Osterrechnung ohne elektronische Rechenhilfe und ohne Internet

astrokluegler

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Hallo Sternfreunde,

ich gebe hier die überarbeitete Fassung meiner zwei Tabellen, mit denen ich ohne elektronische Rechenhilfe Ostertermin und Wochentagsstruktur aller Jahre seit der Spätantike bis 2599 bestimme.

In den 1990er-Jahren las ich noch papiergebunden Sterne und Weltraum und kann mich an eine Beilage erinnern, die auseinandergefaltet größer als mein Schreibtisch war und einen "Ewigen Kalender" darstellen sollte. Die Gleichungen (Korrekturterme) der gregorianischen Kalenderreform greifen alle paar hundert Jahre in die Beziehungen Goldene Zahl (Numerus Aureus, NA) > Epakte und Sonnenzirkel (SoZ) > Concurrente ein. In Verbesserung des julianischen Vorgängers wahren diese Korrektureingriffe über viele Jahrhunderte hinweg den Bezug zur astronomischen Realität, blähen aber papiergebundene Ewige Kalender zur Unleserlichkeit auf.

Meine Tabellen gehen dem aus dem Weg, indem sie die Zwischen-Rechenschritte Epakte (NA > Epakte > OVM) und Concurrente (SoZ > Conc > Sonntagsbuchstabe) wieder auf den Tisch bringen und die Zuordnung dem Anwender überlassen: Er bestimmt NA des fraglichen Jahres, ordnet in der richtigen Jahrhundertzeile eine Epakte zu und liest unten den OVM-Termin ab (Termin des Ostervollmonds = OVM). Dann bestimmt er SoZ des Jahres, ordnet in der richtigen Jahrhundertzeile eine Concurrente zu und erhält einen Sonntagsbuchstaben (in meiner Tabelle links unten). Der Buchstabe meldet die Tageszahl des ersten Sonntags im JAN. Der Anwender schreibt mit dieser Information und unter Berücksichtigung etwaiger Schalttage alle 52 oder 53 Sonntage des Jahres in Monatszeilen auf. Er hat damit die Wochentagsstruktur des ganzen Jahres und kann nachsehen, auf welchen Wochentag OVM fällt - am Sonntag danach ist Ostern. Der direkte Weg zum Ostertermin (ohne Aufschreiben aller Sonntage) verlangt etwas zusätzliche Kopfrechnung mit der Sonnenregulare.

NA und SoZ sind von der Reform 1582 unberührte, zyklische Jahres-Abzählnummern ohne astronomische Bedeutung. Das muss klargestellt werden, weil die Horoskopdeuter-Szene früher wie heute gerne Beziehungen zwischen NA und (vorgeblichen) Himmelstatsachen herstellt. Eine Epakte ist das Mondalter in ganzen Tagen an einem Stichtermin im Jahr (seit 1582: Jahresbeginn). Die Concurrenten bilden die Schaltregel und damit die konventionell angenommene Länge des Sonnenjahres ab. Dem 19-jährigen Mondzyklus stehen 30 Epakten (mögliche Mondalter 0 bis 29) und - aus theologischen Gründen - nur 29 zulässige Kalendertermine (11 im MRZ und 18 im APL) gegenüber. Es fehlen also in jedem gültigen System 11 Epakten und unter den verbliebenen 19 müssen 3 auf 2 Kalendertermine verteilt werden. Die Abkürzung "biss" für ein Schaltjahr stammt aus dem altrömischen Kalender und ist noch heute im Englischen üblich als "bissextile year".

Ralf
 

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