Robert Zebahl
Aktives Mitglied
Hallo Forengemeinde :huhu:,
ich möchte euch heute nach längerer Zeit mal mein Selbstbau-Projekt vorstellen, welches einen modifizierten 4.5" f/8 Newton auf Pipemount mit Holzstativ umfasst. Kurz gesagt habe ich aus einer wackeligen Sache einen bombenfeste Sache gezaubert
Angefangen hat bei mir alles in meiner Jugend vor gut 14 Jahren, als ich mein erstes Teleskop in einem naheliegenden Fotogeschäft gekauft hatte: Ein 114/900 Newton (Saturn 45) von Dörr Danubia auf EQ2 mit Holzstativ. Dazu gab es einen 5x24 Plastelinsen-Sucher, ein 1.25" Kellner 25mm sowie 0.96" 20mm + 6mm mit unvergüteten Glaslinsen. Nach vielen Jahren eher fragwürdiger Beobachtung und sehr langen Pausen stieg ich dank besserer Bedingungen und finanzieller Mittel ca. 2006 wieder intensiver in dieses Hobby ein und besorgte mir bessere Okulare: Die berüchtigten (keinesfalls abwertend gemeint!) Blaukanten in 20, 9 und 6mm. Auch andere Okulare (TS SP32, Bresser Plössl 40mm, ...) fanden den Weg zu mir, die schonmal eine deutliche Steigerung waren. Mein Newton bekam zu dieser Zeit eine Velourauskleidung, eine HS-Mittenmarkierung und ich befasste mich zum ersten Mal mit der Newton-Justage. Zwischenzeitlich war auch noch ein tragendes Teil der "Montierung" abgebrochen. Also wurde eine ebenso defekte EQ2 aus japanischer Herstellung besorgt und aus 2 defekten, nicht ganz kompatiblen eine Montierung zurechtgebastelt. Kurzum: Der Weg für dieses wunderschöne Hobby wurde wieder gefunden
Als ich das letzte Jahr zum ersten Mal auf einem Teleskoptreffen (HTT) war, bescherte mich die eine Nacht ganz spontan einen modifizierten 8" f/6 Dobson. War für mich schon komisch: Man ist nur eine Nacht dort und packt von einem völlig Unbekannten ein Teleskop mitten in der Nacht ein :augenrubbel: Aber das war ein absoluter Glücksgriff, der mir aufgrund der Dobson-Montierung erstmal den Himmel offenbarte und damit meine Liebe zum Hobby gänzlich entfachte! Nach vielen tollen Beobachtungsnächten kam mir dann der Gedanke, meinen kleinen Newton wieder zu reanimieren. Eine solide, azimutale Montierung war mein Traum. Da ich eine möglichst flexible Montierung haben wollte, schied für mich eine klassische Dobsonmontierung aus. Nach vielen Recherchen im Internet blieb in meinem Kopf immer wieder eine Pipemount hängen. Und so fing nach meinem kleinen Lüfterprojekt alles an...
Pipemount
Ein erster Weg zum Baumarkt war eher enttäuschend, da nicht alle Teile vorhanden und in für mich zu kleinen Größen vorhanden waren. Ich wollte hier keine halben Sachen machen, sodass für mich die 2"-Variante feststand. Also Google bemüht, den nächsten Klempner gesucht, bestellt, abgeholt und gestaunt
Während Rohrdoppelnippel und T-Stück noch recht überschaubar waren, sind die Gewindeflansche schon eine Wucht! Stolze 2.4kg bringt einer auf die Waage. Für meinen Newton sollte das reichen
Der Zusammenbau ist selbsterklärend. Als Stativ nahm ich anfangs das alte Holzstativ, aber das war mit dem Gewicht der Pipemount völlig überfordert. Also ging es fleißig weiter mit einem neuen Stativ.
Stativ
Nachdem ich mir sehr viele Anregungen aus dem Internet geholt hatte, war klar: Ein Holzstativ im Selbstbau muss her. Hauptvorteil lag in den Kosten und in der Möglichkeit, den Stativkopf passend zum Gewindeflansch der Pipemount zu gestalten. Außerdem sollte die Höhe des Stativs so ausgelegt werden, das im Sitzen beobachtet werden kann. Eine Höhenverstellbarkeit wurde ebenso umgesetzt. Die Leisten sind alle aus Fichtenholz vom Baumarkt (45x45 und 45x25). Die Abblageplatte ist aus 12mm Multiplex. Für den Stativkopf habe ich zwei 18mm Multiplexplatten miteinander verleimt. Fast alle Teile wurden mit Maschinenschrauben verschraubt, um das ganze möglichst zerlegbar zu machen. Abschließend habe ich das Stativ mit Hartwachsöl aus der Region behandelt.
Newton-Tuning
Nachdem Pipemount und Stativ mehr oder weniger fertig waren, ging es an den kleinen Newton. Leider hatte dieser schon so manches hinter sich, u.a. einen Sturz samt Montierung in meinem damaligen, jugendlichen Leichtsinn: Der Frontring aus Plaste war mehrfach gebrochen und Beulen und Lackschäden waren die Folge. Es bestand also hier Handlungsbedarf. Ebenso sollte der "Sucher" (mit dem habe ich aber alles gefunden :super
ersetzt werden. Das beste war jedoch die Überlegung, den vorhandenen 1.25" OAZ aus Plaste gegen einen 2" OAZ auszutauschen, da ich mir zusammen mit meinem 2" TSWA32 einiges erhofft hatte. Ein erster Trockentest bei Tag zeigte dann: Ein 2" OAZ MUSS dran. Im Gegensatz zu meinem 40er Plössl war der Anblick des großen Feldes gigantisch :augenrubbel: Während es das 40er Plössl auf 1.6° bringt, komme ich mit dem 32er TSWA bei visuell sehr guter Ausleuchtung auf ganze 2.35°!!! Ebenso der Einsatz meiner 2" Lumicon-Filter (v.a. der UHC) dürfte hier Freude aufkommen lassen
Also wurde ein einfacher aber solider 2" OAZ für 20 Euronen erstanden. Die Adaption aufgrund der starken Krümmung des Tubus war nicht ganz einfach. Ebenso musste ich die Fokuslage beachten. Der OAZ schwebt jetzt quasi über dem Tubus und wird von 4 Maschinenschrauben ziemlich sicher gehalten, auch wenn es sehr wackelig aussieht. Das OAZ-Loch im Tubus habe ich beibehalten, da es für meine Okulare ausreichend ist. Weitere Maßnahmen am Newton war der Austausch des Frontringes durch einen neuen, Rigel Quickfinder anstatt des Plastesuchers sowie teils neue Velourauskleidung sowie Dämmung (Heizkörpertapete) des Tubus, um v.a. äußerliche Schäden zu verbergen. Die originale Rohrschelle wurde durch 1 Paar richtige Rohrschellen aus dem Sanitärfachhandel für 6 Eur ersetzt, um den Newton besser an die Pipemount zu befestigen.
First Light & Fazit
Am 13.04.2012 wurde das ganze zusammen mit unserem Rainer auf dem Feld mal ausgiebig getestet und ich muss sagen: WOW :biggrin: Das Handling der Pipemount ist etwas gewöhnungsbedürftig, es kann aber bei ordentlicher "Einstellung" selbst bei knapp 200facher Vergr. mit Ortho gut nachführt werden. Ein bisschen Teflonband ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Ein Anstoßen des Tubus, der Montierung oder des Stativs bringt die ganze Sache zwar zum Schwingen (max. Ausschwingzeit ca. 4 Sek.), aber in der Praxis gab es keinerlei störendes Nachschwingen, selbst bei hohen Vergrößerungen. Allerdings war es in dieser Nacht auch windstill. Ansonsten sitzt der Newton bombenfest und es wird auch kein Gegengewicht benötigt. Der 2" OAZ macht richtig Laune, wenn man mit dem 32er TSWA bei 2.35° wGF und gut 4mm AP zwischen den Galaxien (z.B. in Com/Vir) bummeln geht. Über Randabbildung muss man bei f/8 nicht viel sagen, wobei es natürlich nicht perekt ist
Das 40er Plössl ist dagegen eine Klorolle :erschreck: Ich muss hier aber klarstellen, dass i.A. eine uneingeschränkte Nutzung von 2" Zubehör (v.a. Okulare) nicht möglich ist, da zu kleiner Fangspiegel. Neben einigen Galaxien, Kugelsternhaufen zeigte sich ebenso Saturn bei 130-180facher Vergr. in voller Pracht. Mich hat die Optik hier wieder voll überzeugt und die Mühen haben sich gelohnt. Rainer und ich mussten hier mal wieder feststellen, wieviel Spass man mit so einer recht bescheidenen Öffnung haben kann!!! DeepSky fängt halt nicht mit 8" an
Allerdings muss erwähnt werden, dass der Auf-/Abbau des ganzen nicht so schnell geht und v.a. das Gewicht ist nicht zu unterschätzen. Pipemount und Stativ bringen es jeweils auf knapp über 8kg, der Newton auf knappe 4kg. Mein 8" Dobson ist da schneller verpackt und auch einsatzbereit, dafür auch größer und sperriger. Für den Urlaub mit großem Auto ist der Kleine aber eine feine Sache
Soviel erstmal dazu. Danke nochmal an die vielen Leute, die mich (teils unwissentlich) mit ihren Ideen unterstützt haben und natürlich meiner Partnerin, die etliche Tage die ganzen Basteleien bzw. meine Abwesenheit ertragen musste :hochachtung:
Viele Grüße aus Leipzig, Robert
ich möchte euch heute nach längerer Zeit mal mein Selbstbau-Projekt vorstellen, welches einen modifizierten 4.5" f/8 Newton auf Pipemount mit Holzstativ umfasst. Kurz gesagt habe ich aus einer wackeligen Sache einen bombenfeste Sache gezaubert
Angefangen hat bei mir alles in meiner Jugend vor gut 14 Jahren, als ich mein erstes Teleskop in einem naheliegenden Fotogeschäft gekauft hatte: Ein 114/900 Newton (Saturn 45) von Dörr Danubia auf EQ2 mit Holzstativ. Dazu gab es einen 5x24 Plastelinsen-Sucher, ein 1.25" Kellner 25mm sowie 0.96" 20mm + 6mm mit unvergüteten Glaslinsen. Nach vielen Jahren eher fragwürdiger Beobachtung und sehr langen Pausen stieg ich dank besserer Bedingungen und finanzieller Mittel ca. 2006 wieder intensiver in dieses Hobby ein und besorgte mir bessere Okulare: Die berüchtigten (keinesfalls abwertend gemeint!) Blaukanten in 20, 9 und 6mm. Auch andere Okulare (TS SP32, Bresser Plössl 40mm, ...) fanden den Weg zu mir, die schonmal eine deutliche Steigerung waren. Mein Newton bekam zu dieser Zeit eine Velourauskleidung, eine HS-Mittenmarkierung und ich befasste mich zum ersten Mal mit der Newton-Justage. Zwischenzeitlich war auch noch ein tragendes Teil der "Montierung" abgebrochen. Also wurde eine ebenso defekte EQ2 aus japanischer Herstellung besorgt und aus 2 defekten, nicht ganz kompatiblen eine Montierung zurechtgebastelt. Kurzum: Der Weg für dieses wunderschöne Hobby wurde wieder gefunden
Pipemount
Ein erster Weg zum Baumarkt war eher enttäuschend, da nicht alle Teile vorhanden und in für mich zu kleinen Größen vorhanden waren. Ich wollte hier keine halben Sachen machen, sodass für mich die 2"-Variante feststand. Also Google bemüht, den nächsten Klempner gesucht, bestellt, abgeholt und gestaunt
Stativ
Nachdem ich mir sehr viele Anregungen aus dem Internet geholt hatte, war klar: Ein Holzstativ im Selbstbau muss her. Hauptvorteil lag in den Kosten und in der Möglichkeit, den Stativkopf passend zum Gewindeflansch der Pipemount zu gestalten. Außerdem sollte die Höhe des Stativs so ausgelegt werden, das im Sitzen beobachtet werden kann. Eine Höhenverstellbarkeit wurde ebenso umgesetzt. Die Leisten sind alle aus Fichtenholz vom Baumarkt (45x45 und 45x25). Die Abblageplatte ist aus 12mm Multiplex. Für den Stativkopf habe ich zwei 18mm Multiplexplatten miteinander verleimt. Fast alle Teile wurden mit Maschinenschrauben verschraubt, um das ganze möglichst zerlegbar zu machen. Abschließend habe ich das Stativ mit Hartwachsöl aus der Region behandelt.
Newton-Tuning
Nachdem Pipemount und Stativ mehr oder weniger fertig waren, ging es an den kleinen Newton. Leider hatte dieser schon so manches hinter sich, u.a. einen Sturz samt Montierung in meinem damaligen, jugendlichen Leichtsinn: Der Frontring aus Plaste war mehrfach gebrochen und Beulen und Lackschäden waren die Folge. Es bestand also hier Handlungsbedarf. Ebenso sollte der "Sucher" (mit dem habe ich aber alles gefunden :super
First Light & Fazit
Am 13.04.2012 wurde das ganze zusammen mit unserem Rainer auf dem Feld mal ausgiebig getestet und ich muss sagen: WOW :biggrin: Das Handling der Pipemount ist etwas gewöhnungsbedürftig, es kann aber bei ordentlicher "Einstellung" selbst bei knapp 200facher Vergr. mit Ortho gut nachführt werden. Ein bisschen Teflonband ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Ein Anstoßen des Tubus, der Montierung oder des Stativs bringt die ganze Sache zwar zum Schwingen (max. Ausschwingzeit ca. 4 Sek.), aber in der Praxis gab es keinerlei störendes Nachschwingen, selbst bei hohen Vergrößerungen. Allerdings war es in dieser Nacht auch windstill. Ansonsten sitzt der Newton bombenfest und es wird auch kein Gegengewicht benötigt. Der 2" OAZ macht richtig Laune, wenn man mit dem 32er TSWA bei 2.35° wGF und gut 4mm AP zwischen den Galaxien (z.B. in Com/Vir) bummeln geht. Über Randabbildung muss man bei f/8 nicht viel sagen, wobei es natürlich nicht perekt ist
Allerdings muss erwähnt werden, dass der Auf-/Abbau des ganzen nicht so schnell geht und v.a. das Gewicht ist nicht zu unterschätzen. Pipemount und Stativ bringen es jeweils auf knapp über 8kg, der Newton auf knappe 4kg. Mein 8" Dobson ist da schneller verpackt und auch einsatzbereit, dafür auch größer und sperriger. Für den Urlaub mit großem Auto ist der Kleine aber eine feine Sache
Soviel erstmal dazu. Danke nochmal an die vielen Leute, die mich (teils unwissentlich) mit ihren Ideen unterstützt haben und natürlich meiner Partnerin, die etliche Tage die ganzen Basteleien bzw. meine Abwesenheit ertragen musste :hochachtung:
Viele Grüße aus Leipzig, Robert