Objektiv stark beschädigt. Reparatur möglich?

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Glasrund

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Hallo an alle!

Ich bitte um Vergebung, ich bin gar kein Sternengucker. Ihr gehört im Internet aber zu den wenigen Leuten, die ständig mit ähnlichem Material herumhantieren, wie ich es hier stehen habe.

Ich suche Rat zu diesem großen, alten und vermutlich wertvollen Projektionsobjektiv Leitz Epis 1:3,5 / 800mm, das vom Vorbesitzer an der Rücklinse stark beschädigt wurde (wahrscheinlich ungeschützt darauf abgestellt und herumgeschoben :-( ).

Link zur Grafik: http://img362.imageshack.us/img362/9587/bild12me.jpg

Besser habe ich den Schaden mit der Digicam nicht einfangen können.

Link zur Grafik: http://img362.imageshack.us/img362/1853/bild26gk.jpg

Die zerkratzte Fläche ist etwa 6x6cm² groß und genau in der Mitte der Linse, die einen Durchmesser von 21cm hat und an ihrer Innenseite plan oder nur gering gewölbt ist. Die Kratzer sind zum großen Teil so tief im Glas, daß man sie mit dem Fingernagel ertasten kann.

Link zur Grafik: http://img362.imageshack.us/img362/9373/bild35vl.jpg

Ich frage mich (und Euch), ob und wie stark sich die Kratzer auf die Qualität der Projektion auswirken, denn ausnahmsweise soll aus diesem Teil kein Teleskop, sondern wieder ein Projektor werden (natürlich nur, wenn das Ding noch zu retten ist). Die Anforderungen an die Optik sind vermutlich weit weniger hoch, als Ihr sie für Eure Spiegel und Linsen anlegt, aber Streulicht kann auch ich nicht brauchen.

Ich habe mal mit einem Laserpointer vom Brennpunkt aus auf die Kratzer gezielt und leider bekommt der projezierte Lichtpunkt auf der Leinwand lange dünne "Strahlen" (so wie Sterne auf kitschigen Postern). Gibt es sonst noch raffinierte Untersuchungsmethoden? Der eigentliche Projektor existiert ja noch nicht.

Kann man die Linse vielleicht irgendwie kitten/kleben, z.B. so wie bei einer Autoglas-Reparatur? Oder nachschleifen?

Oder was würde das Vermessen der alten Linse und das Anfertigen und Vergüten einer neuen Linse kosten? Mehr als 200,- EUR wäre allerdings ein wirtschaftlicher Totalschaden.
Wer macht so etwas überhaupt, der Optiker an der Ecke sicher nicht, oder?


Gruß Fred
 
Hallo,
Hast du schon daran gedacht die beschädigte Stelle einfach mit einer runden mattschwarzen Blende abzudecken?
Wäre ja ein Versuch wert.
 
Sicher, aber das kommt aus mehreren Gründen nicht in Frage:

1. hat das Objektiv ausgerechnet in der Mitte seine höchste Abbildungsleistung
2. ist die enorme Lichtstärke das wichtigste Auswahlkriterium gewesen und darauf verzichte ich ebenso ungern wie auf #1
3. soll direkt vor die Rücklinse eine automatische Irisblende, wie sie z.B. in einem solchen Beamer verbaut ist.

http://www.cine4home.de/tests/projektoren/SonyVPLHS50/HS50Test.htm

und die verträgt sich nicht gut mit einer weiteren Blende im Zentrum.

Ich möchte also wirklich nur alle Möglichkeiten zur Diagnose und evtl. zur Reparatur ausloten. Wenn's nicht geht, wär's zwar jammerschade drum. Aber dann lieber gar nicht.
Ein defektfreies 800er mit 1:4,5 steht hier noch rum, aber das ist leider nicht vergütet.

Ich hatte angenommen, daß solche Schäden zwar nicht alltäglich sind, aber durchaus vorkommen. Ihr schleppt Eure Ausrüstung ja auch öfters ins Feld. Da muß es doch einen Reparaturservice geben, oder ist sowas immer gleich Totalschaden?

Gruß Fred
 
Hi Glasrund und Jean,

vielleicht mit was schwarzem aushärtendem,hitzebeständigem verspachteln.
So dass nur die reflektierenden Kratzer geschwärzt sind. Dass also kaum Licht verloren geht, jedenfalls weniger als wenn man die betroffenen Stellen grossflächig zumalt. Aber ob sowas überhaupt klappen kann ?

Und wenn es ohne Nebenwirkungen optisch funzen würde, mit was für einem Material wäre das dann wohl möglich ??

Wenn nicht,was anderes ausser Auswechseln der Linse fällt mir dann nicht ein.

Gruss und vielleicht ne bessere/realisierbare Idee zur Behebung des Problems !

Bernd

Edit: PS:Papp doch mal mit Spucke Papierflecken auf die zerkratzten Stellen, und guck dann wie das Bild aussieht.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Fred,

solche Beschädigungen habe ich schon mal bei einem Kunden – Service von Großkopieren gesehen, damit die Bauteile von zurückgenommenen alten Geräten nicht für mögliche Schwarzarbeiten genutzt werden können.
Ob die Kratzen einen störenden Einfluss auf die Abbildung haben hängt auch von der Verwendung ab, läst sich aber auf jedem Fall nur austesten.
Dazu das Objektiv in der gezeigten Position über freiem Boden testen, (einfach mit einer Rohrschelle seitwärts an den Tisch oder ein Brett schrauben) in dem man von unten eine Vorlage (z.B. Testbildausdruck von Kameratests) in dem richtigen Abstand positioniert und nach oben abgeschirmt beleuchtet z.B. mit Schreibtischlampen. So kann man das Bild in abgedunkeltem Raum an der Decke begutachten und gleichzeitig in dieser Position, wenn störende Fehler festgestellt sind, ausprobieren ob sich diese durch ausfüllen der Kratzer mit einem klaren Säurefreien Öl mildern lassen (Öltropfen mit dünnem Draht oder Nadel in die großen Kratzer träufeln). Ist das der Fall kann man mit kristallklarem Kerzenwachs (Parafin) diese Kratzer ausfüllen und nach dem Aushärten, sogar leicht mit einem Optiktuch ohne Druck polieren und danach mit einer leichten Alkohollösung von Wachsresten säubern. Der Einsatz fernab von der Objektbeleuchtung bei Folienprojektion oder in der Auflichtanwendung müsste dann möglich werden, es dürften aber noch leichte Unschärfen sichtbar sein. Ist dann eine Verwendung für Dein Vorhaben gegeben, lässt sich dann auch bei einem guten Optiker entscheiden ob eine Reparatur machbar ist und lohnt.

Gruß Günter
 
Hallo,

diese Kratzer sehen wirklich scheußlich aus. Die Auswirkungen auf die Abbildungsleistungen sind aber eher zu vernachlässigen. Die Fläche der Kratzer ist nämlich im Vergleich zur gesamten Oberfläche der betroffenen Linse verschwindend gering!

Die Kratzer werden etwas Streulicht produzieren. Das kann man gegebenenfalls durch Schwärzen der verkratzten Fläche ausschalten. Ideal ist hierfür ein Stück schwarzes, selbstklebendes Papier.

Mit einem Laserpointer kannst Du die Auswirkung der Kratzer auf die gesamte Abbildungsleistung des Objektivs nicht erfassen, weil der Pointer nicht die gesamte Fläche der Linse ausleuchtet. Die tatsächliche Abbildungsleistung des Objektivs kannst Du am besten prüfen, indem Du z. B. ein großes, detailreiches und hell ausgeleuchtetes Foto guter Qualität mittels der Linse auf eine Leinwand projizierst. Dann zeigt sich, was das Objektiv mit seinen Kratzern leistet.

Ob Linse oder Spiegel: Die gesamte Oberfläche des abbildenden Systems trägt zur Qualität der Abbildung bei, nicht nur das Zentrum. Spiegelteleskope haben genau vor dem Spiegelzentrum eine große Abschattung: den Sekundärspiegel. Kein Spiegelteleskopbesitzer käme auf die Idee, sein Teleskop sei deswegen minderwertig.

Solche großen Projektionsobjektive sind imposant, sind aber wegen ihres riesigen Öffnungsverhältnisses für hoch vergrößernde Fernrohre kaum zu gebrauchen. Der Farblängsfehler ist bei f=1:3,5 merklich und wird mit höherer Vergrößerung richtig störend.
Das einzig sinnvolle teleskopische Einsatzfeld solcher Projektionsobjektive sind Richfieldteleskope mit ihrem relativ niedrigen Vergrößerungsfaktor. Aber auch dann wird es schwierig, die Abbildungsgeometrie dieser extremen Optiken in den Griff zu bekommen. Manchmal muss man diese Objektive sogar invers montieren.

Der Neuschliff einer solchen Linse ist praktisch ausgeschlossen. Man müsste einen Glasblock der erforderlichen Größe und mit der genau richtigen Glasqualität auftreiben, und eine Linse dieser Größe kann schon einige Kiloeuro kosten.

Objektive sind vorwiegend zum Abbilden und weniger zum Anschauen da. Häufig werden sie von ihren Besitzern aber praktisch mehr zum angeschaut werden als zum damit abbilden eingesetzt. Das führt dazu, dass hier Eigenschaften der Objektive in den Vordergrund treten können, die mit ihrer tatsächlichen Abbildungsleistung nicht viel zu tun haben. Das kommt mir manchmal so vor, als wenn man die tatsächliche Fahrleistung eines Rennwagens aus der Qualität seiner Lackierung schließen wollte.

Beste Grüße,

Günther
 
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