Oktober 2024 - Wechselwirkungsphänomene um das Galaxientrio NGC 3165, 3166 und 3169

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Südlich des Löwen liegt das unauffällige Sternbild Sextans. Darin befindet sich etwa 8,5° südlich von Regulus das Galaxientrio NGC 3165/66/69. Bildautoren sind die Fachgruppenmitglieder Markus Blauensteiner und Oliver Schneider, dazu Faried Abu-Salih. Am 11.01.2024 richteten die Drei ihr Teleskop - einen Lacerta N25010c mit 250 mm Öffnung und 1000 mm Brennweite - auf das Galaxientrio. Als Kamera wurde eine gekühlte CMOS-Kamera QHY268M PH gewählt. Belichtet wurde 109 x 5 min (L), 39 x 5 min (R), 38 x 5 min (G) und 37 x 5 min (B), insgesamt 18 h 35 min. Das AdM hat Norden oben und Osten links, dazu ein Bildfeld von 80' x 51' Ausdehnung.

Markus Blauensteiner schreibt: "NGC 3169 und ihre Partnerin NGC 3166 war eines der Ziele im namibischen Winter 2023/2024. Insbesondere NGC 3169 mit ihren weit ausladenden Sternströmen sieht sehr spannend aus. Interessant ist auch, dass die dritte Galaxie im Bunde, NGC 3165, keine Anzeichen von Wechselwirkung zeigt. Die Bildbearbeitung war relativ einfach, denn die Rohbilder waren durchwegs sehr gut."

Gehen wir nun ein wenig ins Detail dieser Galaxienansammlung. Dazu habe ich den inneren Bildbereich etwas herausvergrößert und beschriftet, siehe Zusatzbild 1. NGC 3169 und 3166 sind die beiden großen Galaxien in der Aufnahme. Sie bilden ein relativ enges Paar. Wie weit sind sie entfernt? Da die Messwerte in der Literatur stark schwanken, bietet sich die Hubble-Distanz an, die sich aus den Radialgeschwindigkeiten der großen Galaxien ergibt. Neben NGC 3166 und 3169 sind das noch NGC 3156 und NGC 3165. In der NASA Extragalactic Database sind folgende Werte für die heliozentrischen Radialgeschwindigkeiten angegeben: NGC 3156 ---> 1338 km/s, NGC 3165 ---> 1310 km/s, NGC 3166 ---> 1183 km/s, NGC 3169 ---> 1232 km/s. Für den Mittelwert 1266 km/s ergibt das mit der Hubble-Konstanten Ho = 72 km/s/Mpc eine Distanz von ~17,6 Mpc bzw. etwa 57 Mio. Lichtjahre.

NGC 3169, die größte Galaxie der Gruppe, ist als Sternenscheibe mit Spiralarmen nur schwer zu definieren. Zwar besitzt sie um ihren Zentralbereich einen dunklen Rand aus Staub, aber insgesamt ist ihre Spiralstruktur gravitativ sehr stark gestört. Außerdem wird sie von einer rundlichen, kompliziert aufgebauten Hülle aus lichtschwachen Sternwolken diffus eingehüllt. Dies ist auf die Wechselwirkung mit der Nachbarin NGC 3166 zurückzuführen. Auch diese zeigt etliche Anzeichen von Wechselwirkung. Die dritte Galaxie des Trios – NGC 3165 – erscheint wesentlich kleiner und stark bläulich, im Gegensatz zu den bräunlichen Zentralzonen der beiden Großen. Ganz unten rechts ist noch NGC 3156 zu sehen, die das Trio zu einem Quartett ergänzt. Ihre Radialgeschwindigkeit (siehe oben) ähnelt dem Gruppendurchschnitt.

NGC 3169 dient uns hier als Größenmaßstab. Mit rund 6' Ausdehnung (nur der Spiralbereich) kommt sie auf 99.500 Lichtjahre Durchmesser - etwa so groß wie unsere Milchstraße. Der gesamte umgebende Halobereich macht alles noch erheblich größer. Im Halo zeigen sich zahlreiche Objekte, die kleinere Zwerggalaxien, die im Zuge der Wechselwirkung entstanden sind. Ich will hier nicht alle aufzählen, sondern dem Leser das Anschauen im Zusatzbild 1 überlassen. Interessanter Fall: Die rechts oberhalb von NGC 3166 länglich verzogene Zwerggalaxie WISEA J101329.63+032654.6, von der nichts näher bekannt ist, die aber aufgrund ihrer gestörten Form unweigerlich mit zur Gesamtgruppe gehört. Ebenfalls muss man SDSS J101323.13+031833.9 zur Gesamtgruppe rechnen, denn daran lässt ihre Radialgeschwindigkeit von 1395 km/s keinen Zweifel. Ungewöhnlich ist das Erscheinungsbild von einigen schwachen diffusen Objekten südlich der beiden Hauptgalaxien. Hier ist AGC 208457 klar als doppelte Zwerggalaxie im Bild sichtbar, etwas weiter rechts oberhalb noch ein anonymes, ähnliches Objekt. Ich habe noch verschiedene diffuse mögliche Zwerggalaxien rot umkringelt und mit einem Fragezeichen versehen. Hierzu gibt es keinerlei weitere Erkenntnisse. Insgesamt muss man feststellen: Die Wechselwirkung der beiden NGC 3166 und NGC 3169 hat eine Mischform aus Gezeitenschweifen und Sternströmen erzeugt. Darüber hinaus erstreckt sich von NGC 3169 nach links unten ein lichtschwaches Band. Ob das eine Gezeitenstruktur oder ein Feld aus galaktischem Zirrus ist, lässt sich hier nicht klären.

Anmerkungen: Jetzt bitte das Zusatzbild 2 anklicken. Im linken Bildteil wird ein Ausschnitt aus dem AdM um AGC 208457 gezeigt. Rechts ist im gleichgroßen Ausschnitt das entsprechende Feld aus dem SDSS zu sehen. Der Unterschied beider Bilder ist vernachlässigbar, wenn man einerseits an den 250-mm-Spiegel denkt, andererseits an das 1,8-m-Profiteleskop. Was man also als Amateur erreichen kann, hängt schon für 10 Zoll Öffnung im Wesentlichen nur vom Seeing ab.

Wir bedanken uns für diese hervorragende, technisch sehr gut umgesetzte Aufnahme. Lob an die Bildautoren! Dazu natürlich die herzliche Gratulation des AdM-Teams.



Peter Riepe
Bildautoren: Markus Blauensteiner, Oliver Schneider und Faried Abu-Salih



Koordinaten von NGC 3169 (J2000):
RA = 10 h 14 min 15,0 s, DEC = +03° 27' 58''


Vollbild unter: https://www.astronomie.de/aktuelles...ne-um-das-galaxientrio-ngc-3165-3166-und-3169




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