Olympus 8x42 EXWP I

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Wehr

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Ein Tipp für alle, die ein modernes Dachkantglas mit großem Augenabstand (Brillenträger) und sehr ordentlicher Optik für wenig Geld suchen:

Ich habe aufgrund eigener Erfahrung einen aktuellen Tip, der z.Z. bei Ebay läuft.
Wie wärs mit einem Olympus 8x42 EXWP I? Modernes, wasserdichtes Dachkantglas mit phasenkorrigierender Prismenvergütung und sehr langem Augenabstand (18mm) und Dreh-Augenmuscheln. Die Optik ist wirklich sehr ordentlich, scharf und kontrastreich. Reflexe und Streulicht hält das Glas besser im Zaum, als alles, was ich bisher z.B. von Minox gesehen habe. Die Gläser sind neuwertig mit 1 Jahr Garantie (überprüfte Ausstellungs- und Demo-Modelle) und Rückgaberecht. Das Gewicht ist nur 650g, Mechanik und Gehäuse machen einen soliden Eindruck, das Sehfeld ist kleiner, als bei den ganz teuren Gläsern. Meins habe ich ersteigert wegen des langen Augenabstands und habe einen Fehlkauf einkalkuliert. Der Preis war 129 Euro (alles inklusive, normaler Verkaufspreis im Laden 379 Euro).

Ich kann es nur empfehlen. Danke auch an Steve11 (Dein Hinweis zur Qualität des Glases ist schon eine Weile her):


Hallo,

konnte letztes Wochenende auch das 8x42 EXWP von Olympus ausprobieren und war ganz angetan. Guter Kontrast und Bildschärfe, angenehmer Einblick. Wer sich für ein relativ günstiges wasserdichtes Dachkantprismenglas interessiert, sollte sich das Olympus einmal ansehen.

Steve



Walter
 
Hallo Walter,
das hört sich ja ziemlich interessant an.
Wie groß ist denn das (scharfe) Gesichtsfeld?
Eben war ich auf Ebay konnte das Glas aber
leider nicht entdecken. Hast du vielleicht einen
Direktlink? Außerdem sind meine Informations-
beschaffungsmaßnahmen trotz googeln recht
spärlich geblieben. Was kannst du sonst noch
so darüber berichten? Kann dieses Glas mit
den Edelmarken konkurrieren? Der Preis ist
schon sehr verlockend, hast du gesteigert
oder direkt gekauft?

Schöne Grüße
 
Das letzte Glas des vermutlich ersten Loses ging gegen 19.30 Uhr für 150 Euro weg.
Natürlich wird ein 380-Euro-Glas nicht gegen die Spitzengläser konkurrieren können (wäre auch seltsam). Mehr kann ich noch nicht sagen, weil ich es erst ein paar Stunden habe. Ich (Brillenträger) habe es gegen ein Trinovid 8x50 (Sehfeld 6,6° gegenüber 6,3° beim Olympus) verglichen. Die Lage des Sehfeldes ist vergleichbar, sodaß man wie beim Leica (mit Brille) nicht den Eindruck eines Tunnelblickes bekommt. Ich muß es noch weiter unter verschiedenen Lichtbedingungen testen. Der Schärfe-Eindruck im Feld hängt hauptsächlich von den eigenen Augen ab, wenn man nicht gerade ein grottenschlechtes Glas hat (das ist das Olympus ganz bestimmt nicht) - deshalb von mir nur soviel: Steiner und Minox Dachkant haben für meine Augen (aus der Erinnerung) sicherlich Schwierigkeiten da mitzuhalten. Nur die Streulichtunterdrückung übertrifft ganz klar auch deutlich teurere Gläser mit gleichem oder ähnlichem Sehfeld (z.B. Minox mit und ohne asph.).

Jedenfalls scheint es mir im Bereich der 400-800 Euro Dachkantgläser, vielleicht mit einigen wenigen Ausnahmen, die ich nicht kenne (Docter?), die erste Wahl zu sein. Wenn man es aber für 130-150 Euro bekommt, dann gibt es für den Preis garantiert kein besseres Dachkantglas.

Wie ich bei den Amis und Engländern erfahren habe, könnte es sich um einen Lizenzbau eines Nikon-Glases handeln (nur die Optik - ist aber nur ein Gerücht).
Wie bei vielen Herstellern und Vertreibern konnte sich wohl auch bei Olympus wieder einmal ein Marketing-Mann austoben: auf dem Gehäuse prangt ein kleiner Aufkleber "UV-Protection", der sich auf die Vergütung bezieht. Da das Glas auch unter dem Zusatz "Magellan-Marine" beworben wird, soll dies wohl eine besondere Eignung für den Einsatz bei hoher UV-Strahlung suggerieren. Ist natürlich Unsinn, weil jedes Prismen-Glas aufgrund des langen Glasweges auch ohne Vergütung auf UV-Strahlung wie ein Sperrfilter wirkt.

Walter
 
Hallo Walter,
ich bin leicht irritiert.
Du bezifferst das Gesichtsfeld mit 6,3 °. Das wären bei 8-fach
nur bescheidene 50°, also doch Tunnelblick. Ich hoffe da auf
einen Tippfehler. Was meinst du eigentlich mit dem Begriff
"Loses". Und konntest du die Optik des Glases mittlerweile
genauer in Augenschein nehmen?
Viele Fragen dürsten nach einer Antwort.

Gruß
 
Mit erstem Los meine ich erste Charge. Vermutlich kommen noch weitere mit jeweils 10-15 Gläsern.
50,4° heißt nicht automatisch Tunnelblick. Mein Trinovid (8x50!) hat auch nur 2,4° mehr und auch keinen Tunnelblick und zum Vergleich sehen die 60° scheinbares Sehfeld meines Nikon 10x42 SE auch nicht wirklich breiter aus. Dagegen zeigt ein Docter Nobilem 8x56 mit ebenfalls 50,4° den Tunneleffekt sehr ausgeprägt. Es kommt eben drauf an, wie sich das Bild präsentiert - ist sehr viel "Schwarz" drumherum, dann gibt es den Tunnelblick. Das Bild im Olympus hat (mit Brille) nur einen dünnen dunklen Rand (wie Leica). Man muß halt, wie immer, selbst durchschauen, denn das sieht u.U. bei jedem Brillenträger (ja sogar bei verschiedenen Brillen, solange der Augenabstand noch passt) anders aus.

Habe das Glas heute Morgen etwas eingehender ausprobiert. Das Wetter war erst neblig und trübe, später sonnig. Es kommt ganz sicher in keiner Disziplin an Spitzengläser heran. Für den normalen Preis von ca. 380 Euro würde ich persönlich überhaupt kein Dachkantglas kaufen - auch nicht das Olympus. Aber die von mir bezahlten 129 Euro ist es mir Wert.

Walter
 
Re: Tunneleffekt

Hallo Wehr,

entschuldige, aber da muß ich jetzt doch nachhaken:
50° scheinbares Gesichtsfeld sind ganz einfach 50° und der Rand darum ist immer schwarz (außer bei Fremdlichteinfall zwischen Auge und Okular) und geht vollends bis ca.180° in der waagrechten.
Wenn Du als Brillenträger den Eindruck hast, daß Nikons 60° praktisch gleich sind wie 50° bei einem anderen Glas, siehst Du nicht das ganze Gesichtsfeld (gerade das wirkt natürlich wie ein "Tunneleffekt" ist aber eigentlich eine Vignettierung der in Wirklichkeit vorhandenen 60° durch eine Blende im Strahlengang - nämlich Deine Pupille, wenn sie nicht in der Ebene der Austrittspupille des Fernglases liegt).
Für mich ist der Unterschied zwischen 50° und 60° ein geradezu himmelweiter: 50° haben fast alle normalen 7x50 Gläser, 60° zum Beispiel das Canon 10x30 IS und viele andere "als randscharf bekannte" Weitwinkelgläser (bei den Japanern sind Weitwinkelgläser als >65° definiert, deshalb haben alle "Standardgläser" der billigen Baureihen 65°).
Mehr als 65° wird dann schon zum echten Erlebnis (und zur Herausforderung für die Optik, ist meist nur bei relativ kleiner Austrittspupille von 3mm und kleiner realisiert)- bezeichnen einige bereits als "3D-Effekt", wobei das, was außerhalb der 60° liegt, schon vom Auge nicht mehr scharf "direkt" gesehen wird und mehr zur Orientierung dient, daher auch die Rechtfertigung "randunscharfer" Weitwinkelgläser. In der Astronomie sind Weitwinkelgläser noch wichtiger als bei Tag, da man schwache Objekte nur "indirekt" sieht, also außerhalb des zentralen Bereichs höchster Sehschärfe (da sollte also noch genügend Platz sein) - allerdings sollte das Glas auch am Rand zumindest keine "Pseudosternhaufen" abbilden, wenn Einzelsterne vorliegen.

Gruß
 
Re: Tunneleffekt

Ich sehe sehr wohl bei meinem SE das ganze Sehfeld, weitwinklig würde ich es aber nicht nennen. Deutlich weitwinkliger ist für mich z.B. das Trinovid 10x50, obwohl die geringe Differenz zum Nikon (nominell 66°[eff.60°] gegenüber 60°[eff.55°] beim Nikon) diesen frappierenden, visuellen Unterschied nicht vermuten läßt. Nur ist das Trinovid mit Brille kaum zu gebrauchen.
Das Olympus habe ich dagegen weder als weitwinklig, noch als für Himmelsbeobachtungen geeignet, noch als Konkurrenz für Spitzenferngläser angepriesen. Es ist aber, solange es bei Ebay neu mit Garantie und Rückgaberecht für 130 Euro zu kriegen ist, interessant - nicht zuletzt wegen der großen Okularschnittweite.

Walter
 
Tunnel oder nicht Tunnel?

Dieser scheinbare Widerspruch laesst sich leicht aufloesen: Bei der Berechnung des scheinbaren Sehfeldes benutzt man der Einfachheit halber die Winkelbedingung, d.h.

Code:
t' = g*t        (Winkelbedingung)

Dabei ist t das wahre Sehfeld, g die Vergroesserung, und t' das scheinbare Sehfeld. Beispiel: Ein 8x Fernglas mit 8 Grad wahrem Sehfeld hat dann 64 Grad scheinbares Sehfeld. Nicht jedes Fernglas ist aber nach der Winkelbedingung korrigiert, da sie eine starke kissenfoermige Verzeichnung verursacht. Bei Leica mag das der Fall sein (die werben ja sogar mit dieser Verzeichnung, die ein entspannteres Schwenken verursacht, da sie den Globuseffekt korrigiert).

Nikon Fernglaeser haben aber eine deutlich geringere Verzeichnung und sind vermutlich eher nach der Kreisbedingung korrigiert, und die verlangt:

Code:
tan(t'/2) = g*tan(t/2)          (Kreisbedingung)

=>  t' = 2*arctan(g*tan(t/2))

und das liefert dann t' = 58.4 Grad statt 64 Grad. Das scheinbare Sehfeld eines Nikon SE ist daher tatsaechlich kleiner als das des Leica, weil seine Okulare weniger kissenfoermige Verzeichnung haben. Details finden sich auf Koehler's Webseite:

http://www.akoehler.de/basics/verzeichnung/


Viele Gruesse,
Holger
 
Re: Tunnel oder nicht Tunnel?

Hallo Holger,

Deine Ausführungen sind sicher richtig. Nur der Vollständigkeit halber: Das 10x42 SE hat auch von den Herstellerangaben her 6° weniger als ein 10x50 von Leica. Der effektive Unterschied dürfte dann leicht bei 8-9° liegen, falls die unterschiedliche Art der Korrektion den Tatsachen entspricht. Eine Erklärung wäre es jedenfalls.

Gruß
Walter
 
Re: Tunnel oder nicht Tunnel?

Hallo Holger,

danke für die Aufklärung, aber im Prinzip gilt doch für das scheinbare Gesichtsfeld (das manche Fernglashersteller wie z.B. Leica daher offensichtlich bewußt nicht angeben - war mir bisher nicht so klar, daß das deswegen ist!!!), daß es der Sehwinkel ist, unter dem das Bild der Austrittspupille erscheint (dieser helle Kreis im Schwarz) - und für den ist es eigentlich erst mal egal, welche Korrektur und Formel angewandt wird! Wenn also der Fernglashersteller (und die Japaner tun das im allgemeinen) das scheinbare Gesichtsfeld angibt mit 60° (Canon 10x30IS) oder 65° (praktisch alle Billigserien von Olympus, Nikon, Minolta) dann ist der "Tunnel" eben auch genausoweit, egal wie die Bilder bei der Abbildung verzerrt werden.
Wenn ich jetzt lese, daß es da doch "Tricks" gibt, wie man diese Angaben manipulieren kann, dann muß ich doch wieder auf meine Forderung von vor ca. 1/2 Jahr zurückkommen (die hier im Forum genauso belächelt wurde wie die Forderung nach Angabe der Objektivbrennweite), daß das scheinbare Gesichtsfeld in jedem Fall angegeben werden sollte. Wenn einige Hersteller sich den Spaß machen, die Verbraucher damit zu hereinzulegen, daß die allgemein als gültig vorausgesetzte Formel "scheinbares Gesichtsfeld = wahres Gesichtsfeld x Vergrößerung" ausgehebelt werden kann, dann muß das scheinbare Gesichtsfeld zusätzlich angegeben werden (der spacewalk Effekt der Naglers kommt ja zwar genau durch diese Verzerrung zustande, ist aber durch das sehr große scheinbare Gesichtsfeld eben auch physiologisch eine Tatsache, die der Verbraucher sehr teuer zu bezahlen bereit ist - daß Leica dasselbe macht, bloß nicht so extrem, war mir nicht so klar - genau wie daß man bei Leica nicht einfach das angegebene wahre Gesichtsfeld in m in Grad umrechnen und mit der Vergrößerung multiplizieren darf!)

Bleibt dem Amateur halt wieder nur der gesunde Menschenverstand: die 8fach Gläser haben mir aus diesem Grund (zu kleines scheinbares Gesichtsfeld) sowieso noch nie imponiert (ich hatte mal ein Ostblock 8x40 mit fast 80°, aber das war bereits ab der Hälfte des Gesichtsfeldes durch Bildfeldwölbung so unbrauchbar, daß ich es an einen jungen (sicher akkomodationsfähigeren) Verwandten verschenkt habe.

Nachdem gerade das große Gesichtsfeld ein wesentliches Kriterium für ein Astroglas ist, solltest Du meiner Meinung nach mal in einem eigenen thread berichten, was Deine Erkenntnisse für die bekannten Spitzengläser (die billigen geben's ja an) bedeutet!

Gruß
 
Re: Tunnel oder nicht Tunnel?

Hallo Hanz,

die Verzeichnung "verschiebt" Bildpunkte nach Aussen (kissenfoermig) oder Innen (tonnenfoermig), und das gilt auch fuer den Rand des Sehfeldes. Wird dieser nach Aussen verschoben, so waechst das scheinbare Sehfeld.

Die Hersteller benutzen doch in ihren Angaben stets die Winkelbedingung, denn die liefert das groesste scheinbare Sehfeld. Sie tun das auch dann, wenn sie gar nicht nach der Winkelbedingung korrigieren. In Wirklichkeit entscheidet der Designer, wieviel Verzeichnung er in sein Okular einbauen will, und dabei muss er sich weder nach der Winkel- noch Kreis- noch Tangensbedingung richten, sondern kann beliebig variieren:

Code:
tan(t'/k) = g*tan(t/k)        (Allgemeine Tangensbedingung)

Waehlt er k=1, dann ist das Bild frei von Verzeichnung (Airy Bedingung), zeigt aber beim Schwenken einen starken Globuseffekt, und das scheinbare Sehfeld ist sehr klein. Die Wahl k=2 ist ein Kompromiss, der von Zeiss eingefuehrt wurde, und eine leichte kissenfoermige Verzeichnung erzeugt, die den Globuseffekt teilweise unterdrueckt, und das scheinbare Sehfeld aufweitet. Waehlt man k sehr gross, dann geht obige Bedingung in die Winkelbedingung ueber, mit einer starken kissenfoermigen Verzeichnung, dafuer mit gutem Schwenkverhalten und einem grossen scheinbaren Sehfeld.

Wenn die Hersteller das exakte scheinbare Sehfeld angeben wuerden, dann koennte man daraus exakt berechnen, welchen Parameterwert 'k' sie benutzt haben. Vielleicht wollen sie sich nicht so leicht in die Karten schauen lassen? Aus meiner Erfahrung haben die Leica Glaeser eine starke Verzeichnung, also vermutlich k>2, waehrend Nikon SE und Fujinon FMTR-SX eine geringe Verzeichnung zeigen, also 1<k<2. Falls Koehler's Angaben auch noch auf die heutigen Zeiss Glaeser zutreffen, dann gilt hier k=2 (Kreisbedingung). Die alten Dekarem (vor 1950) waren aber noch nach der Tangensbedingung korrigiert, also k=1. Das gilt auch fuer die russischen BPO, die absolut verzeichnungsfrei sind und einen starken Globuseffekt zeigen.

Gruss,
Holger
 
Re: Tunnel oder nicht Tunnel?

Hallo Holger,

also ich sehe das irgenwie anders (weiß aber nicht , ob das berechtigt ist):

bei Teleskop-Okularen wird das scheinbare Gesichtsfeld angegeben (daher schneiden die Naglers so toll ab, obwohl sie eigentlich real (Feldblende) gar nicht so viel reinpacken - sie "ziehen halt den Rand des Gesichtsfeldes breiter aus" (für mich "das Bild über die Wände des Tunnels") - dadurch stärkere Vergrößerung am Rand und das ergibt kissenförmige Verzeichnung. Aber die Winkelangabe des Gesichtsfeldes stimmt: der schwarze Rand beginnt bei dem angegebenen Winkel und der Tunnel erscheint damit viel weiter - der Winkel ist groß, was zu dem "spacewalk-Effekt" führt (egal, ob das was drin abgebildet wird jetzt ursprünglich - reales Gesichtsfeld- klein, groß oder sonst was war). Wenn man dann die Feldblende mißt und rechnet, sieht man, daß das wahre Gesichtsfeld gar nicht so groß ist wie rechnerisch erwartet, sondern nur Teile des eigentlich kleineren wahren Gesichtsfeldes "vergrößert abgebildet wurden".
Bei den Ferngläsern ist es wohl umgekehrt: es wird das wahre Gesichtsfeld angegeben (und auch noch in m/100m was sich nicht direkt über die Vergrößerung in Grad scheinbares Gesichtsfeld umrechnen läßt, ,man muß zuerst das reale Gesichtsfeld in Winkelgrad umrechnen). Wenn man nun das scheinbare Gesichtsfeld aus diesen Angaben ausrechnet, müßten über die nicht angegebene Verzeichnung bei gleichem realem Gesichtsfeld ganz verschiedene scheinbare Gesichtsfelder resultieren und damit tatsächlich bei gleichem realem Gesichtsfeld im Falle ohne Verzeichnung "Tunnelblick" und mit Kissenverzeichnung ein größeres Gesichtsfeld als berechnet "Leica 3D Effekt"
Ist das so? Dann wundert es mich sehr, warum Leica das nicht werblich nutzt(die müßten dann ja locker 70° scheinbar erreichen durch "Aufblasen" der ca.6° real bei 10x40) und das müßte man ja auch deutlich SEHEN - habe ich aber bisher nicht. Und ich messe das scheinbare Gesichtsfeld durch Peilung gegen Hintergrund (Marken setzen)und Nachpeilung mit Geodreieck.

ziemlich verwirrte Grüße nach China

Admin: könnte man diese Diskussion nicht aus dem Olympus-thread rausnehmen und unter "Sehfeld" einen neuen thread draus machen?

Gruß
 
Re: Tunnel oder nicht Tunnel?

Hallo Hanz,

Du siehst das voellig korrekt: Beim Fernglas gibt man immer das reale Sehfeld an. Beim scheinbaren Sehfeld, falls es ueberhaupt erwaehnt wird, schummeln die Hersteller aber. Sie berechnen es stets unter Verwendung der Winkelbedingung t' = g*t, denn diese liefert einen besonders grossen Wert fuer das scheinbare Sehfeld, weil sie bereits die kissenfoemige Verzeichnung enthaelt! Ich habe das anhand des 10x42 mit 6 Grad realem Sehfeld noch einmal ausgerechnet:

Code:
t = reales Sehfeld (in Grad)  = 6
t' = scheinbares Sehfeld (in Grad)
g = Vergroesserung  = 10
k = Parameter, vom Designer waehlbar


t' = k*arctan(g*tan(t/k))    (allgemeine Tangensbedingung)

k = 1    =>   t' = 46.4      (Airy/Tangensbedingung, verzeichnungsfrei)

k = 1.5  =>   t' = 52.4      (Nikon SE? Geringe kissenfoermige Verzeichnung)

k = 2    =>   t' = 55.3      (Zeiss Kreisbedingung, moderat kissenfoermig)

k = 4    =>   t' = 58.7      (Leica? Staerker kissenfoermig)

k = 10   =>   t' = 59.8      (Grenzfall der Winkelbedingung t' = 60)

Ohne Verzeichnung kaeme man auf schlappe 46.4 Grad. Eine leichte Vezeichnung, wie man sie bei Nikon SE oder Fujinon sieht, koennte z.B. durch die Wahl k = 1.5 erreicht werden (natuerlich weiss ich nicht, ob die das auch so gemacht haben), dann haette man 52.4 Grad. Die meisten Fernglaeser folgen sicher der Kreisbedingung, wie Koehler schon gesagt hat, und liefern dann 55.3 Grad. Das heisst: Wenn wir hier im Forum von "60 Grad scheinbarem Sehfeld des 10x Fernglases XYZ" reden, dann hat es in den meisten Faellen doch nur etwa 55 Grad. Noch groessere Werte des Parameters k liefern eine staerkere kissenfoermige Verzeichnung, so koennte Leica z.B. k = 4 gewaehlt haben, oder gleich den Grenzfall der Winkelbedingung (k = "unendlich"), aber mehr Sehfeld als 60 Grad koennen sie auf diese Weise nicht erreichen. Wenn Leica also fuer die Berechnung des scheinbaren Sehfeldes die Winkelbedingung verwendet, dann liegen sie richtig, aber fast alle anderen Firmen schummeln, da sie mehr oder weniger weit von der Winkelbedingung entfernt liegen und eigentlich ein kleineres scheinbares Sehfeld haben als t' = g*t.

Ich hoffe, das war verstaendlich.

Gruss,
Holger
 
Allgemeingültige Formel?

Wenn einige Hersteller sich den Spaß machen, die Verbraucher damit zu hereinzulegen, daß die allgemein als gültig vorausgesetzte Formel "scheinbares Gesichtsfeld = wahres Gesichtsfeld x Vergrößerung" ausgehebelt werden kann, dann muß das scheinbare Gesichtsfeld zusätzlich angegeben werden ...

Hallo hanz,

mich wundert, dass Du sowas schreibst. Du bist doch lange genug in den Foren unterwegs <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />. Im Okularforum wurde das Thema schon so oft diskutiert. Deine Formel ist alles andere als allgemeingültig - zumindest solange, wie man unter "scheinbarem Gesichtsfeld" den Winkel versteht, unter dem das Auge die Sehfeldbegrenzung wahrnimmt. Für Deine Formel müßte man aber einen Wert nutzen, der die Verzeichnung außen vor läßt. Bei einem orthoskopischen Okular nach Abbe oder einem Meßokular vom Mikroskop kann man mit guter Genauigkeit so rechnen. Beim Plössl wird es schon eng und bei Weitwinkelokularen vom Typ Erfle, Panoptic oder gar Nagler funktioniert es eben nicht. Das hat nichts mit "Aushebeln" von "allgemeingültigen Formeln" zu tun. Wenn Al Nagler Astrookulare mit punktförmiger Sternabbildung bis zum Rand für Weitwinkelfreaks baut, dann kann er mit einem "orthoskopischen" Okulardesign nicht zum Ziel kommen. Aber das ist weder neu noch ist es eine gezielte Irreführung der Kundschaft. Warum soll das bei Ferngläsern anders sein? Auch hier kann man sich mit Deiner Formel kräftig verrechnen, wenn man das Okulardesign nicht kennt und sich keine Gedanken über die Verzeichnung macht.


... dann muß das scheinbare Gesichtsfeld zusätzlich angegeben werden ...

Aus den genannten Gründen gibt beispielsweise die Firma Tele Vue für ihre Okulare den Durchmesser der Sehfeldblende an. Daraus kann man sich ohne Probleme über die Teleskopbrennweite das wahre Sehfeld berechnen und mit Angabe des scheinbaren Sehwinkels hat man eine gute Vorstellung, wieviel "Weitwinkelfeeling" man mit einem bestimmten Okular bekommt. Bei komplexeren Okularen (z.B. Nagler) braucht man einen "effektiven" Durchmesser der Sehfeldblende, da hier eine Art Barlowelement vor der Sehfeldblende im Okular sitzt. Beim Fernglas kann man sich die Rechnerei sparen, da hier ja das wahre Sehfeld angegeben wird. Will man unbedingt den scheinbaren Sehwinkel wissen, dann muß man halt selber messen. Mit einem an die Wand gehängten Kreis auf einem Blatt Papier klappt auch das mit ausreichender Genauigkeit.

Ich habe meine Zweifel, ob man die Hersteller von Ferngläsern zu einer nachprüfbar richtigen Angabe der scheinbaren Sehwinkel bewegen kann. Wozu auch? Der normale Kunde wird sich kaum mit der Verzeichnung von Okularen beschäftigen, ihn interessiert wohl eher das wahre Sehfeld in Meter auf 1000m Entfernung oder in Grad am Sternhimmel. Warum sollten die Hersteller zusätzliche Verwirrung stiften? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />

Frank.
 
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