Hi Peter,
Du fängst mal wieder die Diskussion nach dem optimalen Einsteigergerät an - die findest Du in diesem Forum schon viele Male (von anderen) durchgekaut. Alles, was wir Dir raten können, steht wahrscheinlich schon irgendwo.
Trotzdem:
Dein Anfang mit dem Fernglas ist schonmal gut (auch wenn 30fache Vergrößerung schon recht hoch ist). Du wirst wahrscheinlich noch oft mit einem Fernglas beobachten.
Dass Du an Deep Sky Objekten interessiert bist, schreibst Du ja auch schon - dafür brauchst Du im Allgemeinen vor allem Öffnung, denn Öffnung bringt Dir einerseits Auflösungsvermögen so dass Du Details erkennen kannst und andererseits Helligkeit, die Du benötigst um auch bei großen Vergrößerungen überhaupt die Objekte erkennen zu können.
Die meiste Öffnung fürs Geld bekommst Du mit einem Newton-Teleskop (Reflektor/Spiegelteleskop). Alternativ könntest Du einen Refraktor (Linsenteleskop) in Betracht ziehen - dabei gibt es große Unterschieden vor allem in Bezug auf die Farbreinheit und den Preis (ein Newton ist immer farbrein). Außerdem gibt es noch katadioptrische Systeme (Spiegel und Linsen im Strahlengang), wie Maksutov- oder Schmidt-Newtons bzw. -Cassegrains. mit ihren jeweiligen Eigenschaften.
Außerdem musst Du die Optik irgendwie beweglich montieren: den Newton gibt es mit günstigen Dobson-Montierungen (azimutal), die auf dem Boden stehen. Alle Optiken können auch auf ein Stativ montiert werden (azimutal oder parallaktisch), dabei übersteigt bei günstigen Optiken (Newton oder Fraunhofer-Refraktor) der Preis für die notwendige Montierung den der Optik, denn ein paar Kilo Teleskop mit seinen Hebelverhältnissen auf ein paar Bogensekunden genau zu halten ist eine mechanisch anspruchsvolle Aufgabe.
Zu jedem Teleskop benötigst Du weiterhin Okulare, die für das Teleskop angemessen sein müssen. Dafür gibst Du meist ebensoviel Geld aus, wie für die Optik. Die Okularbeigaben der Komplettangebote reichen meist allemal für erste Beobachtungen und um Hunger auf mehr zu machen.
Das weitere Zubehör (Rotlichtlampe, Sternkarten, Himmelsführer, warme Socken, Thermoskanne usw.) benötigst Du auch noch - selbst wenn Du nur mit dem Feldstecher beobachten gehst.
Mit Deinem Budget von 1000€ langfristig kannst Du schon eine ganz brauchbare Ausrüstung zusammenstellen - falls Dich aber der Virus packt, wird es schnell mehr werden
Insbesondere bei den 'günstigen' Angeboten gibt es ein paar Fallen, in die Du nicht tappen solltest:
- Für Einsteiger grundsätzlich abzuraten ist von 'kurzbauenden Newtons', die eine deutlich längere Brennweite als Tubuslänge haben, weil sie optische Probleme haben, die von Einsteigern kaum beherrscht werden können.
- Oft sind die Montierungen unterdimensioniert. Das daraus folgende Gewackel stört den Beobachtungsspaß erheblich - danach steht das Teleskop meist dekorativ irgendwo in der Wohnung rum, anstatt am Himmel benutzt zu werden.
- Manch 'schnelles' Teleskop mit einem Öffnungsverhältnis (Brennweite zu Öffnung) von F/5 oder darüber - wie bei Fotoblenden: kleine Zahl ist 'schneller' - erfordert richtig teure Okulare mit Einzelpreisen von rd. 200€!
Außerdem of angepriesen und ebenso umstritten: 'GOTO'-Funktionalität, die erlaubt, dass das Teleskop sich von selbst auf ein Beobachtungsobjekt ausrichtet. Das funktioniert bei billigen Montierungen und Steuerungen meist schlecht, kostet aber Geld, das besser in die Optik investiert wäre.
Wenn Du nicht fotografieren oder mit (Kinder-)Gruppen beobachten willst - sowie bereit bist dich selbst am Himmel zu orientieren, bekommst Du die meiste Öffnung mit einem Newton auf Dobson-Montierung. Da gibt es brauchbare Optiken mit 8"(200mm) Öffnung schon für 2-300€. Demnächst wohl auch ein Einsteigergerät mit 6" (150mm) Öffnung. Dazu kannst Du das gleiche Geld nochmal in eine Okularpalette stecken (siehe:
http://www.svenwienstein.de/HTML/okulare_fur_den_8_zoll_dobson.html)
und prima Beobachtungsnächte erleben.
Wenn Du mit (Kinder-)Gruppen beobachtest oder Dir die Dobson-Montierung nicht liegt, ist eine parallaktische Montierung sinnvoll, weil nur in einer Achse nachgeführt werdenmuss. Für den Preis der Montierung musst Du allerdings auf Teleskopöffnung verzichten. Du kannst dann einen 4.5"(114mm) oder 5"(130mm) Newton - F/6 oder langsamer! - oder einen 80mm Fraunhofer-Refraktor auf einer EQ-3 oder GP-Montierung (oder einem ihrer Clones) kaufen. Für weiteres Geld eine praktische Okularpalette dazu und los gehts.
Falls Du fotografieren und visuell beobachten willst ist eine _stabile_ parallaktische Montierung zwingend erforderlich. In diesem Fall wird Dein Budget schon sehr knapp.
Und weil das ganze so kompliziert ist und so sehr von Deinen Interessen und Vorlieben abhängt, wäre es am Besten, wenn Du Dir ein paar Sternfreunde oder einen Händler in Deiner Umgebung suchst, mit denen Du verschiedene Teleskope und Montierungen ausprobierst und Varianten durchdiskutierst und Dich dann erst wohlinformiert entscheidest. Hobby-Astronomen beissen nicht!
Einige Händler erlauben es übrigens, ein Teleskop vor Ort auszuprobieren oder gar fürs Wochenende auszuleihen und sind meist auch nicht teurer als Internetangebote.
Die dabei gemachte Beobachtungspraxis ist durch nichts zu ersetzen!
Grüße und CS
Holger