Omegon LX3 Montierung ohne Polarstern ausrichten

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pspirit

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Hallo,
ich bin im Oktober in Thailand auf Urlaub. Soweit südlich hatte ich noch nie Gelegenheit, Astrofotos zu machen. Die Gelegenheit möchte ich aber bestmöglich nutzen. Wir haben ein Hotelresort mit Strandzugang an der Westküste und vermutlich einen ganz guten Blick nach Süden.
Ich kann nicht viel mitnehmen, aber meine EOS90D und ein paar Objektive 50mm Festbrennweite (Vollformat) , Zoom 70-300, Weitwinkelzoom 10-19mm und meinen Omegon LX3 Minitrack will ich einpacken.
Nun komme ich zu meiner Frage: Die geografische Breite ist bei ca 7° und der Polarstern wird vermutlich so niedrig am Horizont stehen, daß er im Dunst verschwindet oder hinter einem Hügel nicht zu sehen ist. Der Strand wird der einzige Platz sein, wo ich Fotos machen kann.
Bekomme ich es irgendwie hin, meinen Tracker exakt genug auszurichten, ohne den Polarstern anzuvisieren ?

Weiteres Problem: Meine billige Polhöhenwiege von IOptron kann ich nur in einem Bereich von -40°/+60° einstellen, aber nicht die gannten 7°. Das müsste ich jedoch mit einem L-Winkel wie diesem hier ausgleichen können, oder gibt's damit Probleme ?

Vielen Dank für Eure Hilfe
 
Ich habe da eine Möglichkeit für dich. Ich norde immer über ähnliche Deklinationen ein, weil bei mir auch Norden verdeckt ist. Für Thailand und Oktober sollte folgendes passen:

Einnorden.jpg

Wenn du deinen Aufbau grob nach Norden und für deine geografische Breite aufstellst musst du den Aufbau im Azimut solange korrigieren, bis die beiden äußeren eingekreisten Sterne beim Drehen der Stundenachse genau in gleicher Höhe im Blickfeld deiner Kamera auftauchen (Liveview).
Dann sollte der mittlere Stern rund 1 Grad südlicher im Bildfeld erscheinen. Wenn nicht, musst du die Polhöhe entsprechend anpassen. Danach nochmal die äußeren Sterne überprüfen. Das sollte reichen.

Wenn du damit fertig bist, hast du besser eingenordet als mit jedem Polsucher.

Die Theorie dahinter erklärt dieses Video:
 
Und wenn es gaaanz genau sein muss, dann stellst du es so ein, dass beim Vergleich der äußeren Sternen der rechte, statt auf gleicher Höhe, 6 Bogenminuten nördlicher ist.
 
Hallo,
dankeschön für die Tips. Ich denke, das ist genau der richtige Weg für mich.
Ich werde das aber vorher einige male üben müssen. Dafür werde ich hier bei uns in der Heide vielleicht demnächst auf den Wilseder Berg fahren und das ausprobieren. Ich muß mir nur noch etwas für die Drehbarkeit zum Einnorden überlegen. Schließlich ist mein ganzer Aufbau "nur" ein Fotostativ mit der Nachführung und der Kamera drauf. Ein freies Verdrehen bzw. einstellbare Achsen sind da gar nicht vorgesehen. Aber für eventuelle Bastelarbeiten habe ich ja noch den ganzen Sommer Zeit.

Wenn ich es richtig verstanden habe, brauche ich die Excel-Tabelle aus dem Film nicht zwingend. Wenn ich Sterne mit exakt gleicher Deklination habe, müßte ich nur wechselweise anpeilen und korrigieren, oder ? Kann ich die im Film gezeigte Excel-Tabelle trotzdem irgendwo herbekommen ?

Gruß aus der Lüngeburger Heide
Holger
 
OK, ich habe eine Ioptron Skyguider, der hat eine Stundenachse. Ohne wird das schwierig. Zum Üben hier bei uns sind meine Empfehlungen zu südlich.
Am besten du suchst dir über Stellarium drei Sterne mit ähnlicher Deklination. Stellarium zeigt ja auch die tagesaktuelle Deklination genau. Da kannst du ja die Differenzen zueinander berechnen. Die sollten nur klein genug sein, dass du sie mit den Bildfeld deines Liveviews abdeckst.

Den Link zum Excel findest du auf meiner Kurzanleitung:
 
Hallo Helmut,
noch einmal vielen Dank für das Zur-Verfügung-Stellen der Excel-Tabelle. Ich habe mich nun etwas eingelesen und eine Beispieltabelle angelegt.
Ich habe zunächst nur einen Sternkreis angelegt, mit Sternen, die um die Deklination -40° liegen. Leider bleiben die Felder in der Zeitleiste dann leer. Ändere ich alle Deklinationen auf +40°, stimmt es wieder. Ich sehe im Moment noch keinen Fehler bei meinen Angaben: Standort 7° Nord/103° Ost, Mindesthöhe eines Sterns 10° . Hast Du eine Idee, was ich falsch gemacht haben könnte ?
 
Hallo allerseits,

mit derart minimalistischen Nachführungen wie der Omegon LX3, bei der man die Richtung der Polachse ja nur über einen simplen Kugelkopf einstellen kann, dürfte das von Helmut beschriebene Verfahren sehr schwierig sein.

Zumindest sollte die azimutale Ausrichtung der Polachse von der Ausrichtung der Neigung entkoppelt werden, sonst konvergiert die Methode nicht, und das ist mit einer Kugelkopfklemmung praktisch unmöglich.

Ich würde deshalb den Kugelkopf in der für den Standort bekannten geographischen Neigung nur grob voreinstellen und weitere Feinjustierungen dann nur noch über das Stativ vornehmen. Zur Justierung der azimutalen Aurichtung der Polachse verrückt man die Stativfüße geringfügig. Und zur Justierung der Neigung der Polachse arbeitet man mit Unterlegscheiben unter den Stativfüßen. Wegen der erheblichen Abstände der Füße ist das Verfahren erstaunlich zielführend.

Wenn man eine Montierung mit exakten Teilkreisen hat, braucht man nicht einmal Sterne auf annähernd gleicher Deklination. Man stellt dann einfach für mehrere helle Sterne die Solldeklination ein und bringt diese dann durch Justierung der Ausrichtung der Stundenachse ins Zentrum vom Fadenkreuz. Und das funktioniert halt auch für Sterne, die weit ab vom Pol stehen.

Gruß, Peter
 
Hallo Peter,
Ich bin eigentlich ganz optimistisch, daß das irgendwie funktionieren wird. Ich habe an der Polhöhenwiege zwei Stellschrauben für den Azimut, die mir hoffentlich genug Spielraum für die Justierung geben. Für die Höhe ist auch ein Einstellrad vorhanden. Am Kugelkopf will ich somit für die Einstellungen nichts machen.

Schwierigkeiten hatte bzw. habe ich mit der LX3 an sich. Da ich keine bewegliche Stundenachse habe, muss ich das Schwenken mit dem Antriebsblech machen. Damit es frei beweglich ist, habe ich folgendes an der Montierung geändert:

1) Ich habe die Feder entfernt, die die Bewegung einschränkt. Erfreulicherweise ist die Taktrate auch mit dem abgebildeten Aufbau und ohne Feder bei ca 131 Takten, so wie empfohlen.
2) Ich habe die Nut, in der die Befestigungsschraube für das Uhrwerk sitzt, ein wenig verlängert. So kann ich das Uhrwerk etwas von der Verzahnung am Blech für die Dauer der Einnordung wegbewegen und das Blech ist frei beweglich. Im eigentlichen Betrieb muß ich das Uhrwerk natürlich wieder gegen das Blech schieben und festschrauben.
3) Links ist ein kleiner Anschlag am weißen Grundkörper der Montierung. Für eine freie Beweglichkeit muß ich ihn wohl wegflexen. Das wäre die einzige irreversible Änderung an der Montierung. Aber dann kann ich das Blech mit der Kamera ca +- 45° schwenken.

Ich werde das in den kommenden Wochen testen. Die größte Schwierigkeit sehe ich darin, daß ich während des Schwenkens das Blech mit einer Hand halten muß, denn es hat keine Arretierung, bis ich das Uhrwerk wieder dagegenschiebe. Vielleicht fällt mir dazu noch etwas ein, eine Art Klemme. Außerdem muß ich aufpassen, daß ich bei der Fummelei im Dunklen den ganzen Aufbau nach erfolgter Einnordung nicht versehentlich verrücke, denn das ganze ist doch sehr labil. Aber das ist der Kompromiß beim Reisegepäck.

IMG_20230408_105033442_HDR.jpgIMG_20230408_104638370_HDR.jpg

Gruß
Holger
 
1) Ich habe die Feder entfernt, die die Bewegung einschränkt. Erfreulicherweise ist die Taktrate auch mit dem abgebildeten Aufbau und ohne Feder bei ca 131 Takten, so wie empfohlen.
Ich bin geschockt. Die Feder ausgebaut? Was ist mit Ost / West Ausrichtung? Glaubst du, das die Feder nur zum Spaß eingebaut wurde?
2) Ich habe die Nut, in der die Befestigungsschraube für das Uhrwerk sitzt, ein wenig verlängert. So kann ich das Uhrwerk etwas von der Verzahnung am Blech für die Dauer der Einnordung wegbewegen und das Blech ist frei beweglich. Im eigentlichen Betrieb muß ich das Uhrwerk natürlich wieder gegen das Blech schieben und festschrauben.
Boarr, ohne Worte
3) Links ist ein kleiner Anschlag am weißen Grundkörper der Montierung. Für eine freie Beweglichkeit muß ich ihn wohl wegflexen. Das wäre die einzige irreversible Änderung an der Montierung. Aber dann kann ich das Blech mit der Kamera ca +- 45° schwenken.
Du denkst, das es keinen Grund gab, warum der Hersteller hier eine Begrenzung eingebaut hat?
Ich werde das in den kommenden Wochen testen. Die größte Schwierigkeit sehe ich darin, daß ich während des Schwenkens das Blech mit einer Hand halten muß, denn es hat keine Arretierung, bis ich das Uhrwerk wieder dagegenschiebe. Vielleicht fällt mir dazu noch etwas ein, eine Art Klemme. Außerdem muß ich aufpassen, daß ich bei der Fummelei im Dunklen den ganzen Aufbau nach erfolgter Einnordung nicht versehentlich verrücke, denn das ganze ist doch sehr labil. Aber das ist der Kompromiß beim Reisegepäck.
Welche eine Fuscherei

Die LX-3 ist so ein schönes feines Gerät, das hervorragend funktioniert, wenn man es so bedient und benutzt, wie es vorgegeben und gedacht ist.
 
Hallo Holger,

meinen Fehler im Excel habe ich gefunden und bereinigt. Ich schicke dir per PN das Thailand_minus zurück. Und die richtige Version für Nordefix stelle ich auch ein. Da der Fehler nur bei Sternkreisen mit negativer Deklination auftritt, ist für "nördliche" Benutzer der Austausch nicht nötig.
Aber auch ich bin skeptisch, ob meine Einnordung für deine Gerätschaft das Richtige ist. Aber du hast ja noch den Sommer Zeit das zu testen. Dafür ist die Originalversion mit nördlichen Sternen gut geeignet.
 
Eigentlich ein sehr schönes Verfahren zur Einnordung ohne freie Sicht auf den Pol, das Helmut da ausgetüftelt hat. Zwar bin ich weiterhin skeptisch, ob die Omegon LX3 dafür geeignet ist. Aber wie heißt es doch: The proof of the pudding is in the eating.
 
Eigentlich ein sehr schönes Verfahren zur Einnordung ohne freie Sicht auf den Pol, das Helmut da ausgetüftelt hat. Zwar bin ich weiterhin skeptisch, ob die Omegon LX3 dafür geeignet ist. Aber wie heißt es doch: The proof of the pudding is in the eating.
Mit meinem Skyguider von ioptron und dem Getriebeneiger funktioniert das sehr gut. Ohne frei drehbare RA-Achse würde ich es nicht empfehlen, weil nach dem Einnorden ja noch wieder gebastelt werden muss, und sich dann leicht alles wieder verstellt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hier ist noch eine Anleitung von Michael Dütting, wie man eine parallaktische Montierung mit Teilkreisen schon tagsüber einnorden kann:

Einnorden ohne Polsucher und Polarstern

Man kann das natürlich, wie bereits angedeutet, auch mit hellen Sternen oder sogar am Mond machen. Vorraussetzung ist allerdings eine Montierung mit hinreichend genauen Teilkreisen.

Gruß, Peter
 
Hallo,
ich weiß es ja auch nicht, ob es funktioniert. Aber einen Versuch ist es wert. Und irreversible Änderungen an der in der Tat wunderbaren LX3 mache ich erst dann, wenn ich überzeugt bin, daß es klappt.

Was wäre denn Eure Hardware-Empfehlung zum Nachführen, die in den Koffer paßt und auch noch erschwinglich ist ?
Gruß
Holger
 
Aus meinem früheren Urlaub auf Sri Lanka weiß ich, dass Polaris auch in 7 Grad Höhe gut auszumachen ist. An deiner Stelle würde ich die LX3 doch über Polaris einnorden und dann viele Aufnahmen nachgeführt mit 30 Sekunden Belichtungszeit aufnehmen um sie später zu stacken.
Bei nicht allzu großer Brennweite sollte es auch noch keine Striche geben.

Aber Vorsicht, den Polarstern nicht mit Kochab verwechseln. Der steht abends im Herbst nämlich knapp eine Handspanne weiter links in ähnlicher Höhe und ist gleichhell. Also 2 gleichhelle Sterne in nördlicher Richtung, der Polarstern steht dann rechts. Und der genaue Himmelspol befindet sich zwischen den beiden, eine gute Mondbreite vom Polarstern entfernt. Ich hänge hier mal einen Stellarium-Ausschnitt der Ansicht an.

Polansicht.jpg
 
Hallo und nochmals frohe Ostern in die Runde. Ich habe mir bei Google Maps die örtlichen Gegebenheiten schon angesehen und es ist in Richtung Norden ein Hügel.
Daher werde ich das natürlich zunächst prüfen, mich aber doch auf das Einnorden, die Helmut entwickelt hat, vorbereiten.

Die Skepsis hier im Thread hat mich natürlich gestern Nacht doch motiviert und nach dem örtlichen Osterfeuer einen ersten Einnordeversuch gemacht. Hier ist das Ergebnis. Ich bin mehr als zufrieden ! Ich habe an meiner Crop-Kamera ein 105mm-Objektiv verwendet, also schon ein ordentliches Tele-Objektiv.
Unbewußt habe ich sogar den Kleinplaneten Ceres mit aufs Bild bekommen. Zugegeben waren noch viele Bilder Ausschuß, weil ich irgendwann den Aufbau berührt habe und die Einstellungen futsch waren. Auch Bilder vom Zenit zeigten doch spürbare Lichtspuren. Aber Richtung Süden hat die Einnordung wunderbar geklappt.
Und ich finde, wenn man das Ziel mit den Veränderungen erreicht hat, sind Modifikationen auch keine Pfuscherei.

Im Urlaub werde ich nur besondere Objekte, z.B. die Magellanschen Wolken mit solchen Objektiven fotografieren wollen, ansonsten eher Weitwinkel verwenden. Und dafür reicht das Verfahren auf jeden Fall aus. Anbei auch die Aufnahmedaten des Bildes.
 

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Hallo,
Im April habe ich hier die Anfrage hineingestellt, wie man ohne Polarstern eine Spiegelreflexkamera mit Omegon LX 3 einnordet. Nun bin ich hier vor Ort und leider ist die Mitnahme des LX3 dem Gewichtslimit der Fluglinie zum Opfer gefallen. Dennoch konnte ich in einer Nacht ein paar schöne Bilder machen und möchte hier auch eines posten. Des Fotografieren hier ist aus mehreren Gründen recht schwierig:
  1. Der Mond ist kurz vor dem Vollmond, um vier Uhr morgens war er aber endlich untergegangen.
  2. Hier herrscht zur Zeit noch Regenzeit, aber ich hatte eine der wenigen guten Nächte erwischt.
  3. Auf dem Meer schwimmen weit entfernt viele Bojen mit grüner greller Beleuchtung, die den meisten Fotos einen Grünstich geben.
  4. Das grösste Problem: die sehr hohe Luftfeuchtigkeit sorgt dafür, daß die Linse vor jedem Foto gereinigt werden muß. Ich hatte nur Tempo-Taschentücher mit. Die Linsen haben gottseidank nicht gelitten. Der Effekt des Beschlagens war bei der dicken Linse des Samyang 14mm besonders stark. Tagsüber war der Effekt nach 10-15 min verschwunden. In der Nacht war er wie beschrieben jedoch dauerhaft vorhanden. Ich hoffe, das Equipment leidet nicht unter eindringender Feuchtigkeit.
Das Fotografieren von vielen Aufnahmen und das anschliessende Stacking zuhause wird also so nicht möglich sein. Ich habe in jpg + raw fotografiert. Vielleicht kann ich dennoch aus ein paar Einzelbildern ein besseres Summenbild machen.
Auf dem Bild ist zentral die Große Magellansche Wolke zu sehen. Das war eines der Hauptziele meiner kleinen Fotoexkursion. Linke oben befindet sich Canopus, den ich auch noch nie live gesehen hatte. An ihm merkt man schon, wie schnell die Linse beschlägt. Weiter waren auffällige Sternkonstellationen zu sehen, die ich vorher nicht kannte, z.B. den Kranich.
Und ganz ungewöhnlich auch: Beteigeuze im Orion steht im Zenit, gleich daneben das vollständige Sternbild Großer Hund mit Sirius.

Gruß aus Thailand
 
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