PST-Umbau - inhomogenes Bild / Unschärfe am Rand

Centes

Aktives Mitglied
Hallo Sonnenbeobachter,

ja, ich weiß, zu diesem Thema gab es schon viele Threads. Habe ich auch schon gelesen
und nicht Alles verstanden.:giggle:

Vor Jahren habe ich mein PST zu meinem Sunscope90 umgebaut ( Den Tubus hatte ich
damals um ca. 10cm gekürzt. )
Sunscope90.JPG


Oft kam es nicht zum Einsatz, hauptsächlich fotografisch. Und da fällt mir immer
wieder deses nicht homogene Bild ( Randunschärfe ) bzw. der sog. "Sweetspot" auf.

Dies ist eine nur gestackte Aufnahme vom Sommer. Deutlich ist die Randunschärfe zu erkennen.
Sonne.JPG


Ich habe nun unwahrscheinlich viel hier im Forum und auch im Nachbarforum über den Umbau gelesen und
muss zugeben, dass ich jetzt gar nicht mehr weiß, was genau die Ursache hierfür ist und wie ich am einfachsten
zu einem ausgewogenen Bild kommen werde.

Hier der Aufbau meines PST-Mod.
PST_Mod.JPG

OAZ – Verlängerungshülse235 – PST-Etalon – PST-Adapter – BF10 – NeptuneM


In einem Thread habe ich gelesen, man „muss“ die TZ-Linsen des PST-Ethalons entfernen.
Oder gilt das nur bei Verwendung einer externen Telezentrik ( Beisp.: 3-fach Baader TZ )?


In einem anderen Thread habe ich gelesen, dass die Eingangslinse des Etalons exakt
200mm vor dem Brennpunkt liegen muss.
Ist mit der Eingangslinse des Etalons die erste Linse nach der Verlängerungshülse gemeint?
Ist der Brennpunkt der Punkt im Zenitprisma ( Blockfilter ) wo der Lichtstrahl auf den Spiegel
trifft? Muss dieser Abstand zwingend 200mm betragen?

Bei den einen Umbauten ist der Etalon näher am OAZ, bei anderen Umbauten wiederum näher am BF.


Vielleich kann mich hier jemand, möglichst bildlich oder mit Skizze „erhellen“.


Grüße und CS
Jürgen
 
Hallo Jürgen,

ich versuche 'mal Deine Fragen zu beantworten ...

Oft kam es nicht zum Einsatz, hauptsächlich fotografisch. Und da fällt mir immer
wieder deses nicht homogene Bild ( Randunschärfe ) bzw. der sog. "Sweetspot" auf.

Das Problem ist einfach, dass bei den Umbauten des PST auf größere Öffnungen nicht mehr die ganze Sonne in H-alpha zu sehen ist , sondern nur mehr ein ring- bzw. scheibenförmiger Ausschnitt in optimalem H-alpha-Kontrast zu sehen ist.

Das ist einfach physikalisch so bedingt auf Grund der Winkel der Lichtstahlen am Etalon. Will man diesen Jacquinot/sweet-spot vergrößern bleibt nur der Einsatz eines größeren Etalons und längerbrennweitigerer Kollimatorlinsen.

Über den Daumen gepeilt kann man in Kollimatoranordnung bei einer Öffnung bis etwa zum doppelten Durchmesser des Etalons die ganze Sonne in H-alpha sehen (PST: Durchmesser der Öffnung: 40mm - Etalondurchmesser: 20mm).

Bei dem 90mm-Scope bräuchte man ein Etalon mit 40-50mm Durchmesser oder es ist wie bei dem PST-Etalon nur mehr ein Bruchteil der Sonne in optimalem H-alpha-Kontrast zu sehen.

In einem Thread habe ich gelesen, man „muss“ die TZ-Linsen des PST-Ethalons entfernen.
Oder gilt das nur bei Verwendung einer externen Telezentrik ( Beisp.: 3-fach Baader TZ )?

Bei Deinem setup (OAZ – Verlängerungshülse235 – PST-Etalon – PST-Adapter – BF10 – NeptuneM) darfst Du keine Linsen entfernen.
Das Etalon ist da zwischen Kollimatorlinsen angeordnet (die Linse vor dem Etalon hat -200mm und die danach +200mm Brennweite).

Die Linsen musst Du nur entfernen, wenn Du das Etalon nach einer Telezentrik verwenden willst. Allerdings brauchen Etalons mit einem geringen Brechungsindex des Etalon-Mediums (hier Luft n=1) eine große Öffnungszahl (mindestens 40-50), damit sich der Bandpass nicht zu sehr verbreitert. Deswegen wird bei Luftspaltetalons eben die Kollimatoranordnung eingesetzt.

In einem anderen Thread habe ich gelesen, dass die Eingangslinse des Etalons exakt
200mm vor dem Brennpunkt liegen muss.
Korrekt.

Ist mit der Eingangslinse des Etalons die erste Linse nach der Verlängerungshülse gemeint?
Korrekt. Die erste Linse vor dem Etalon Richtung Teleskop.

Ist der Brennpunkt der Punkt im Zenitprisma ( Blockfilter ) wo der Lichtstrahl auf den Spiegel
trifft? Muss dieser Abstand zwingend 200mm betragen?
Der Brennpunkt nach dem Etalon liegt 200mm nach der okularseitigen Linse des Etalons.

Ciao Werner
 
Guten Tag,

Werners Ausführungen sind richtig und umschreiben das Grundproblem bei PST Umbau, das inhomogene Bild.
Visuell gibt es eine Stellung des Ringes, bei dem die H-Alpha Darstellung homogen wirkt. Es gibt auch ein Areal im Bildfeld, bei dem die Protberanzen am schärfsten wirken. Fotografisch ist der Unterschied wesentlich größer und man muss sorgfältig den Ausschnitt und die Ringstellung wählen. Da es aber immer auf einen Sonnenausschnitt hinausläuft ist das egal. Gegen einen Coronado BF10 habe ich auch getauscht. Ist ein recht saurer Apfel, in den man da beißen muss, aber das Geld muss man hinlegen, wenn die Sonne komplett gezeigt werden soll.
Trotz aller systembedingeten Nachteile ist der Zugewinn an Auflösung und der Anblick der Sonne im PST Umbau ein absoluter Zugewinn. Ich konnte mich live bei einigen Astrotreffs davon überzeugen, das teurere H-alpha Teleskope nicht mehr liefern können.
Hier mal ein Bild, was die inhomogenität verdeutlicht. Trotzdem ist der Ausschnitt der verwertbar ist beeindruckend.

2024-06-28-1642_9-U-R-Sun_Halpha_final.jpg


Gruß Thomas
 
Moin.

Es hängt auch sehr stark von der Qualität des Etalons ab und die ist beim PST sehr großen Schwankungen unterworfen. Ich habe mein PST mit einem 70/700 LIDL-Scope umgebaut, dabei aber den kompletten Kasten behalten und nur das goldene Rohr durch die größere Optik ersetzt. Ich habe daurch schon deutliche Vignettierung am Rand (4mm Blockfilter halt), aber bei richtiger Einstellung des Etalons ein sehr homogenes H-Alphabild über die gesamte Oberfläche. Sowohl mit dem goldenen PST-Rohr, als auch mit dem 70er Refraktor. Ich habe aber auch schon durch PSTs geschaut, die in originaler Konfiguration einen ausgeprägten Sweet Spot hatten. Alles Tuning hat da nichts geholfen, man hatte bestenfalls einen breiten Balken oder Spot mit gutem Kontrast.
Wenn man dann eine längere Optik davor setzt, wird das Sonnenbild größer, der Sweet Spot aber nicht. Im Verhältnis zur Sonnengröße wird er somit kleiner und fällt mehr auf.

Es ist somit etwas Glückssache was für ein PST man verwendet. Ich habe mein PST gebraucht gekauft und konnte mich vor dem Kauf anhand von Aufnahmen durch das Teleskop davon überzeugen, dass das Etalon sehr gut und homogen abbildet. Das Ergebnis mit der 70/700 Vorsatzoptik bestätigt dies. Mein Umbau liefert ein kontrastreicheres und homogeneres Bild als so manches komplett gekauftes Teleskop, das deutlich mehr gekostet hat, als ich unterm Strich bezahlt habe.

Jürgen, vielleicht hast Du ja die Möglichkeit in Deinem astronomischen Bekanntenkreis ein anderes PST-Etalon auszuleihen und probeweise einzubauen. Vielleicht kannst Du damit Dein Problem weiter einengen.

Bis dann:
Marcus
 
Hallo Jürgen.

Bei den PST Umbauten wären einige Bedingungen die erfüllt werden müssen, um eine gute Abbildung zu erreichen:

- ein PST hat ein Öffnungsverhältnis von 1:10, d.h. ein Teleskop für die Modifikation sollte das auch haben, oder durch abblenden auf den Wert gebracht werden.

- die teleskopseitige Collimationslinse des Etalon muss auf 210mm vor dem Fokuspunkt des Teleskops plaziert werden, und sollte diese Position auch beim fokussieren nicht verlassen.
Ich hab probehalber diese Position um einige Millimeter +/_ verändert nachdem ich an der Sonne scharfgestellt, und das Etalon mit dem Einstellring justiert hatte, um da das Optimum zu suchen.

d.h. ein kleiner Helikal Fokussierer hinter dem Etalon wäre sinnvoll (weil man den anderen Fokussierer ja nicht mehr verändern soll nachdem die 210mm justiert sind).
Den Fokuspunkt des Teleskops sollte man genau ausmessen (am Mond z.b. und zwei Streifen Tesa magic (matt...) über die OAZ Öffnung.... den Mond auf dieser Mattscheibe scharf stellen.... und die 210mm am Tubus aufzeichnen...).

Ein BF10 gibt zwar etwas mehr Feld auf der Sonnenscheibe, kann aber dazu führen dass man über den Sweet Spot (Jacquino Punkt) hinaus auch noch Kontrast schwächere Zonen sieht, die der original BF5 des PST bereits verdeckt.

Das waren zumindest bei meinen zwei Modifikationen die Knackpunkte um eine einigermaßen brauchbare Abbildung zu erhalten.
Da die PST von vornherein recht unterschiedlich abbilden sollte man schon eines auswählen das den Vorbereitungen entspricht...

VG Hermann
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Zusammen,

vielen Dank für Deine ausführlichen Erläuterungen und Anregungen. Einiges ist
mir schon klarer geworden.

Aber bei einer Sache, und die ist, glaube ich, nicht unwesentlich habe ich noch
Verständnisschwierigkeiten!:rolleyes:
Der Brennpunkt nach dem Etalon liegt 200mm nach der okularseitigen Linse des Etalons.
- die teleskopseitige Collimationslinse des Etalon muss auf 210mm vor dem Fokuspunkt des Teleskops plaziert werden, und sollte diese Position auch beim fokussieren nicht verlassen.
Aber die teleskopseitige und okularseitige Linse des Etalons sind ja bauartbedingt des Etalons mehr als 1cm auseinander.
( ca. 4 - 4,5cm ) Da bekomme ich die Abstände 200mm und 210mm doch nicht hin!?


Der Fokuspunkt/Brenmnpunkt liegt innerhalb des Teleskoptubus?
1734280264059.jpeg



Den Fokuspunkt des Teleskops sollte man genau ausmessen (am Mond z.b. und zwei Streifen Tesa magic (matt...) über die OAZ Öffnung.... den Mond auf dieser Mattscheibe scharf stellen.... und die 210mm am Tubus aufzeichnen...).
@hermann57: Kannst Du mir die Vorgehensweise nochmals genauer erläutern?


Grüße
Jürgen
 
Hallo Jürgen,

vielleicht verdeutlicht folgende, krude Skizze die Situation mit den Kollimator-Linsen und Fokuspunkten etwas.
Von links nach rechts:
Teleskoplinse mit konvergentem Strahlenkegel (Ori-Fokuspunkt würde 200mm hinter der Plankonkavlinse liegen) / Plankonkavlinse / "paralleler" Strahlengang durch das Etalon / Plankonvexlinse / um den Abstand der beiden Linsen versetzter Fokuspunkt (200mm hinter der Plankonvexlinse)
Scope-mit-Kolli-Etalon.jpg

Ciao Werner
 
Hallo Jürgen.

Passend zu deinem Mod.2 Umbau hilft eventuell folgender Link
http://astrosurf.com/re/PST_Stage_2_Modification_PRe_20180911.pdf

Um die Lage des Fokuspunktes am Teleskop auszumessen habe ich eine 2 Zoll Verlängerung in den OAZ gesteckt, und hinten an der Öffnung aus Scotch Removeable Klebeband eine Mattscheibe aufgeklebt.
Das Teleskop auf den Mond ausgerichtet, auf der Mattscheibe scharfgestellt, und den Okular-Auszug fixiert.
Anschließend von dieser Kante ausgehend die Teleskop Nennbrennweite in Richtung Teleskop Objektiv gemessen und eine Bezugslinie auf der Taukappe angezeichnet.

Von dieser Linie kann man jederzeit ausmessen wo die Position des Etalon sein muss.
20241215_183541.jpg


Bei einem PST Tubus hatte ich auf diese Art ebenfalls die Lage des Fokuspunktes und die Kante des PST Kastens bzw. des Etalon Einstellring, als Referenz ermittelt, und die Lage der vorderen Collimationslinse...

20241215_181510.jpg


So kann ich nach dem Kürzen des Teleskop-Tubus jederzeit die korrekte Entfernung auf die Bezugskante des Etalon Ringes nachmessen / justieren.

Um die Sonne im Okular scharfstellen zu können, hab ich in die Verlängerung hinter dem Etalon einen Helikal Fokussierer eingebaut.

20241215_184607.jpg


Weil durch eine größere Öffnung auch mehr Strahlung auf das Etalon (und aufs Auge ) trifft hat mir Herr Smie von Beloptik empfohlen, zusätzlich zum DERF vor dem Objektiv, einen 2 Zoll "UV IR Cut on KG3"
vor dem Etalon anzubringen.
Um sicherzugehen dass keine unerwünschte UV oder IR Strahlung durchkommt.

VG Hermann
 
Hallo Hermann,
genau so passt das und wurde von mir so umgesetzt.
Die IR Blockung ist wichtig um Schaden am Auge zu vermeiden.
Ich habe dazu einen ITF von Oliver verbaut, da mein original ITF das übliche Rostproblem hatte und zu war. Der Austausch ITF macht auch laut Diagramm ab ca. 700nm zu. Egal welches Filter, IR muss geblockt werden und keine Experimente. Da gab es hier schon haarsträubende Ideen.

Gruß Thomas
 
Hallo Zusammen,
vielen Dank für Eure Geduld und Veranschaulichungen.

Jetzt habe ich es auch kapiert.

Jetzt muss nur noch mal das Wetter mitspielen, damit ich das ganze mal testen kann.

Mal sehen, vielleicht lässt sich mit dem genauen Abstand die Abbildungsleistung
etwas optimieren.

Nochmals Danke, viele Grüße und CS
Jürgen
 
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