Nova Sagitta 2026

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Hallo liebe Astronomiebegeisterte,

hier eine erste Auswertung der gestern entdeckten Nova in Sagitta:

nova_sagitta_2026.png


Leider waren die Beobachtungsbedingungen sehr schlecht, mit leichten Wolkenschlieren am Himmel. Aufgrund des dichten Sternfeldes konnte ich außerdem keine Ausrichtung finden, die einen störungsfreien Hintergrund ermöglicht hätte.

Ich bin noch an der weiteren Auswertung dran. Leider aber kein P-Cygni Profil erkennbar... liegt sicher an der begrenzten Auflösung des SA100 und den Bedingungen.

Hier findet ihr auch die zugehörige ATel-Meldung:
https://www.astronomerstelegram.org/?read=18012

All the best,
Philipp
 
Nach einer genaueren Analyse mit ausgeruhten Augen glaube ich, in meinem Spektrum tatsächlich das P-Cygni-Profil von Hα erkennen zu können. Die mögliche Absorptionskomponente liegt bei etwa 6526 Å. Das entspräche einer geschätzten Expansionsgeschwindigkeit von rund 1680 km/s.

In ATel 18008 wurde für Hα eine Geschwindigkeit von etwa 1500 km/s angegeben, entsprechend einer Absorptionsposition bei ungefähr 6530 Å. Die Abweichung zu meiner Messung beträgt somit lediglich 4 Å und liegt damit deutlich innerhalb dessen, was sich mit einem Star Analyser zuverlässig unterscheiden lässt.


nova_sagitta_2026_2100_utc_flusskalib.png


Sollte sich diese Interpretation bestätigen, wäre das ein echter spektroskopischer Meilenstein für mich. :)

All the best,
Philipp
 
Hallo zusammen,

nach einem genaueren Vergleich meines SA100-Spektrums mit den inzwischen in AAVSO AVSpec verfügbaren höher aufgelösten Spektren denke ich, dass die Vertiefung auf der blauen Seite von Hα tatsächlich die Absorptionskomponente eines P-Cygni-Profils zeigt.

Mein SA100-Spektrum ist hier zu finden:

https://apps.aavso.org/avspec/obs/22523

Besonders interessant ist der Vergleich mit diesem später aufgenommenen Spektrum bei einer Auflösung von etwa R ≈ 1000:

https://apps.aavso.org/avspec/obs/22526

Dort liegt das Absorptionsminimum von Hα ungefähr bei 6514–6515 Å. Das entspricht einer radialen Geschwindigkeit von rund −2200 km/s. Im selben Spektrum ist auch auf der blauen Seite von Hβ ein Absorptionsminimum bei etwa 4824,3 Å zu erkennen, entsprechend ungefähr −2280 km/s.

Die aus beiden Balmerlinien ermittelten Geschwindigkeiten unterscheiden sich somit um weniger als 100 km/s und damit deutlich weniger als ein Auflösungselement dieses Spektrums. Dass Hα und Hβ praktisch dieselbe Dopplerverschiebung zeigen, spricht meines Erachtens stark für die Interpretation als P-Cygni-Profil. Eine isolierte Fe-II-Linie bei 6516 Å oder eine tellurische Absorption erscheint dadurch weniger wahrscheinlich.

In meinem niedriger aufgelösten SA100-Spektrum hatte ich das Hα-Absorptionsminimum zunächst bei etwa 6526 Å angesetzt. Daraus ergab sich eine Geschwindigkeit von ungefähr −1680 km/s. Das Minimum ist bei meiner Auflösung allerdings breit und mit der starken Hα-Emission überlagert, sodass seine genaue Position nicht eindeutig festgelegt werden kann. Es könnte auch etwas weiter im blauen Bereich liegen und damit noch besser zum höher aufgelösten Spektrum passen.

Zusätzlich ist mir beim zeitlichen Vergleich der verfügbaren Spektren eine deutliche Verschiebung des Hα-Absorptionsminimums aufgefallen:
Innerhalb von knapp 13 Stunden hat sich das Absorptionsminimum damit um etwa 16,7 Å weiter in den blauen Bereich verschoben. Die daraus abgeleitete Ausströmgeschwindigkeit nimmt scheinbar von ungefähr 1430 auf rund 2200 km/s zu. Bemerkenswert finde ich, dass mein SA100-Messpunkt sowohl zeitlich als auch hinsichtlich der gemessenen Wellenlänge genau zwischen den beiden anderen Spektren liegt.

Ob dies eine tatsächliche Beschleunigung desselben Materials darstellt, lässt sich daraus meiner Meinung nach noch nicht sicher ableiten. Die schnelle zeitliche Entwicklung der Absorptionskomponente scheint mir jedoch deutlich erkennbar zu sein.

Ich habe versucht, die Wellenlängen und mögliche alternative Erklärungen sorgfältig zu prüfen, bin mir bei der Interpretation aber noch nicht vollständig sicher. Über weitere Einschätzungen oder Korrekturen würde ich mich daher sehr freuen.

Viele Grüße
Philipp
 
Hallo Philipp,

ich gebe mal folgende Aspekte zum Bedenken.
Dein Spektrum erscheint mir doch, genauso wie das Spektrum mit dem LISA-Spektrografen, etwas rauschbehaftet zu sein. Es wäre deshalb schön, wenn Du zu Deiner Bildkalibrierung mal etwas sagen könntest. Mit RSpec hat man, wie mir scheint, nicht die Kontrolle über die Auswertung, wie mit anderen Auswerteprogrammen.
Wenn Du ein zeta Sge Spektrum aufgenommen hast, welches Du ja für Response-Korrektur benutzt hast, könntest Du mit Hilfe der H-Alpha-Linie zum Beispiel eine Abschätzung Deiner Auflösung durchführen.

Du sprichst bei der vorgelagerten Absorption von einem P-Cygni-Anteil. Wer sagt denn, dass das nicht eine Wasserlinie, oder wegen der geringen Auflösung, sogar mehrere Wasserlinien sind? Das LISA-Spektrum kann diese auch enthalten; dieses Spektrum ist nicht "getrocknet"!
Ich möchte die Problematik mal an einem Beispiel aus meinem Archiv darstellen. Das folgende Spektrum zeigt den Einfluss der Wasserlinien im H-Alpha-Bereich für ein "nasses" Spektrum und die Reduktion desselben Spektrums um die Wasserlinien ("Trocknung").

20130103AnidelOrinassundtrocken.gif


Ein weiteres Beispiel betrifft die Nova selbst. 2013 gab es im Delphin eine Nova, die in niedriger Auflösung die Beobachtung von P-Cygni-Profilen an mehreren Linien gestattetete. Im weiteren Verlauf verschwanden diese Profile in der niedrigen Auflösung. Das hatte sowohl Auflösungs- als auch physikalische Gründe. Bei dieser Nova waren die P-Cygni-Profile zu Beginn sehr schön definiert, um wenig später von den Emissionen komplett "verspeist" zu werden, um es mal bildlich auszudrücken.
Damals war die Anfangsphase nicht so wie bei der jetzigen Nova beobachtet worden. Ich war da selbst ein oder zwei Tage zu spät dran, aber man erkennt einen ähnlichen Verlauf (20.08.13), wie ich ihn in meinem Spektrum der jetzigen Nova erhalten habe. Die Absorptionskante dort würde ich mittlerweile nicht mehr als P-Cygni-Anteil interpretieren.

20130815u16u20u21NovaDelvglw.jpg


Die jetzige Nova verhält sich wohl ganz ähnlich wie damals die Nova in 2013, wenn man den Verlauf vergleicht.
In der hohen Auflösung war damals wohl noch eine Scheibe um den Stern zu erkennen ("gespaltene" Linien), die P-Cygni-Profile aber nur noch was für höhere Auflösungen. Das nur nebenbei.

NovaDelAni20130823u29u0905.gif


Grüße
Torsten
 
Hallo Torsten,

zuerst mal vielen Dank dass du dir die Zeit nimmst mit einem Anfänger zu diskutieren, ich schätze das sehr.

Bei einer Dispersion von 3,6 Å pro px und einer FHWM bei H-Alpha von 8,7 komme ich auf ein R von 200. Diese Auflösung übermittle ich auch immer an AAVSO, sie bleibt über alle meine Messungen relativ konstant.

Ob diese Absorption P-Cygni Profil oder etwas anderes ist hab ich mich auch selbst gefragt, wie ich auch oben geschrieben hab.
Im Beitrag von Cloudy Nights meinte Robin Leadbeater, dass das ziemlich sicher ein P-Cygni Profil ist. Es ist meine erste Nova und ich bin ja noch nicht allzulange im Thema drin, also nehme ich dein Feedback natürlich gerne an, auch wenn es scheinbar unter Spezialisten unterschiedliche Meinungen gibt.

Auch die Beobachtung vom Hβ Absorptionsminimum bei etwa 4824,3 Å (im Spektrum des Kollegen auf AAVSO) hat mich dazu gebracht an ein P-Cygni Profil zu glauben. Wenn der Abstand so genau passt, dachte ich es kann kein Zufall sein (auch wenn ich im SA100 Spektrum diesen Anteil natürlich nicht mehr auflösen kann).

Kannst du vielleicht bewerten, was es mit der von mir beobachteten Blauverschiebung auf sich hat?

Wie gesagt, ich bin kein Experte und mach das aus Spaß an der Materie... mein Anspruch ist nicht und war nie vollumfängliche Richtigkeit meiner Vermutungen.

Liebe Grüße
Philipp
 
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