Pic du Midi de Bigorre Observatorium

WUNNI

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Hallo!
Seit 153 Jahren gibt es auf dem 2877 m hohen Berg Pic du Midi in den französischen Pyrenäen eine Beobachtungsstation. Zuerst war es eine Wetterstation, ab 1887 wurde dort die Sonne beobachtet...
Ich brauche hier Wikipedia nicht abschreiben, schaut selbst. ;)
Vor kurzem hatte ich Gelegenheit, an einer Führung für "astronomisches Fachpersonal" teilzunehmen. Daher: Alle Fotos von mir (C).
Der Gipfel steckte meist in Wolken, die Sonne zeigte sich nur für Sekunden.

PicDuMidi-Kuppel-bearbeitet_k.jpg



Die Koronographen stehen auf einer voluminösen Montierung:

PicDuMidi-Coronograph2.jpg




PicDuMidi-Coronograph1.jpg


Die Kamera-Seite:

PicDuMidi-Coronograph3-k.jpg


Ein weiterer spannender Ort war das 2-m-Lyot-Teleskop. Seine Kuppel ist extrem speziell: Es gibt keinen Kuppelspalt, sondern nur eine Öffnung, die genau so groß ist wie das Teleskop. Das sollte das Kuppel-Seeing vermeiden. Das klappt auch prima, aber nur wenn die Kuppel innen exakt so temperiert ist wie die Luft außen. Daher wird der Kuppel-Innenraum mit großem Aufwand tagsüber gekühlt... o_O

Lyot-Telescope1.jpg

Das große Teleskop verschwindet fast hinter der gigantischen Hufeisenmontierung.
Oben das Loch in der Kuppel. Es sieht hier wegen des Super-Weitwinkelobjektivs größer aus als es ist.
Wie bei allen Großteleskopen befindet sich auch hier eine Verspiegelungsanlage für Haupt- und Hilfsspiegel im Gebäude.

Ein Beton-Dummy für den Hauptspiegel steht bereit, um den Spiegel gewichtsmäßig zu vertreten. Auf diesem Dummy steht der Astronom..:

Astronom.jpg

Da hatte jemand Zeit, Material und ein Schweißgerät... :cool:

Soweit in Kürze! Wer mal mit seinem Astro-Verein hinfahren möchte: Führungen auf Anfrage, der Berg und das Gelände oben sind öffentlich zugänglich.
BTW: Auch im August Wintersachen mitnehmen, da oben sind nur ein paar Grad, immerhin plus...

Beste Grüße,
Niko
 

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@WUNNI lieben Dank für den Beitrag.

Erwähnenswert scheint mir auch der Hinweis auf das Kleinkino, indem die Entstehungsgeschichte per Bild und Film vorgeführt wird. Auf die Gründerzeit bezogen absolute Pionierarbeit unter widrigsten Bedingungen.

Wenn es erlaubt ergänzend angehängt ein paar weitere Eindrücke............
 

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last but ....
 

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Hallo Dominique,

Du hattest anscheinend wesentlich besseres Wetter als wir... :y:

Noch ein paar Nachträge:
- Wissenschaft: Vor allem die Coronographen und das Lyot-Teleskop werden intensiv wissenschaftlich genutzt.
Das Lyot-Teleskop ist mit Spektropolarimetern ausgestattet. In den Katakomben (leider nur dort) hingen Plakate (leider nur auf französisch) zu diesen Geräten.
Aber eine KI übersetzt das einem..
(Auszug, Quelle: Observatoire Midi-Pyrénées)
"Das Spektropolarimeter NARVAL ist ein astronomisches Instrument, das speziell dafür entwickelt und optimiert wurde, das polarisierte Licht von Sternen zu untersuchen.
Es ermöglicht insbesondere die Anwendung der Spektropolarimetrie auf die Untersuchung von Magnetfeldern von Sternen. Diese Felder beeinflussen die Entwicklung der Sterne während ihrer gesamten Geschichte und können dabei eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Entwicklung von Planetensystemen spielen.
NARVAL ist ein Instrument mit sehr hoher spektraler Auflösung, das zur Beobachtung von Sternen mit unterschiedlichen Typen von Sternatmosphären entwickelt wurde. Es ermöglicht insbesondere die Untersuchung der Magnetfelder von Sternen und deren zeitlicher Entwicklung. [...]
Aus den mit NARVAL gewonnenen Messungen lässt sich eine Karte des Magnetfeldes auf der Oberfläche eines Sterns erstellen.

Das Verfahren ermöglicht es, die verschiedenen magnetischen Strukturen auf der Oberfläche zu rekonstruieren und ihre Entwicklung im Laufe der Zeit zu verfolgen.
Damit kann man beispielsweise untersuchen, wie sich die Magnetfelder von Sternen verändern und welche Rolle sie bei der Entwicklung der Sterne und ihrer Planetensysteme spielen.

NARVAL und ESPaDOnS – zwei nahezu antipodische Zwillinge
ESPaDOnS ist das Schwesterspektropolarimeter von NARVAL und befindet sich am Canada-France-Hawaii Telescope (CFHT) auf dem Gipfel des Mauna Kea auf Hawaii."


Das System wurde und wird erheblich weiterentwickelt, wobei sich der Forschungsbereich auf Exoplatenen ausgedehnt hat.

Auszug aus dem Plakat NÉO-NARVAL vom Observatoire Midi-Pyrénées
"Das Projekt NéoNarval ist eine Weiterentwicklung des Instruments Narval zu einem sehr stabilisierten Spektropolarimeter für Radialgeschwindigkeiten zur Suche nach Exoplaneten um magnetisch aktive Sterne geringer und mittlerer Masse. [...]
Das Ziel von Néo-Narval ist deshalb, das Instrument weiterzuentwickeln, um eine besonders präzise Messung der Radialgeschwindigkeit von Sternen zu ermöglichen.
Damit sollen insbesondere Exoplaneten um magnetisch aktive Sterne entdeckt werden können.

Néo-Narval verfolgt drei wichtige Ziele:

- die Suche und Bestätigung von Exoplaneten um magnetisch aktive Sterne mithilfe spektropolarimetrischer Beobachtungen;
- die Nutzung der Daten des Teleskops für die Untersuchung der Magnetfelder und magnetischen Aktivität von Sternen;
- die Fortführung der wissenschaftlichen Untersuchungen der stellaren Magnetfelder, die mit NARVAL bereits durchgeführt wurden."


Ebenfalls am Lyot installiert ist SPIRou, ein Spektropolarimeter für Infrarot.

Seit 2023 wird VISION am Lyot-Teleskop genutzt, ein Instrument, das die Nutzung von NeoNARVAL und SPIP gleichzeitig erlaubt, also Beobachtungen vom blauen Ende des vis. Spektrums bis zum IR auch gleichzeitig.

- 1-Meter-Teleskop
Unter einer der "kleinen" Kuppeln steht seit 1963 das T1M, das 1-Meter-Teleskop. Es wird hauptsächlich zur Beobachtung von Planeten genutzt. Das es mit einer Plane abgedeckt ist, erscheint wenig vertrauenerweckend - aber die Kuppel soll 2027 erneuert werden.



TiM-Pic-Du-Midi_k.jpg


Und natürlich das kleine aber feine Museum mit einem Digitalplanetarium, verschiedenen historischen Instrumenten, dem schon von Dominique erwähnten Kinofilm zur Geschichte - und einem Hauch Science-Center, denn dort oben steht auch eine kleine PhüWe-Nebelkammer, mit der die sekundäre kosmische Strahlung sichtbar gemacht wird. Auf fast 3000m hat sie gut zu tun.
Sehr nett sind zum Jubiläum neu aufbereitete historische Fotos, die zurzeit dort oben zu sehen sind (aus Urheberrechtsgründen hier leider kein Besipiel).

In einer Vitrine liegt ein Exemplar des Photographic Lunar Atlas als Erinnerung daran, das dieser Atlas (zur Vorbereitung der NASA Mondlandungen) auch mit Bildern vom Pic Du Midi-Obs. erstellt wurde.


PhoLunAtlas@Pic.jpg


Wie gesagt - der Pic ist selbst bei Nebel eine Reise wert...

Gruß,
Niko
 
Entschuldigung, noch ein Nachtrag zum Nachtrag, nämlich zum Coronographen. Ich hatte mir das nicht alles merken können, ihr kennt das ja, wenn man durch so ein großes Observatrium rast, ist das viel Input und wenig Zeit zum Abspeichern. Jetzt habe ich ChatGPT auf den Zahn gefühlt und ja, was es ausspuckt, passt sowohl zu meinen Fotos als auch zu meiner Erinnerung..:
Dort ist...
"der neue Coronograph C3 von CLIMSO zu sehen. C3 wurde 2023/24 am Pic du Midi installiert und ist mit einem 42-cm-Objektiv der größte derzeit betriebene Coronograph dieser Art.
[...]
1. Das Rätsel der koronalen Heizung untersuchen
C3 soll Beobachtungsdaten liefern, mit denen Modelle dieser Aufheizung getestet werden können.
2. Magnetfelder in der Korona direkt bestimmen
C3 beobachtet die grüne koronale Eisen-XIV-Linie (Fe XIV) bei 530,3 nm. Ein speziell dafür vorgesehenes spektropolarimetrisches System misst die Polarisation dieser Emissionslinie. Über den Hanle-Effekt kann daraus die Stärke und Orientierung schwacher Magnetfelder in der Korona abgeleitet werden.
3. Dynamik der koronalen Magnetfeldschleifen untersuchen
C3 soll Geschwindigkeit und Magnetfeld in den heißen koronalen Schleifen untersuchen. Dadurch kann man verfolgen, wie Plasma und Energie entlang dieser magnetischen Strukturen transportiert werden.
4. Eine konkrete Heizungshypothese testen: „Superoszillationen“
Ein wissenschaftliches Ziel von C3 ist die Suche nach sogenannten Superoszillationen bzw. den damit verbundenen Strukturen im koronalen Magnetfeld. Dabei geht es um die Frage, ob bestimmte Wellenphänomene entlang magnetischer Feldlinien Energie in sehr kleinen räumlichen Strukturen dissipieren und dadurch zur extremen Aufheizung der Korona beitragen können."


Zum Schluss (!) noch ein Blick in den Kontrollraum des Coronographen:
Koronograph-Kontrollraum-k.jpg


Gruß, Niko
 
Du hattest anscheinend wesentlich besseres Wetter als wir.
das ist auch schon länger her. Aber vorab auch meinen Dank für den schönen Beitrag. Weil, immer wenn ich auf Reise gehe, mit der Liebe meines Seins, dann schaue ich nach, ob nicht irgendwo eine Sternwarte ist. Daher habe ich schon einige sehen dürfen.

Was ich noch beitragen kann: wer einmal andenkt das hier besprochene Observatorium zu besuchen, ihr könnt das Rad nehmen :)
Damals hat das Observatorium auch öffentliche Beobachtungen auf der Plattform veranstaltet, den Gerätepark habe ich zufällig entdeckt.
Und als kleiner Hinweis sei auf die Sternwarte Nizza verwiesen, auch historisch sehr interessant.
 

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