> Kennt jemand das Nobilem 8x56 Nachtglas und weiß, was es taugt? Besondere Stärken oder Schwächen.
Hallo bellos,
vor Jahren hatte ich das 8x56 B/GA in der alten Version (schwarze Gummierung wie bei den von Zeiss Jena hergestellten Exemplaren) in Benutzung. Seinerzeit hatte ich auch den Vergleich mit dem fast doppelt so teuren Zeiss 8x56 Dialyt gemacht und mich aufgrund des angenehmeren Preises fürs Docter entschieden. Das Docter hat ein paar Vorzüge aber auch ein paar Nachteile:
Vorteile:
Auf mittlere Entfernungen hat man eine deutlich bessere "Tiefenwahrnehmung", welche aus dem erweiterten Objektivabstand resultiert. Das Bild wirkt einfach natürlicher, durch die bessere räumliche Wiedergabe kann man gut einschätzen, wie die Objekte in der (räumlichen) Tiefe gestaffelt sind. Ein Dachkantglas wie das Dialyt zeigt die Welt "flacher" und im direkten Vergleich fehlt schlicht der räumliche Eindruck, mit dem ein gutes Porroglas dieser Dimension beeindruckt. Auf große Entfernungen verliert sich dieser Vorteil, da die erweiterte Stereobasis natürlich nicht ausreicht, um unseren Augen auf mehrere Hundert Meter Entfernung noch ein räumliches Bild zu bieten. Ein zweiter Vorteil ist der deutlich günstigere Preis im Vergleich zu den Dachkantmodellen vom Typ 8x56, wie sie bei Zeiss oder Swarovski im Programm sind. Mit dem Docter bekommt man ein Fernglas, welches bei der optischen Leistung nicht allzu weit hinter diesen Top-Gläsern angesiedelt ist (*) und wo das Verhältnis von Preis zu gebotener Leistung eher zum Kauf anregt als bei einem Fernglas der 1000+x Euro Kategorie. Zumindest geht es mir so, dass ich vor dem Kauf eines teuren Dachkantglases erstmal im Bereich der Porrogläser schaue, ob sich nicht für weniger Geld etwas findet, was bei der optischen Leistung meine Anforderungen (beinahe) genauso gut erfüllt.
Nachteile:
Der Vorteil der räumlichen Wiedergabe auf mittlere Entfernungen bringt natürlich auch einen Nachteil mit sich: wegen des erweiterten Objektivabstands kann man nur schlecht im Nahbereich beobachten. Aber dafür ist so ein Porroglas auch nicht in erster Linie gedacht. Im Vergleich zu den aktuellen Top-Gläsern wie dem Zeiss Dialyt oder dem Zeiss Victory FL fehlt es dem Nobilem wohl etwas an Transmission. Das Dialyt erreicht sowohl für die auf das Tagsehen als auch für die auf das Nachtsehen gewichtete Transmissionsverteilung Spitzenwerte von mehr als 90%, die mir bekannten Messungen von Nobilem Gläsern lassen mich Werte um die 85% für das Nachtsehen oder knapp unter 90% für das Tagsehen vermuten. Nun sind 5 oder 10% weniger nicht so entscheidend, dass ich das Docter nicht kaufen würde. Problematischer sehe ich da das Handling: das große Porroglas läßt sich nicht so einfach halten und fokussieren wie das deutlich schlankere Dialyt. Hier muß man selbst ausprobieren, ob das Docter in die eigenen Hände paßt oder nicht. Die schlanke Bauweise des Dialyt ist nach meinem Geschmack ein Pluspunkt bezüglich Ergonomie, dafür muß man mit der "flachen" Welt leben, die so ein Dachkantglas im Vergleich zum Docter 8x56 Porro mit sich bringt.
Fazit: ums ausprobieren und vergleichen kommst Du ohnehin nicht herum, wenn Du Dir ein schlüssiges Urteil bilden willst.
(*) das "nicht allzu weit hinter diesen Top-Gläsern" gilt noch für das 8x56 Dialyt aber nicht mehr für das Victory FL. Hier liegt schon eine kleine Welt zwischen dem neuen Zeiss Glas und dem alten Docter 8x56. Neben der höheren Transmission ist das Victory FL mit seinem für ein 8x56 sehr großen Sehfeld von 130m/1000m dem Docter ein ganzes Stück voraus. Allerdings merkt man das auch sehr deutlich am Preis: das Zeiss ist praktisch doppelt so teuer.
Frank.