Porrima am 28.05. im 5" Apo und 10" SC

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas Zyklop
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Zyklop

Aktives Mitglied
Gestern habe ich im Schwarzwald zwischen 23-0Uhr einige Male Porrima mit einem 5" Apo und einem 10" SC beobachtet.
Der Doppelstern soll ja angeblich einen Abstand von derzeit 1,5 Bogensekunden haben.

Mit einem Skywatcher Equinox 5" Apo 120/900mm und einem 10mm Plössl plus 2,8x-Barlow habe ich Porrima sehr sauber trennen können - saubere Punkte ohne Lichtsuppe dazwischen - hab ich so noch nie gesehen. Tanzten zwar lustig hin und her in der Atmosphäre aber schön auf Abstand.

Im Meade 10" SC (Justierung war ok) habe ich Porrima zwar als 2 Sterne gesehen, aber es war eine Lichtwolke drumrum.
Mit meinem 10" Dobson habe ich den Doppelstern ziemlich genauso in Erinnerung.

Kann es sein, dass die größere Öffnung in so einem Fall eher ungünstig ist, weil man so atmosphärischen "Lichtmüll" um den Doppelstern sammelt?

Könnte man durch "abblenden" Porrima sauberer trennen?
Oder lag es einfach an dem tollen Apo ohne Obstruktion?
 
Hallo Peter,

interessante Sache mit dem Porrima!
Guck mal hier:
---> Beobachtungsbericht mit Porrima Zeichnung

Das Beugungsscheibchen von 127mm Öffnung hat etwa 2" Durchmesser. Evtl erscheint es etwas kleiner, je nach Stern-Helligkeit.

Kleinere Öffnungen können Porrima nicht trennen wegen diesem Beugungsscheibchen. Größere können es wegen dem Seeing nicht. Es gibt ein Optimum dazwischen. Zum "Einparken" mit richtig Platz dazwischen kann man Porrima nur trennen, wenn das Seeing supergut ist. Dann hilft auch die größere Öffnung.

Wenn Du den wieder mal vor der Linse hast: die Speckles tanzen im gleichen Muster! Sieht cool aus. Die beiden Komponenten müssen ja durch exakt die gleiche Luftsäule durch!

cs Kai
 
Hi

Jaja, der Mythos von den punktfeinen Sternchen im Apo... Total überbewertet.

Ich hab in den letzten klaren Nächten mit meinem 10" Spiegel ebenfalls mehrmals auf Porrima gehalten. Und siehe da, auch da waren bei 200x dicklichere Sterne zu sehen. Dann hab ich meine Wunderwaffe eingesetzt: zwei Graufilter hintereinander. Und was soll ich sagen: auf einmal hatte ich zwei punktfeine Sternchen mit Beugungsringen außen rum.

Gut, ich muss auch dazu sagen, dass das Seeing an dem Abend wirklich klasse war (Saturn war bei 380x ein Genuss). Außerdem hat der Spiegel nur 16-17mm Randdicke und befindet sich in einem offenen Gittertubus. Beobachtet hab ich über Gras. Insofern hab ich natürlich nicht die Probleme mit zu dünnen Blechtuben oder nem dickem Spiegel, der sich weigert, richtig auszukühlen.

Jedenfalls zeigen Refraktoren zum Großteil nur deswegen punktfeine Sternchen, weil sie kaum Licht sammeln.

Mach einfach mal den Test und schau dir Wega und einen schwachen daneben stehenden Stern an. Welcher sieht wohl punktförmiger aus?

Viele Grüße,
Christian
 
Moin Kai!

> Das Beugungsscheibchen von 127 mm Öffnung hat etwa 2" Durchmesser.

ca. 1" --> Durchmesser Airy-Scheibchen gleich Auflösungsvermögen (nach Rayleigh: 138" / D(mm) ).

> Größere können es wegen dem Seeing nicht.

OMG - nicht wieder das Märchen von der Seeing-Anfälligkeit großer Teleskope! :mauer:
Bitte lesen: Klick! und Klick!
 
Moin Kai!

Okay - das Airy-Scheibchen ist doppelt so groß wie das entsprechende Auflösungsvermöges des Teleskops. Erzähl mir jetzt bitte nicht, daß ein 127-mm-Teleskop keine Doppelsterne unter 2" auflösen kann.

...dann renn ich aber nochmal gegen die Mauer! ;)

> Lesen, verstehen und vorallem sparsamer mit den Mauern

Das laß mal meine Sorge sein!
 
Irgendwie bin ich jetzt noch nicht schlauer.

Kann ich durch einen Graufilter am 10" Porrima gleich gut darstellen wie am 5" Apo?
Warum hab ich jetzt eine Lichtwolke um Porrima beim 10er Spiegel?
 
Hi

Nö, mit nem Graufilter allein wird das wohl nix werden.

Der Graufilter dient nur dazu, die vierfache Lichtmenge, die ein 10" gegenüber einem 5" sammelt, zu reduzieren. Dadurch wird natürlich auch das Streulicht/Lichthof gedämpft. Wie gesagt, mach einfach mal den Test und schau dir mit bloßem Auge einen hellen und einen schwachen Stern an. Der hellere wird dir "dicker" vorkommen.

Ein 5" kann das Seeing nicht so gut auflösen wie ein 10". Deswegen hat man in der Regel ein ruhigeres Bild. Viele setzen ein ruhiges Bild mit einer hohen Detailerkennbarkeit gleich. Das ist natürlich falsch. Lieber ein bewegtes Bild mit vielen Details als ein ruhiges Bild mit wenig Details. Sprich, lieber ne größere Öffnung als ne kleine.

Und wenn das Seeing mal so schlecht sein sollte, dass ein 5" genauso viel zeigt wie ein 10", dann braucht man erst gar nicht mit der Planeten- oder Doppelsternbeobachtung anfangen. Nicht jede Nacht ist für Planeten oder Doppelsterne geeignet. Nur scheint das bei vielen Leuten nicht in den Kopf zu gehen. Es kommt ja auch niemand auf die Idee, bei Vollmond schwache Galaxien zu beobachten.

Ein 10" SC hat zudem einen geschlossen Tubus. Wenn da warme Luft drin ist, dauerts naturgemäß sehr lang, bis das Ding abgekühlt ist. Seh ich an dem 14" SC unserer Sternwarte. Dazu kommt noch ein dicker Spiegel, der sowieso schon lang zum Auskühlen braucht und im ungünstigsten Fall noch ein zu enger Blechtubus und schon hat man den Salat in Form von hausgemachtem Tubusseeing. Wer da keinen Lüfter einbaut, muss halt mit matschigen Sternen leben. Deswegen sind meine Spiegel immer so dünn wie möglich. Kurz auskühlen lassen (ohne Lüfter) und nach 15-20min kann ich (wenn das Seeing passt) gleich mit Vergrößerungen von 300x loslegen.

Fazit: um aus nem 10" Chinaeimer oder SC das herauszuholen, was ein 10" leisten kann, braucht es mehr als nur einen Graufilter. Aber er hilft bei der Trennung von Doppelsternen und bei der Beobachtung von feinen Details auf Planeten, die ohne Graufilter überstrahlt werden.

Viele Grüße,
Christian
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben