auch wenn sie dann weniger Ahs und Ohs bekommen. Auf der anderen Seite neigen Leute, die über die Fotografie und weniger durch das Interesse an der Materie an sich zur Astrofotografie gekommen sind dazu, das Maximum bearbeitungstechnisch möglich ist, auch auszureizen.

Es muss jeder für sich entscheiden, welchen Weg er gehen will. Knalleffekt erzeugen oder eher bescheidenere, aber dafür natürliche Bilder machen. Ich selbst habe mich dafür entschieden, nachdem ich den ganze KI Schärfungswahn vorwärts und dann wieder rückwärts durchlaufen habe, meine Bilder so zu belassen wie sie sind. Ich schärfe und entrausche natürlich auch, aber das muss so sein, dass man das auf 100% noch anschauen kann und dass es dann noch natürlich wirkt. Kriege ich weniger Likes, was solls. Dafür hat man weniger Stress, weil's keinen interessiert. Man muss das nicht auf allen möglichen Kanälen posten um die schmale Interessengemeinschaft maximal auszureizen. Braucht sich nicht über teure Ausrüstung, Remote Sternwarten, Astroreisen und so Zeug zu grämen. Und das wichtigste: man kann sich mehr auf die astronomischen Aspekte hinter den Objekten konzentrieren.

Das ist mein Weg. Das heißt nicht, dass ich es nicht respektiere, wenn jemand sich für den anderen Weg entscheidet und aus seinen Bildern Kunstwerke machen will.

Grüße
Joachim
 
Hallo Dane,

danke, dass du meinen Hinweis so konstruktiv aufnimmst.

Zum Rauschen: Rauschen hat verschiedene Ursachen, eine davon ist das sog. "Shot Noise" oder "Poisson Noise". Dieser Rauschanteil liegt in der Natur des quantisierten Lichtsignals selbst.
Genaueres:
astrophotography-gentle-introduction-noise
Astrophotography Basics: SNR
Speziell zu Shot-Noise bzw. Poisson-Noise:
PHOTONS, SHOT NOISE AND POISSON PROCESSES

Daher rauscht auch der SDSS mit seinem 2,5 Meter Spiegel + stark gekühlte CCD auf 2.800 m hohen abgelegenen Berg. Selbst Bilder von Weltraumteleskopen mit ihren brutal gekühlten high end Kameras rauschen. Shot Noise ist nichts schlimmes, das man unbedingt plattmachen muss.

Ich fotografiere aus der Großstadt unter Bortle 8 Himmel mit SQM Werten von bestenfalls 18,6 mag/arcsec^2, muss immer lange belichten und trotzdem kräftig rauschreduzieren (bei mir GraXpert AI), um einigermaßen ansehnliche Bilder zu erzeugen, siehe zum Vergleich mein NGC 4565 mit 10" Öffnung, 10 Stunden Belichtung, 20,5 mag Sterngrenzgröße. Du hast vermutlich dramatisch bessere Bedingungen (wie gut ist dein Himmel?), hast 11" Öffnung, eine Kamera mit größeren Pixeln und hast satte 24 Stunden belichtet, da könntest du sicher die Rausreduzierung komplett weglassen, bis zum natürlichen Restrauschen strecken und hättest ein ehrliches und trotzdem sehr tief gehendes Bild.

Bin gespannt auf dein Ergebnis
 
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Ich fotografiere aus der Großstadt unter Bortle 8 Himmel mit SQM Werten von bestenfalls 18,6 mag/arcsec^2, muss immer lange belichten und trotzdem kräftig rauschreduzieren (bei mir GraXpert AI), um einigermaßen ansehnliche Bilder zu erzeugen, siehe zum Vergleich mein NGC 4565 mit 10" Öffnung, 10 Stunden Belichtung, 20,5 mag Sterngrenzgröße.

Danke für diesen Vergleich Stathis, hab gleich mit meiner NGC 4565 Aufnahme verglichen und festgestellt das mit der Auflösung meines 10“ Newton ja doch alles ganz in Ordnung ist :p

Es ist einfach so, ohne die „Xterminator“-Tools gewinnt man heute keinen Blumentopf mehr.

Natürlich könnte man schon mal weinen wenn man Aufnahmen von Optiken mit 80 bis 100mm Öffnung sieht, von deren (scheinbarer) Auflösung man mit 254mm meilenweit entfernt ist. Oder welche mit der gleichen Öffnung, die aussehen wie die Hubble Bilder im Internet.

Sind diese Tools „Besch.ss“? Wenn ich mir die wenigen Fälle ansehe wo die Rohdaten bzw das Ergebnis ohne gezeigt wird würde ich im Zweifel „ja“ sagen. Diese Details sind da einfach nicht drin.

Sieht es spektakulär aus? Auch das muss man mit „ja“ beantworten, und mit 4“ die scheinbare Auflösung von 10“ oder 12“ erreichen zu können hat unbestreitbar schon Vorteile. Schließlich definiert ja jeder sein Ziel bei der Astrofotografie selber, und wenn es hauptsächlich gut aussehen soll und nicht so wichtig ist ob die Details echt sind oder nicht dann ist eben das die Präferenz des Fotografen.

Und wenn es der Mehrheit gefällt dann ist es halt so. Die Öffnung ist mit der aktuellen Software nicht mehr so wichtig, da wird man die Zeit nicht zurückdrehen können (ob es einem selbst gefällt entscheidet man selbst, und im Zweifelsfall kann man es ja so machen wie Joachim).

Gruß

Simon
 
Der Schärferegler - eigentlich Detail - von NXT ist keine KI-Operation. Es handelt sich dabei nur um eine UnsharpMask-Operation, also völlig optional.
Die neue Version von NXT bietet diese Option zudem gar nicht mehr an.
 
Kleine Gegenüberstellung: links eine ältere Bearbeitung mit KI Schärfung, rechts die von heute ohne. Das Seeing war an dem Tag furchtbar. Das Bild hat vielleicht 3,5-4". Rechts ist sogar noch mit herkömmlichen Mitteln geschärft bis zum Gehtnichtmehr. Links ist mit Denoise AI geschärft, das nicht mal an Astrofotos trainiert wurde. Da muss man nicht relativieren. Das ist eine ganz andere Liga. Da meint man, das wäre eine ganz andere Aufnahme. So wie rechts sehen die Bilder wirklich aus, das Bild links hat die KI gemacht.
Screenshot 2025-03-27 185940.png


So schlecht war Denoise AI eigentlich gar nicht. Wenn man das mit normaler Deconvolution kombiniert hat, fand ich die Schärfung sogar noch besser als mit BXT. Siehe hier. Links BXT, rechts DAI.
Unterschied_PI_BXT_Siril_TDAI.png


Natürlich könnte man schon mal weinen wenn man Aufnahmen von Optiken mit 80 bis 100mm Öffnung sieht, von deren (scheinbarer) Auflösung man mit 254mm meilenweit entfernt ist.
Ja, Drizzel Stacking machts möglich :D Ich hab ja eigentlich nichts dagegen, wenn die Leute ihre Bilder mit KI etwas über das Limit tunen. Aber man sollte so ehrlich sein zu erwähnen, wie das zustande kommt. Wenn da jemand sagt: "Boah, dass das mit der Öffnung geht, hätte ich nicht gedacht.", kommt nicht etwa, "Ja, KI macht auch kleine Öffnungen groß." Da kommt dann eher was mit super Seeing, tolle Montierung. Das Guiding war perfekt. Das ist gedrizzelt oder sowas. Das ist eigentlich das, was mich daran stört. Weniger dass es gemacht wird, sondern dass man es vergisst zu erwähnen.

Das erinnert mich irgendwie früher an die Leute im Studio, die dir erklärt haben, dass es überhaupt kein Problem ist 200kg auf der Bank zu drücken. Man muss sich nur richtig fokussieren, hart trainieren. Ganz wichtig die Ernährung. Ohne die geht gar nichts. Und wenn das bei dir nichts wird, dann trainierst du falsch, bist halt nicht dedicated genug oder halt schlechte Genetik ;) Irgendwann kriegst du dann mit, dem sein Testosteronspiegel ist 100x höher als deiner, weil der sich jede Woche 1g Stoff rein drückt. Das wurde auch nicht erwähnt. Und wenn du den drauf ansprichst. Ne, ist alles nicht so. Das hat praktisch kein Effekt.

Die Xterminator Tools sind aber eigentlich super. Das ist die Ironie bei der Sache. Das sind die besten verfügbaren Tools und die liefern saubere Ergebnisse, wenn man die so verwendet, wie sie vom Hersteller vorgesehen wurden. Das geht auch. Siehe hier. Das ist in PI mit BXT, SXT und NXT gemacht.
SN_BXT_PI.png

Zum Vergleich mit KI nur entrauscht und geschärft mit einer Unschärfemaske in Gimp. Da sind immer noch Welten dazwischen. Selbst wenn man nicht alles auf max stehen hat und das am besten gleich mehrfach drüber laufen lässt.
1743112976319.png
 
Der Vergleich mit dem Bankdrücken passt schon ganz gut :ROFLMAO:

Ich hab ja eigentlich nichts dagegen, wenn die Leute ihre Bilder mit KI etwas über das Limit tunen. Aber man sollte so ehrlich sein zu erwähnen, wie das zustande kommt.

Wenn in solchen Fällen nichts dazu geschrieben wurde mit welcher Software die Bearbeitung erfolgt ist dann weiß man es eigentlich eh ;)

Aber erlaubt ist halt was gefällt.
 
Hallo zusammen,

ich sehe schon, mein Bild scheint eine recht polarisierende Wirkung zu haben. Ich möchte mich in die laufende Diskussion auch nicht einmischen. Jeder darf gern seine eigene Meinung dazu haben und äußern.

Ich habe mal nun einige Versuche gemacht, und will dazu auch kurz etwas zeigen. Vorneweg vielleicht mal das ursprüngliche Bild, bei dem der Gradient entfernt, und anschließend die Farbkalibrierung durchgeführt wurde. Gesteckt in der üblichen Standardansicht von STF.

After_SPCC.jpg


Dann habe ich mal BXT angewendet. Hier mit 0.25 für Sterne und Nonstellar:


Hier mal mit 0.30/0.50


Und hier mal mit 0.30 / 1.0, bei dem dann die Galaxien zu wirklich dünnen Würmern werden.


Und hier noch zwei Vergleiche mit NXT und GraXpert zum glätten. Beides mit relativ hohen Werten. Es lässt sich natürlich nicht so einfach vergleichen, je nachdem wie man die Regler setzt. Aber das Ergebnis von GraXpert sagt mir da schon etwas mehr zu.






Bei GraXpert gibt es aber ein Problem, meine Sterne bekommen auf einmal vier Spikes wie von einem Newton. Das lässt sich aber umgehen, in dem man die Sterne vorher entnimmt, und diese dezent mit z.B. NXT glättet.



Und hier mal ein Vergleich mit der ursprünglichen Version, und wenn Deconvolution und Glätten etwas sparsamer eingesetzt wird. Man kann mit den Reglern sicher noch weiter zurück gehen können, und ich habe für mich noch keinen finalen Mittelweg gefunden, und teste noch weiter aus.

 
Hallo Dane, na ja ein „richtig“ oder „falsch“ kann es nicht geben, da es halt vom persönlichen Geschmack abhängt. Und über den zu streiten ist bekanntermaßen sinnlos, weil der immer subjektiv ist.

Mir gefällt es besser wenn es etwas mehr „old school“ aussieht, also eher so wie im letzten deiner Vergleiche.

Sehr schöne Gegenüberstellung übrigens, da sieht man den Einfluss der Tools und Einstellungen wirklich gut.
 
Hallo Dane,

vielen Dank für die schön aufbereiteten Vergleiche. Da sieht man, wie brutal BXT bei höherer Dosierung wirkt, bis hin zu weit über die toxischen Dosis hinaus.
Die 25%/25% Version von ganz oben sagt mir persönlich am meisten zu: Schärfung vorhanden, aber die wahre Form der winzigen in Beitrag #6 markierten Edge On Galaxiechen noch bewahrt, Dunkelwolkenstrukturen noch natürlich wirkend. Die 50% nonstellar finde ich bereits grenzwertig.

Bei GraXpert gibt es aber ein Problem, meine Sterne bekommen auf einmal vier Spikes wie von einem Newton.
Das ist mir natürlich noch nicht aufgefallen, da ich zur Zeit fast immer einen Newton mit orthogonal zur Kamera gedrehter Spinne verwende:). Aber ist das bei gemäßigter Dosierung auch sichtbar? Bei deinem letzten Vergleich sprichst du von "sparsamerer Glättung", ich sehe jedoch dort immer noch einen unnatürlich glatt wirkenden Hintergrund, dem fast sämtliches natürliche Rauschen fehlt. Ich entrausche stark rauschenden Bilder aus der Stadt mit Bortle 8 mit GraXpert 3.1.0rc2 Beta Version mit AI Model 2.0, mit max. 70% Dosis, bei Belichtungen über 8 Stunden und höher am Himmel eher 50%.

na ja ein „richtig“ oder „falsch“ kann es nicht geben, da es halt vom persönlichen Geschmack abhängt. Und über den zu streiten ist bekanntermaßen sinnlos, weil der immer subjektiv ist.
Wir haben es hier mit real existierenden astronomischen Objekten zu tun, da gibt es schon einen gewissen objektiven Maßstab. Natürlich steht es jedem Amateur Astrofotografen frei, sich über diese Grenzen hinwegzusetzten.

Ich möchte betonen, dass dies meine persönlich Ansicht zu dem Thema ist, ich komme vom visuellen und habe die zart im Okular erscheinenden und doch tief beeindruckenden Staubstrukturen oder winzigen Hintergrundgalaxien im großen Dobson im Kopf. Es ist aber Danes Bild - ihm muss es gefallen.
 
Hallo zusammen,

vielen Dank für euren Input. Ich stimme Statis zu, dass es in diesem Kontext kein eindeutig richtig oder falsch geben kann. Mein erstes Beispiel vermittelt zwar ungewollt das Gegenteil, dennoch möchte ich einen gewissen objektiven Maßstab erreichen, wenn auch nicht aus astronomischer Brille perfekt. Ich sehe ein, dass mein Beispiel in die andere Richtung ausschlägt. Mein Ziel ist es, ein ästhetisch ansprechendes Bild zu schaffen, ohne dabei die Realität völlig zu verfälschen. Mittlerweile haben sich meine Sinne schon so weit entwickelt, dass mein erstes Ergebnis definitiv zu scharf ist. Ja ich komme wie einige wissen aus der Fotografen-Ecke, da ist es eben doch mal etwas anders.

Ja das mit den Spikes ist durchaus witzig, irgendwie hat die KI von GraXpert vermutlich gedacht, dass hier ein Newton zum Einsatz kommt. Mir war gar nicht bewusst, dass die KI solch eine Fähigkeit hat, auch Spikes zu generieren. Ich vermute, es liegt an der etwas ungünstigen Abbildung von meinem SCT, bei dem die Sterne leichte Ausbrüche wie Spikes haben. Die Halos der hellen Sterne sind nicht optimal, und bessere ich in Photoshop noch etwas nach. In meinem gleich folgenden Beispiel habe ich dennoch mit GraXpert entrauscht, aber die Sterne mit NXT, um den Spikes zu entgehen. Ich bin nicht mehr sicher, aber ich dachte ich wäre so bei einem Wert von 60% gelandet. Das Bild erscheint wie angedeutet schon trotzdem noch recht glatt. In meinem letzten Versuch habe ich die Sterne noch etwas mehr gestreckt, um mehr vom Hintergrund herauszubekommen. Hier ergibt sich auch wieder ansatzweise das Muster, dass feine naheliegende Sterne sich zu Würmchen bilden. Hier mal die Variante in groß zum Reinzoomen (einmal mit der Lupe ins Bild klicken, und dann per Maus durch das Bild hangeln): NGC4556 - Die Nadelgalaxie

Und hier noch beide Versionen, dann kann man nach dem Anklicken per Pfeiltasten hin und her wechseln. Was mir hierbei auch auffällt, dass in der von BXT stärker misshandelten Version vereinzelt kleine Galaxien auf einmal extrem zum Vorschein kommen.

NGC4565.jpgNGC4565.jpg

Ich bin irgendwie nicht ganz zufrieden, aber ich bin da noch weiterhin in der Findungsphase. Das mit den feinen Sternen und den Würmchen stört mich noch am meisten.

Nebenbei noch kurz ein anderes Beispiel in Bezug auf BXT. Hier gleich folgend ein Beispiel von H-alpha der Balkenspiralgalaxie IC 2574, bei dem ich nur mit Nonstellar mit dem Wert von 0.50 einwirke. Im ersten Moment schaut es schon beeindruckend aus, was mit den H-alpha Knötchen passiert, aber auf den zweiten Blick kann das irgendwie nicht stimmen. Da werden aus rundlichen H-alpha Knoten gleich punktförmige Sterne.

 
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