Partielle Titanfinsternis (?) 11./12. Okt. 2024

Ehemaliges Mitglied

Hi,
ich hatte nach längerer Zeit mal wieder Gelegenheit für eine Beobachtung, es gab ein besonderes Ereignis zu sehen, und der Himmel war klar. Welch ein Zufall, so was passiert nicht alle Tage. :) Und sogar das Seeing war gut, zumindest für eine längere Phase am Anfang mn. Beobachtung. Danach hatte ich das übliche Problem mit dem 'Neighbourhood-Seeing', als Saturn über und gg. Ende zwischen hohen Nachbarhäusern stand, und natürlich auch immer weiter an Höhe verlor. In den Animationen sieht man das deutlich, es gibt 2 Phasen, in denen die Datenqualität in den Keller geht, einmal nach ca. 2/3 der Dauer, und dann gegen Ende (welches auch durch Saturns verschwinden hinter einem Nachbarhaus besiegelt wurde).

Das hauptsächliche Problem dabei ist, dass diese Seeing-Effekte die Beurteilung stark erschweren, wie hoch der Verfinsterungsgrad von Titan von mn. Beobachtungspunkt aus gesehen wirklich war. Verschärft wird das dadurch, dass das Stacking und Alignment auf den Planeten ausgerichtet ist, nicht auf den Mond. Man müsste also genaugenommen den Mond separat ins Visier nehmen. Dann sieht's aber nicht mehr so schön aus.

In einer Version, in der Saturn noch -weitgehend- normal erscheint, hat es den Eindruck, dass Titan irgendwann verschwindet:

saturn_titan_20241012_cb1.gif


Aber dieser Schein trügt, dreht man etwas mehr auf, sieht man, dass Titan die ganze Zeit über sichtbar bleibt. Daneben kommen Rhea (rechst oben) und Tethys (links oberhalb d. Rings) noch mit zum Vorschein (solange es das Seeing zuliess):

saturn_titan_20241012_cb2.gif


Die Momente, in den Titan auch in der 2. Animationsversion noch kurz zu verschwinden scheint, sind ebenfalls Seeing-bedingt. Nochmal weiter aufgedreht ist Saturn dann ziemlich übersteuert, aber rechts knapp oberhalb der Ringkante, nahe der Saturnkugel, kann man auch Enceladus noch ausmachen, in den ersten Frames, bevor er hinter Saturn verschwindet. Und nun sieht man endgültig, dass Titan immer beleuchtet (zumindest. tw.) und sichtbar bleibt:

saturn_titan_20241012_cb3.gif


Es hat schon den Anschein, dass die Helligkeit von Titan zeitweise etwas sinkt, und danach wd. ansteigt. Stellarium zeigt mir für meinen Ort allerdings einen deutlich höheren Bedeckungsgrad, zumindest nach Augenschein. Allerdings auch keine komplette Verfinsterung, zumindest soweit passt es zusammen.

Das wäre jetzt natürlich die passende Gelegenheit, mich mal tiefer dem Okkultismus zu widmen :devilish: und das in anderen Posts schon genannte Occult v4 Programm heranzuziehen.

VG
:saturn: CptB
 
Hallo,

kann das nur bestätigen.
Ich hatte mir die Verfinsterung extra vorgemerkt und hatte tatsächlich die Hoffnung, dass das ähnlich abläuft wie beim Jupiter.

Von 23:45 Uhr bis 00:19 Uhr habe ich immer wieder Aufnahmen gemacht aber Titan wird nicht so verfinstert wie es in Stellarium aussieht.
Durch das Seeing ist alles verformt. Er scheint zwar angeknabbert zu werden aber nicht von der richtigen Seite.
Ich werde wahrscheinlich nochmal versuchen nur eine AP auf Titan zu setzen aber viel erwarte ich da nicht mehr.

Gruß,
Holger
 
Hallo Holger,
ich hatte Saturn an diesem Abend ebenfalls beobachtet, allerdings bereits vor der möglichen Verfinsterung die Beobachtung beendet.
Nun habe ich genähert etwas nachgerechnet. Heliozentrisch wird Titan gegen 22:30 UT genau hinter Saturn gewesen sein (Länge in der Bahn 179.9° heliozentrisch).
Da Titan gegen Saturn etwa 2.8° (helioz.) geneigt war, komme ich auf einen y-Wert von 0.997 Planetenradien. Da Saturn abgeplattet ist, beträgt der Radius des Saturn nicht 1, sondern über die Pole 0.893. Nach meiner Überschlagsrechnung fand keine Verfinsterung statt, weil der y-Wert 0.997 größer als der polare Radius von 0.893 ist.
In dieser Rechnung habe ich die Werte aus meiner Seite Ephemeriden des Saturns verwendet.
Beste Grüße
Karl-Heinz
 
Hi nochmal,
das Wetter ist echt super zur Zeit, besser könnte es gar nicht sein, um sich mal etwas mehr der Datenauswertung zu widmen. Endlich hat man mal ungestört Zeit dafür :love:
U.a. habe ich mich auch nochmal mit den obigen Aufnahmen befasst, mit der Intention, ob sich nicht aus den Animationsframes ein Helligkeitsverlauf extrahieren lässt um zu sehen, ob Titan wirklich vom Saturnschatten getroffen wurde oder nicht.
In Stellarium wird ja ein ziemlich hoher Bedeckungsgrad angezeigt. Ich habe die Zeit nochmal zurückgedreht. Pi x Daumen zw. 0:30 und 1:00 Uhr MESZ am 12.Okt. schien die Mitte der Verfinsterung zu liegen (jetzt einfach mal grob beim Abspielen geschaut).

titan_stellarium_2024-10-11_12.png


Die exakteren Rechnungen (siehe Post #3 oben, oder auch hier: Saturnmondereignisse Okt 2024 ) ergeben dagegen gar keine Finsternis. Auch in meinen Animationen sieht es jetzt nicht wirklich danach aus, als ob Titan eine Weile lang merklich dunkler würde (auch wenn man das natürlich anfangs unbedingt hineinsehen wollte :ROFLMAO:.)
Daher also mal ein Versuch, die Sache auch quantitativ zu betrachten.
Um Effekte wie Seeing, Transparenzschwankungen, nachgeregelte BZ/Gain etc. auszugleichen, habe ich die Helligkeiten von Titan mit denen von Tethy und Rhea normiert.
Konkret zeigt der nachfolgende Plot den Wert
K * B_Titan / (B_Rhea + B_Tethys)
wobei B_xy die gemittelten Pixelwerte in einem kleinen Scheibchen um die Mondposition bedeuten, und K einen willkürlich gewählten Normierungsfaktor, so gewählt dass ob. Ausdruck für den ersten Frame der Serie genau mit 1 beginnt.

titanvsrheatethys_2024-10-11_12_cb.png


Die Zeiten im Plot sind in UT, also MESZ-2h. (11. Okt.). Die grossen Ausschläge gegen Ende der Serie erklären sich durch die rapide schlechter werdenden Bedingungen. Wenn einer der schwächeren Monde nicht mehr detektierbar war, habe ich den Formelwert einfach zu 0 gesetzt.
Interessant ist aber, dass auch am Anfang, als die Bedingungen noch recht gut waren, trotz der Normierung die Fluktuation noch recht hoch ist, ca. 10-20% Ungenauigkeit. Der leichte Anstieg lässt sich höchstwahrscheinlich auch durch den Verlauf der Bedingungen erklären, Tethys und Rhea saufen langsam ab im Hintergrundrauschen.

Die Hauptsache ist aber, dass kein deutlicher Helligkeitseinbruch erkennbar ist. Titan ist also tatsächlich am Schatten vorbeigelaufen. OK, war jetzt auch nicht anders zu erwarten, es wäre sicher sonst schon aufgefallen, wenn die Expertenprogramme wie Occult v4 etc. falsche Ergebnisse produzieren würden.

D.h. auch für alle, die das Ereignis beobachten/aufnehmen wollten, aber entweder verschlafen haben, oder wg. bewölkten Himmel oder warum auch sonst immer keine Gelegenheit hatten: war nur falscher Alarm, ihr habt nix verpasst :cool:

:saturn: VG CptB

PS: bleibt natürlich immer noch die Frage, warum Stellarium eine Verfinsterung anzeigt. Ich weiss halt nicht, wie dort wie Berechnugn abläuft. Eine Vermutung wäre, dass Finsternisse/Bedekungen nicht mit exakten Ephemeridenprogrammen berechnet, sondern nur direkt mit OpenGL gerendert/dargestellt werden. Dabei kommen vereinfachte Modelle zum Einsatz (unendlich weite Lichtquelle), und keine korrekte Kern/Halbschattenberechnung, mit dem Effekt dass der Schattendurchmesser im Rendering immer grösser als in Realität ausfällt.
 
PS: bleibt natürlich immer noch die Frage, warum Stellarium eine Verfinsterung anzeigt. Ich weiss halt nicht, wie dort wie Berechnugn abläuft. Eine Vermutung wäre, dass Finsternisse/Bedekungen nicht mit exakten Ephemeridenprogrammen berechnet, sondern nur direkt mit OpenGL gerendert/dargestellt werden. Dabei kommen vereinfachte Modelle zum Einsatz (unendlich weite Lichtquelle), und keine korrekte Kern/Halbschattenberechnung, mit dem Effekt dass der Schattendurchmesser im Rendering immer grösser als in Realität ausfällt.
Hi,
Stellarium liefert keine korrekten Ergebnisse bei Saturnmondverfinsterungen! Bei meinen Recherchen für den Artikel in Sterne und Weltraum 10/24 über die Titanverfinsterungen stellte ich deutliche Diskrepanzen zu den Ephemeriden sowohl des JPL (mit Occult4) als auch des IMCCE fest. Das Entwicklerteam teilte mir daraufhin mit, dass es ein Bug in Stellarium ist: Der Saturnschatten wird nicht richtig berechnet, vermutlich weil die Abplattung des Planeten nicht berücksichtigt ist.

Scheint, dass das immer noch nicht behoben ist, in Version 23.4 wird die Verfinsterung am 11. Oktober angezeigt.

Ich stütze mich (in SuW oder auch im Oculum-Newsletter) immer auf das IMCCE: Éphémérides - Formulaires | IMCCE

Das IMCCE hat keine Verfinsternis vorhergesagt, es gab auch keine!

cs,
Jan
 
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