Projekt 18 - Update 2003 Maerz 14 (extralang)
Projekt 18 - Zusammenfassung des Grobschliffs
Hallo,
ich melde mich momentan aus nicht in der Astronomie zu suchenden Gruenden relativ wenig. Dennoch geht die Arbeit am Spiegel wieder voran - ich wollte Euch aber nicht mit winzigen Haeppchen belaemmern, die stundenweiser Grobschliff eines 18"-Spiegels so mit sich bringt. Darum nun - angesichts der Vollendung des Grobschliffs - eine Zusammenfassung desselben:
Ausgangspunkt:
Ein 37 mm starker 18" - Rohling aus SCHOTT Suprax, getempert und per Wasserstrahl aus einer quadratischen Platte geschnitten. Geometrischer Durchmesser 457 mm, optisch nutzbar etwa 452 mm. Gewicht des Rohlings 14 kg.
Plan: Schliff eines f/4.5-Spiegels fuer den Dobson eines Freundes.
Sinn: Sammeln von Erfahrungen, die ich mit meinen bisherigen vier Spiegeln noch nicht sammeln konnte:
(i) Spiegelgroesse (Maximum bisher 257 mm)
(ii) Flexbearbeitung im Grobschliff
(iii) Reines Tool-on-Top-Schleifen (also Werkzeug oben)
(iv) Subdiameter - Tool (Werkzeug viel kleiner als Spiegel, hier maximal 50 %)
Ueber die allerersten Schritte hatte ich schon berichtet, deswegen jetzt nur kurz:
Es muessen zentral ca. 6.5 mm Glas abgetragen werden, was ueber 1 kg entspricht ! Auf Anraten erfahrender Spiegelschleifer dieses Forums beschaffte ich mir einen Winkelschleifer ("Flex") mit Korundscheibe fuer Steinbearbeitung.
* 8. Dezember 2002: 1st Grind, 50 min mit Flex. Mittentiefe ca. 3 mm, aber eher eine "Schmidtkurve" als eine Sphaere. Ich hatte bis zum Rand geschliffen, um die fuer die Supraxblanks aus meiner Quelle typische Rillenstruktur loszuwerden. Ich machte die Flexgeschichte draussen, mit Schutzbrille und Taschentuechern in den Ohren (Laerm!). Dazu der Mundschutz und alte Klamotten ... ich verschwand in einem Glasnebel (und spaetestens jetzt wussten die Nachbarn, dass ich nicht ganz dicht sein kann <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> ).
Danach nahm ich einen 6"-Fensterglasrohling (3 cm stark, inzwischen nur noch 1 cm <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> ) und schliff mit viel Karbo 80 ca. 1/2 h lang. Nach 10 min Buckelpistenfeeling stellte sich dann zumindest in einer Ringzone (Radius zwischen 5 und 15 cm) eine Sphaere ein - in der Mitte und am Rand ist der Spiegel zu tief und die unregelmaessige Flexstruktur bleibt noch erhalten.
Es folgte eine laengere gesundheitlich und durch Abwesenheit bedingte Pause.
* 18. Januar 2003: Es geht weiter !
30 min Flex gefolgt von 20 min K80 mit dem 6"-Werkzeug. Pfeilhoehe etwa 4 bis 5 mm. Ich beschliesse (auch angesichts der vielen Flexmarken am Rand) es mit der Flex bis hierher und nicht weiter zu treiben. Vorteil ist, dass ich ab jetzt nicht mehr vom Wetter (Trockenheit und Licht sind in nordenglischen Wintern Mangelware) abhaengig bin und auch werktags abends schleifen kann. Dies tue ich im Bad, um jegliche grobe Karbokoerner von meiner Wohnkueche fernzuhalten, die spaeter fuer den Feinschliff herhalten soll ...
* 21. Januar 2003: Karbo 80, 6" Tool on Top, viel Druck und viel Karbo. Nach ca. 45 min sind nur noch wenige Innenzonen und die aeusseren 2 cm unregelmaessig. Die Pfeilhoehe schaetze ich zu 3 bis 4 mm.
* 26. Januar 2003: 90 min Karbo 80 mit 6"-Tool. Pfeilhoehe 4 bis 5 mm, immer noch Flexmarken am Rand. Auch immer noch eine "abgesunkene Kante", die dem Spiegelprofil eher Aehlichkeit zu einer Schmidtkurve verleiht als zu einer Sphaere.
* 28. Januar 2003: 30 min K 80 mit 6"-Tool. Keine signifikante Aenderung.
* 8. Februar 2003: 30 min K 80 mit 6"-Tool. Das Werkzeug reibt sich ziemlich ab, die Scheibe wird deutlich erkennbar immer duenner. Beide Seiten (ich nutze sie abwechselnd) sind deutlich konvex, ich koenne spaeter mal eine Lupe daraus machen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> .
Irgendwas muss geschehen. Da faellt mir ein, dass ich noch einen wunderschoenen SUPRAX-Rohling (8") rumliegen habe. Rangeholt und geopfert ...
30 min K 80 mit 8"-Tool. Die Rillen auf der zum Schliff benutzten rilligen Seite sind danach fast weg. Am Rand des 18"-Rohlings immer noch Flexmarken, aber weniger. Die Pfeilhoehe bleibt bei 4 mm, der Scheitel der "Schmidtkurve" verlagert sich zusehends nach aussen. Ich fahre wie zuvor auch die volle Strecke Mitte ueber Mitte.
10. Februar 2003: 30 min K 80 mit abwechselnd 8" und 10" Tool. Ich nehme eine Regalleiste (die vorgebohrten aus dem Baumarkt zum an die Wand Duebeln) und einen Messschieber. Nach Eichung auf Praezisionsplanflaeche (Kuechentisch) bestimme ich die Pfeilhoehe zu 4.3 mm. Mit dieser Methode werden auch im Folgenden die Pfeilhoehen bestimmt. Der Wendepunkt der "Schmidtkurve" liegt nur noch ca. 2 cm vom Rand entfernt. Der ganze Spiegel wirkt deutlich sphaerischer.
16. Februar 2003: 30 min K 80 mit abwechselnd beiden Tools. Der Rand wird staerker angegriffen, enthaelt immer weniger Marken von der Flexbearbeitung.
Weitere 45 min Karbo 80 wie zuvor. Der Rand faengt an zu "greifen". Der Messschieber zeigt 5.0 mm Pfeilhoehe an.
17. Februar 2003: 70 min Karbo 80 wiederum mit beiden Tools abwechselnd. Die 8"-Scheibe knallt mir zwischendurch auf den Spiegel, es entsteht GOTTSEIDANK IM TOOL ein ziemlich fetter Muschelbruch, der spaeter trotz seiner Tiefe von einigen mm wieder ausschleift. Danach ist die Pfeilhoehe 5.4 mm.
18. Februar 2003: 50 min Karbo 80 wie zuvor. Pfeilhoehe waechst auf 5.8 mm.
19. Februar 2003: 60 min Karbo 80 wie zuvor, jedoch Striche vermehrt exzentrisch und unter Nutzung des Schlamms, der sich nach 1/2 Stunde auf dem Holzbrett ansammelt (Karbo 80 + zerdruecktes K80 + Glasstaub + Wasser). Nun werden die aeussersten 10 bis 20 mm, die bislang immer noch eine Problemzone darstellen, bearbeitet. Der Messschieber zeigt 6.5 mm - nun mehr randbetont arbeiten !
20. Februar 2003: 70 min Karbo 80 wie zuvor, aber haeufiger mit dem 8"-Tool und mehr exzentrische Striche. Messschieber zeigt 6.3 mm Pfeilhoehe, und es gibt immer noch Residuen von der Flexbearbeitung in einer ca. 1 cm breiten Randzone.
23. Februar 2003: 60 min Karbo 80, zentrale Striche mit 8"-Tool, teils statt K80 Verwendung des "Schlamms" ("Recycling"). Messschieber zeigt 6.7 mm. Ich rechne mir aus, dass das etwa f/4.2 entspricht. Ich muss die Bremse ziehen ...
24. Februar 2003: 30 min Karbo 80, 8"-Tool, meist exzentrisch. Die Mitte ist so gut, dass das Tool zweimal steckenbleibt. Der Rand laesst immer noch zu wuenschen uebrig, ist aber schon etwas besser. Immer noch ein paar Flexmarks. Messschieber zeigt 7 mm (!!!) alias f/4.05.
Entscheidung:
(i) Groesseres Tool (10"-Supraxrohling bereits bestellt)
(ii) REIN exzentrische Striche.
07. Maerz 2003: 60 min K80, teils "Schlamm". Teils zentrisch, teils randbetont.
---> 10"-Tool bis auf zentrale 50mm angeschliffen. Der Spiegel sieht verheerend aus, mit einer flachen Randzone, die nicht rotationssymmetrisch zwischen Null und 2 cm breit ist. Die Pfeilhoehe ist 7.4 mm, das ist eine Oeffnungszahl kleiner als 4.
Ich beschliesse, das Spiegelschleifen aufzugeben und mir einen APO zu kaufen.
08. Maerz 2003: 25 min Karbo 80 REIN EXZENTRISCH mit 10"-Tool. Danach:
- Karbo 80 alle ...
- Schale bis Zentrum angeschliffen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> .
- Rand WESENTLICH besser, nur wenige Rauhigkeiten und keine Abweichung von Rotationssymmetrie mehr <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> .
- Pfeilhoehe auf 7.2 mm zurueckgegangen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />.
Konsequenzen:
(i) Ich gebe das Spiegelschleifen doch nicht auf.
(ii) Ich kaufe keinen APO (zumal das Gebrauchtschnaeppchen schon weg war ...)
(iii) Mit Karbo 120 exzentrisch weitermachen.
09. Maerz 2003: 60 min K 120 mit 10" - Tool (ab jetzt immer benutzt) rein exzentrisch. In Folge erscheint der Rand WESENTLICH besser. Nur in den auessersten 2 bis 3 mm noch vereinzelt Schrammen, die bald verschwinden sollten. Der Rand glaenzt bei streifendem Einfall ein bisschen mehr als die Mitte. Die Pfeilhoehe ist 6.9 mm, was f/4.1 entspricht.
10. Maerz 2003: 30 min K 120 mit 10"-Tool, exzentrisch plus ein paar W-Striche. Nur noch vereinzelt am Rand (1 bis 2 mm) schwache Marken. Der nasse Spiegel reflektiert aus geringer Distanz betrachtet bis zum Rand gleichartig, die "Schmidtkurve" ist verschwunden. Die Pfeilhoehe ist unveraendert 6.9 mm.
11. Maerz 2003: 45 min K 120 wie zuvor, meist exzentrisch.
Ich beschliesse, den Everesttest (Taschenlampe am nassen Spiegel) durchzufuehren. Das Ergebnis ist r=3.55 m (f/3.9). Die Pfeilhoehenmessung liefert dagegen 7.0 mm (f/4.0). Der Rand ist eindeutig definiert und glaenzt bei streifendem Einfall etwas staerker als die Mitte.
12. Maerz 2003: 45 min K 120, sehr exzentrisch: Die Toolmitte befindet sich fast permanent in der Naehe des Spiegelrandes. Viel Druck, und ich passe hoellisch auf dass die Schale dabei nicht abkippt.
Danach zeigt sich beim streifenden Einfall keine eindeutige radiale Abhaengigkeit des Glanzes mehr, der Spiegel erscheint eher "gescheckt". Das koennten aber auch Wasserflecken vom Trocknen sein. Der Rand selbst ist ideal, die Pfeilhoehe s=6.9 mm (f/4.1), was durch den Everesttest bestaetigt wird.
13. Maerz 2003: 30 min K120 mit 10"-Tool, davon die ersten 20 min sehr exzentrisch wie zuvor und die letzten 10 min W-Striche, um die Sphaere zu halten. Weniger K120, da der Vorrat zur Neige geht. Konsequenz: Pfeilhoehe s=6.6mm (f/4.2), Everest zeigt eher noch f/4.1. Damit liege ich im Toleranzbereich, denn laut meines "Auftraggebers" sind f/4.0 bis f/4.5 in Ordnung. Der Rand ist okay, der Glanz bei streifendem Einfall ist immer noch "scheckig" und die Mitte etwas matter.
Ausblick: Ich werde mit eher ausgeglichenen Strichen den winzigen K120-Vorrat aufbrauchen und dann zu K220 uebergehen.
Das wars ....