Pflege gummiarmierter Ferngläser und Spektive

Siebengestirn

Aktives Mitglied
Liebe Sternfreunde,

ich stelle meine Frage in diesem Unterforum, da sie primär Ferngläser und Spektive betrifft.

Ich besitze einige ältere, teilweise über 20 Jahre alte gummiarmierte Ferngläser und ähnliche Geräte. Mit der Zeit fiel mir ein Alterungsprozess unangenehm auf:

Bei fast allen Geräten mit Gummiüberzug wird dieser über Jahre mehr oder weniger klebrig, auch wenn das Gerät über Jahre nur sehr wenig benutzt wurde. Das geht so weit, dass man bei der Benutzung regelrecht am Fernglas festzukleben scheint. Ich empfinde das als so unangenehmen und in Extremfällen sogar so eklig, dass ich solche Geräte ausmusterte, obwohl sie sonst noch gut waren.

Ein Billig-Fernglas, bei dem dieser Effekt auftrat, steht seit mindestens 15 Jahren offen im Regal. Bei meiner Canon EOS 300D hat sich die Gummiarmierung des Handgriffs nach etwa 15 Jahren fast verflüssigt: Ich musste mir nach dem Anfassen die Hände waschen. Sie waren so klebrig, als ob ich Honig anfasste. Die Kamera befand sich über Jahre in einer Fototasche im Schrank, also garantiert ohne Sonneneinstrahlung.

Ein weiteres Fernglas (Made in Japan) besitze ich seit 1995 und wird, ohne in eine Tasche eingepackt zu sein, in einem Schrank hinter einer Klapptür aufbewahrt, also auch ohne direkte Sonneneinstrahlung. Das Gummi ist nur etwas verblasst, aber weder porös noch klebrig geworden. Bei einem weiteren, knapp 35 Jahre alten Fernglas in der Schublade ist der Zustand der Gummiarmierung wie am ersten Tag.

Ich vermute, dass Sonneneinstrahlung zwar eine Rolle spielt, es jedoch primär von der Art des verwendeten Gummis abhängt, ob es sich wie beschrieben verändert.

Meine Frage ist nun: Kann ich diesen Alterungsprozess mit spezieller Pflege verhindern oder ist es ein Glücksspiel, welchen (Billig-)Gummi der Hersteller hier verbaut hat?

CS, Christian
 
Meine Frage ist nun: Kann ich diesen Alterungsprozess mit spezieller Pflege verhindern oder ist es ein Glücksspiel, welchen (Billig-)Gummi der Hersteller hier verbaut hat?
Hallo Christian,

ich glaube so richtig vorbeugen kann man nicht!

Es muss auch nicht zwangsläufig und ausschließlich mit (Billig-) Gummi zutun haben, manche Hersteller mixen versehentlich die falsche Kombination und schon ist es passiert!
Ein Bekannter von mir hatte ein Zeiss Conquest das nach einiger Zeit weiße Stellen bekam, die hat er dann immer wieder abgewischt aber irgendwann wurde das Gummi nicht klebrig aber bröselig und kleine Klumpen vielen ab.o_O

Ich habe auch schon von älteren Leica BA Ferngläsern gelesen wo das Gummi plötzlich klebrig wurde, die Hersteller haben hier wie bei Zeiss immer darauf verwiesen das eine suboptimale Charge vorlag und die Gummierung nicht 100% verarbeitet wurde.

Im Gegensatz dazu haben viele Chinagläser tatsächlich (Billig-) Gummi, da lösen sich die Teile in Serienproduktion auf.

Aber lange Rede kurzer Sinn, ich denke so wirklich kann man da nichts machen, im besten Fall das Fernglas nach bemerken zurück zum Hersteller und auf Garantie pochen sofern das noch möglich ist.
Andererseits, eine neue Gummierung kostet auch nicht die Welt, wenn man ein besonderes "Schätzchen" hat können die Kosten im Zweifel noch lohnen.

Aber grundsätzlich hast Du natürlich recht, wenn hochwertiges Gummi benutzt wird und kein Fehler beim Produktionsprozess entstanden ist sollten Ferngläser auch nach 20 oder 30 Jahren nicht kleben und das sich Gummi farblich leicht verändern kann ist wohl normal, besonders wenn man die Ferngläser benutzt.

Andreas
 
Ich habe gerade ein Großfernglas TS 20x80 in der Bucht geschossen, wo sich an einigen Bauteilen der Kunststoff ebenfalls in eine klebrige Masse verwandelt hat. Daselbe Problem hatte ein ehemaliges TS-Glas 15x70. Diesem klebenden Kunststoff bin ich mit Isopropanol zu Leibe gerückt. Die Schicht wurde so bis auf die Unterschale aus festem Plastik abgetragen.
Ursache dieser Klebrigkeit ist das Austreten des Weichmachers aus dem Kunstgummi-Material. Das trifft nicht nur Billigteile aus China, sondern bspw. auch Armaturenteile in hochwertigen Autos. Sonnenlicht hat keinen Einfluß auf die Entstehung, es scheint einfach eine Alterungserscheinung des Plastiks zu sein.
Man sollte diese klebrige Schicht auf alle Fälle entfernen - Hausmittelchen wie die betroffenen Teile mit Talkum oder Soda einzustäuben, bringen nur kurze "Linderung". Lösungsmittel für das Klebzeugs ist Isopropanol 100%, Waschbenzin oder Insektenentferner (Autoreinigung). Aceton löst andere Plastikteile an bzw. verändert u.U. die Farben, Backofenreiniger wirkt nur wenig, ebenso wie Orangenöl-Reiniger.

Diese "weißen Stellen" zeigen meine beiden Tento- bzw. Sotem-Ferngläser auch. Die sind beide nicht gummiert, sondern "beledert", wahrscheinlich auch mit einem künstlichem Material. Die hellen Stellen sind zwar optisch nicht so schön am Glas, haben aber ansonsten keine schädlichen Auswirkungen. Also lasse ich die Gläser so, wie sie sind.
 
Nicht jede Gummierung lässt sich mit den beschriebenen Mitteln lösen. Ich hatte ein ähnliches Problem, die Schmierschicht konnte aber mit Isopropanol oder Waschbenzin nicht entfernt werden. Das einzige Mittel, das schnell und vollständig wirkte, war Dasty Classic Fettlöser.
 
Bei verschiedenen Gläsern u.a. von Canon, Nikon, Zeiss (Jena), Steiner, Tento… hatte ich zum Glück nie das Problem.
Aber ich hätte folgende Idee für gute Gläser: warum nicht einen Sattler fragen, ob er das eklige Gummi gegen eine schöne Belederung tauscht? Da gibt es ja viele Strukturen und Farben zur Auswahl und man hätte damit ein absolutes Einzelstück.
 
> Nicht jede Gummierung lässt sich mit den beschriebenen Mitteln lösen.

Ja, okay, da scheint es so oder so verschiedene Möglichkeiten zu geben, je nach Kunststoff-Art. Ich hatte das Verfahren bei meinen TS-Gläsern beschrieben, ein IR-Thermo mit dem gleichen Problem ließ sich wie beschrieben auch vom "Klebstoff" befreien.
Aber schau mal bei YT Beiträge zu dem Thema: da wirkt von A bis Z auch alles Mögliche auf den verschiedenen Oberflächen - mal gut, mal weniger gut. Also ich bleibe erstmal bei Iso und Benzin.
 
Hallo,

hatte nach langem nichtbenutzen eines Binokularansatzes auch diese klebrige Masse an den Händen.
Hatte im Keller noch ein Fläschchen Brennspiritus aus der Drogerie gefunden.
Damit ging Es prima ab. Die anderen Mittel waren mir doch zu gewagt.
Aber wie schon erwähnt gibt es verschiedene Gummi,oder Kunststoffarten.
Ich hatte einfach nur Glück gehabt. Versuch macht Klug.

Gruß Anton.
 
Das lässt sich am Ende schon mit dem Fingernagel wegschicken.
Man könnte bei Bedarf einfach Velourfolie drüber Kleben, bis es ein Jahr später einfach so anzuschaben geht, ich glaube wenn es erst anfängt geht der Verfall immer schneller.
Am Ende mit Leder ersetzen ist wohl die beste Idee

Gruß Frank
 
Mein Bresser 20x80 (Farbeimer, war mein erstes "Großfernglas") hat nach ca. 10Jahren auch so zum kleben angefangen. Habe dann die ganze klebrige Schicht mit Spiritus(Ethanol) runtergerubbelt. Ethanol hat den Vorteil, das er "relatv" mild zu anderen Materialien, wie zb. Kunststoff, ist.
 
Hallo,

schlechte Weichmacher sind sicher ein Problem, die regieren dann mit der salzigen + fettigen Handfeuchtigkeit schneller, von Anfang an > Stoff - Handschuhe tragen, mit feuchtem Microfasertuch reinigen ( keine Lösungsmittel ) höchstens parfümfreie Seife ) und mit Talkum abreiben helfen da etwas.

Ist es aber schon klebrig, hilft nur ablösen und neu mit Leder / Kunstleder bekleben !

Leder zum Bekleben von Objektiven

Mein gummiertes Fernglas hat nur ca. 10 Jahre überstanden, ein Beledertes schon 45 Jahre !
Konnte aber das Gummi aber ( aufschneiden und so mit Fön ) ablösen, das es als grobe Schnittschablone dienen konnte.

Gruß Günter
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo zusammen,

hatte kürzlich das Problem mit klebrigen Gummi bei meinem Nodaladapter.
Bei dem sind die Fotoschrauben mit einem gummierten Sterngriff, damit zu arbeiten war - äh - eklig ...

Wollte mir jetzt ned neue Schrauben kaufen ohne nicht vorher zu experimentieren.

Also gegoogelt und diese Seite hier gefunden:


Ich habe die Version mit dem Natron ausprobiert und was soll ich sagen - die Sterngriffe kleben nicht mehr.

Evtl. eine Anregung für den einen oder anderen.

Gruß Tom
 
Hallo,

Bei dem "paxistipp „ werden es die Optiken, mit den nötig hohem Flüssigkeits - und Zahnpasta Einsatz, das mit bleibenden Rückständen quittieren ! o_O

Gruß Günter
 
Hallo,
von Anfang an > Stoff - Handschuhe tragen, mit feuchtem Microfasertuch reinigen ( keine Lösungsmittel ) höchstens parfümfreie Seife ) und mit Talkum abreiben helfen da etwas.
Naja, das mit den Handschuhen ist vielleicht doch ein bisschen praxisfern…
Ich habe hier noch ein Auto, das gerade 25 Jahre alt geworden ist. Da ist inzwischen auch fast jedes Kunststoffteil im Innenraum klebrig geworden, auch an Stellen, an denen noch nie jemand seine Finger dran hatte. Bei manchen Kunststoff-, Kunstgummi- und Gummiarten mag es ja helfen, wenn man die Berührung mit bloßen Händen vermeidet - aber längst nicht bei allen. Und man darf nicht vergessen, dass das alles Gebrauchsgegenstände sind. Und den Gebrauch wollen wir uns doch nicht noch erschweren.
Und was Leder als Alternative angeht muss man auch aufpassen: Ich habe schon genug schimmlige und stockfleckige und eklig modrig stinkende Lederköcher und Lederbezüge von optischen Geräten gesehen... dagegen ist klebriger Gummi eine wahre Wohltat.

Grüße
Maximilian
 
Bei einigen Gerätschaften, die ebenfalls eine klebrige Oberfläche bekommen haben, konnte ich mit WD40 gute Ergebnisse erzielen. Das taugt ganz gut zur Reinigung.

VLG
Stephan
 
Liebe Sternfreunde,

vielen Dank für die interessanten und informativen Kommentare. Eine Pflege für Gummi analog zu Lederwaren scheint es also leider nicht zu geben.

Ich hatte schon befürchtet, dass ich mit meiner Haltung zu klebrigem Gummi überempfindlich bin.

CS, Christian
 
Zurück
Oben