Optolyth 7x50 Alpin

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Ehemaliger Benutzer (6068)

Hallo Leute

Ein Verwandter von mir wollte es wegwerfen! Da hab ich`s aufgefangen.
Es sieht zum Gotterbarmen aus! Alles total verdreckt. Innen wie aussen Staub und schmierige Beläge,
allerdings keine offensichtlichen Kratzer auf den Linsen und die Vergütung (grün) scheint intakt.
Das linke Okular ist ca 5mm nach innen gedrückt. Man sprach von einem mißglückten Reinigungsversuch.
Es scheint nicht nur die Augenlinse zu sein, da der Mitteltrieb beim Einfahren der Okulare
an diesem Okular plötzlich hängt.
Auf der Mitteltriebabdeckung steht Optolyth 7x50, darüber "Ceralin", darunter "Vergütung".
Auf der Abdeckung der Stativaufnahme steht "Made in West Germanx" und die Seriennummer: 69159.
Das Glas wurde wohl gebraucht gekauft und soll mindestens 20 Jahre alt sein.
Es hat ein relativ kleines Gesichtsfeld.
Was soll ich machen?
Komplett zerlegen oder versuchen, nur die Okulare und Objektive abzuschrauben und
dann so gut es geht reinigen?
Wie kann ich bei dem verschobenen Okular vorgehen?
Gibt es Justageschrauben für die Prismen unter der Gummierung?
Habe schon die Suche bemüht, aber nur das 42er Glas gefunden, dabei nichts über Reparaturen.
Ein Optiker soll vor Jahren den Reparaturpreis (Einschicken zum Hersteller) auf mindestens 200 DM
angesetzt haben. Seitdem stand das Teil ungeschützt auf einem Schrank. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />

CS
*entfernt*
 
Hinweise zur richtigen Vorgehensweise

Ich würde das Fernglas vorsichtig auseinandernehmen und die Teile wie folgt sortieren <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />:

1. Alle Glasteile auf ein Häufchen (nicht in den Glascontainer, sondern zum Sondermüll, denn es könnte blei- oder arsenhaltiges Glas dabei sein – man sieht es ihm äußerlich nicht an; Blei und Arsen sind sehr giftig, es wurden früher sogar Gläser mit schwach radioaktiven Bestandteilen verwendet)

2. Belederung und anhaftende Klebstoffreste können in den Hausmüll kommen

3. Metallteile nach Eisen und Bundmetall getrennt in Schächtelchen geben (später beim Sondermüll abgeben)

4. Eventuelle Fungusspuren vorsichtig mit dem Skalpell abkratzen, in Petrischalen geben und als Spende beim nächstgelegenen botanischen Institut anbieten

5. Abgesplitterter Lack muß nicht in den Sondermüll, da die gefährlichen Lösungsmittel schon längst verflüchtigt sind und der Rest im Hausmüll keinen Schaden anrichtet

6. Die optischen Achsen beider Rohre zur Erinnerung rahmen lassen und übers Bett hängen

7. Sollte noch eine alte Bedienungsanleitung dabei sein, kommt sie natürlich ins Altpapier

Vor der endgültigen Entsorgung würde ich noch schnell ein schönes Foto von den wie oben angegeben sortierten Teilen fürs Familienalbum machen. Von den gesparten Reparaturkosten in Höhe von 200 Euro wüde ich mir - eventuell mit einem kleinen Zuschuß aus dem Sparschwein - ein einwandfreies Fernglas kaufen (hanz und Frank haben in dieser Preisklasse immer ein paar gute Vorschläge) oder ein paar Mal schön Essen gehen.

Walter E. Schön
 
Re: Hinweise zur richtigen Vorgehensweise

Hallo,

bei einem so stark ramponierten Teil kann man ja bedenkenlos einen Reparaturversuch wagen, man riskiert ja fast nichts, da das Glas schon kaputt ist und wertvoll ist es auch nicht wirklich. Schlimmstenfalls lernt man dabei, wie so ein Fernglas von innen aufgebaut ist.

Falls doch eine Entsorgung nötig werden sollte, kann man die Okulare immer noch in 1,25"-Hülsen einbauen und am Teleskop weiterverwenden (als Ersatz für die Billigokus am Kaufhausteleskop), und die Objektive taugen prima als achromatische Nahlinse am Fotoapparat.

CS,

Christof
 
Re: Hinweise zur richtigen Vorgehensweise

Hallo

Danke für die Antworten.
Eine Rearatur oder zumindest deren Versuch steht an.
Der (Un)Wert des Glases ist mir völlig
egal und die Arbeitsstunden auch, es geht um den Versuch und die Möglichkeit der Reparatur
sowie den enthaltenen Lernprozess.
Falls es also bauart- oder herstellertypische Besonderheiten oder Schwierigkeiten gibt,
wäre ich für entsprechende Hinweise dankbar.
Reinigung und Justage habe ich schon bei einem alten, billigen Fernglas mit akzeptablem Erfolg
und mit Hilfe dieses Forums durchgeführt.
In diesem Fall macht mir besonders das Okular Kummer.
Stecken die Linsen noch Mal in einer Hülse, geklebt, gekittet oder fallen sie mir
ohne Vorwarnung gleich entgegen?
Gegenüber dem intakten Okular sieht es so aus als sei die Augenlinse einfach in der Fassung nach
unten gedrückt worden. Wahrscheinlich sind dabei
alle Linsen (wie viele?)durchgerutscht.
Wer diese oder andere Schwierigkeiten durch Hinweise entschärfen kann, möge sich bitte melden.

CS
*entfernt*
 
Re: Hinweise zur richtigen Vorgehensweise

Hallo Günther,

ich kenne das Glas nicht. Aber bei einem defekten Tento waren die Okularlinsen fest in eine Metallhülse geschraubt. Ob Dein Glas auch so konstruiert ist, weiß ich nicht. Ich vermute aber, dass die Okulare grundsätzlich aus Stabilitätsgründen in eigenen Hülsen stecken, auch wenn diese vielleicht heutzutage aus Kunststoff und geklebt sein könnten, statt aus Metall und verschraubt. Insofern werden hoffentlich keine Linsen beim Öffnen herauspurzeln.

Die Okularhülsen des besagten Tento 8x30 haben übrigens ein Außenmaß von knapp 1 Zoll, sodass sie ohne Modifikation in alten Teleskopen mit 0,96 Zoll OAZ als Okulare dienen können. Auch ein Umbau in eine 1,25" Steckhülse macht als Low Cost Lösung Sinn, falls das Fernglas unreparierbar sein sollte.
CS,

Christof
 
Reparaturbericht

Reparaturbericht eines Laien

Der schlechte Zustand machte eine vollständige Demontage des Fernglases erforderlich.
Anders wäre eine Reinigung nur unvollständig gelungen. Dies hätte über kurz oder lang doch zur Entsorgung des Glases führen können, was nach dem eindringlichen Hinweis auf die besonderen Gefahren dieses zusammengesetzten Sondermülls unbedingt verhindert werden musste.

Die Okulare dürften vom Typ Kellner sein und stecken in Metallzylindern. Der Abstand zwischen der augenseitigen Einzellinse und dem prismenseitigen, aus zwei Linsen zusammengesetzten Block wird durch drei eingesteckte Plastikringe gehalten. Hinter der prismenseitigen Linse ist eine Metallhülse eingeschraubt die das Okular zusammen hält.
Diese Hülse hatte sich beim beschädigten Okular vollständig aus dem Gewinde gelöst und so das Herabdrücken der Linsen ermöglicht. Die Linsen waren, wie beim zweiten Okular unbeschädigt und konnten durch Wasserbäder und anschließendes Wischen mit speziellen in Optikreiniger getauchten Vliestüchern von ihren Schmutzbelägen befreit werden.
Beim Zusammenbau wurden die Linsen abschließend mit einem Lenspen gesäubert.
Bis auf das Fehlen eines Dichtrings an der Augenlinse des ehemals beschädigten Okulars kann von einem hundertprozentigen Erfolg gesprochen werden.

An den Prismengehäusen kann die Gummierung der oberen Prismendeckel leicht abgehoben werden, die Gummierung der unteren Deckel ist mit der Gummierung des Gehäuses leicht verschweißt, löst sich aber bei vorsichtiger Handhabung ohne zu reißen.
Die Prismen sind in der üblichen Weise gelagert und geklemmt. Die Aufnahmen passen gut und jeweils eine Justierschraube sitzt an üblicher Stelle und kann von außen erreicht werden, indem man den Rand der Gummierung leicht abhebt.

Die Objektivlinsen stecken auf den Tuben und sind mit einem massiven, aufgeschraubten Metallring gesichert, der durch Herabrollen der Gummiarmierung freigelegt wird.
Auch in diesem Ring sind Dichtungen vorhanden.
Alle Gläser sind also leicht erreichbar und gut zu reinigen.

Nach der erfolgten Reinigung blieb, trotz größter Sorgfalt das eine oder andere Stäubchen im System zurück. Alle Beläge wurden aber kratzerfrei entfernt und auch die Vergütung hat nicht gelitten.
Das Fernglas ist voll funktionstüchtig. Die Achsen der beiden Objektive wurden mittels der Justageschrauben in Deckung gebracht, die endgültige Feinjustage am Stern steht, aufgrund der schlechten Wetterlage, noch aus.
Schon jetzt zeigt das Fernglas ein überzeugendes Bild mit sehr natürlichen Farben, guter Transparenz und Tiefenschärfe und erträglichen Abbildungsfehlern am Rand des Gesichtsfeldes, welches entgegen der ersten Einschätzung durchaus Standardansprüchen genügt, wenn es auch mit modernen Weitwinkelglasern nicht vergleichbar ist.
Um das Nachlassen der sehr guten Schärfeleistung am Rand des Gesichtsfeldes zu bemerken muss man schon gezielt dort hin schielen wo dann auch die Verzeichnung gerader Linien beginnt.
Anstrengen muss man sich auch, um Farbsäume zu entdecken. Dazu eignen sich scharf begrenzte Linien, welche mit gutem Kontrast vor dem Hintergrund stehen. Erst wenn ich unseren Kirchturm etwas aus der Mitte, zum Bildfeldrand hin verschiebe, zeigt er an dieser kante einen sehr dünnen magentafarbenen Saum, der zum Bildfeldrand hin allerdings schnell extreme Formen annimmt.
Abschließend ist zu sagen, dass ich Fehler gezielt suchen muss und diese Suche bei neuen Ferngläsern der 100 – 150 € Klasse häufiger erfolgreich war als bei diesem alten Sanierungsfall.
Der erhebliche Zeitaufwand mag unter ökonomischen Gesichtspunkten fragwürdig erscheinen, aber für mich hat sich die Sache gelohnt.
Da vor meiner Anfrage im Forum nichts über dieses Fernglas zu finden war, mag mein Bericht die Lücke etwas füllen und Anreiz zur Selbsthilfe geben.

CS
*entfernt*
 
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