Hallo Josua,
Mit C++ kannst Du eine ganze Reihe von APIs benutzen, um Grafiken zu erzeugen. "Klassisch" geht das mit dem GDI, moderner mit GDI+ und dann gibt es noch eine ganze Palette von Bibliotheken für 3D etc. pp. Die Frage ist nicht ob es geht, sondern was man am besten nimmt. GDI+ ist attraktiv, aber bei TheSky 6 gab es eine Reihe von Problemen, die auf Fehler im GDI+ zurückzuführen waren. Auf alter Hardware mag es sein, dass diese API weitere Probleme macht.
E&T benutzt das umständliche, klassische GDI als Grafikinterface bei den Karten. Sieht nicht umwerfend schön aus, ist aber schnell genug und läuft auf jedem 32bit-Windows (ja, auch auf den Krankheiten Win95 oder ME) ohne Probleme. Und das muss man mit was Modernerem erst mal hinkriegen.
Ich verstehe zwar, dass viele Sternfreunde nach der Universallösung fragen. Es gibt aber schon ein paar Gründe, warum das nicht optimal sein muss:
* Bloatware läuft nicht oder schlecht auf schwacher Hardware. Gerade draussen am Teleskop will man aber nicht unbedingt ein 1500 Euro Notebook gefährden, da kann man lockerer bleiben wenn im Ernstfall nicht viel kaputt ist.
* Bloatware ist tendenziell schwierig zu bedienen. Viele Möglichkeiten, viel Einarbeitungsaufwand
* Bloatware ist aufwändig zu programmieren und tendenziell teuer. Und genau "Deine" Lieblingsfunktionen sind dann auch wieder nicht dabei.
* Die Anforderungen von "Beobachtersoftware" und "Multimediasoftware" (zum Lernen, Demonstrieren, Rumspielen) sind ergonomisch betrachtet recht verschieden. Ich sehe hier eigentlich zwei total getrennte Bereiche und habe in beiden meine Lieblinge: Guide plus E&T am Teleskop, Stellarium und den ESO 3D Atlas für "Ausbildungszwecke". Was beides m.E. noch am besten unter einen Hut bringt ist TheSky 6. Starry Night kenne ich nicht in aktueller Version, aber es schien mir seinerzeit für den Feldeinsatz ungeeignet.
Ich versuche bei E&T einen anderen Ansatz: Konzentration auf die Kernaufgabe, gute Leistung, leichte Bedienbarkeit und Anbindung von Fremdprogrammen bzw. Möglichkeiten zum Datenaustausch. Damit kann man E&T hoffentlich gut in sein bestehendes Ensemble integrieren. Und man bezahlt nur das, was man auch braucht bzw. haben möchte. Allzweckautos gibt's auch nicht, weil jeder was anderes will.
Das eigentliche Problem bei Astrosoftware ist m.E. nicht das Fehlen des ultimativen Universalprogramms sondern die schlechten, umständlichen oder fehlenden Möglichkeiten zum Benutzen der Daten mit mehreren Programmen. Welches Planetariumsprogramm A kann die Objektdaten von Programm B einlesen oder seine Einstellungen für die Karten übernehmen? Bei der Bildverarbeitung ist das einfacher, aber für alle nichtbildlichen Daten fehlen Standards. Die VdS bemüht sich hier um Abhilfe, aber das ist ein langer Weg und eine andere Geschichte...
Nimm es leicht: es gibt kein Universalteleskop, weil es kein Allzweckuniversum gibt. Es gibt keine Universalsoftware, weil es keinen Universalgeschmack der Anwender und keine Universalgenies bei den Entwicklern gibt. Letzteres ist nicht zu unterschätzen. Selbst mit Sourcecodes von TheSky, StarryNight, AstroArt, Giotto, E&T, Stellarium, RedShift, Celestia, ... und frei von allen Rechteproblemen mit Daten wäre es eine gewaltige Aufgabe, daraus wirklich etwas Sinnvolles zu machen. Weil nichts zusammenpasst (Datenstrukturen, Objektmodelle, GUI sind garantiert jeweils komplett verschieden).
Gruß,
Tom