Prismenschiene am FH 120 / 600 -Tubus anschrauben?

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Hallo und guten Morgen,

ich setze meinen Skywatcher Refraktor F5 120 /600 Refraktor für Widefield/DeepSky seit einiger Zeit am liebsten auf einer Nexstar SLT GoTo-Montierung mit stabilerem Stativ ein. Der Refraktor wiegt mit Schellen 3,9kg und komplett mit Binoansatz, Okularen und Umlenkspiegel sind es dann knapp 5kg, bei ca. 65cm Länge. Die Montierung ist bei diesem Gewichts-/Hebelverhältnis natürlich an der Grenze, aber es rutscht nichts durch und die Motoren hören sich auch nicht überlastet an. Ausschwingzeiten von gut 2 sec sind zwar nicht jedermanns Sache, mir jedoch sind leichtes Gewicht und GoTo- und Nachführkomfort wichtiger als etwas Schwingungsneigung.

Der Refraktor hat Rohrschellen, die mit einer Prismenschiene verbunden sind, wobei die Schiene nicht am Tubus aufliegt, sondern noch ca 1cm Abstand bis zu dessen Wand hat. Über die Schiene wird das Ganze dann SEITLICH an die vixenkompatible Prismenklemme des Montierungsarms gekuppelt. Ich wuesste nun gern, ob sich diese seitliche Montage bei Wegfallen des überflüssigen 1cm-Abstands und Weglassen der Rohrschellen nicht noch nennenswert verbessern liesse, und bräuchte zu folgendem fachmännische Beratung:

Es gibt Prismenschienen deren oben ausgekehltes Profil es ermöglicht, sie direkt an einen Tubus zu schrauben. Dabei liegt die Schiene über ihre ganze Länge mit zwei schmalen seitlichen Stegen am Tubusrohr auf. Über je zwei nebeneinanderliegende Löcher an den beiden Enden der Schiene lassen sich kurze M6 Schrauben in darunter anzubringende Bohrungen im Tubusrohr stecken, die dann im Tubusinneren mit normalen Muttern als Widerlager befestigt werden. (Bei meinem leichteren FH 102/660 ist das so gelöst, dessen beobachtungsfertig ca. 3,5kg Gesamtlast hält der Tubus mit der direkt verschraubten Prismenschiene problemlos aus.)

Ich gehe davon aus, dass die Schrauben und die Schiene (hätte 17cm Länge) bei der zu tragenden Last und den auftretenden Hebeln keine Probleme hätten - aber was ist mit der relativ punktuellen bzw. kleinflächigen Belastung am Tubusrohr? 4 Löcher, paarweise im Abstand von ca 2cm und diese ca. 15cm voneinander entfernt, dazwischen zwei vielleicht 1mm breite und insgesamt 17cm lange Stege: auf diesen kleinflächigen Bereichen würde dann die ganze Last ruhen bzw. daran seitlich zerren. Die Belastung wäre allerdings wegen der fehlenden Rohrschellen um gut 400g geringer, und würde sich wegen des um ca. 1cm verringerten seitlichen Abstands von der Tubusmittelachse (d.h. der Optischen Achse) zur Auflagefläche der Prismenklemme noch um weitere ca 600g reduzieren. Damit sollte sich insgesamt also für die Monti die "gefühlte" Belastung um rund 1kg bzw. 20% vermindern. Ein weiterer großer Vorteil der direkt angeschraubten Schiene wäre die größere Verschiebemöglichkeit beim Klemmen, so daß z.b. bei Zenitbeobachtungen der Tubus leicht genügend weit nach oben geschoben werden könnte und der OAZ dann rundum nirgends mehr an den Stativbeinen anschlagen könnte.

Die entscheidende Frage ist nur, ob die 2mm starke Tubuswand aus vermutlich irgendeiner Alulegierung bei einem Durchmesser von 116mm außen bzw. 112mm innen der veränderten, stärker lokalisierten Belastung problemlos gewachsen wäre, ohne sich zu verformen. Kann mir da jemand einen guten Rat geben? Einfach auf's Geratewohl losbohren und ausprobieren wollte ich ungern, weil Löcher was Irreversibles sind und ein möglicherweise verformter Tubus mit ausgebeulten Löchern ja auch nicht so toll wäre... Bleibenlassen oder kein Problem und halb so wild, oder nur mit Vorbehalt usw. - was meinen Leute mit Erfahrung, Material- und Sachkenntnis?


Gruß,
Mathias
 
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Hallo Mathias,

wenn Du eine Prismenschiene direkt auf den Tubus schrauben willst, kommt das natürlich dem Gewicht zugute. Man kann aber nicht eine Schiene verwenden, die auf zwei schmalen Stegen am Tubus aufliegen soll. Beim Anziehen, egal aus welchem Material der Tubus besteht, würde sich dieser verziehen. Um dennoch hier zum Ziel zu kommen, müsste auf die Prismenschiene ein auf den Tubus präzise angepasster Radius angebracht werden, um eine volle Auflage zu erreichen. Die Schiene ist eigentlich nur in einer guten mechanischen Werkstatt herzustellen.

Gruß
Wilfried
 
Moin!

> Beim Anziehen, egal aus welchem Material der Tubus besteht, würde sich dieser verziehen.

Ich denke, auch wird sich (wenn überhaupt irgendwie nachweisbar) auf das Bild im Okular auswirken. Das Teleskop-Objektiv ist autark gefaßt, da macht so ein bißchen Prismenschiene an einem 3 Kilo-Tubus den Kohl auch nicht mehr fett. Man kann's auch übertreiben.
 
Hallo Mathias,

kannst Du problemlos machen.
Mach Dir für die Innenseite des Tubus zwei Streifen aus Flachalu (Baumarkt) oder nimm große Unterlegscheiben (Karosseriescheiben)
Musst die Schrauben ja nicht unendlich festknallen...
Ideal wären zwei gefräste Halbmonde für innen als Gegenlager, dazu brauchst aber die passende Maschine.
 
Hallo Mathias,

ich hatte das ja bei meinem Doppelrefraktor genau so gemacht.
Da meine Suche nach grossen Unterlegscheiben, die auf der einen Seite flach sind und auf der anderen Seite den Innenradius des Tubus haben leider erfolglos blieb, habe ich mir die von Ralf angesprochenen Halbmonde gefräst :-)

Link zur Grafik: http://www.binoscopes.de/borg-08.jpg

Link zur Grafik: http://www.binoscopes.de/borg-09.jpg

Damit sind die Probleme aus der Welt.

Es gibt aber auch noch einen anderen Lösungsansatz, die von Wilfried angesprochene genau passende Prismenschiene.
Man nimmt eine massive Prismenschiene und lässt sich den genauen Tubusradius per 3D CNC reinfräsen. Das ist nicht ganz billig aber machbar.
Dadurch liegt die Schiene aussen satt auf und innen reichen dann normale Unterlegscheiben, die sich zwar beim Anziehen etwas verformen und dem Tubusradius anpassen werden, aber da aussen die Schiene satt aufliegt kann und wird dem Tubus selbst nichts passieren.

Grüsse Jochen
 
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Hallo Mathias,
lass Dich nicht verleiten!
Also nochmal mit anderen Worten. Zieht man die Tubuswand in den Hohlraum der Prismenschiene, und man muss die ja richtig festziehen, was passiert dann? Richtig, eine Beule! Und was bedeutet eine Beule im Rohr? Richtig ,es wird krumm! Jede Blechplatte mit Beule ist nicht plan, und jedes Rohr mit Beule nicht gerade. Den Beweis findest Du auf der Richtbank. Wenn Du nun den Refraktor unbedingt ändern willst, mach Dir eine Prismenschiene mit korrekter Radiusauflage, wobei ich auch meine, dass sich der Aufwand gegenüber dem geringen Gewichtsvorteil kaum lohnt, insofern hat Micha schon recht.

Grußan alle
Wilfried
 
Hallo Mathias,

die Vorschläge von Jochen und Ralf sind natürlich auch ok, da die Halbmonde nicht in den Strahlengang reichen. Allerdings muss der Tubus in j e d e m Fall demontiert werden, und denke daran, im Tubus sind Blenden befestigt, welche die Montage behindern. Deswegen die Frage nach Aufwand und Gewinn?

Grüße
Wilfried
 
Hallo allerseits,

recht vielen Dank für die zahlreichen Kommentare und Anregungen! (hatte die Hoffnung auf Resonanz schon fast aufgegeben).

Wilfried, bei meinem leichteren 102er FH hat sich der Tubus mit aufgesetzter ausgekehlter Schiene jedenfalls nicht unter den Stegen verzogen. Und wie Michi schon sagt, das Objektiv ist autark gefasst, recht massiv. Die Prismenschiene passgenau auszufräsen wäre aber sicher das Optimum, darauf war ich nicht gekommen, mal sehen, wo man da finanziell landet. Evt. passt die Auskehlung der vorgesehenen Schiene aber auch zufällig schon recht gut zum Tubusradius, vielleicht liesse die sich deshalb mit weniger Aufwand "zurechtschnitzen", da muß ich nachsehen und mich mal in einer Werkstatt umhören.

Ansonsten freut mich natürlich die Ermunterung von Ralf, und mit Karrosseriescheiben und Flachalu komme ich sicher billiger weg.

Deine Halbmonde, Jochen, kannte ich schon, nur habe ich leider weder Fräse noch Drehbank geschweige denn dass ich damit umgehen könnte. Innen ist bei meinem geringen Gewicht vermutlich passgenauigkeit auch nicht so wichtig, wenn es außen halbwegs stimmt. Der Sitz der Blenden scheint mir unproblematisch.

Im Prinzip ist die jetzige Situation natürlich auch nicht ganz schlecht und die Frage des lohnenden Aufwands berechtigt. Aber irgendwie juckt mich das und meine EQ1-Tischmonti, die ich zum Schnellspechteln vom Fensterbrett manchmal mit dem FH hoffnungslos überlade, würde dann auch etwas weniger ächzen :-)

Allen meinen herzlichen Dank für die Hilfestellung!
Gruß,
Mathias
 
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Was spricht dagegen die Prismenschiene mit Schlauchschellen außen am Tubus zu befestigen? Das Gewicht der zwei Schlauchschellen dürfte vernachlässigbar sein.
Dazu muß natürlich ein Steg in die Prismenschiene gefräst/gefeilt werden, in dem die Schlauchschellen eintauchen können.
 
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