Hallo Wolfgang,
also Du hast Dir da durchaus ein interessantes Gerät ausgesucht. Auf die ADM kann man es noch packen, weil es so leicht gebaut ist. Wenn ich mich recht erinnere sind 4,5 Kilo Tubusgewicht die Händlerangabe. Hinzu kommt aber trotzdem der lange Hebel. Damit ist die Tragkraft einer ADM ganz gut ausgenutzt, normal packt man ja 5 bis 7 Kilo auf so eine Montierung.
Die HEQ-5 soll ja eine Ecke stabiler sein, wäre also der nächste Schritt bevor man zur schweren EQ-6 greift. Die EQ-6 trägt nämlich den 200/1200 Newton auch in der schweren Dobson-Variante (um 10 Kilo Tubusgewicht) gut.
Was Dobson vs. parallaktische Montierung betrifft: Den Grund, dass man eine parallaktische Montierung einnorden muss kann ich nicht gelten lassen. Für visuelle Beobachtung reicht es aus, die Montierung über den Daumen gepeilt nach Norden auszurichten. Ich mache das Seit Jahren so und Objekte bleiben meist eine Halbe Stunde lang im Bild, an Tagen mit schlechtem Augenmaß halt mal 10 Minuten. Ein Komfortgewinn steckt darin also schon, aber bei 1200mm Brennweite muss man auch bedenken, dass man oft im Stehen beobachten wird. Wer ein höheres Stativ hat, oder deutlich unter dem "1m80 Schnitt" bleibt, wird wohl einen kleinen Tritt benötigen, wenn Objekte ungünstig hoch in Zenitnähe stehen. Der Dobson sitzt niedriger, so dass man mit einem einstellbaren Bügelstuhl alles im Sitzen machen kann. Allerdings, ein Dobson steht nur auf einigermaßen ebenen Untergrund gut, während die parallaktische Montierung durch die ausziehbaren Stativbeine an ganz verrückten Orten stehenbleibt (da fällt dann eher der Sternfreund um).
Trotzdem hat als rein visuelles Gerät der Dobson wirklich auch was für sich, man kann ja auch einen leichten Newton als Dobson herrichten lassen (ist natürlich eine teurere Lösung) und mit Übung kann man das Nachschubsen leicht beherrschen. Ich habe selbst keinen Dobson, beobachte aber oft und gerne mit diversen Dobsons und komme damit klar.
Rein finanziell hat die Dobson-Variante sicherlich einen Vorteil: Man kann mehr Geld in Okulare stecken, denn zwei bis drei Okulare sind zwar ein Anfang, aber man schränkt sich durchaus ein, sowohl in der Auswahl der Okulare als auch in der Anzahl. Außerdem wäre Geld für weiteres Zubehör da. Für Deepsky-Beobachtungen könnte das ein OIII-Filter sein, der Emissionsnebel (PNs und die meisten diffusen Nebel) besser sichtbar macht.
Achso, noch eines: Ohne Motoren macht eine parallaktische Montierung eigentlich weniger Spaß als ein Dobson, weil man immer nach den biegsamen Wellen tastet. Die hängen dann oft auch gerade mal ungünstig... Daher sind EQ-6 und HEQ-5 ziemlich interessant, weil sie die Motoren von Anfang an eingebaut haben.
Was den konkreten Unterschied zwischen "Luxus" und "Europa" angeht, kann ich nicht weiterhelfen, weil ich die aktuellen ausführungen nicht kenne. Die Mindestqualität von 1/6 Lambda Wave beim Luxus-Newton wäre mir aber schon wichtig, ohne diese Mindestzusage würde ich ein Gerät mit diesem Preisunterschied zum "300 Euro Dobson" nicht anschaffen.
Zur Luxus-Version aber noch zwei Hinweise: Wenn die 9-Punkt-Zelle so ausgeliefert wird wie abgebildet, ist sie erstens unnötig schwer wegen der massiven Aluplatten (die gehören mit großen Löchern geschickt durchbrochen, als Annäherung an eine genauso tragfähige Wabenstruktur) und zweitens ist der Lüfter (optional) viel zu klein und bläst warscheinlich auf den Hauptspiegel, was verkehrt herum ist. Das Gerät sollte einen 120mm Lüfter bekommen, der die Luft von vorne durch die Teleskopöffnung ansaugt, am Spiegel vorbeizieht und nach hinten/unten ausbläst. Der 120mm Lüfter schafft wesentlich mehr Luft bei ruhigen, vibrationsarmen Drehzahlen als ein 50mm Lüfter, der für die nötige Luftmenge eigentlich eine doppelstufige Turbine mit geschätzter Drehzahl von 17000upm sein müsste. ( <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" /> ) Also den Aufpreis für dieses Detail sparen und selber bauen, falls gewünscht. Ein teurer 120mm Lüfter, doppelt kugelgelagert, mit von Hand einstellbarer Drehzahl kostet bei Apotheke Conrad noch deutlich unter 20 Euro und als 08/15 Ausführung ist so ein Teil wahrscheinlich für 5 Euro zu bekommen.
Übrigens, die Problematik ist beim Lüfter für einen Dobson praktisch dieselbe, außer dass da wenigstens ein 80mm Lüfter, vielleicht sogar gleich ein 120er dabei ist. Trotzdem pustet der verkehrtrum und ist dabei so dicht am Spiegel montiert, dass der Die Luft nur hintenrum im Kreise quirlt. Alles Alibi, obwohl nachweislich (unwesentlich) besser als gar nichts.
Was Okulare angeht, muss man eigentlich erstmal einen Stapel Gegenfragen stellen:
1. Welche Beobachtungsschwerpunkte? (Klar, alles, aber was am liebsten?) Ergibt die Brennweiten.
2. Anforderungen an die Okulare:
- Augenabstand / Brillenträger (bekannt, wann eine Brille getragen werden sollte, und wann nicht?)
- Weitwinkel?
http://www.svenwienstein.de/HTML/weitwinkel.html
- 2" Übersichtsokular gefragt? (Bei Deepsky-Interesse, sonst 1,25" Aufsuchokular.)
http://www.svenwienstein.de/HTML/okulare1.html#Gesichtsfelder
3. "Endgültigkeit"
Lieber Okulare für die ersten Jahre zum nach und nach ersetzen, oder möglichst endgültige Lösungen und dafür eventuell anfangs gewisse Einschränkungen, weil nicht alle Wunschbrennweiten sofort gekauft werden können?
4. Hinweis: Okulare sind eine sehr individuelle Sache und ggf. ziemlich teuer, sehr oft steckt nach einiger Zeit mehr Kohle in Okularen als im Teleskop! Daher ist ein "Probesehen" um den eigenen Geschmack kennenzulernen gar nicht verkehrt. Es kann aber auch passieren, dass man anfangs andere Anforderungen an ein Okular hat, so dass man nach ein paar Jahren doch wieder alles umstellt und verkauft.
Clear Skies
Sven