Okular des CZJ Dekarem zerlegen!?

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas strb
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

strb

Aktives Mitglied
Hallo,
ich bin Besitzer eines Dekarem (Seriennummer 69...) das äußerlich ziemlich abgegriffen ist (erstanden bei ebay für 30 Euro). Aber die Optik ist nach der (eigenen) Reinigung und Einstellung (fast) wieder perfekt. Lediglich in einem Okular ist noch Staub - und deshalb ist die optische Leistung dieser Seite sichtbar schlechter als auf der anderen Seite.
Die Augenlinsen habe ich schon demontiert und gereinigt.
Ich möchte noch die prismenseitige große Linse demontieren, da auf dieser Staub ist.

Meine Frage:
Wie kann ich das Okular zerlegen?
Brauche ich spezielles Werkzeug?
Muss man bei der Montage etwas einstellen oder kann man das Okular einfach wieder zusammenschrauben?

Durch das Zerlegen ist jetzt an den Okularen außen fast kein Fett mehr dran, das ja auch das Eindringen von Staub verhindern soll. Welches Fett ist dafür geeignet und woher bekomme ich das?

Der Okualarantrieb läuft mir auch etwas zu schwer - welches Fett ist hier geeignet? Kann ich "normales" Wälzlagerfett verwenden?

Jetzt schon mal vielen Dank für die Antworten!
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo strb!

Für das Zerlegen von Okularen brauchst Du Schlüssel zur Demontage der Schraubringe oder der Schraubhülsen, mit denen die Linsen fixiert sind. Diese Schlüssel sind praktisch nie passend zu bekommen, bzw. gar nicht zu bekommen, oder nicht mehr zu bezahlen. Jeder Hersteller hat da den für seine optischen Komponenten benötigten speziellen Schlüsselsatz. Da kommt man kaum dran, und ausleihen kann man sich die auch nicht.

Es wird Dir nichts anderes übrig bleiben, als geeignete Schlüssel aus Stahlblech selbst herzustellen. Die Bleche von Metallspachteln sind für die Herstellung von Okularschlüsseln sehr gut geeignet. Messingbleche gehen auch, erweisen sich im Einsatz aber oft als zu weich.

Ich habe mir vor einiger Zeit einen verstellbaren Universalschlüssel gekauft, da ist mir die gehärtete Stahlklinge beim Einsatz an einem Objektivring eines Fernglases abgebrochen (!), und die Verarbeitungsqualität dieses Werkzeugs war so kläglich, dass seine Klingen nicht fluchteten. Dafür war er beeindruckend teuer. Dieses "Spezialwerkzeug" hat mir keine Freude gemacht.

Mir ist nicht klar, wie der Staub bei Deinem Glas zwischen die Okularlinsen gelangen konnte. In der Regel sind Okulare dicht, da die Linsen durch die Schraubringe in ihrer Passung fixiert sind. Der Ringspalt zwischen Okular und Führungshülse ist durch O-Ringe und Fett gedichtet. Wenn die Deckel der Prismengehäuse dicht sitzen, kommt auch kein Dreck auf die Feldlinse.

Bei Dir scheint es aber anders zu sein. Vielleicht hat ein Vorbesitzer das Okular schon mal zerlegt und hat die Teile anschließend nicht richtig gesäubert zusammen gesetzt. Vielleicht lag das Fernglas auch ein Weilchen tief in einer kalten, schlammigen Pfütze. Dann ensteht zwischen den Linsen durch die Abkühlung in der Pfütze ein Unterdruck, des das Schlammwasser zwischen die Linsen zieht.

In der Regel werden Okularlinsen vom Hersteller beim Zusammenbau des Okulars justiert, um die Keilfehler der Linsen optimal zu kompensieren. Wenn das Okular zerlegt wird, ist diese Justage futsch. Wenn Du Glück hast, sind die Keilfehler der Linsen aber so gering, dass es nicht auffällt, dass der Justagezustand des zusammengebauten Okulars nicht 100%ig ist.

Auf der ATT habe ich im letzten Jahr ein hervorragendes thixotropes Fett zum Schmieren von Okulartrieben gekauft, leider weiß ich den Hersteller nicht mehr. Es gab das Fett für 5 Euronen in einem sehr kleinen, weißen Töpchen. Die nächste ATT kommt bestimmt!

Das Fett für den Ringspalt darf bei einer Erwärmung nicht "weicher" werden und zu wandern beginnen: Sonst treibt es sich bald an Stellen auf dem Fernglas herum, wo man es nicht gebrauchen kann. Es darf auch keine Komponenten enthalten, die während einer Erwärmung verdunsten und sich dann beim Abkühlen auf den optischen Flächen als Film niederschlagen können.
Wälzlagerfett ist für diese Anforderungen nicht dimensioniert.
Eventuell geht zähe Vaseline?

Es ist eine ziemliche Frickelei, die demontierten Okularlinsen sauber in ihre Passungen zu setzen und sie dabei sauber zu erhalten. Am Besten geht das mit einem Linsenheber.

Viel Erfolg wünscht Dir

Günther
 
Hallo Günther,

zunächst vielen Dank für Deine ausführlichen Antworten.

Du hast recht, der Vorbesitzer hatte das Okular schon mal zerlegt - zumindest die Augenlinse. Darunter war nämlich zuerst der Staub.
Deshalb waren auch die Nuten in dem Ring schon teilweise beschädigt. Ich war leider so unvernünftig und wollte den Ring mit einem Schraubenzieher einseitig lösen. Dabei bin ich abgerutscht und habe die Nut verstört! Ich habe dann mit einem "Dremel" neue Nuten gefräst und konnte dann die Augenlinse ausbauen (mit einem selbstgemachten Schlüssel aus Stahlblech). Leider ist bei diesem "Fräsen" irgendwie der Staub weiter ins Okular gewandert. Oder es hat sich der Schleifstaub ins Okular geschlichen. Die Okularlinse konnte ich wieder einbauen - aber der Staub war "tiefer" im Okular! Oder war dieser mir vorher nicht aufgefallen!?

Jetzt wolte ich eigentlich die hintere Linse demontieren - aber hier gibt es keine Nuten!

Da Du aber gesagt hast, dass das Okular justiert wird und die hintere Linse sehr groß ist (im Vergleich zur Augenlinse) lasse ich das lieber bleiben.

Ich habe für die 30 Euro und ein paar Stunden Reinigung und Einstellung jetzt ein sehr gutes (aber nicht perfektes) Dekarem!

Als Fett könnte ich an ein Hochtemeratur-Fett für Spannrahmenkette (Textilveredelung) kommen. Dieses Fett ist für eine Dauerschmierung bei bis zu 230 °C geeignet. Da sollte doch bis 80 °C nichts passieren oder ausdampfen?

Was heißt eigenlich ATT und wann und wo findet das statt?
 
Hallo Dietmar,

ich habe mal einen Blick auf dieses Töpfchen mit dem Fett geworfen. Da klebt ein winziges Zettelchen drauf, mit der Aufschrift: "Fluid-Effekt-Fett , Engelbert Wolny, Tel. 06322 63770".

Beim Fett für optische Geräte kommt es darauf an, dass es rein ist. In der Regel hat man Mischungen aus Stoffen unterschiedlicher Schmelz- und Siedepunkte. In Maschinen stört das nicht, bei optischen Geräten aber immer.

Wenn ich ein Fernglas zerlege, versuche ich immer das Fett an den Okularhülsen zu erhalten und wiederstehe dieser Versuchung, diese "Schmiere" abzuwischen. Dieses Fett ist nämlich mit nichts Handelsüblichem zu ersetzen. Oder Du musst lange suchen und viel Geld ausgeben. Und eine Sekunde nicht aufgepasst und Du hast ein Kleckschen Fett auf der Feldlinse ... Das kriegst Du da nicht mehr sauber weg.

Die "ATT": das ist DIE Amateurastronomiebörse Europas. Sie findet jedes Jahr im Mai in Essen statt. Dieses Jahr am 21. Da trifft man auf Hunderte Amateurastronomen, Händler, Sternwarten, Astronomie.de. Man findet alles, was ein Amteur liebt und braucht.

Schau mal auf der Hauptseite unter "Termine" nach!

Beste Grüße,

Günther



 
Hallo Dietmar,

versuche mal rauszufinden, wie das Hochtemperaturfett für Spannrahmenketten heißt, an das Du kommen kannst. Dann könnte man übers Internet an das Datenblatt kommen. Dann könnte man sehen, woraus es besteht, und ob es flüchtige Bestandteile enthält.
Vielleicht entpuppt sich das als das ideale Fett für Okularhülsen und Okulartriebe, leistungsfähig und preisgünstig ...

Grüße,

Günther
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben