räumliches Sehen / Scherenfernrohr

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fruehling83

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Hallo, ab und an findet man z.B. bei ebay Scherenfernrohre mit weit abklappbaren Objektiven. Mich würde interessieren, ob ich dadurch ein besseres räumliches Sehen erziele. Setzt unser Gehirn denn diese Informationen entprechend um oder bleibt es bei der Empfindung wie mit dem natürlichen Augenabstand? Oder hat man das nur gebaut, um aus Schützengräben heraus zu beobachten? (Unter folgendem Link ist eines bei ebay abgebildet.)

http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?View...42857%26fvi%3D1

Gruß Jochen
 
Hi,

die Dinger wurden gebaut, um Entfernungen über die Parallaxe zu messen, und nicht wegen dem räumlichen Sehen. Je weniger ein beobachtets Objekt bei abwechselndem Blick durch links und rechts seine scheinbare Position verändert, desto weiter weg ist es. Das kann man mit einer Skala messen.

Das räumliche Sehen funktioniert auch über Parallaxe, daher hat ein veränderter Augenabstand natürlich auch ein verändertes räumliches Sehen zur Folge.

Gruß
Julian
 
Hallo Jochen,
das bei eBay angebotene Scherenfernrohr ist ein militärisches Gerät. Diese militärischen Fernrohre wurden gebaut um aus einer Deckung heraus beobachten zu können oder (mit Einrichtungen zur Entfernungsmessung) die Entfernung zu messen.
Die Idee, dass durch den vergrößerten Objektivabstand eine besseres räumliches sehen ermöglicht wird, hatte man bei Zeiss zum Beginn der Fernglasentwicklung auch und hat dies auch technisch umgesetzt. So wurden in der Anfangszeit der Prismenfeldstecher auch Fernrohre mit erweitertem Objektivabstand (sog. Relieffernrohre) zur zivilen Nutung gebaut, deren eigentlicher Zweck die Erhöhung der Plastizität der Bilder war (guckst Du hier http://www.archive.zeiss.de/hzeig.FAU?sid=BCB91C4524&DM=2&THES=1&DESK=%2300000633%23 ). Das Patent, welches Zeiss für seine Prismenfeldstecher erteilt wurde, bezog sich auch darauf, dass die Objektive einen größeren Abstand besitzen, als die Okulare (die Bildumkehr durch Prismen war schon vorher erfunden worden, das eigentliche Verdienst von Zeiss bestand darin, das Prinzip für Doppelfernrohre technologisch umzusetzen).
Den gegenteiligen Effekt (einen Kulisseneffekt) wollte man bei Theatergläsern nutzen, indem man den Objektivabstand kleiner als den Okularabstand gemacht hat.
Die Relieffernrohre wurden nur kurze Zeit gebaut, da der Effekt wahrscheinlich überschätzt wurde und der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen stand. Der kleinere Objektivabstand bei Theatergläsern konnte sich aufgrund der günstigen Bauweise durchsetzen und wurde auch für andere Kleinfeldstecher übernommen.

CS Frank
www.stern-freund.de
 
Hallo Jochen,

vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, durch ein Scherenfernrohr bei abgeklappten
Objektiven zu beobachten und muss sagen, daß der Effekt dabei erstaunlich war. Das
Motiv waren ein paar bewaldete Höhenzüge.
Es ist nicht einfach das zu beschreiben aber der subjektive Eindruck dabei war so, als ob
diese Bergrücken viel weiter voneinander entfernt wären, als das tatsächlich der Fall war.
Das Ganze machte einen fast unnatürlichen Eindruck.
Ich nehme an, daß das so ziemlich genau der Effekt ist, für den der ganze Aufwand in
Kauf genommen worden ist. Dieser Klappmechanismus macht ein Scherenfernrohr in der
Fertigung teurer, erfordert einen hohen Justieraufwand und macht das Gerät empfindlich.
Für den Schützengraben wäre ein einfacheres Winkelfernrohr (die hat es ja auch gegeben)
wesentlich ökonomischer.
Um eine hohe Plastizität des Bildes zu erreichen, hat es früher auch sogenannte Stangen-
fernrohre gegeben, die praktisch einem Scherenfernrohr in abgeklappten Zustand ent-
sprochen haben. Beim Scherenfernrohr hat man eben beides in in einem Gerät vereinigt.

Viele Grüsse
Jürgen
 
Hi Jürgen, das hatte ich auch bei wikipedia zu diesem Thema gelesen - nur durchgesehen habe ich noch nicht <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/frown.gif" alt="" />
kaufen aber auch nicht....
@moriarty: das mit der Qualität der Entfernungsmessung leuchtet mir auch ein. Danke + Gruß Jochen
 
Ich war bei der Armee mal Aufklärer und hab dort so was ähnliches benutzt (mit mechinschem! Koordinatenrechner). Die Entfernungsmesung geht über das räumliche Sehen. Es wird eine Marke eingespiegelt, die man im Raum verschieben kann. Die muß man über das Meßobjekt bringen.

Der räumliche Eindruck steigt mit dem Objektivabstand und der Vergrößerung.
 
Hallo Jürgen,
die Winkelfernrohre sind im Prinzip wie Scherenfernrohre aufgebaut, es fehlt lediglich der Klappmechanismus. Die Winkelfernrohre wurden entwickelt, weil sich die Erkenntnis durchgesetzt hatte, dass die Scherenfernrohre überwiegend aus der Deckung heraus benutzt wurden (vielleicht stimmt das auch nicht und viele Soldaten haben die Plastizität der Bilder genossen, konnten ihre tollen Eindrücke aber ihren irdischen Vorgesetzten nicht mehr erzählen), der aufwändige Klappmechanismus also überflüssig ist. Wer das genauer wissen will, Dr.Seeger hat die Zusammenhänge in seinem Buch "Militärische Ferngläser und Fernrohre" ziemlich ausführlich dargestellt.

CS Frank
 
Hallo zusammen,

ich glaube ja auch daß die Methode, bei der die Scherenfernrohre zum sehen aus der
Deckung benutzt wird, überwiegt. Trotzdem scheint die Möglichkeit, durch abklappen
der Objektive ein besseres räumliches Sehen zu ermöglichen, eine gewisse Rolle
gespielt zu haben.
Bei Linnenkohl heisst es zum Scherenfernrohr:
(Zitat) "Durch seine 10fache Vergrösserung und durch das stereoskopische Sehen,
das besonders bei waagerecht gestellten Fernrohrarmen alle Einzelheiten im Gelände
plastisch hervortreten liess, war es ein ausgezeichnetes Beobachtungsmittel ......".
Das Buch von Seeger kenne ich, aber ich habe dort nicht noch einmal extra nachge-
schlagen weil es mir darum ging, Jochen meine persönlichen Eindrücke zu schildern.

Uwe, das mit dem mechanischen Koordinatenrechner klingt nach "EM-61" oder war
es bereits das OEM-2?

Viele Grüsse
Jürgen
 
Hallo zusammen,
Uwe, das mit dem mechanischen Koordinatenrechner klingt nach "EM-61" oder war
es bereits das OEM-2?

Viele Grüsse
Jürgen

Keines von beiden, meins war russisch. Ich war bloß kurze Zeit Beobachter (eine Übung, zwei Wochen lang). Man hatte vergessen, einen neuen auszubilden. Und ich war der einzige, der aus Interesse mal an dem Gerät rumgespielt hatte. Zum Glück hatte ich gutes räumliches Sehen und konnte damit zufriedenstellend messen. Mein Vorgänger war aber viel besser: Der konnte vom Wind verwehende Rauchsäulen (von Einschlägen) recht zuverlässig messen. Wenn ich den Einschlag nicht hatte, wars aus.

Nachts haben wir mit dem Teil dann Jupiter und Plejaden angesehen. In der Annaburger Heide ist ja recht guter Sternhimmel.
 
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