Operation am TeleVue NP101 glücklich verlaufen!

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Walter41

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Hallo Leute,

sicherlich ist dem einen oder anderen die Odyssee mit meinem TeleVue NP101 noch in Erinnerung. Falls nicht, kann man ja hier nachlesen:
Die Odyssee eines gebrauchten....

Es hat ja recht lange gedauert, aber wie heisst es so schön: Gut Ding braucht weile und dies gilt insbesondere für astronomische Optiken. Da kommts (mir) auf ein paar Wochen mehr oder weniger auch nicht an, wenn das Ergebnis den Aufwand rechtfertigt.

Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle natürlich unseren Optik-Spezialisten Alois Ornter, ohne dessen Mithilfe das ganze Projekt wohl zum Scheitern verurteilt gewesen wäre!

Also der Reihe nach:

Da man immer systematisch nach vorgehen solle, wurde natürlich vor den ganzen Herumschrauben zuerst eine Eingangskontrolle durchgeführt, die natürlich alles andere zeigte, als das, was sich normalerweise eines APO würdig erweist:

Sterntest:
Der Sterntest zeigt eine sehr gute Übereinstimmung mit meiner Handskizze von damals. Jede Menge Coma und sonstige Artefakte.

Link zur Grafik: http://gallery.me.com/hathor41/100093/Sterntest-20vorher/web.jpg

Spaltbild
Dieses Bild zeigt die ausgeprägte spährische Abberation besonders deutlich. Zu erkennen am heftigen Lichthof um den Spalt.

Link zur Grafik: http://gallery.me.com/hathor41/100093/Spaltbild-20vorhe-20nachher/web.jpg

Angefangen hat das ganze erstmal mit der Feststellung des richtigen Optik-Designs. Hier hat der Alois wirklich sehr gute Arbeit geleistet und das Ding bis ins Detail erforscht:
Also Grundlage der gesamten Überlegungen war das
rekonstruierte Optik-Design:

Link zur Grafik: http://gallery.me.com/hathor41/100093/Design-20mit-20Bildschalen-20kl/web.jpg

Der Ronchi-Test zeigt das besonders deutlich, was passiert, wenn die hinteren Linsen dann zwar in der Reihenfolge richtig, aber in der Orientierung verkehrt eingbaut sind:

Link zur Grafik: http://gallery.me.com/hathor41/100093/DSCN9728/web.jpg

Die hintere Linsengruppe war ja ein besonders heikles Thema bei dieser Optik aber nach einer direkten Telefon-Recherche mit Hrn. David Nagler von TeleVue konnte auch dieses Problem gelöst werden. Man hätte auch die Trial-und Error-Methode bemühen können, aber so gings dann doch schneller. Besonders interessant in diesem Zusammenhang ist natürlich das Voher-Nachher-Foto von der hinteren Linsengruppe. Hier sieht man schön den Unterschied im Reflexionsverhalten der hinteren Linse.

Link zur Grafik: http://gallery.me.com/hathor41/100093/Bildfeldkorrektor-20vorher-20Nachher/web.jpg

Da man bei solchen Dingen immer schrittweise vorgehen sollte, wurde natürlich zuerst das Objektiv alleine begutachtet:

Als erstes wurde mal die vordere Linsengruppe begutachtet. Sehr schön zu erkennen, das schwarze Klebeband am vorderen Rand der Zerstreulinse, d.h. dort wo die Linse hohl ist. Etwas ungünstig....

Link zur Grafik: http://gallery.me.com/hathor41/100093/DSCN9751/web.jpg

Die Messungen am Objektiv zeigten dann ein sehr interessantes Ergebnis. Insbesondere wurde auch aufällig, dass der Distanzring zwischen den beiden vorderen Linsen einen Höhenschlag von 0.04mm aufzuweisen hatte. Der Alois hat das natürlich korrigiert.

Sterntest mit der Frontlinsengruppe alleine:

Link zur Grafik: http://gallery.me.com/hathor41/100093/DSCN9754/web.jpg

In Abwesenheit des hinteren Linsensystems zeigen sich prinzipbedingt sphärische Abberation und Farbfehler, was ja auch legitim ist, aber mal abgesehen davon ist hier ersichtlich, dass das vordere Linsensystem von ausgezeichneter Qualität ist: Koma und Astigmatismus sind quasi nicht vorhanden ;-) Die Energieverteilung zeigt ein sehr homogenes Bild. Das lässt dann schon mal hoffen...

Link zur Grafik: http://gallery.me.com/hathor41/100093/Objektiv-20alleine--20Mittelung-20aus-20Ifg-209748/web.jpg

Beim Zerlegen des Feldkorrektors zeigte sich dann eine weitere Unschönheit: Die Linsen sind auf eher windigem Klebeband gelagert wie man hier schön erkennen kann (siehe Pfeil):

Link zur Grafik: http://gallery.me.com/hathor41/100093/DSCN9772/web.jpg

Die kleinen Klebebänder sind leider nicht langzeitstabil und somit wahrscheinlich auch eine Ursache für die schlechte Abbildungsleistung des Refaktors. Des weiteren zeigte sich eine besondere Anfälligkeit des gesamten Optischen Systems auf Verkippung der hinteren Linsengruppe bzw. der gesamten Linsenfassung. Diese ist mit einer kleinen Madenschraube gegen Verdrehen zum Tubus hin gesichert. Leider erzeugt diese Madenschraube einen einseitigen Druck auf den Tubus und unterstützt hier eine verkippte hintere Linsenfassung. Insbesondere die extrem starke spährische Abberation die sich in den anfänglichen Messungen zeigte, war auf diese Situation zurückzuführen.
Nach einer langwierigen Feinjustage der gesamten Optik ist dann dieses Ergebnis herausgekommen:

Sterntest am opimierten System:

Schöne kreisrunde Beugungsscheibchen und ausgeprägte Ringstruktur, wie es sich für so ein System gehört. Dabei zeigen die innerfokalen Beugungsscheibchen ausgeprägtere Struktur als extrafokal. Dies dürfte aber in der Natur des Pezval-Systems liegen.

Link zur Grafik: http://gallery.me.com/hathor41/100093/Sterntest-20Televue-20NP-20101-20optimiert/web.jpg

Das Laser-Inteferogramm zeigt dann das Bild hier:

Link zur Grafik: http://gallery.me.com/hathor41/100093/Ifg-209838-20Keil-20oben/web.jpg


Und der Seidel-Report liefert nach den langwierigen Optimierungen dann folgendes Bild:
Link zur Grafik: http://gallery.me.com/hathor41/100093/Mittelung-20aus-20Ifg-209838-20und-209839-20-20Sei_2/web.jpg

Da diese Optik ja eigentlich für fotografische Zwecke entworfen wurde, wurde auch einen Feldmessung durchgeführt um herauszufinden, wie weit bzw. wie gross denn ein bildgebender Baustein sein kann, um an dieser Optik ein scharfes Bild bis in die Ecken zu erhalten.

Feldmessung:

Link zur Grafik: http://gallery.me.com/hathor41/100093/Televue-20Feldmessung-20Abbildung/web.jpg

Aus der Feldmessung ist ersichtlich, dass für Chipgröße bis gut 20mm Breite ein recht gutes Ergebnis zu erwarten ist.

Fazit:

Was bleibt, ist ein kleiner Rest vom Koma, alle anderen Parameter liegen weit im grünen Bereich. Man könnte das natürlich auch noch optimieren, allerdings ist der Aufwand dafür in keiner Relation zum Ergbebnis zu sehen. Daher belassen wir das mal so.
Strehl 0.92 bei recht großen brauchbaren Bildfeld ohne irgendwelche Abzüge von Kennzahlen kann sich durchaus sehen lassen, auch in Zeiten von hochmodernen China-Krachern ;-)

Abschließend kann ich sagen, dass sich die tiefgreifende Operation am TeleVue NP101 gelohnt hat. Mein besonderer Dank geht daher an allen Beteiligten, die mitgeholfen haben, um dieses Problemkind doch noch zu einem doch recht guten Ergebnis zu verhelfen.

Wie sich das Ding dann fotografisch unter realen Bedingungen verhalten wird, das ist dann eine andere Geschichte ;-)


LG Walter
 
Nachtrag:

Habe gerade mit zwei Kollegen vom Verein die Optik am Stern überprüft. Testokular Nagler 3,5mm, Nagler 5mm, Pentax 14mm und Nagler 31. Es kamen folgende Testobjekte vor das Okular:
a) Sterntest an Vega (5mm Nagler und 3,5mm Nagler)
b) Auflösungsvermögen am Doppelstern Epsilon Lyrae (5mm Nagler, 3,5mm Nagler)
c) Farbdifferenzierung an Albireo (14mm Pentax, 5mm Nagler)

Ergebnis
@ a) Perfekt! Sowohl intrafokal als auch extrafokal saubere Beugungsringe ohne jede Farbe. Wunderschön weiss, Energieverteilung schön gleichmäßig über das gesamte Beugungsscheibchen. Perfekt rund. Beugungsringe visuell wesentlich schöner zu sehen als oben auf den Foto. Insbesondere zeigt auch die ausserfokale Abbildung visuell schöne Ringe, nicht so verwaschene Flecken wie oben. Von Coma oder anderen Artefakte ist visuell keine Spur zu sehen!
@ b) Trennung der vier Komponenten bei 100 fach-Vergrößerung einwandfrei sichtbar. Das Seeing war insgesamt sehr gut, später, kurz vor Mondaufgang wars dann etwas schlechter. Mit dem 3,5mm Nagler alle vier Komponenten sauber getrennt mit tiefem Schwarz zwischen den Sternen. Geschlossene Beugungsringe um die vier Sterne sichtbar, einfach ein toller Anblick ;-)
@ c) Orange/Blau-weisse Farbe der beiden Komponenten wunderschön zu sehen. Keine Kritik anzubringen.

Fazit: Perfekte Optik! Der Alois hat excellente Arbeit geleistet!

LG Walter


 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Leute,

Habe noch vergessen, den Ronchi-Test anzuführen.
Also das Ronchi-Diagramm schaut folgendermaßen aus:

Ronchigram:

Link zur Grafik: http://gallery.me.com/hathor41/100093/DSCN9820/web.jpg

Daten des Ronchigramms: 10LP/mm
Die Markierungen an 3:30 bzw. 0:30 dienen zur Orientierung der Linsen in der Fassung.....

Ich finde, das schaut mal gar nicht so übel aus ;-)

LG Walter
 
Hallo Walter,

spannend habe ich den anderen Thread "damals" verfolgt und mitgefühlt.

Nun, so wie es ausschaut habt Ihr das NP101 wieder zum Leben erweckt und es leistet wieder das was es soll. Ich wünsche dir viel Spass mit dem Gerät und in Zukunft nicht soviel Ärger bei kommenden käufen.

Viele Grüße,

Christian.
 
Hallo Walter und Teilnehmer.

Freut mich dass du mit dem Televue NP 101 wieder glücklich bist.
Nun eine Schilderung meiner Erlebnisse.
Da ich fast alle Beteiligten kenne habe ich mich auch mit ihnen telefonisch kontaktiert.
Der Vorbesitzer war mit dem NP101 sehr zufrieden und hat sich entschlossen seine Astrofotografie auf Öffnung
8“ zu steigern und um dies zu finazieren musste er das BP 101 verkaufen.
Das NP 101 hatte nur einen Mangel.
Wenn man die Taukappe hinaus schiebt hat sie einen harten Anschlag und dies führte dazu das sich die Objektivfassung
In der Lage veränderte und von Zeit zu Zeit nachjustiert werden musste, was auch gut machbar war.
Um den Nachbesitzer damit zu verschonen hat er das NP 101 zu Wolfgang Grzybowski geschickt um es mit 3 zusätzlichen
Schrauben zu befestigen und stabiler zu machen. Dies ist ihm auch gut gelungen und das Objektiv war auch gut kollimiert.
Jedoch der Petzval Feldkorrektor hat ihm scheinbar Schwierigkeiten gemacht weil der nicht so wie im Wikipedia sondern
total umgekehrt und weniger Meniskusförmig konstruiert ist. Ich frage mich ob das noch als Petzval gültig ist und das
Wort nur noch zur Werbung verwendet wird. Siehe meine Zeichnung

Link zur Grafik: http://gallery.me.com/hathor41/100093/Design-20mit-20Bildschalen-20kl/web.jpg

und hier im

( http://de.wikipedia.org/wiki/Petzvalobjektiv )

Vielleicht gilt es auch als Weiterentwicklung des Petzval Systems, mittels neuer Glassorten, weil alle neuen Bildfeldebner sind
mit der Pluslinse Objektivseitig konstruiert.
Mit der Wikipedia Reihenfolge ist es ihm nicht gelungen die sphärische Aberation zu beheben, aber dass er eine so starke
Aberration dann im Protokoll einfach abzieht, hätte ich nie für möglich gehalten.
Walter ist es auf meinen Wunsch hin ( weil ich kann zu wenig gut Englisch ) gelungen bei Televue telefonisch Kontakt
zu bekommen und hatte Glück sogar Hr. David Nagler zu sprechen welcher ihm gut die Anordnung erklärte.
Dies war für mich eine gute Hilfe weil sonst hätte ich im schlimmsten Falle 8 Versuche machen müssen.
Also 8 mal das Teil vom Tubus herunterschrauben und den Haltering der Linsen herauskurbeln, ( beide haben lange Gewindestrecken )
Linsen heraus nehmen und anders einbauen und dass immer mit Vorsicht machen dass nichts passiert. Das ist belastend.
Das Problem war nur. Die Radien der Pluslinse sind so ähnlich dass der Unterschied auf der Abbildung im Prospekt nicht erkennbar war.
Nun die Linsen richtig eingebaut und das ganze Teil auf den Tubus geschraubt bis die Kerbe der Arretierungsschraube durch ihr
Loch sichtbar war und überein stimmte in der Annahme dass dies der Idealabstand des Korrektors zum Objektiv ist.
Versuche weiter hinein zu drehen und heraus zu drehen haben in der Bildebene nicht viel geändert aber in der Schärfe hat sich mehr getan.
Also habe ich mich entschlossen die beste Schärfe zu finden und dessen Position war tatsächlich sehr nahe der bisherigen Einstellung.
Nur das Gewinde hatte sehr großes Spiel und konnte in der Querrichtung zur Arretierungschraube unter stärkerer Belastung kippen.
Dies könnte die Erklärung sein warum beim Händler noch keine Koma sichtbar war und das Gerät beim Transport eine starke Erschütterung
In dieser Richtung bekommen hat.
Dass bringt aber auch den Nachweis dass Feldkorrektoren durch Neigung sehr starke Koma einführen wie das erste Bild in Walters Bericht zeigt.
Dies zu beheben habe ich einen Distanzring gedreht damit ich das Teil bis auf den Anschlag festdrehen konnte.
Dann war aber immer noch eine kleine Koma. wie hier zu sehen.

Link zur Grafik: http://gallery.me.com/hathor41/100076/Televue-20-20NP-20101-20-20schrittweise-20Verbesse/web.jpg

Also musste ich wieder alles zerlegen und kam auf die Stelle die im Bild 9 in Walters Bericht zu sehen ist.
Es ist leider so das manche Klebeschichten im Sommer weich werden und nach geben und dadurch können diese Teile verrutschen.
Da diese kleine Veränderung schon zu einer Koma geführt hat zeigt sie wie empfindlich Feldkorrektoren gegen Neigung sind.
Dies ist vielleicht eine wichtige Lehre die wir daraus ziehen konnten, um auch etwas nützliches Berichten zu können.

Nun noch zum Objektiv das ich als allererstes behandelt habe damit der reihe nach die Fehler behoben werden und keine
Mischung der Fehler entstehen kann.
Der Distanzring hatte zwar 0,04 mm Höhenunterschied aber die Wirkung war nicht so schlimm weil bei 13,5 mm Luftabstand ist dies ein
kleiner Prozentsatz. Bei einen Frauenhofer mit 0,5 mm Luftabstand wäre das schlimm gewesen. Habe ihn aber trotzdem behoben.
Die Linsen waren mit einen 0,08 mm dicken Klebeband ummantelt. Dies hat zwar gut gepasst war aber auf einer ungünstigen Stelle.
Nehmlich dort wo die Linse ihre hohle Seite hat und bei Druck verbogen werden kann. Dieses band habe abgenommen um die hälfte
schmäler gemacht damit es mehr nachgeben kann und dort angebracht wo die Linse durch Druck am wenigsten verformt werden kann.
Sterntest im üblichen Sinn kann man natürlich nicht machen weil das Objektiv farblich und sphärisch eine Vorgabe für das System hat.
Aber man kann sehen, ob Koma, Astigmatismus und chromatische Queraberration behoben ist.
Vielleicht hilft dieser Bericht manchen Televue Besitzer ein wenig wenn ein Problem auftaucht.
Den Fehler bei der Taukappe habe ich noch nicht behoben. Dort wäre es gut wenn der Anschlag mit einen Filz oder Stoff belegt würde
damit der kleine Schlag gedämpft wird. Sonst ist es ernst zu nehmen das viele kleine Schläge zu einer Veränderung führen.
Das beweißt schon lange mein von Stathis so benannte My Hämmerchen.

Viele Grüße
Alois

 
Hallo Walter + Alois,

schön das die Geschichte nun ein gutes Ende genommen hat! Danke für euren ausführlichen Bericht... Ich hoffe, dass ich bald wieder die Zeit finde mein BIF weiter aufzubauen. :)

Gruß
Torsten
 
Hallo Alois,

ich gratuliere dir zu deiner großartigen Leistung!
Toll das du dieses schwierige Teleskop wieder so gut hinbekommen hast.
Und so wie du das schilderst ist es wohl ein echtes Petzval-Teleskop.

Viele Grüße, Karsten
 
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