Heute zeigen und besprechen wir die helle, kompakte HII-Region NGC 2174-5 aus dem nördlichen Teil des Sternbildes Orion. Das AdM stammt von Michael Hoppe, Mitglied der VdS-Fachgruppe Astrofotografie. Sein Aufnahmeort ist Wermelskirchen im Bergischen Land. Dort entstand in seiner heimischen Gartensternwarte in der Nacht vom 28. auf den 29.12.2024 die Belichtungsreihe. Als Teleskop wurde ein 10-zölliger Fotonewton (FN25010c) der Marke Lacerta verwendet, mit 250 mm Öffnung und 1000 mm Brennweite, also mit einem Öffnungsverhältnis von 1:4 bzw. Apertur f/4. Der 6 mm dicke Tubus des Teleskops ist aus Kohlefaser (engl.: Carbon), was sicherlich viel wirksamer temperaturbedingte Längenänderungen verhindert als ein Metalltubus. Außerdem wird eine neuartige Innenstruktur des Tubus verwendet (Wabenform, Brückenstruktur), was eine höhere Stabilität zur Folge hat. Als Kamera wurde eine ZWO ASI2600MC Pro eingesetzt, eine Farbkamera also. Belichtet wurde 150 x 2 min (d.h. 5 h insgesamt). Michael schreibt: "Häufig sieht man die bekannte Nebelregion mit Schmalbandfiltern aufgenommen - ich habe hier bewußt darauf verzichtet und eine ungefilterte Aufnahme mit meiner Farbkamera gemacht." Das Bildfeld beträgt 75' x 49', Norden liegt oben, Osten links.
NGC 2174-5 befindet sich in der Assoziation Gemini OB1. Das vermutete schon 1952 der bekannte Astronom Markarian. Allerdings ist die Benennung von Nebel, enthaltenem Sternhaufen und der Position sehr uneinheitlich. Die Datenbank Simbad verrmittelt sehr unterschiedliche Angaben, wenn man einmal mit dem NGC/IC-Katalog von Wolfgang Steinicke vergleicht. Daher greife ich hier auf die Katalogbezeichnung Sh2-252 zurück, denn Steward Sharpless hat seinen Katalog der Emissionsnebel zwar wesentlich später herausgebracht als es für den NGC gilt, aber dafür mit präzisen Angaben. Die Angabe der Koordinaten (siehe unten) habe ich mit Hilfe des visuellen Nebelschwerpunktes und Abgleich mit dem Himmelsatlas Aladin in der Datenbank Simbad vorgenommen.
Jetzt zu Daten, Fakten und Objekten im Bild. Schaut man genau hin, so hat die HII-Region keine runde Form. Vielmehr läuft sie nach Norden diffus aus, mit sehr lichtschwachen Nebelanteilen. Ähnlich ist es an den Ost- und Westseiten. Der Südrand hingegen ist markant scharf. So misst Sh2-252 von den sehr lichtschwachen Partien am nördlich auslaufenden Ende bis zum markanten Südrand in diesem AdM etwa 42', in Ost-West-Richtung sogar 48'. Um dies vernünftig beurteilen zu können, fertigt man am besten eine schwarzweiße Version an, bei der Helligkeit und Kontrast hochgezogen werden (ausprobieren).
Wie weit ist Sh2-252 entfernt? Die Literaturwerte variieren starkvon etwa 1,95 bis 2,3 Kiloparsec. Empfehlenswert ist es, die Gaia-Parallaxe des ionisierenden Zentralsterns zu zur Berechnbung der Entfernung zu verwenden. Genauere Werte dürfte es derzeit nicht geben. Der Zentralstern in Sh2-252 ist der helle Stern HD 42088, ein massereicher Stern vom Spektraltyp O6 in der Nebelmitte. Mit einer V-Helligkeit von 7,6 mag und einem Farbindex B-V = 0,01 mag ist er leuchtend blau, was hier aufgrund der überstrahlenden hellen Nebelpartien im Nebelzentrum nicht gut herauskommt. Die Gaia-Parallaxe (siehe Datenbank Simbad) beträgt 0,5777 Millibogensekunden (mas). Damit rechne ich: 1"/0,0005777" pro Parsec (pc) ergibt 1731 pc bzw. 5646 Lichtjahre. Der aus unserem AdM abgeleitete Durchmesser kommt dann auf rund 80 Lichtjahre, was mehr als doppelt so groß wie der Orionnebel ist.
Sh2-252 ist - wie für HII-Regionen üblich - aus einer Molekülwolke nentstanden. Hier ist es der riesige Molekülwolkenkomplex in der Assoziation Gemini OB1. Sie ist in Gänze mit Gemini OB1 assoziiert. Erforscht wurde der Gehalt an 12CO und 13CO in einem 6° x 6° großen Bereich (J.M. Carpenter et al., 1995: "Anatomy of the Gemini OB1 Molecular Cloud Complex", Astrophys. J. 445, p. 246). Man erkennt im AdM an der Westseite den "bright rim", wo Sternwinde und Strahlung des Zentralsterns HD 42088 eine erodierende Wirkung auf den Rand der Molekülwolke (die wir als Gaswolke aber nicht sehen können) ausüben.
Interessant ist die Entdeckung einiger kleiner, kompakter HII-Regionen in und im Außenraum von Sh2-252. Im Zusatzbild liegen gelb umkringelt bzw. mit gelben Pfeilen (von rechts):
- Sh2-252A; O9.5-Zentralstern 2MASS J06083204+2039183; 13,67 mag; Distanz 6370 Lj,
- Sh2-252B; O9-Zentralstern HD 252325; 10,76 mag; Distanz 5610 Lj
- Sh2-252C; O6-IR-Zentralstern ohne mag-Angabe, hinter Staub der SH 2-252C IR Cluster,
(die Distanz ist spekulativ, weil keine einheitlichen Sternparallaxen vorliegen)
- namenloser Emissionsnebel um den B0.5-Stern HD 252535 mit 10,26 mag; Distanz ~5720 Lj
Ganz zentral im Nebel (knapp links oberhalb neben HD 42088) liegt ein kleiner, sehr heller elliptisch geformter Emissionsnebel, die HII-Region Sh2-252E. Darin steckt der Sh2-252E IR Cluster, ein offener Sternhaufen.
Am nordöstlichen Rand von NGC 2174 liegt der blaue Reflexionsnebel namens Cederblad 67c, kurz Ced 67c. Der Nebel hat eine Nordsüdausdehnung von 10,5' (gemessen im Bild). In ihm befindet sich der kleine offene Sternhaufen Pismis 27 mit dem hellen Doppelstern HD 252812 A/B, dessen Komponenten 6,7" Abstand haben und im AdM gut aufgelöst zu sehen sind. Die Parallaxen der Haufensterne sind entweder nicht bekannt oder differieren deutlich, daher kann keine sichere Haufen- und Nebelentfernung angegeben werden.
Anmerkungen: Das AdM gefällt aufgrund einer hohen Bildqualität, verbunden mit guter Auflösung und mit gut kalibrierten Sternfarben. Die Wahl als RGB-Bild war richtig, so kommen die echten Objektfarben gut zum Vorschein, z.B. der blaue Reflexionsnebel Ced 67c. Das AdW-Team dankt Michael Hoppe für dieses gelungene Astrofoto und gratuliert herzlich zum AdM November 2025.
Peter Riepe
Bildautor: Michael Hoppe
Koordinaten (J2000.0) von Sh2-252:
RA = 06 h 09 min 46 s, Dec = +20° 28' 32"
(visuell ermittelter Schwerpunkt)
Vollbild unter: https://www.astronomie.de/aktuelles...mber-2025-ngc-2174-5-eine-kompakte-hii-region
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