Planeten, Seeing einschätzen

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Maiko

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Hallo,

jetzt doch noch etwas konkreter. Meine Lage: Habe nach Jahren endlich ein paar Mal Ende August das Potential vom Mewlon 180 C abrufen können. Sonst immer wieder Seeing Probleme. Wie kann ich eine fundierte Einschätzung in einer konkreten Nacht vornehmen? Meist bin ich auf dem Flachdach in einer Kleinstadt. Lasse den Mewlon mindestens eine Stunde vorkühlen, dann alles hoch schleppen, knappe Stunde später geht es los, dann sollte der Mewlon ausgekühlt sein.
Gestern war leider hochfrequentes Seeing, wohl Jetstream bedingt, was ich nicht vorhersah.
Ich würde es sehr gerne vermeiden, den Kram zwei Etagen hochzuschleppen und aufzubauen, was ca eine Stunde dauert, am Okular Mist zu sehen und eine Stunde abbauen und runter wuchten. Wie kann ich die lokalen Seeingfaktoren am besten einschätzen? Was ich versuche:
1) Flackern an Sternen in planetennaher Position einzuschätzen: mit mäßigem Erfolg.
2) Ich könnte mein kleines Binoptic aufbauen, dauert nur 10 Minuten und bei 69 fach das Seeing am Planeten direkt beurteilen.
3) Mein Eindruck ist, hier in Nordosthessen zwischen Göttingen und Kassel ist das Seeing in der kalten Zeit, wo die Planeten höher stehen, leider meist schlechter, möchte es aber nicht ganz abschreiben, dann Planeten zu beobachten
4) deutlicher Wind ist ein Hinweis auf schlechtes Seeing
5) Wärmestrahlung der auch in Südrichtung vom Flachdach befindlichen Häuser ist schädlich
6) Schnell ziehende teilweise Bewölkung ist ein schlechtes Zeichen
7) Seeingvorhersage: Eher ein Glücksspiel, v A hochfrequentes Seeing kaum korrekt erfasst

Habt ihr noch Tipps, wie ich vorgehen kann?

Vielen Dank,

CS, Maiko
 
Hallo,
beim Lesen fällt mir folgendes auf:
Meist bin ich auf dem Flachdach in einer Kleinstadt. Lasse den Mewlon mindestens eine Stunde vorkühlen
... und wie lange braucht das Flachdach zum vorkühlen? Mglw. ist hier eine Quelle von lokalem Seeing? Weil...
Wärmestrahlung der auch in Südrichtung vom Flachdach befindlichen Häuser ist schädlich
...was für die umliegenden Gebäude gilt, könnte auch für's (bisher) favorisierte Flachdach Gültigkeit haben.

Viele Grüße
Uwe
 
Hallo Uwe, das könnte sein. Im August hatte ich bei 240 fach mono sehr scharfe Bilder an Saturn und Jupiter auf jenem Dach. Klar, da war es wärmer. Zwischen September und Mai war ich in den letzten Jahren mehrmals an umliegenden Orten mit dem Mewlon und hatte leider kein einziges Mal passables Seeing... btw, hatte dort eine Nacht mit grausigem Seeing vor ein paar Tagen, es war warm und trocken, nur 1 Minute Jupiter scharf bei 180 fach, sonst unbrauchbar... zwei Nächte später kalt und feucht, immerhin 5/10 Seeing, einige gute Phasen... und letzte Nacht 1-2/10, kalt und mittelfeucht; vermute, die Wärmeabstrahlung ist nicht die Hauptquelle....

CS, Maiko
 
ergänzend: Der Raum unter dem Flachdach wird wenig geheizt, und es handelt sich um einen Dachgarten mit mehreren Schichten, die thermisch positiv wirken müssten...
 
Hallo Maiko,

je nach Wetterlage, Lagerung und Gerät kann eine Stunde Auskühlen etwas wenig sein. Ich kann zum Beispiel nicht beurteilen, wie dick oder wie unluftig eingebaut der Hauptspiegel beim Mewlon ist, oder wie stark der zu Tubusseeing neigt.

Bei meinem 8 Zoll Gitterrohr Dobson, kühl gelagert, kann ich jedenfalls fast immer nach Einstellen der Zielvorrichtung mit dem 6mm Okular direkt auf 200x gehen. 300x geht auch oft, braucht aber natürlich mehr Geduld, weil das Seeing oft nur momentweise mitspielt.

Ich war aber auch schon an Standorten, wo im Sommer über Felder und Müllkippe hinweg nie viel möglich war. An dauerhaft schlechtes Seeing in einer größeren, topologisch und geologisch ansonsten unauffälligen Region glaube ich dagegen nicht.

Will ich das Seeing einschätzen, schaue ich erstmal auf die hellsten Sterne. Funkeln die schön, dann schraube ich meine Erwartungen bzgl Vergrößerung eben herunter und gehe eher auf größere Objekte. Die Nacht kann ja trotzdem sehr klar sein, das ist ja bei Deep Sky viel wert.

VG Klaus
 
Hallo Maiko,

auch wenn ich vielleicht nicht so viel helfen kann, gebe ich mal meinen Senf dazu, weil mich das Thema interessiert

1) Flackern an Sternen in planetennaher Position einzuschätzen: mit mäßigem Erfolg.
> ist auch mein Eindruck
2) Ich könnte mein kleines Binoptic aufbauen, dauert nur 10 Minuten und bei 69 fach das Seeing am Planeten direkt beurteilen.
> gute Idee
3) Mein Eindruck ist, hier in Nordosthessen zwischen Göttingen und Kassel ist das Seeing in der kalten Zeit, wo die Planeten höher stehen, leider meist schlechter, möchte es aber nicht ganz abschreiben, dann Planeten zu beobachten
> stimmt für Brandenburg leider auch
4) deutlicher Wind ist ein Hinweis auf schlechtes Seeing
> ja
5) Wärmestrahlung der auch in Südrichtung vom Flachdach befindlichen Häuser ist schädlich
> ebenfalls ja. Hier im Forum hat jemand mal geschrieben, sein Seeing sei vom Balkon besser als vom Boden, so als wenn die ersten wenigen Meter schon einen Unterschied machen können. Das deckt sich mit 3). In einer klren Nacht außerhalb des Sommers kühlt der Boden zu schnell aus und man bekommt große Temperaturgradienten auf den untersten Metern. Ich versuchte ein paar Mal, nur über gleichförmiges Gelände zu schauen (nur Wiese oder nur Wald). Noch zu wenig Nächte, um konkret was sagen zu können.
6) Schnell ziehende teilweise Bewölkung ist ein schlechtes Zeichen
> hatte ich auch gedacht, einmal aber Mars durch dünne hohe Cirren beobachtet und ich war erstaunt, daß das Bild durch die Cirren fast besser wurde. (Ich fand den Mars, monokular, ohne Filter, Pupille kleiner 1mm als zu hell und da haben die Cirren geholfen)
7) Seeingvorhersage: Eher ein Glücksspiel, v A hochfrequentes Seeing kaum korrekt erfasst
> ist für mich auch eher eine grobe Orientierung. Was, außer meteoblue benutzt Du?

8) unter 40 Grad Höhe stört mich die atmosphärische Refraktion, die ich deutlich sehe. (Ich habe jetzt entsprechend einen ADC, aber mir fehlen noch die Adapter, um ihn visuell zu nutzen)
9) Nachführung und Binoviewer werden meine Zukunft sein. Ich merke, daß mich das Nachführen und das monokulare Sehen bei der Planetenbeobachtung stören.


Gruß & CS
Christoph
 
Gestern Nacht mit Binoptic das Seeing geschätzt. An Saturn ganz gut. Gewartet, später wiederholt. Mond im Binoptic wundervoll! Sterne blinkten, taugen für mich nicht als Indikator. War motiviert. Mewlon raus, MB2 und Pan 24 ran, los gings. Jupiter recht nett bei 90 fach und 180 fach in den Nagler 12 mod, langsam dem GRF über die Scheibe gefolgt, leichte Strukturen in den Bändern... Seeing vielleicht 6-7/10. Fokussieren ging etwas besser. Leider Spannungsprobleme an der Montie, Motoren beschwerten sich lautstark, also Nachführung aus. Mond bei 90 fach wunderbar im BV, bei 180 fach ein Träumchen! Leider halt schnell aus m Feld raus ohne tracking... Seeing wurde schlechter, um 2 Uhr kam Nebel... machte noch ein bissl, dann baute ich ab. Wusste gar nicht, wie toll der Mond 2 Tage nach Vollmond ist, sehr empfehlenswert!
Ca 3°, 90% Luftfeuchte, sowohl Binoptic, als auch Mewlon waren recht schnell einsatzbereit (drinnen ca 20°), soweit ich es beurteilen kann, waren Seeingeffekte dominant und nicht Thermik (Thermik sollte ja im Laufe der Nacht auch besser werden). Binoptic 80 quasi sofort einsatzbereit bei 68 fach am Mond knackscharf. Der Mewlon war nach 50 Minuten für meine Begriffe einsatzbereit, andere mögen das anders sehen.

CS, Maiko
 
Hallo
Ich habe gestern auch Mond und die gr. Planeten beobachtet. Die seeing Bedingungen waren konkurrenzlos gut.
Ich denke, Teleskop raus - und los. Entweder ist gut oder mau. Vlt. machst du dir zu viele Gedanken. Im Grunde sollte sich der Untergrund schnell abkühlen und ein homogenes Umfeld ist auch von Vorteil. Mehr Grundsätze beachte ich nicht. Der Rest ist Summe div. Einzelfaktoren, bis hin zur persönlichen Tagesform?
Uwe
 
Hallo Maiko

Aus einer anderen Perspektive gesehen ist nicht das Seeing dein Problem, sondern das auskühlverhalten deines Teleskops und der langwierige Aufbau.
Das Seeing ist wie es ist, darauf hat man außer durch die Standortwahl im Grunde keinen Einfluss.
Daher bleibt dir nichts anderes übrig als es immer wieder zu versuchen, so geht es uns allen so.
Manchmal ändern sich auch die Seeingbedingungen im Laufe der Nacht, sofern man überhaupt die ganze Nacht draußen sein will oder kann.
Oft ist auch die Dämmerungsphase die beste Seeing Zeit, daher ist es manchmal ein Mix aus, wann ist die optimale Objekthöhe und wann das beste Seeing?
Der Aufbau von 1h ist mM nach dabei das größte Hindernis, das würde mich persönlich auch abhalten.
Da würde ich mir mal Gedanken machen wie man das ändern könnte.
Evtl. mit einer Teleskopeinhausung auf dem Dach, einer Kiste, oder einem Schrank, einer AZ-Montierung...?

Dann braucht man die Gewissheit, bzw. die Routine mit dem Teleskop, dass zur rechten Zeit auch alles passt (Auskühlung und Justage)
Dazu sollte man Atmosphärisches Seeing, vom Tubusseing der Grenzschicht des Hauptspiegels unterscheiden können, sonst ist auch jegliche Seeingbeurteilung eigentlich sinnlos.
Braucht das Mewlon lange zum Auskühlen, dann kann man vielleicht etwas mit Lüftern machen?
Zum Beispiel ein kleiner Lüfter der schräg von vorne/außen in den Tubus bläst?
So was in der Art: https://forum.astronomie.de/attachments/vent1-jpg.31361/

Gruß
CS
 
Hi,

immer schwierig, ist es das Teleskopseeing oder sind es die lokalen Umstände. Letztendlich hilft nur Erfahrung, ...

cs
Lothar
 
Hallo Maiko,

im Grunde wurde oben bereits alles gesagt. Hier noch ein paar wenige Hinweise von mir:

- Falls die Planetenbeobachtungsbedingungen zuhause nicht oder zu selten passen bleibt nichts anderes übrig als rauszufahren.
- Es empfiehlt sich 2-3 potenzielle extra für Planetenbeobachtung geeignete Plätze max. 20-30 min (besser weniger) von zuhause aus aufzusuchen. Der Beste zieht dann.
- Fast immer sind Lagen im Vorteil, welche die höchste Erhebung im Gelände darstellen, da man dort weniger mit den kalten Bodengrenzschichten zu tun bekommt.
- Die Erhebungen bzw. der Platz dort sollte etwas windgeschützt sein.
- Aufbauzeiten auf max. ca. 15-20 min. Reduzieren.
- Ansprüche den Gegebenheiten anpassen. Seeing 9/10 oder 10/10 sind selten. Auch etwas weniger macht immer noch Spaß.;)

Viele Grüße
Werner
 
Zuletzt bearbeitet:
danke euch, v A Auf und Abbau werden eher anstrengender als einfacher für mich, die Beihnahunfälle werden mehr... vielleicht brauche ich ne halb stationäre Lösung...

CS, Maiko
 
Ich hatte neulich mal ein Mewlon 180C in der Hand (am Sucher, abgebaut nach Beobachtung mit einem Sternfreund): erstaunlich leicht und handlich!
mE geht dieses Teleskop gut auf einer leichteren Az-Montierung. Rechte Hand Mewlon, linke Hand Az-Mont. (oder einzelnd tragen): geringes Gewicht, leichtes Tragen, schnelles Aufbauen, nur noch etwas auskühlen lassen...:).
 
ja, der My ist super! Auf Nachführung verzichten, oder AZ mit GOTO? Vielleicht die AZ GOTO von Ioptron... auch das Balance Thema, v A mit Binoansatz ist anstrengend auf der HEQ 5...

CS, Maiko
 
Ja, AZ mit GOTO. Am besten DM4 oder DM6 (in D schwer erhältlich...). Oder eben iOptron 8920. Meine HEQ5 ist mir auch zu schwer und sperrig; sie steht jetzt permanent im Garten unter einem 240l Schwerlast Müllsack von REWE...:).
 
hm, kann man die Monti dann trotz Viecher und Wetter draußen stehen lassen, mit dem Müllsack? Bei mir auf m Dach wird sie wenigsten nicht gestohlen...
 
Der Einsatz von Lüftern erweitert die Beobachtungsmöglichkeiten, gerade für Planetenbeobachter.
Mit Leistungsstraken Lüftern welche auch richtig verbaut worden sind, ist man viel schneller bei einem hochaufgelösten und kontrastreichen Bild
Selbst große Teleskope werden so zu Grab and Go Instrumenten.
Lüfter ermöglichen daher auch einen schnellen Blick auf die Planeten und man muss nicht Stundenlang warten bis das Teleskop ausgekühlt ist.
Ohne Belüftung klebt nämlich sonst die Grenzschicht für Stunden auf dem Hauptspiegel und blubbert gemütlich vor sich hin, dann wird es lange nichts mit Auflösung und Kontrast.
Mit Lüftern kann man selbst ein größeres Teleskop mit z.B. 12", in ca. 20-30min runterkühlen und mit 300x Vergrößerung beginnen, sofern es das Atmosphärische Seeing zulässt.

Z.B. als gestern Abend, kurz nach Einbruch der Nacht der GRF über die Jupiterscheibe gezogen ist, dieser war um ca. 22 Uhr schon wieder durch.
Oder wenn sich als die Planeten im Westen anfangen zu verabschieden und dabei noch nicht zu tief stehen, kann man mit der Dämmerung noch schöne Beobachtungen machen.
Wenn man dann jedoch erst noch 1-2h warten muss, bis das Teleskop ein scharfes Bild liefert, steht der Planet evtl. schon zu tief und man bekommt kein scharfes Bild mehr hin.
Oder man muss am nächsten Morgen Arbeiten und möchte die Nacht nicht so lange aufbleiben.
Oder der Himmel klart unerwartet auf.
Usw.

Wenn das dein Dach ist und sonst keiner da hoch kommt, google mal nach "Teleskop Einhausung", da reicht schon ein einfacher Kasten auf Rollen.



Gruß
CS
 
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