Nichts geht über den direkten Anblick

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rekisyhp

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Ich betreibe seit vielen Jahren Astronomie als Hobby, zur Entspannung und ohne mich auf bestimmte Objekte zu spezialisieren. Heuer habe ich begonnen neben dem reinen visuellen Erlebnis mich der EAA zu widmen. Dies ist durchaus mit Erfolg geglückt, doch habe ich nach einiger Zeit gemerkt, dass mir etwas abgeht. Es ist der unmittelbare, Eindruck, den z.b. ein Kugelhaufen wie M22 oder ein planetarischer Nebel wie M27 im Okular bietet. Zwar ist alles nur Schwarz-weiß aber unvergleichlich und -für mich - weitaus zufriedenstellender als der Anblick am PC. So habe ich mir vorgenommen, es wieder auf die gute alte Art zu machen, mit dem Auge am Teleskop, auf der Suche nach der Ästhetik des Sternenhimmels. EAA werde ich auch nicht vergessen und mir mit dessen Hilfe von einigen Paradeobjekten Bilder abspeichern.

Was ist Eure Meinung zu diesem Thema?
CS
Wolfgang
 
Hallo Wolfgang,

mir geht es im Prinzip wie Dir. Ich fotografiere sehr gerne, aber für Astro bin ich eher unbegabt und der Aufwand ist mir viel zu hoch. Ich meine nicht den geldlichen Aufwand sondern das ganze Zeug, Kamera die Kabel, Akku, Laptop, el. Nachführung usw. Ich hocke den ganzen Tag vor dem Bildschirm, das reicht mit eigentlich. Für meine Naturaufnahmen habe ich einen ganz guten Workflow in Photoshop, da halten sich die Bearbeitungszeiten mittlerweile in Grenzen.

Es geht doch nichts über einen dunklen Himmel, Fernglas und Liegestuhl. Das ist für mich das Optimum in dem Hobby. Oder eben manchmal die besonderen Ereignisse, wie Finsternisse, Kometen, usw.

Grüße
Andreas
 
Hallo Wolfgang,
ja das sehe ich genauso.
Nichts geht über das Live Erlebnis direkt am Okular.
Besonders wenn sehr gutes Seeing ist und ich mir ein Ereignis ansehen kann wie z.B. wenn ein Jupitermond einen Schatten wirft und sich dieser langsam auf der Jupiterscheibe abzeichnet und wenn später der Mond sich vor den Wolkenbändern noch als Scheibchen abzeichnet.
Oder eine Sonnenfinsternis, oder Venus und Merkur vor der Sonne, oder eine aufsteigende Protuberanz u.v.m.
Da käme ich im Traum nicht darauf mir sowas auf einem Monitor anzusehen.
LG
 
Hallo Wolfgang,
'unmittelbar' trifft es sehr gut und ist auch das was ich bevorzuge bzw. suche. Unabhängig von Strom bzw. Software zu sein und mit einer gewissen Genügsamkeit die Erfahrung zu schätzen, die man mit seinen Sinnen unter dem Himmer erleben kann. Ein paar Knipsereien hatte ich auch schon gestackt und das Experimentieren mit Bildverarbeitung war spannend für mein technisches Interesse. Jedoch erkenne ich von den typischen Astrofotografien in diversen 'extremen' Spektren kaum etwas wieder, sobald ich durch das Okular schaue. Mir fehlt also ein Stück weit der Bezug zu meiner wahrgenommenen Realität.
Ebenso könnte ich Audioaufnahmen im Ultraschall-Bereich anfertigen, und ich wüsste dann dass die Frequenzen wirklich aufgetreten sind. Dennoch ist es für meine Sinne abstrakt und 'nur' eine Übersetzung.
Ich sehe eine Begeisterung bei anderen für mehr oder weniger komplexe und technisch ausgereizte Teleskope mit kombinierter Bildverarbeitung. Nur nachvollziehen kann ich die Begeisterung nicht, je länger ich darüber nachdenke und mit den Vorgang der Benutzung für mich selbst vorstelle.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Besonders wenn sehr gutes Seeing ist und ich mir ein Ereignis ansehen kann wie z.B. wenn ein Jupitermond einen Schatten wirft und sich dieser langsam auf der Jupiterscheibe abzeichnet und wenn später der Mond sich vor den Wolkenbändern noch als Scheibchen abzeichnet.
- mir geht es ganz genauso.

Wolfgang, ich bin komplett bei Dir!

Was mich (noch*) vom Fotografieren abhält, sind zwei Dinge: der enorme Aufwand verbunden mit Strom und einer Menge Elektr(on)ik, sowie die Tatsache, dass die allermeisten Bilder, und sind sie noch so beeindruckend, am Ende des Tages ein trauriges Dasein auf irgendeiner längst vergessenen Festplattenpartition fristen. Einige hatten ihren Moment, wenn sie auf dieser oder einer ähnlichen Internetseite im Kreise der geneigten Kollegen vorgestellt, besprochen und im besten Falle sogar gelobt wurden. Aber dann endet jegliche Signifikanz ihrer schieren Existenz. Und Veröffentlichungen sind selten. (- das war der philosophische Part)

Ein Astro-Kollege - ein Kometenjäger, der, so weit ich mich erinnere, sogar schon einen Kometen entdeckt hat - erzählte mir voller Stolz von seinem Teleskop auf dem Balkon, während er im Wohnzimmer vor dem Laptop die Geschehnisse in Echtzeit verfolgen kann (vermutlich läuft gerade der "Tatort").
In "Echtzeit!" - das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: vier Meter von seinem Instrument entfernt beobachtet er in "Echtzeit". Natürlich bekommt er keinen kalten A.... auf der Couch. Und natürlich soll jeder nach seiner persönlichen Facon glücklich werden mit dem, was er tut, gar keine Frage.
Aber auf mich wirkt das zumindest befremdlich.

Jeder von uns, da bin ich sicher, wird sich an den einen oder andern "Markstein" seiner Astrokarriere noch gut erinnern: das erste Mal die Ringe von Saturn, die Gallileischen Mode von Jupiter, Ihr wisst, was ich meine. Vorgestern Abend gelang es mir zum ersten Mal, mit meiner astronomischen Altglassammlung einen Sternhaufen in Einzelsterne aufzulösen; magisch ... der sieht als Bild sicher viiieeel schöner und bunter aus, wie wir aus den einschlägigen Bildbänden wissen. 8000 Aufnahmen, gepixelt, gestäckt, geschüttelt (nicht gerührt!), overlayed, resampled, ... - wtf.
Aber zwischen mir und dem jahrtausendealten Licht dieses Sternhaufens lag nichts weiter, als ein paar Glasstücke.
Subsummiert: Ich habe ihn mit eigenen Augen gesehen.

Schöne Grüße sendet Euch allen, der
Ursus


*"noch": Ich habe mich als bekennender Old-School-Jünger lange gegen allerei zeitgemäße Dinge mit Händen und Füßen gewehrt, bis ich kapiert habe, dass sie das Leben einfacher machen: Rotpunktsucher, Produkte aus China, Reflektor-Teleskope, moderne Okulare ... insofern möchte ich nicht ausschießen, dass ich selbst irgendwann mit der Astro-Fotografie beginnen werde. Aber ich glaube nicht, dass sie mir je die Freude und Faszination bieten kann, wie das unmittelbare Beobachten in einer dunklen stillen Nacht, frierend hinter dem Fernrohr - selbst wenn hin und wieder mal ein Okular unter dem Stativ im Dreck liegt und ich die Thermoskanne mit dem Kaffee auf dem Küchentisch vergessen habe.
 
Ich stimme Wolfgang und Euch anderen in sofern zu, als man sich durch dem Einsatz von Kamera und PC ein gutes Stück vom 'Naturerlebnis' Astronomie entfernt. Und am liebsten hätte ich dunklen Himmel und die Zeit und Geduld für rein visuelle Astronomie.

Aber unter Bortle 7 und 60 km zum nächsten dunklen Spot habe ich EAA für mich als den optimalen Weg gewählt, um den Nachthimmel zu erkunden. Planeten und Sternhaufen schaue ich gern visuell, die helleren DSO auch gelegentlich. Für alles andere sind Kamera und PC wertvolle Hilfsmittel, um Objekte zu erreichen, die ich visuell sowieso nicht erreichen könnte.

Ich sitze dabei allerdings gerne draußen, um den direkten Bezug zum Sternenhimmel nicht zu verlieren.

CS.Oli
 
Ich sehe, dass viele ähnlich denken. Ich dachte schon, ich bin der einzige "Gestrige"! Allerdings muss ich zugeben, dass ich auch einige Segnungen der Technik gerne verwende. So habe ich für meine Teleskope eine Betonsäule im Garten errichtet und darauf eine GoTo Montierung gesetzt. Dies erleichtert mir das Finden der Objekte sehr. Auf diese Annehmlichkeit würde ich ungern verzichten. Und weil ich diese Säule in einer abfahrbaren Hütte stehen habe und das Teleskop meist einsatzbereit montiert ist, zahlt es sich aus auch für eine halbe Stunde oder so einen Blick in die Sterne zu tun.
Einen weiteren Vorteil, den die visuelle Beobachtung des Sternenhimmels bietet, ist die unmittelbare Erfahrung, was sonst noch alles im Garten kreucht und fleucht, bei mir z.B. Igel, Fledermäuse, Katzen, Marder, Eulen,....
CS
Wolfgang
 
Manchmal ist das vermeintlich "Gestrige" Teil einer gelingenden Zukunft. Wer hätte vor 30 Jahren gedacht, dass Fahrradfahren mal wieder cool werden wird. Oder die Faszination an Igeln ;-) Ich finde es auch gut, die technischen Möglichkeiten zu haben - um sie da einzusetzen, wo sie Sinn machen. Immer nur Sahnetorte macht krank.

Ich glaub, für die meisten von uns war die Schlüsselerfahrung, dass all die bunten Bilder von Nebeln nur ein kleiner Teil der Erfahrung sind. Ich hab ja ein eVscope, und die Erfahrungen damit waren mir durchaus hilfreich. Aber doch primär als Ansporn, die Objekte auch mit eigenen Augen zu sehen. Die Farben kenn ich ja jetzt aus den Abbildungen. Bei Bedarf denke ich sie mir dazu ;-)

Das eine tun, heißt ja nicht, das andere zu lassen. GoTo ist für die Betrachtung oft sehr sehr sinnvoll. Und wer "Jäger und Sammler" ist, der braucht die Bilder, es ist doch toll, dass es diese Möglichkeit gibt! Und für Techniker gibt es da großartige Herausfordernungen. Ich finde es so schön an der Astronomie, dass ganz unterschiedliche Typen hier sich zusammenfinden, Mystiker, Melancholiker, Techniker, Jäger und Sammler, Genießer und so fort!

Und dann gibt es nicht nur die Typenunterschiede, sondern auch der Bezug zu den Rahmenbedingungen. Wieviel Zeit man hat und wann, wie oft der Himmel klar genug ist und so fort. In den vergangenen Wochen wäre ich mit dem GoTo-Teleskop z.B. ziemlich unglücklich geworden: kaum aufgebaut, Sucher justiert, Alignment gemacht, schon ziehen Wolken auf. Das Fernglas ist da flexibler.

Selber schaue ich zur Zeit fast nur durchs Fernglas oder durchs Teleskop ohne GoTo. Das kann sich wieder ändern. Die Erfahrung des Suchens und Findens, des Herumschweifens und Verweilens mit dem Glas, der Wanderungen am Himmel wird mir aber bleiben. Und die Erfahrungen werden mir auch am Teleskopokular helfen.

Herzliche Grüße
Hartmut R.
 
Ach, ich mag irgendwie beides. Früher war ich immer mit ein paar Bekannten unterwegs. Wir haben uns bei gutem Wetter außerhalb der Stadt zum Spechteln getroffen. Das hat immer viel Spaß gemacht. Wenn man das erste mal M13 durch einen guten Refraktor gesehen hat, ist das etwas, was man sicher nicht vergisst, aber für mich stand auch das nette Zusammensein im Vordergrund. Gemeinsam Suchen und Finden, über die Objekte quatschen, gucken was dazu im Karkoschka steht, verschiedene Teleskope ausprobieren und einfach die Nacht genießen. Egal ob Sommer oder Winter. Fotografiert hätte ich damals auch schon gerne, aber das war mir zu aufwendig und zu teuer.

Seit dem Umzug in die Eifel bin ich direkt vor der Haustür mit ganz gutem Himmel versorgt und dann doch eher ein Fan der Fotografie geworden. Die technischen Herausforderungen machen halt auch Spaß, wobei das ganze in den letzten Jahren ja doch viel einfacher und auch günstiger geworden ist. Dazu noch die vielen guten Informationsquellen im Netz.
Ob man sich die Fotos nun aufhängt, auf dem Handy anguckt oder einfach auf der Platte vergammeln lässt, ist mir eigentlich egal. Hauptsache es Spaß gemacht.

Wenn das Teleskop im Garten schnurrt und fleißig Fotos macht, setze ich mich bei gutem Wetter auch gerne dazu und genieße den Himmel. Dann aber noch den Dobson die Treppe runterzuschubsen, dass ist mir dann doch meistens zu viel Aufwand. Irgendwie ist es auch nicht das gleiche, wenn die alten Bekannten nicht dabei sind. Aber so ist das eben. Die Zeiten ändern sich und die Hobbies wechseln auch schon mal. Vielleicht könnte ein etwas reisetauglicherer Dob wieder etwas mehr Begeisterung für die visuelle Seite der Nacht in mir auslösen :unsure:

Clear Skies
André
 
Hallo Wolfgang,

100% - und heute wird eine schöne Nacht werden... ich habe die letzten 3 Jahre visuell intensiv beobachtet und es gibt wirklich so viel zu sehen.... immer wieder was Neues...

wünsch dir schöne Stunden! CS, Wolfgang
 
Ich möchte das Thema nochmal aufgreifen. Letzte Nacht war es hier mal wieder abweichend zur Wettervorhersage schön klar. Die letzten paar Wölkchen verzogen sich pünklicht zum Einbruch der Dunkelheit gegen 21 Uhr und damit durfte der C11 also noch eine weitere Nacht draußen verbringen. Da ja bereits alles aufgebaut war, brauchte nur seine silberne Verkleidung zur Vogelscheuche weichen. Nach ein paar Mausklicks war der wieder mit fotografieren beschäftigt und DerOndre saß mit einem Gläschen Wein vorm Fernseher, neben sich das Notebook um das muntere Treiben im Garten im Blick zu behalten.
Nach dem zweiten Glas des leckeren Spätburgunders wurde es dem Herrn allerdings dann doch warm in seiner Dachwohnung und er entschloss sich seinem Teleskop ein wenig Gesellschaft an der frischen Luft zu leisten.

Das war nicht nur eine klare Nacht bei angenehmer Temperatur, sondern das Seeing war auch einfach nochmal Welten besser als die Nächte zuvor. Also wieder rein, Blick auf den 12" Dob, Blick aufs Fernglas, wieder raus mit dem Fernglas. Nach 5 Minuten....DOOOOOOF....das wackelt alles zu sehr. Das ist doch nix....Idee! Was ist eigentlich mit dem FS-60 und dem neulich erworbenen Q-Modul? Da müsste doch was gehen! Und das Teil steht sogar fertig aufgebaut auf der Pudelmontierung. Also, wieder Treppe rauf. Fernglas gegen FS-60 getauscht, zwei Naglers in der Hosentasche verschwinden lassen, Treppe runter, watschel, watschel auf die Wiese in 5 Minuten eher schlecht als recht eingenordet und das 3-Sterne-Alignment auf Sternen ausgeführt. (Die vermutlich sooo nicht in der Liste standen). Well, good enough for the girls I go out with :)

Erstes Opfer: Jupiter. Knapp daneben (s.o.), aber mit der Zunge im richtigen Winkel kein Problem zu finden. WOW, klein aber Oho! Schnell das 16mm gegen das 9mm Nagler getauscht. Noice! Also ich war echt begeistert! Knackescharf, keinerlei Luftunruhe, wunderbarer Anblick! GRF leider auf der abgewandten Seite, aber viele Monde :)
Nächster Stopp: Saturn. Wieder leicht daneben...ich frage mich, an welchen Sternen ich das Alignment durchgeführt habe, aber nach ein paar Schwenks ist er gefunden. Gleiche Begeisterung wie beim Jupiter. Tolles scharfes Bild. Also ich bilde mir jetzt nicht ein, da irgendwelche Teilungen gesehen haben zu können, aber trotzdem hat das einfach was, den Gasriesen nach so langer Zeit mal wieder live zu sehen und das dann in dieser Qualität. Klar, ist nicht so groß wie im Dobson, aber das hat einfach eine andere Qualtiät.
Weiter ging es mit M45, natürlich dann im 16mm Okular. Ebenfalls ein umwerfender Anblick. Die blauen Reflektionsnebel lassen sich ansatzweise erkennen. Die Sterne sind einfach nadelfein und brillant. Wunderschön.
Wenn man noch mehr Sterne sehen will, dann ist man ja mit dem Double Cluster im Perseus gut bedient. Also, nix wie hin. Mittlerweile hat die Montierung dem Benutzer die anfängliche Fehlbedienung verziehen und trifft das gewünschte Ziel sofort. Auch hier wieder haufenweise nadelfeine Sterne, die ich so schon lange nicht mehr gesehen habe. Einfach schön! Schade, dass ich für 1.25" kein Okular mit mehr Brennweite habe.
Angefixt von den feinen Sternen noch ein Schwenk zu Albireo. Keine Herausforderung, weder für das Teleskop, noch für den Brillenträger dahinter. Farblich ohne Zweifel voneinander zu unterscheiden.
Zu guter letzt noch auf M31 und M33. Um das hier mal abzukürzen. Naja. Es geht. Da merkt man dann einfach, dass etwas Öffnung fehlt. Wobei ich M31 selbst im Dobson bei schlechterem Himmel auch schon weniger gut gesehen habe. Also kann man eigentlich nicht meckern.

Fazit: Es hat super viel Spaß gemacht, mal wieder live durchs Teleskop zu gucken, auch wenn es nur ein sehr kleiner Refraktor war. Ich würde mal behaupten, dass ich das in den Anfängen dieses Hobbies so nicht hätte wertschätzen können. Tja, und während ich meinen Spaß mit dem FS-60 hatte, hat das andere Teleskop fleißig Fotos gemacht, ohne dass ich mich um etwas kümmern musste. Selbst der Meridian Flip funktionierte diesmal ohne mein Eingreifen. Um 3 Uhr lag ich zufrieden im Bett, stellte den Wecker auf 6 Uhr, um den C11 und das Gerippe darunter wieder pünklich vor Freigabe des Luftraums an Schwalben, Spatzen und was nicht alles vor seinem Schicksal als Vogelklo durch Zurhilfenahme einer überteuterten Plastiktüte schützen zu können.

Spechteln und Fotografieren - es geht beides, sogar gleichzeitig! Hoffe das war nicht zu viel Gelaber, aber mir hats einfach Spaß gemacht und das musste ich mal teilen.

CS
André
 
Hallo Astrokollegen,

witzig, dass sich sehr viele Leute die gleichen Gedanken machen... dazu kann ich meine Geschichte beitragen...

Angefangen habe ich vor ca. 12 Jahren mit einer EQ-5 und einem 150/750er für die visuelle Beobachtung. Davor hatte ich nur als Kind Erfahrung mit einem kleinen Refraktor der wirklich mies war (typisch Kaufhausrefraktor). Auch deswegen entschied ich mich damals für einen Reflektor.
Das Gerät war mir aber insgesamt einfach zu sperrig, um viel damit zu beobachten, zumal ich damals nur einen kleinen ostseitigen Balkon hatte und dort nicht genug Platz dafür war.
Deswegen investierte ich etwas später in einen 102/500er fürs Schnellspechteln. Darunter kam zuerst ein etwas stabileres Fotostativ mit Neiger und später dann ein ölgedämpfter Videoneiger zum Einsatz. Damit habe ich jahrelang immer wieder beobachtet. Da mir das kleine Teleskop gefallen hat, aber ich damit keine Planeten beobachten konnte, habe ich mir auch ziemlich bald einen 127/1500er Mak zugelegt. Diese Kombi habe ich mindestens 7 Jahre exklusiv verwendet.
Dann hab ich mir einen Star Adventurer zugelegt, und hab damit angefangen Fotos aufzunehmen. Eine Nikon D5300 war schon vorhanden. Das hat mich dann auch ein einige Zeit beschäftigt.
Dann bin ich in eine Wohnung mit Terrasse umgezogen und dort habe ich dann EAA bzw. auch Astrofotografie für mich entdeckt. Zuerst mit dem schon vorhanden 150/750er und einer Asi120MC, etwas später kam die Asi485MC dazu.
Für großere Gesichtsfelder investierte ich in einen 80/500er Apo.
Für visuelle Beobachtungen kam dann wieder ein 10 Zoll Dobson und weil mir das Bild bei Doppelsternen im Refraktor gefiel nicht viel später ein 100/900er dazu. Alle Teleskope sind noch vorhanden und werden mehr oder weniger oft eingesetzt.
Ich mach im Endeffekt alles gerne:

- Visuell beeindruckt mich die Erfahrung des direkten durch die Optik schauen und beobachten. Die Herausforderung an Planeten auch bei großer Luftunruhe in den klaren Momenten das Maximum an Details rauszuholen. Man ist dabei auch einfach weder von Handy noch Laptop abhängig und dadurch am wenigsten von der Beobachtung abgelenkt. Einzig die Beobachtungsaufzeichnungen mach ich am Handy bzw. bei der AZ-GTi ist natürlich auch das Handy im Spiel.
- EAA bringt schnelle Ergebnisse ohne den Anspruch auf maximale optimierte Ergebnisse mit Bildbearbeitung. Dabei genieße ich den tieferen Blick, der vor allem auf meiner Terrasse so visuell nicht möglich wäre.
- Manchmal bearbeite ich Fotos auch länger und habe dann, mit mehr oder, bei mir, eher weniger Erfolg ein ansehnliches Foto. Meistens ist mir aber die Arbeit dafür mittlerweile zu anstrengend.
- Manchmal schreibe ich ausgedehnte Beobachtungsberichte, immer notiere ich Beobachtungen aber in einer Liste (seit 2022... das hat die Erfahrung nochmals stark verändert)

Deswegen kann ich von mir, empirisch beobachtet :), sagen, dass alles seinen Reiz hat und dass das eine nicht besser als das andere ist.
Für mich ist am wichtigsten, dass das was ich mache Spaß macht, mich entspannt und gleichzeitig fordert. Vor allem genieße ich auch das Recherchieren nach meinen Beobachtungen.
Aus meinen Beobachtungsaufzeichnungen habe ich ausgewertet (mache ich erst seit 2022), dass ich doppelt so viele Objekte visuell beobachtet als fotografiert habe.

Immer wieder interessant solche Threads :)

Liebe Grüße
Philipp
 
Moin! Nach 40 Jahren visueller Beobachtung + zeichnerischer Dokumentation habe ich vor 3 Jahren angefangen, auch mal "Erinnerungsfotos" zu machen. Erst Mond, dann Sonne, inzwischen auch Planeten und etwas DS. In der Zeit der analogen Fotografie war mir Fotografieren einfach zu aufwändig (technisch und zeitlich) und zu weit weg vom eigentlichen Beobachten. Aber auch ein rezentes Kabelknäuel, unter dem man ein Teleskop vermuten kann, ist mir ein Horror. Deshalb fotografiere ich heute fast minimalistisch, nur mit DSLM, ohne Guiding; nur ein Netzkabel für die Montierung, das Kabel der Handsteuerung und ein programmierbarer Kabelfernauslöser dürfen an mein Equipment! Absolut beeindruckt bin ich von den Möglichkeiten der Bearbeitungssoftware. Ich selbst benutze die kostenlosen Standardprogramme mit dem Ziel, mich möglichst kurz damit aufzuhalten. Von den Ergebnissen bin ich immer wieder überrascht. Inzwischen sind mir ein paar schöne Aufnahmen gelungen, aber das eigentliche astronomische Erlebnis ist für mich immer noch die direkte visuelle Beobachtung!
Viele Grüße und CS,
Michael
 
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