Stickstofffüllung
Das mit der Stickstofffüllung musst du mir aber erklären. Nun kenne ich mich bei Ferngläsern nicht so gut aus und darum habe ich von beschlagfreien Ferngläsern noch nie gehört. Wie funktioniert das?
Hallo Nico,
den Effekt des Beschlagens kennst Du ja sicher: wenn Du aus einer kalten Nacht mit optischem Gerät ins Warme zurückkehrst, dann kondensiert Feuchtigkeit aus der Luft auf der kalten Oberfläche (z.B.) eines Objektivs. Prinzipiell kann auch Luftfeuchtigkeit in ein Fernglas eindringen, wenn es nicht vernünftig abgedichtet ist und so könnte ein Fernglas auch im Innern beschlagen, was wiederum über lange Zeit zu Korrosionsschäden führen kann. Früher hat man gern Ferngläser mit Einzelokulareinstellung verwendet, wenn eine solide Abdichtung benötigt wurde. Bei Ferngläsern mit klassischem Mitteltrieb hat man bei den besseren Modellen die beweglichen Teile (z.B. die Okulare) mit Stulpendichtungen, O-Ringen oder im Fall der Objektivfokussierung mit planparallelen Glasplatten vor den Objektiven gegen das Gehäuse abgedichtet. Heute verwendet man zusätzlich zu derartigen Maßnahmen eine Befüllung des Fernglasgehäuses mit Stickstoff, um langfristig Schäden im Innern vorzubeugen. Das hat zwei Vorteile:
1. Stickstoff ist ein sog. nichtkondensierbares Gas (im Sprachgebrauch der Thermodynamiker). Da Stickstoff erst bei knappen -200 °C flüssig wird, kann im Innern eines Fernglases nichts auf einer kalten Oberfläche kondensieren, wenn die Luft durch Stickstoff ersetzt wird. Vermutlich reicht auch eine Mischung aus Stickstoff und trockener Luft, aber dazu müßte sich mal ein Experte melden.
2. Molekularer Stickstoff ist ein Inertgas und als solches ist es chemisch wenig reaktionsfreudig. Durch die Befüllung mit Stickstoff kann eine Korrosion von Bauteilen im Innern eines Fernglases (Gehäuseinnenseite, Blenden, Prismenhalterung, ...) wirksam vermieden werden. Bei alten Ferngläsern kann man mitunter gut sehen, was mehr oder weniger feuchte Luft im Fernglasinnern über die Jahre anrichten kann.
Um das Beschlagen im Innern und eine Schädigung durch Korrosion zu vermeiden, kann man auch Edelgase als Füllung verwenden. Minox nutzt beispielsweise Argon, was angeblich wegen des größeren Atomradius von Argon (im Vergleich zum Stickstoff) mit einer besseren Haltbarkeit (geringere Diffussion, das Gas verbleibt somit länger im Gehäuse) verbunden sein soll.
Ich hoffe, dass ich nichts vergessen und nichts falsches geschrieben habe <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> ...
Viele Grüße, Frank.