Farbwahrnehmung bei visueller Beobachtung
Hallo katze_andi,
das ist schon so eine Sache mit der Farbempfindung in der visuellen Astronomie; schaun wir mal...
Vorweg: es geht um M42 und seine Strukturen, also um eine Flächenhelligkeitsquelle. Nicht so sehr um die Sterne, bei denen als Punktquellen (erscheinend) die Dinge ein wenig anders liegen.
Bei Flächenhelligkeitsquellen determiniert u. a. die Pupillengröße des Beobachters den maximal nutzbaren retinalen Photonenstrom. Allzuweit über 7 mm wird man da kaum kommen. Somit haben wir hier bei max. Dunkeladaption eine Limitierung im nutzbaren retinalen Photonenstrom.
Betrachtet man die farbempfindlichen Sehzellen (Zapfen-Zellen) als alleinigen Bio-Sensor für die visuelle Farbwahrnehmung, so muß man sich vor Augen halten, daß deren Ansprechschwelle deutlich über der der für s/w-Strukturen verantwortlichen Stäbchen-Zellen liegt.
So betrachtet, ist es im Grenzbereich der AP unabhängig von der Öffnung (als Variationsparameter), ob die Zapfen-Zellen gereizt werden. Da würde dann auch der 5-Meter-Spiegel nichts weiter "einfärben". (Aber wie hoch vergrößert der bei 7 mm AP? Da verteilt sich das Licht ganz schön auf Fläche...)
Wie sind also Berichtungen über Farbwahrnehmung an flächigen Objekten zu erklären?
Betrachten wir die Determinanten, die da eine Rolle spielen:
1. interindividuelle Unterschiede der Pupillenweite (der eine kriegt halt doch noch 7,6 mm hin und hat gerade so einen "Augenfehler", der auch noch den Randfehler beträchtlich verringert...)
2. interindividuelle Unterschiede der Sehphysiologie (von O2-Versorgung über Zelldichte, Empfindlichkeit, Reizschwelle, Kennlinie, nervale Ankopplung, Kontrastübertragung nach Ort und Signalstärke...)
3. interindividuelle Unterschiede der Wahrnehmung/Informationsaufbereitung u. -deutung (Funktion des Sehzentrums, Übung, Training, Erfahrung, Wissen um Gefärbtheit und Einstreuung unbewußterseits, Mischdeutung beider Zellgruppen...)
4. Instrumentelle Determinanten
- Transmission (z. B. Oku, Reflektivität HS, FS (welche Farbwellenlängen?))
- Kontrastübertragung (z. B. Störreflexionen hemmen durch Okulardesign, Vergütungen, Blenden, Schwarzvelours; opt. Qualität z. B. Strehl...)
- Binokular? ("echtes", also Bi-Tubus/Truss bevorzugt wg. Heller/sehzentrumbedingte Seeingteilbereinigung)
- Befilterung (bei Wahl geeigneter Wellenlänge Anheben des Kontrasts)
- Wahl optimaler Vergrößerung
5. atmosphärische Transmission (Zenitdistanz, Obs.-Höhe üb. NN, Feuchte und Aerosolgehalt; beachte: wellenlängenabhängig)
6. örtlicher Lichtverschmutzungsgrad ("Eingangskontrast"<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smirk.gif" alt="" />)
Wenn ich mich persönlich jetzt als Farbenjäger betätigen wollte, würde ich erstmal meine max. Pupillenöffnung bestimmen. Dann wäre die optimale Vergrößerung meiner zu bejagenden Objekte zu bestimmen. Durch V und AP könnte ich dann eine voll binokulare hochtransmissive Optik auswählen, die mir mit den passenden Top-Okularen möglichst viel Licht und Kontrast liefert.
Dann ins Gebirge und einige Wochen Höhenanpassung, dabei kann man ja schon mal Sehfähigkeit trainieren, vielleicht auch zeichnen. Dann in der Ausnahmenacht ausgeruht usw. Karotten und Schokolade genießend im Zenit der Orion... (Ob hier Filter eigentlich den Eindruck noch verbessern?)
Ich hoffe, meine Gedanken können ein wenig Licht auf die Farben der Nebel werfen... (Ich hab bestimmt wieder was vergessen... aber da werden mich sicher die Kollegen ergänzen...)
Wünsche günstige Bedingungen zur Farbwahrnehmung und überhaupt,
Matthias.