Anbei ein kurzer Artikel aus Magellan:
Tipps für Feldstecher
von Dirk Mohlitz
Jedes Mal, wenn ich auf dem Trödelmarkt ein gebrauchtes Fernglas entdeckte, ärgerte ich mich über unzureichende Angaben. Sicher, man kann durchschauen, aber bei Tageslicht lassen sich so nur schwer Aussagen über die Tauglichkeit zum Sternegucken machen. Bestimmte Qualitätsmerkmale lassen sich jedoch schon so feststellen. Es darf nichts klappern und alle beweglichen Teile sollten leichtgängig sein. Blickt man hinein, darf sich kein Doppelbild zeigen. Beim beidäugigen Schauen gleicht das Gehirn leichte Fehler meist aus. Deshalb prüft man das Glas, indem man abwechselnd ein Auge zumacht. Springt das Bild auch nur leicht hin und her, sind die optischen Achsen nicht parallel und man sollte die Finger davon lassen, denn so etwas kann schnell zu Kopfschmerzen führen. Hält man das Fernglas in Richtung einer hellen Fläche (nicht in die Sonne!) kann man aus kurzer Entfernung die Austrittspupille (Durchmesser des Lichtstrahls, der in das Auge fällt) erkennen. Hier gilt, je größer, um so lichtstärker. Ist sie nicht kreisrund und scharf abgegrenzt, sind die Linsen von schlechter Qualität oder stark verdreckt. Schaut man von vorne durch, kann man erkennen, ob sich im Inneren Staub abgelagert hat. Wenn irgendwelche Werte auf dem Fernglas stehen, ist es meist die Vergrößerung zusammen mit der Öffnung (z.B. 9x60) oder das Sehfeld, das man in 1000 m Entfernung sieht, z.B. 95 m / 1000 m. Und was ist zu tun, wenn nichts auf den Fernglas angegeben ist ? Mit einem Zollstock und einem Taschenrechner ist dies kein Problem! Gehen wir einfach mal von einem unbeschrifteten Fernglas aus, das die ersten Tests bestanden hat. Wir messen den Durchmesser des Objektivs (O) und den Durchmesser der Austrittspupille (A). Die Vergrößerung (V) berechnet sich so:
V = D : A Beispiel: 60 mm : 6,5 mm = 9,23
Es wird auf ganze Zahlen gerundet, da beim Messen der Austrittspupille gewisse Ungenauigkeiten auftreten. Also ist hier die Vergrößerung 9fach. Das Sehfeld in Grad ist für uns natürlich interessanter als die Angabe in Metern. Teilen wir das angegebene Feld durch 17,5, so erhalten wir die Gradzahl (17,5 m auf 1000 m = 1°).
Beispiel: 95 m / 1000 m 95 : 17,5 = 5,4°
Ohne die Angaben des Gesichtsfelds können wir nur nach dem Kauf Sterne mit bekannten Abständen anpeilen. Die beiden, die gerade noch ins Gesichtsfeld passen, ergeben unsere Gradzahl. (Obwohl ich schon von Trödelmärkten gehört habe, die erst um 22:00 Uhr beginnen. Kein Witz!) Natürlich kann man auch mit um den Faktor 100 verkleinerten Werten selber nachmessen. Auf 10 m peilt man einfach einen Zollstock an!
Haben wir nun die Gradzahl, können wir das scheinbare Gesichtsfeld berechnen, indem wir das Sehfeld in Grad mit der Vergrößerung multiplizieren.
Beispiel: 5,4° x 9 = 48,6°
Je größer (und auch teurer) umso besser, da der Einblick einfach angenehmer ist.
Nun noch ein paar Tipps: Dachkantgläser (die langen geraden) finde ich nicht so handlich wie Porro-Prismen-Gläser (die mit den “Knubbeln”). Diese haben auch einen größeren Objektivabstand, der das räumliche Sehen verbessert. Bei Vergrößerungen über 10fach benötigt man ein Stativ, weil das Bild sonst zittrig wird. Vorne am Mitteltrieb ist meist ein (Zoll)-Gewinde zur Befestigung. Wichtig ist auch, dass sich ein Okular separat scharf stellen lässt (nicht nur für Brillenträger). Die mögliche Pupillenöffnung kann beim Menschen mit zunehmendem Alter kleiner werden. So macht es also wenig Sinn, ein Fernglas mit 7,5 mm Austrittspupille zu kaufen, wenn sich die Pupille nur noch 5 mm öffnet. Das wäre reine Lichtverschwendung. Eine Vergütung der Gläser (erkennbar am rötlichen oder bläulichen Schimmer) erhöht die Lichtdurchlässigkeit durch Verminderung der Reflektion. Doch Vorsicht! Bei billiger Neuware sind die Gläser meist nur eingefärbt, um eine Vergütung vorzutäuschen. Die Linsen strahlen hellrot (“tolle Vergütung”), aber das Bild scheint merkwürdig dunkel und leicht grünlich. Diese Massenware ist natürlich totaler Schrott.
Hier nun noch eine Tabelle mit der Austrittspupille einiger Ferngläser (Die Gradangaben
beziehen sich auf meine Schätzchen):
4x30 7,5 mm 12,4°
8x30 3,75 mm
8x40 5 mm
7x50 7,1 mm 7,1°
10x50 5 mm
9x60 6,5 mm 5,4°
Dirk Mohlitz
Tel. 02182/825548
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