Professionelle Methoden zur Sternentfernung?

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AstroGerdt

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Hi Leute,

bei meinen Recherchen habe ich mehr durch Zufall das Dragonfly Projekt gefunden, hier ein Link zu deren Homepage: Dragonfly Telephoto Array

Ich finde das Konzept ziemlich beeindruckend und habe ein bisschen weiter recherchiert. Dabei habe ich unter diesem Link folgende Aussage gefunden: "With longer integrations (50-100h), foreground star removal and modest binning the Dragonfly Telephoto Array is capable of probing structures with surface brightnesses below 32 mag/arcsec^2"

Mal abgesehen von der beeindruckenden Leistungsfähigkeit des Systems hat mich dieser Satz stutzig gemacht, weil die Rede davon ist, bei einem Forschungsprojekt die Sterne aus dem Bild zu entfernen.

Artefakte, wie StarXTerminator oder StarNet (V.2) sie hinterlassen, werden in dem Kontext sicherlich nicht tragbar sein und würden jegliche Schlussfolgerung aus den gewonnenen Daten anfechtbar machen. Dabei geht es schließlich nicht um ein Pretty Picture, sondern um echte Forschung mit exakte und reproduzierbaren Daten.

Wisst ihr, wie man das im Forschungsumfeld macht? Gibt es da vielleicht andere Methoden, die weniger Artefakte zeigen?

CS Gerrit
 
Dieses Dragonfly Projekt ist ja schon älter (2014).
Da letztendlich alle wissenschaftlichen Methoden der Zeit auch in Pixinsight eingeflochten wurden würde ich da schauen (ggf. über nachgeladene Module).
Und damals waren mehrstufige StarMask und Morphological Transformation der gängige Weg.
zb PixInsight Star Removal - Chaotic Nebula

Auch Deconvolution ist beliebt, um die Sterne zu bändigen.
Hier ein PI Tutorial PixInsight — Deconvolution and Noise Reduction Example with M81 and M82

...das ist dann mathematisch eindeutig (=wissenschaftlich), hinterlässt aber auch Artefakte.
 
Zuletzt bearbeitet:
Aktuell und professionell kann die Sternen Entfernung mit hochgenauen Messungen durch Satelliten recht genau bestimmt werden! :ROFLMAO:

Deutsche Sprache,...schwere Sprache!
Kleiner Spaß!
VG Frank
 
Hi,

mit MorphologicalTransofrmation habe ich auch schon gearbeitet, das hat auch relativ gut geklappt, nur bei meinen Weitfeldaufnahmen mit f=50mm kommt das halt an die Grenze, weil das Bild in einigen Stellen quasi aus Sternen besteht. Bei Deconvolution bleibt das gleiche Problem. Vielleicht ist das aber auch einfach etwas, das bei den wissenschaftlichen Methoden nicht Ziel der Entwicklung ist, weil die im Schnitt mit deutlich größeren Brennweiten arbeiten.

@Sternbrot :ROFLMAO::ROFLMAO: Ich habe extra 5 mal nachgelesen

CS Gerrit
 
etwas off topic, aber ich bin auch ein Freund von Astro-Weitwinkelaufnahmen.
Was da in den Bild-Ecken für Sterne projiziert werden ist z.T. arg gewöhnungsbedürftig.

Ich bin in dem Zusammenhang über folgendes gestolpert:
  • Ein entzerrtes 15mm Weitwinkelobjektive hat (praktisch) eine Gnomonic Projektion mit ovalen Sternen in den Ecken.
    Diese Gnomonic Projektion verstärkt den Abbildungsfehler der Linsen.
  • Ich habe ein 8-15 Objektiv mit Fischaugen-Projektion und das hat eine Zenithal Projektion.
    Bei 15mm hat man man dann noch Sterne in den Ecken (da erst bei 8mm das Bild zum Kreis wird) aber diese Sterne sind noch (erstaunlich) rund.
    Dieses Bild lässt sich wesentlich besser mit Astromethoden bearbeiten.

Wenn ich jetzt diese Zenithal Projektion des Fischauges in eine Gnonomic Projektion umrechnen lasse, dann sind die Sterne in den Ecken auch oval.

Zur Erläuterung:
 
Über ähnliche Sachen habe ich mir auch schon mal Gedanken gemacht. Danke an dieser Stelle für den Link, den muss ich mir heute Nacht mit mehr Zeit noch mal genauer angucken.

Interessant ist es, ob die Sache auch andersherum klappt. Wenn ich ein Objektiv mit Gnomic-Projektion habe, und das Bild davon dann auf eine Zenithal-Projektion umrechne. Werden die Sterne in den Ecken dann besser, oder ändert das nur die Darstellung von Linien/Flächen, weil der Schaden bereits in der Aufnahme entstanden ist?

CS Gerrit
 
nach der Umrechnung bleiben die Ecken schwarz (das Bild fehlt) aber die ovalen Sterne aus den Ecken wandern weiter in das Bild und werden runder ;)
 
Ja, manche Themen Beschreibungen sind durch Mehrdeutigkeit lustig! Im deutschen bedarf es einer präzisen Formulierung, oder Zeichensetzung.....siehe Opa :ROFLMAO: :jungehier:

...Bildung eines Sonnenflecks? Mittlere Reife?
VG Frank
 
Wisst ihr, wie man das im Forschungsumfeld macht? Gibt es da vielleicht andere Methoden, die weniger Artefakte zeigen?

Hi,

ja die Profis machen das anders, aber das zeigt eher mehr als weniger Artefakte. In diesem Paper ist ein Hinweis darauf wie sie es im Dragonfly Projekt machen:
Da wird noch auf ein anderes Paper verwiesen, wo es wohl ausführlicher beschrieben wird. So wie ich es verstehe wird ein Model erstellt, welches dann abgezogen wird. Recht aufwendig und recht komplex würde ich sagen.

Was man auch häufig sieht, ist die Kontinuum Subtraktion, wobei man schlicht Bilder voneinander abzieht. Dazu muss man aber Aufnahmen haben, die mit verschiedenen Filtern recht ähnlicher Wellenlänge gemacht sind. Also man hat z.Bsp. einen Ha Filter und dann einen mit gleicher Breite, der aber etwas neben der Ha Wellenlänge sitzt. (Es gibt von Astrodon einen solchen Continuum Filter).
Alle diese Methoden hinterlassen aber Artefakte. Für uns Amateure sind die KI basierten Teile wie Starnett++ etc. eigentlich unschlagbar. Die Profis rümpfen dabei allerdings etwas die Nase. Aber ist nicht so, als würden die Profis diese KI Methoden nicht kennen. Vielleicht setzt sie der ein oder andere auch ein.
Ziel dabei ist immer, Dinge sichtbar zu machen, die ansonsten im Gewimmel untergehen würden. In wissenschaftlichen Papers sieht man sehr häufig so bearbeitete Bilder. Man erkennt sie aber eben an den Artefakten :cool:

CS Frank
 
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Ziel dabei ist immer, Dinge sichtbar zu machen, die ansonsten im Gewimmel untergehen würden. In wissenschaftlichen Papers sieht man sehr häufig so bearbeitete Bilder. Man erkennt sie aber eben an den Artefakten :cool:
Tagchen Frank,
das stimmt hier z.B. eigentlich nicht so ganz, bei den verlinkten Artikeln geht es um etwas anderes.
Die eigentliche Methode ist genauer hier beschrieben:

Dragonly hat exzellente Empfindlichkeit fuer flaechenhelle Objekte, aber nur eine begrenzte Aufloesung. Richtig, was hier auch meinem Verstaendnis nach gemacht wurde, ist ein hochauflosendes Bild (mit dann aber deutlich weniger Flaechenhelligkeit) numerisch auf die Aufloesung von Dragonfly herunterzurechnen, sorgfaeltig abzugleichen und dann abzuziehen (es ist etwas komplizierter, auch weil spektralabhaengig, aber im Grunde ist das in der Tat der Trick).
Es geht hier aber nicht darum, Sterne aus aesthetischen Gruenden "verschwinden zu lassen" oder irgrnd etwas "hinter" oder "vor" Sternen sichtbar zu machen, sondern darum:
Die wollen (im ersten Artikel) die Dichte der Jets vermessen. Eigentlich koennte man das stoerende Signal der Sterne im Dragonfly-Bild einfach ausmaskieren. Das reicht aber nicht, weil durch das dichte Sternbild und die "schlechte" Aufloesung zu viel Signal von den Sternen auf das Signal der Jets ueberlagert wird. Ist halt ein "ultra-widefield Insektenauge" , aber mit sehr begrenzter Aufloesung (4" beugungslimitiert, nicht seeinglimitiert).
Exakt diese Signalkontamination soll herausgezogen werden. Wie das "Sternenloch" gefuellt wird, oder was wirklich "vor oder hinter" den Sternen gewesen waere, wenn diese gar nicht da waeren, interessiert hier niemanden.
Da die Daten quantitativ ausgewertet werden, nimmt man gemessene, seeinglimitierte Korrekturdaten hoher Aufloesung, die "heruntergerechnet" werden, statt den umgekehrten Weg zu gehen und die niedrig aufgeloesten Bilder mit einer Deconvolution hochzurechnen. Letzteres ist wohl schwierig, weil die PSF dieser Mosaikbilder von Dragonfly nach Angaben der Autoren recht komplex ist.
Fazit: Interessante Sache, aber hier geht es in erster Linie nicht wirklich darum Sterne zu entfernen, sondern viel mehr deren Beugungssignal aus der unmittelbaren Umgebung quantitativ korrekt zu entfernen.
In die "Loecher" der Sterne (vulgo "Artefakte") kannst Du auch Smileys einpatchen, die sind in diesem Fall ohne Relevanz, denn mit dem Dragonfly-Ding wird an flaecnenhellen Objekten geforscht.
Gruss & CS
 
Hi Leute,

Danke für eure weiteren Antworten. Das gibt mir jede Menge zu lesen und zu denken!

CS Gerrit
 
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