Wolfgang aus OWL
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... zu einer tollen Nacht kam.
Jetzt warten wahrscheinlich alle schon auf den Merkurtransit - trotzdem hier aber noch mein Bericht von der Nacht vom 3. zum 4. Mai.
Langes Wochenende! Da hofft und zittert man für einen klaren Himmel. Neumond gerade vorbei, also auch noch gut geeignet für „deep sky“ Beobachtung. Aber was passiert? Petrus schickt erstmal ein kräftiges Sturmtief auf die Reise. In der Nacht von Freitag zu Samstag blitzt und donnert es kräftig. Und auch am Samstag ist es ungemütlich und vor allem für hiesige Verhältnisse ungewöhnlich windig.
Na ja, das wird wohl wieder nichts, erst für Sonntag wird besseres Wetter angekündigt, doch da ist das Wochenende schon fast wieder vorbei. Ich beschließe also, erstmal endlich eine Taukappe für mein kürzlich erstandenes C8 zu basteln. Zunächst surfe ich noch einmal durchs Internet, suche nach Stichworten wie „Taukappe“ und „Selbstbau“, man – gibt es da inzwischen viele Einträge. Vor allem werden immer wieder „Taukappenheizungen“ beschrieben, aber da trau ich mich noch nicht ran. Erstmal möchte ich überhaupt etwas stabiles für mein C8 haben. Die Papierlösung vom letzten Monat war zwar absolut billigst – erfüllte auch ihren Zweck, aber ist leider doch fast nur eine „Einmal-Lösung“. Nachdem ich mir ein paar Seiten angeschaut hatte, stellte ich fest, das ich eigentlich doch alles notwendige Material schon im Hause hatte.
Eine schwarze Isomatte hatte ich kürzlich erst für 10 Euro erstanden, Klettband hatte ich mir ebenfalls besorgt. Die Isomatte wird praktischerweise von zwei Gummibänder zusammengehalten, die sich genauso gut zur Befestigung der Taukappe auf dem C8 eignen. Also wickle ich die Matte einfach mal um den Tubus, um so die passende Stelle zum Durchschneiden zu ermitteln. Das ist ziemlich genau die Mitte der Matte, also habe ich gleich noch Material für eine zweite „Ersatztaukappe“.
Etwas aufpassen muss ich mit dem Ansatz für die Schiene zur Befestigung auf der Montierung und mit dem Ansatz für den Tragegriff des Tubus. Ich passe die Matte so an, dass das eine Ende genau hier anfängt, die Rolle schließt dann automatisch darüber – natürlich etwas überlappend - ab. Natürlich schließt sie nicht ganz „luftdicht“ ab, aber das ist hoffentlich auch gar nicht so entscheidend. Mit dem Klettband wird dann die Rolle zusammengehalten. In der Länge schneide ich nichts ab – ich bin halt manchmal etwas faul – statt dessen ziehe ich die Taukappe soweit es geht über den Tubus. Das sind gut 15 Zentimeter, dann stößt die Kappe gegen die Montierung. Mit den beiden Gummibändern hält das ganze sehr stabil. Die kann man auch bei etwas Wind sicherlich noch gut nutzen. Als ich die Montierungsklemmen löse stelle ich schnell fest, das diese Taukappe doch etwas Gewicht mitbringt, also muss das Gerät sauber ausbalanciert werden.
Doch auch das ist kein Problem, das Klettband hält ebenfalls – den ersten Einsatz kann ich kaum erwarten. Inzwischen hat der Wind draußen etwas nachgelassen und zwischen den Wolken gibt es immer größere Lücken.
Doch zunächst hieß es warten. Leider gab es eine ziemlich hohe Zirrusbewölkung. Die Sonne verschwand um 20Uhr vollständig hinter diesen Wolken. Das versprach keine guten Bedingungen für heute Abend. Und es dauert jetzt ja auch noch lange, bis es endlich dunkel wird. So um 21.15 Uhr versuchte ich, die schmale Mondsichel zu finden. Aber zunächst vergeblich. Im Westen, Nordwesten war es doch ziemlich dicht bewölkt. Irgendwann entdeckte ich Jupiter hoch am Himmel. Nun gut, wenn die Mondsichel sich nicht zeigen will, dann könnte ich es ja vielleicht mit den hellsten Sternen trotzdem probieren. Ein bisschen was würde schon gehen, machte ich mir selbst Mut. Immer wieder musterte ich den Nordwesthimmel mit dem Fernglas ab, aber der Mond wollte sich nicht zeigen. Sollte er – zwei Tage nach Neumond – doch zu schwach sein, um den Horizontdunst zu durchdringen?
Langsam wurde es richtig dämmrig. Und da entdeckte ich plötzlich schon relativ nah am Horizont – zwischen zwei Bäumen – die schmale Sichel des Mondes. Jetzt musste erstmal das Fernrohr an einen etwas anderen Standort gebracht werden, um möglichst viel des noch verbleibenden Mondweges vor dem Untergang mitzubekommen. Dann brauchte ich ein Verlängerungskabel für das Netzteil für die Fernrohrsteuerung, dann schnell die passenden Okulare raussuchen. Oje – schon war er wieder hinter einer Wolke verschwunden. Doch etwas später tauchte er wieder auf. Ja doch, auch der nur zwei Tage alte Mond zeigt schon eine ganze Menge an Kratern. Aber so horizontnah waberte das Bild im 9mm Okular recht kräftig. Doch ich hatte schon mal ein Ziel erreicht – bewusst einen zwei Tage alten Mond gesehen, wo doch auch das gute Kosmos Mondatlas mit dem Beobachtungsprogramm eigentlich erst am dritten Tag beginnt.
Jetzt wurde ich übermütig: Notebook rausgeholt und Webcam angeschlossen. Aber Mist – der Mond verschwand schon wieder hinter einer Wolke. Und es dauerte, bis er wieder auftauchte. Zwischendurch versuchte ich erstmal die Montierung richtig einzunorden. Na ja, grob war mir das wohl gelungen, denn auch um Polaris herum machten mir die Wolken zu schaffen. Als er wieder mit bloßem Auge zu sehen war, musste ich erst wieder das Rohr neu einstellen – so ein Ärger – schon wieder eine Wolke. Wieder abwarten. Dann endlich wieder da – schnell am Computer hantiert – meine Güte – warum will das Bild nicht scharf werden? Ist er doch schon zu nah am Horizont? Und schon wieder eine Wolke! Nein, worauf hatte ich mich da bloß eingelassen. Nach drei Versuchen gab ich es auf. Die Sichel war einfach schon zu sehr am Horizont, um noch ein vernünftiges Bild aufzunehmen.
Wenn ich aber schon die Webcam draußen habe, warum dann nicht mal probieren, Jupiter aufzunehmen. Dafür musste aber zunächst die Nordausrichtung der Montierung genauer werden. Mit ein paar Wolkenbedingten Pausen gelang dies aber doch recht schnell. Und Jupiter war dann zum Glück auch gut in die Webcam zu bekommen. Und die Nachführung sorgte dafür, dass er das Bild auch nicht zu schnell verließ.
Aber was war denn das jetzt für ein Problem? Warum blieb Jupiter auf dem Bildschirm immer nur ein strahlend weißer heller Fleck? Ich erhöhte die Zahl der Bilder pro Sekunde, drehte die Helligkeit runter, aber es war kein einziger Streifen vom Jupiter auf dem Bildschirm zu sehen. Und es wurde anscheinend immer wolkiger. Plötzlich hörte ich Geschrei von Jugendlichen. War da – wenn auch in einiger Entfernung – eine Schlägerei im Gange? Hoffentlich kommen die nicht näher, ging es mir durch den Kopf. Frust machte sich bei mir breit. Mit dem Mond hat das schon nicht so geklappt wie es sollte, jetzt mit Jupiter auch nicht? Mittlerweile war es deutlich nach 23 Uhr. Ich war schon drauf und dran aufzugeben, die ganze Ausrüstung wieder abzubauen und ins Haus zu gehen.
In einer etwas größeren Wolkenlücke tauchte der Löwe in seiner ganzen Herrlichkeit auf. Sollte nicht gamma Leo ein schöner Doppelstern sein, den könnte ich ja noch mal ansteuern. Oja, ließ sich im 25mm Okular gleich gut auflösen. Den schau ich mir noch mal mit der Webcam an. Nach einigem Hin- und Herstellen (schade, warum hat mein Gerät nur so eine „runde Schraube“ zum Scharfstellen und keine n Okularauszug, an dem man sich mit Strichmarkierungen einfach für die verschiedenen Okulare oder die Webcam die besten Einstellungen markieren kann?) klappte auch dies. Das Bild flimmerte etwas, aber auch auf dem Bildschirm waren die beiden Komponenten klar getrennt. Endlich mal ein Erfolgserlebnis! Vielleicht kann man die „Doppelstern-Webcam-Fotografie“ ja später mal noch etwas ausbauen.
Inzwischen war es wohl Mitternacht geworden und jetzt packte mich doch das „Spechtelfieber“. Die Wolkenlücken wurden wieder größer. Gab es nicht im Löwen ein paar schöne Galaxien, die ich schon im März gefunden hatte? Gamma Leo konnte ich doch gleich als Referenzstern für meine goto Steuerung eingeben und dann ging die Suche los.
Erste Objekte M95 und M96. Die Motoren surrten und surrten und endlich waren sie am Ziel. Aber wo waren die Galaxien? Im März habe ich sie doch noch gut gesehen, war der Himmel im Garten doch nicht dunkel genug für diese Objekte mit 9.1 und 10.4 mag? Ich „wackelte“ etwas am Tubus. Stopp! Da ganz am Rand waren doch eindeutig zwei helle Flecke. Ja, das waren die beiden Galaxie. Oder war eines davon schon M105 mit 9.2mag? Egal, auf alle Fälle war es dunkel genug hier. Einzig die Steuerung war nicht ganz exakt genug. Aber mit etwas nachsteuern von Hand war auch das kein Problem. Und der etwas länglichere, das müsste dann doch M96 sein, und die andere helle Galaxie M105. M95 ist etwas schwächer und eher rundlich.
Von dort ging es dann weiter zu M65 und M66. Beide waren deutlich als Flecken sichtbar. Jetzt beim Schreiben des Textes stelle ich fest, dass ich im März bei M66 die „dunklen unregelmäßigen Staubstrukturen“ im Karkoschka unterstrichen hatte. Diesmal war er wohl doch nur als hellerer Fleck zu sehen.
Trotzdem war dies alles nur der Anfang einer ganz phantastischen Nacht! Denn jetzt hatte mich doch das „Jagdfieber“ gepackt. Und als erstes wollte ich die „große Bärin“ erlegen. Das Fernrohr wurde jetzt auf alpha Ursa Mayor ausgerichtet. Man, steht ja gerade ziemlich im Zenit, da war es gar nicht so einfach, durch den Sucher zu schauen. Aber dank des Zenitprismas war der Einblick in die Okulare dann doch sehr angenehm.
Jetzt ging es zu M81 und M82. M81 war als ovaler Fleck gut zu erkennen. Und M82 war wirklich ein lang gezogener schmaler Strich. Herrlich!
Anschließend von dort dann zu Beta UMa und dort in der Nähe müssten doch schon M108 zu sehen sein. Ja, das war ebenfalls ein schöner langer Strich!.
Als Jäger braucht man aber seine Jagdhunde. Da wollte ich als nächstes hin. Also erstmal die Spitzer der Deichsel angesteuert und als neuen Referenzpunkt für die Steuerung angegeben. Und dann einer der absoluten Höhepunkte: M51! Wunderschön, wie sich diese Spirale vom Hintergrund abhebt. Und auch der Begleiter, NGC5195, war deutlich zu erkennen. Hier lohnt es sich, auch mal stärkere Vergrößerungen auszuprobieren. Damit kann man deutlich hellere und dunklere Strukturen unterscheiden.
Zwischendurch spitzte ich noch einmal die Ohren. Was flötete denn da? Das konnte doch nur eine Nachtigall sein, die für mich ein kleines Konzert gab.
Dann ging es weiter zu M63. Ein heller Kern ist deutlich zu erkennen. M94 als nächstes Objekt ist deutlich heller, gefällt mir sofort besser. NGC4490 hat – wie der Karkoshka schreibt – tatsächlich ein längliches Zentralgebiet. Und dann NGC4449: ein merkwürdiger Fleck ist das, überhaupt nicht rundlich wie die meisten anderen, irgendwie recht eckig das ganze. Den muß ich mir sicherlich öfter anshauen, umihn wirklich begreifen zu können. M106 danach war dann wieder „normal“, zeigte also deutlich eine elliptische Grundform. Doch war der Kern nicht deutlich heller? Oder war das vielleicht ein Sternchen, genau vor der Galaxie, so punktförmig wie dies leuchtet?
Nach so vielen Galaxien wollte ich noch etwas anderes sehen. Die Leier war inzwischen hoch genug am Firmament hinaufgestiegen. Also auf zum Ringnebel, M57. Einfach nur schön, wie dieser schon bei kleiner Vergrößerung deutlich als Ring aufgelöst erscheint. Wenn ich jemals Raucher werden sollte, dann nur, um auch so schöne Ringe zu erzeugen!
Da sah ich im Karkoschka, in der Leier gibt es noch ein zweites Objekt, M56.Dank der goto Steuerung war es kein Problem, in diesem Sternengewimmel das Objekt schnell zu finden. Ein schöner richtig runder Fleck. Waren da nicht einzelne Sterne zu sehen? Odre täusche ich mich doch? Schließlich schreibt Karkoschka „schwierig in Einzelsterne aufzulösen“.
Aber nicht weit von der Leier entfernt ist doch der Herkules. Und da gibt es doch einen der allerbesten Kugelsternhaufen überhaupt zu finden. M13 war schon im Feldstecher gut zu sehen. Im Teleskop war er zunächst nicht richtig „drin“. Dieser Schwenk war wohl für die Steuerung schon wieder etwas zu lang. Aber mit etwas Nachhilfe kein Problem. Und was für ein toller Anblick! Das funkelte und glitzerte ja ganz fantastisch. Jetzt mal gleich ein stärkeres Okular ausprobiert (25mm). Ja, auch damit war er toll zu sehen. Dann können wir es doch gleich noch mit dem 10mm ausprobieren. Mensch klasse, Kugelsternhaufen bringen ja wirklich in jeder Vergrößerung etwas. Viel besser als die Flecken der Galaxien! Und nach dem 10mm Kellner nun auch noch das 9mm Nagler Okular. Wow! Nun war bei etwa gleicher Vergrößerung das Gesichtsfeld deutlich größer geworden und M13 schien regelrecht dreidimensional im Raum zu schweben. Ich muss minutenlang andächtig durch das Okular geschaut haben!
Dann erinnerte ich mich, die Zeitschrift „Interstellarum“ hatte als „Beobachtungsobjekt des Monats“ doch den M14 ausgerufen. Noch einmal in den Karkoschka geschaut, da gab es dann auch och M10 und M12 in der Nähe. Und die Beschreibungen dort waren ganz richtig. M14 ließ sich tatsächlich nicht in Einzelsterne auflösen. M10 und M12 jedoch (teilweise) schon. M12 gefiel mir etwas besser als M10. Und immer wieder schaute ich mir diese Haufen durch das Nagler-Okular an. Ja, die Kugelsternhaufen sind darin wirklich eine tolle Sache! Aber warum hatte sich Interstellarum bloß für M14 entschieden? Dieser Fleck wirkte eigentlich gar nicht so recht als Kugelsternhaufen. Auch nach längerem betrachten wirkte er eigentlich eher wie eine Galaxie, denn Einzelheiten waren nicht auszumachen.
Mit der Zeit fing ich nun doch an etwas zu frösteln. Die Temperatur war inzwischen auf 6° Celsius abgesunken. Und vor allem war es ordentlich feucht geworden. Egal, wo ich an der Montierung anfasste, selbst die Blätter des Karkoschka hatten schon ordentlich Feuchtigkeit aufgesogen. Meine Taukappe hatte ihre erste bewährungsprobe mit Bravour bestanden, denn ein vorsichtiger Blick auf die Schmidtplatte zeigte, da ist alles trocken, sauber und klar. Ich schaute auf die Uhr, es war schon kurz vor drei. Hoppla, wollte ich nicht am nächsten Tag – äh ....heute – um 9 Uhr mit meiner Frau .... Noch einmal schweifte mein Blick über den Himmel. Der Skorpion war inzwischen schon gut zu sehen. Auch der Adler war schon aufgegangen, die Sternbilder zeigten schon den Sommer an. Zufrieden und glücklich, doch nicht so schnell aufgegeben und abgebrochen zu haben, kroch ich zu meiner Liebsten ins Bett.
Liborius
Jetzt warten wahrscheinlich alle schon auf den Merkurtransit - trotzdem hier aber noch mein Bericht von der Nacht vom 3. zum 4. Mai.
Langes Wochenende! Da hofft und zittert man für einen klaren Himmel. Neumond gerade vorbei, also auch noch gut geeignet für „deep sky“ Beobachtung. Aber was passiert? Petrus schickt erstmal ein kräftiges Sturmtief auf die Reise. In der Nacht von Freitag zu Samstag blitzt und donnert es kräftig. Und auch am Samstag ist es ungemütlich und vor allem für hiesige Verhältnisse ungewöhnlich windig.
Na ja, das wird wohl wieder nichts, erst für Sonntag wird besseres Wetter angekündigt, doch da ist das Wochenende schon fast wieder vorbei. Ich beschließe also, erstmal endlich eine Taukappe für mein kürzlich erstandenes C8 zu basteln. Zunächst surfe ich noch einmal durchs Internet, suche nach Stichworten wie „Taukappe“ und „Selbstbau“, man – gibt es da inzwischen viele Einträge. Vor allem werden immer wieder „Taukappenheizungen“ beschrieben, aber da trau ich mich noch nicht ran. Erstmal möchte ich überhaupt etwas stabiles für mein C8 haben. Die Papierlösung vom letzten Monat war zwar absolut billigst – erfüllte auch ihren Zweck, aber ist leider doch fast nur eine „Einmal-Lösung“. Nachdem ich mir ein paar Seiten angeschaut hatte, stellte ich fest, das ich eigentlich doch alles notwendige Material schon im Hause hatte.
Eine schwarze Isomatte hatte ich kürzlich erst für 10 Euro erstanden, Klettband hatte ich mir ebenfalls besorgt. Die Isomatte wird praktischerweise von zwei Gummibänder zusammengehalten, die sich genauso gut zur Befestigung der Taukappe auf dem C8 eignen. Also wickle ich die Matte einfach mal um den Tubus, um so die passende Stelle zum Durchschneiden zu ermitteln. Das ist ziemlich genau die Mitte der Matte, also habe ich gleich noch Material für eine zweite „Ersatztaukappe“.
Etwas aufpassen muss ich mit dem Ansatz für die Schiene zur Befestigung auf der Montierung und mit dem Ansatz für den Tragegriff des Tubus. Ich passe die Matte so an, dass das eine Ende genau hier anfängt, die Rolle schließt dann automatisch darüber – natürlich etwas überlappend - ab. Natürlich schließt sie nicht ganz „luftdicht“ ab, aber das ist hoffentlich auch gar nicht so entscheidend. Mit dem Klettband wird dann die Rolle zusammengehalten. In der Länge schneide ich nichts ab – ich bin halt manchmal etwas faul – statt dessen ziehe ich die Taukappe soweit es geht über den Tubus. Das sind gut 15 Zentimeter, dann stößt die Kappe gegen die Montierung. Mit den beiden Gummibändern hält das ganze sehr stabil. Die kann man auch bei etwas Wind sicherlich noch gut nutzen. Als ich die Montierungsklemmen löse stelle ich schnell fest, das diese Taukappe doch etwas Gewicht mitbringt, also muss das Gerät sauber ausbalanciert werden.
Doch auch das ist kein Problem, das Klettband hält ebenfalls – den ersten Einsatz kann ich kaum erwarten. Inzwischen hat der Wind draußen etwas nachgelassen und zwischen den Wolken gibt es immer größere Lücken.
Doch zunächst hieß es warten. Leider gab es eine ziemlich hohe Zirrusbewölkung. Die Sonne verschwand um 20Uhr vollständig hinter diesen Wolken. Das versprach keine guten Bedingungen für heute Abend. Und es dauert jetzt ja auch noch lange, bis es endlich dunkel wird. So um 21.15 Uhr versuchte ich, die schmale Mondsichel zu finden. Aber zunächst vergeblich. Im Westen, Nordwesten war es doch ziemlich dicht bewölkt. Irgendwann entdeckte ich Jupiter hoch am Himmel. Nun gut, wenn die Mondsichel sich nicht zeigen will, dann könnte ich es ja vielleicht mit den hellsten Sternen trotzdem probieren. Ein bisschen was würde schon gehen, machte ich mir selbst Mut. Immer wieder musterte ich den Nordwesthimmel mit dem Fernglas ab, aber der Mond wollte sich nicht zeigen. Sollte er – zwei Tage nach Neumond – doch zu schwach sein, um den Horizontdunst zu durchdringen?
Langsam wurde es richtig dämmrig. Und da entdeckte ich plötzlich schon relativ nah am Horizont – zwischen zwei Bäumen – die schmale Sichel des Mondes. Jetzt musste erstmal das Fernrohr an einen etwas anderen Standort gebracht werden, um möglichst viel des noch verbleibenden Mondweges vor dem Untergang mitzubekommen. Dann brauchte ich ein Verlängerungskabel für das Netzteil für die Fernrohrsteuerung, dann schnell die passenden Okulare raussuchen. Oje – schon war er wieder hinter einer Wolke verschwunden. Doch etwas später tauchte er wieder auf. Ja doch, auch der nur zwei Tage alte Mond zeigt schon eine ganze Menge an Kratern. Aber so horizontnah waberte das Bild im 9mm Okular recht kräftig. Doch ich hatte schon mal ein Ziel erreicht – bewusst einen zwei Tage alten Mond gesehen, wo doch auch das gute Kosmos Mondatlas mit dem Beobachtungsprogramm eigentlich erst am dritten Tag beginnt.
Jetzt wurde ich übermütig: Notebook rausgeholt und Webcam angeschlossen. Aber Mist – der Mond verschwand schon wieder hinter einer Wolke. Und es dauerte, bis er wieder auftauchte. Zwischendurch versuchte ich erstmal die Montierung richtig einzunorden. Na ja, grob war mir das wohl gelungen, denn auch um Polaris herum machten mir die Wolken zu schaffen. Als er wieder mit bloßem Auge zu sehen war, musste ich erst wieder das Rohr neu einstellen – so ein Ärger – schon wieder eine Wolke. Wieder abwarten. Dann endlich wieder da – schnell am Computer hantiert – meine Güte – warum will das Bild nicht scharf werden? Ist er doch schon zu nah am Horizont? Und schon wieder eine Wolke! Nein, worauf hatte ich mich da bloß eingelassen. Nach drei Versuchen gab ich es auf. Die Sichel war einfach schon zu sehr am Horizont, um noch ein vernünftiges Bild aufzunehmen.
Wenn ich aber schon die Webcam draußen habe, warum dann nicht mal probieren, Jupiter aufzunehmen. Dafür musste aber zunächst die Nordausrichtung der Montierung genauer werden. Mit ein paar Wolkenbedingten Pausen gelang dies aber doch recht schnell. Und Jupiter war dann zum Glück auch gut in die Webcam zu bekommen. Und die Nachführung sorgte dafür, dass er das Bild auch nicht zu schnell verließ.
Aber was war denn das jetzt für ein Problem? Warum blieb Jupiter auf dem Bildschirm immer nur ein strahlend weißer heller Fleck? Ich erhöhte die Zahl der Bilder pro Sekunde, drehte die Helligkeit runter, aber es war kein einziger Streifen vom Jupiter auf dem Bildschirm zu sehen. Und es wurde anscheinend immer wolkiger. Plötzlich hörte ich Geschrei von Jugendlichen. War da – wenn auch in einiger Entfernung – eine Schlägerei im Gange? Hoffentlich kommen die nicht näher, ging es mir durch den Kopf. Frust machte sich bei mir breit. Mit dem Mond hat das schon nicht so geklappt wie es sollte, jetzt mit Jupiter auch nicht? Mittlerweile war es deutlich nach 23 Uhr. Ich war schon drauf und dran aufzugeben, die ganze Ausrüstung wieder abzubauen und ins Haus zu gehen.
In einer etwas größeren Wolkenlücke tauchte der Löwe in seiner ganzen Herrlichkeit auf. Sollte nicht gamma Leo ein schöner Doppelstern sein, den könnte ich ja noch mal ansteuern. Oja, ließ sich im 25mm Okular gleich gut auflösen. Den schau ich mir noch mal mit der Webcam an. Nach einigem Hin- und Herstellen (schade, warum hat mein Gerät nur so eine „runde Schraube“ zum Scharfstellen und keine n Okularauszug, an dem man sich mit Strichmarkierungen einfach für die verschiedenen Okulare oder die Webcam die besten Einstellungen markieren kann?) klappte auch dies. Das Bild flimmerte etwas, aber auch auf dem Bildschirm waren die beiden Komponenten klar getrennt. Endlich mal ein Erfolgserlebnis! Vielleicht kann man die „Doppelstern-Webcam-Fotografie“ ja später mal noch etwas ausbauen.
Inzwischen war es wohl Mitternacht geworden und jetzt packte mich doch das „Spechtelfieber“. Die Wolkenlücken wurden wieder größer. Gab es nicht im Löwen ein paar schöne Galaxien, die ich schon im März gefunden hatte? Gamma Leo konnte ich doch gleich als Referenzstern für meine goto Steuerung eingeben und dann ging die Suche los.
Erste Objekte M95 und M96. Die Motoren surrten und surrten und endlich waren sie am Ziel. Aber wo waren die Galaxien? Im März habe ich sie doch noch gut gesehen, war der Himmel im Garten doch nicht dunkel genug für diese Objekte mit 9.1 und 10.4 mag? Ich „wackelte“ etwas am Tubus. Stopp! Da ganz am Rand waren doch eindeutig zwei helle Flecke. Ja, das waren die beiden Galaxie. Oder war eines davon schon M105 mit 9.2mag? Egal, auf alle Fälle war es dunkel genug hier. Einzig die Steuerung war nicht ganz exakt genug. Aber mit etwas nachsteuern von Hand war auch das kein Problem. Und der etwas länglichere, das müsste dann doch M96 sein, und die andere helle Galaxie M105. M95 ist etwas schwächer und eher rundlich.
Von dort ging es dann weiter zu M65 und M66. Beide waren deutlich als Flecken sichtbar. Jetzt beim Schreiben des Textes stelle ich fest, dass ich im März bei M66 die „dunklen unregelmäßigen Staubstrukturen“ im Karkoschka unterstrichen hatte. Diesmal war er wohl doch nur als hellerer Fleck zu sehen.
Trotzdem war dies alles nur der Anfang einer ganz phantastischen Nacht! Denn jetzt hatte mich doch das „Jagdfieber“ gepackt. Und als erstes wollte ich die „große Bärin“ erlegen. Das Fernrohr wurde jetzt auf alpha Ursa Mayor ausgerichtet. Man, steht ja gerade ziemlich im Zenit, da war es gar nicht so einfach, durch den Sucher zu schauen. Aber dank des Zenitprismas war der Einblick in die Okulare dann doch sehr angenehm.
Jetzt ging es zu M81 und M82. M81 war als ovaler Fleck gut zu erkennen. Und M82 war wirklich ein lang gezogener schmaler Strich. Herrlich!
Anschließend von dort dann zu Beta UMa und dort in der Nähe müssten doch schon M108 zu sehen sein. Ja, das war ebenfalls ein schöner langer Strich!.
Als Jäger braucht man aber seine Jagdhunde. Da wollte ich als nächstes hin. Also erstmal die Spitzer der Deichsel angesteuert und als neuen Referenzpunkt für die Steuerung angegeben. Und dann einer der absoluten Höhepunkte: M51! Wunderschön, wie sich diese Spirale vom Hintergrund abhebt. Und auch der Begleiter, NGC5195, war deutlich zu erkennen. Hier lohnt es sich, auch mal stärkere Vergrößerungen auszuprobieren. Damit kann man deutlich hellere und dunklere Strukturen unterscheiden.
Zwischendurch spitzte ich noch einmal die Ohren. Was flötete denn da? Das konnte doch nur eine Nachtigall sein, die für mich ein kleines Konzert gab.
Dann ging es weiter zu M63. Ein heller Kern ist deutlich zu erkennen. M94 als nächstes Objekt ist deutlich heller, gefällt mir sofort besser. NGC4490 hat – wie der Karkoshka schreibt – tatsächlich ein längliches Zentralgebiet. Und dann NGC4449: ein merkwürdiger Fleck ist das, überhaupt nicht rundlich wie die meisten anderen, irgendwie recht eckig das ganze. Den muß ich mir sicherlich öfter anshauen, umihn wirklich begreifen zu können. M106 danach war dann wieder „normal“, zeigte also deutlich eine elliptische Grundform. Doch war der Kern nicht deutlich heller? Oder war das vielleicht ein Sternchen, genau vor der Galaxie, so punktförmig wie dies leuchtet?
Nach so vielen Galaxien wollte ich noch etwas anderes sehen. Die Leier war inzwischen hoch genug am Firmament hinaufgestiegen. Also auf zum Ringnebel, M57. Einfach nur schön, wie dieser schon bei kleiner Vergrößerung deutlich als Ring aufgelöst erscheint. Wenn ich jemals Raucher werden sollte, dann nur, um auch so schöne Ringe zu erzeugen!
Da sah ich im Karkoschka, in der Leier gibt es noch ein zweites Objekt, M56.Dank der goto Steuerung war es kein Problem, in diesem Sternengewimmel das Objekt schnell zu finden. Ein schöner richtig runder Fleck. Waren da nicht einzelne Sterne zu sehen? Odre täusche ich mich doch? Schließlich schreibt Karkoschka „schwierig in Einzelsterne aufzulösen“.
Aber nicht weit von der Leier entfernt ist doch der Herkules. Und da gibt es doch einen der allerbesten Kugelsternhaufen überhaupt zu finden. M13 war schon im Feldstecher gut zu sehen. Im Teleskop war er zunächst nicht richtig „drin“. Dieser Schwenk war wohl für die Steuerung schon wieder etwas zu lang. Aber mit etwas Nachhilfe kein Problem. Und was für ein toller Anblick! Das funkelte und glitzerte ja ganz fantastisch. Jetzt mal gleich ein stärkeres Okular ausprobiert (25mm). Ja, auch damit war er toll zu sehen. Dann können wir es doch gleich noch mit dem 10mm ausprobieren. Mensch klasse, Kugelsternhaufen bringen ja wirklich in jeder Vergrößerung etwas. Viel besser als die Flecken der Galaxien! Und nach dem 10mm Kellner nun auch noch das 9mm Nagler Okular. Wow! Nun war bei etwa gleicher Vergrößerung das Gesichtsfeld deutlich größer geworden und M13 schien regelrecht dreidimensional im Raum zu schweben. Ich muss minutenlang andächtig durch das Okular geschaut haben!
Dann erinnerte ich mich, die Zeitschrift „Interstellarum“ hatte als „Beobachtungsobjekt des Monats“ doch den M14 ausgerufen. Noch einmal in den Karkoschka geschaut, da gab es dann auch och M10 und M12 in der Nähe. Und die Beschreibungen dort waren ganz richtig. M14 ließ sich tatsächlich nicht in Einzelsterne auflösen. M10 und M12 jedoch (teilweise) schon. M12 gefiel mir etwas besser als M10. Und immer wieder schaute ich mir diese Haufen durch das Nagler-Okular an. Ja, die Kugelsternhaufen sind darin wirklich eine tolle Sache! Aber warum hatte sich Interstellarum bloß für M14 entschieden? Dieser Fleck wirkte eigentlich gar nicht so recht als Kugelsternhaufen. Auch nach längerem betrachten wirkte er eigentlich eher wie eine Galaxie, denn Einzelheiten waren nicht auszumachen.
Mit der Zeit fing ich nun doch an etwas zu frösteln. Die Temperatur war inzwischen auf 6° Celsius abgesunken. Und vor allem war es ordentlich feucht geworden. Egal, wo ich an der Montierung anfasste, selbst die Blätter des Karkoschka hatten schon ordentlich Feuchtigkeit aufgesogen. Meine Taukappe hatte ihre erste bewährungsprobe mit Bravour bestanden, denn ein vorsichtiger Blick auf die Schmidtplatte zeigte, da ist alles trocken, sauber und klar. Ich schaute auf die Uhr, es war schon kurz vor drei. Hoppla, wollte ich nicht am nächsten Tag – äh ....heute – um 9 Uhr mit meiner Frau .... Noch einmal schweifte mein Blick über den Himmel. Der Skorpion war inzwischen schon gut zu sehen. Auch der Adler war schon aufgegangen, die Sternbilder zeigten schon den Sommer an. Zufrieden und glücklich, doch nicht so schnell aufgegeben und abgebrochen zu haben, kroch ich zu meiner Liebsten ins Bett.
Liborius