Refraktor für Sonnenbeobachtung und "Schnellspechteln"

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Siebengestirn

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Liebe Sternfreunde,

als Ergänzung zu meinem Haupt-Instrument, einen 150/750 Newton, bin ich auf der Suche nach einem Instrument zum "Schnellspechteln" und zur (ernsthaften) Sonnenbeobachtung im Weißlicht. Da ich für letzteres mittel- bis langfristig den Einsatz eines Herschelkeils in Erwägung ziehe, soll es ein Refraktor werden.

Folgende Geräte sind bei mir in der engeren Auswahl:



Ich tendiere zum Vixen-FH, da der 80/1200er aus gleichem Hause (im Besitz der Sternwarte; Baujahr ca. 1995) bei der Sonnenbeobachtung bisher wegen der sehr guten optischen und mechanischen Qualität mein Lieblings-Teleskop war und ich mir von einem Gerät aus japanischer Fertigung (vielleicht zu Unrecht) eine solidere optische und mechanische Qualität verspreche. Dass der Farbfehler aufgrund des Öffnungsverhältnisses etwas stärker ausfallen würde als beim 80/1200er, ist mir bewusst.

Dennoch bin ich ggf. für den Skywatcher-ED aufgeschlossen, falls er für mich geeigneter sein sollte. Die 120 mm-Version ist aus Budgetgründen keine Option.

Als Montierung soll meine Giro Ercole zum Einsatz kommen.

Meine Fragen wären nun:

1. Wie lange dauert etwa die Auskühlphase eines zweilinsigen 4''-Refraktors in kalten Winternächten?

2. Ich habe an verschiedenen Stellen gelesen, dass der Okularauszug der Skywatcher Evostar-ED's die Fokusposition nicht hält, wenn das Gerät mit schwerem Zubehör am OAZ steil in den Himmel gerichtet wird, weil die Feststellschraube nicht fest genug hält (Stand: 2018). Ist das eine generelle Schwachstelle dieser Produktreihe oder tritt dieser Fehler nur bei einzelnen Geräten im Rahmen der Serienstreuung auf? Mein schwerstes Okular wiegt 500 Gramm. Wird es vom SW-ED problemlos gehalten?

Vielen Dank!
 
Hallo Christian,


der 80/910 wird etwas mehr Farbe zeigen als der gute alte 80/1200 der 100/900 dagegen nahezu völlig farbrein erscheinen und sollte im Weißlicht sichtbar vorne liegen. Ich benutze den kleinen Bruder ED90/900 Acuter den es leider nur noch gebraucht gibt der ist für die Sonne mit Folienfilter und auch als Schnellspechtelgerät einfach genial. Der OAZ ist der gleiche wie am 100/900 also kein Luxus aber bis 500 Gramm Okulargewicht + ZS sollte der gut tragen. Bis zum 17er Ethos gab es keine wirklichen Probleme jedenfalls ist er nie rausgerutscht. Bei sehr steilem Tubus und "nach oben "fokussieren mußte ich manchmal mit dem Finger das Okular leicht anschieben. Zweitschwerstes Oku ist das 12mmT4 Nagler das gab gar keine Probleme. Trotz allem sollte der 6" Newton noch mehr Auflösung bringen ich nutze bis 8" an der Sonne das ist ein enormer Sprung was die Details angeht.


Viele Grüße Felix
 
Hallo Felix,

vielen Dank für die aufschlußreiche Antwort.

Bezüglich der Auflösung hast du natürlich vollkommen Recht, was den 6er an der Sonne angeht. Aber da ich wie gesagt später einen Herschelkeil einplane, versuche ich, Sonne und "Schnellspechteln" mit einem Gerät zu verbinden. Unabhängig vom Budgetfaktor ist es auch eine Platzfrage...
 
Hallo Christian,


den Herschelkeil hab ich überlesen da macht ein Refraktor Sinn. Schau mal wie viel schwerer der Herschelkeil als ein normaler Zenitspiegel ist sollte aber noch passen vermute ich.


Viele Grüße Felix
 
Der Vixen ist eleganter und der Chinese wahrscheinlich "besser". Ein 100er ist als Schnellgucker sowieso sehr allroundtauglich, vor allem im Vergleich mit dem 80er mit fast gleicher Brennweite. Wie Felix sagte: farbreiner und löst besser auf, von den Daten her. Nachdem Tommy den Evostar auch schon mal gelobt hatte würde ich zum 4" greifen, ich glaube, der macht beim Durchblick mehr Freude als der Vixen, der eventuell von außen ein schönerer Anblick ist...

lg
Niki
 
Hi
der Vixen 80M ist ein guter Refraktor. Hatte ich auch mal eine Weile.
Farbfehlerfrei ist er nicht, weswegen ich ihn irgendwann durch ein 80/555 SD Apo ersetzt habe.
Ich denke mit einem kompakten 80mm ED fährst Du etwas besser, zumal die moderneren Geräte alle auch 2 " OAZ haben, der 80 M hat das nicht.
CS
 
Hallo Felix, Niki und Antares,

vielen Dank für eure Antworten.

@ Antares:

Der Vixen A80M hat sehr wohl einen 2'' OAZ, die 1 1/4 Zoll-Angabe ist ein Fehler in der Beschreibung. Siehe Bildergalerie hier, der Tubus hat 90mm Durchmesser:


Bei einem anderen Teleskop, das den gleichen Flip-Mirror nutzt, steht, er hat teleskopseitig 2'', nimmt aber 1 1/4""-Okulare auf. Folglich muss das Teleskop einen 2''-OAZ haben. Laut TS-Produktbeschreibung hat Vixen den Refraktor überarbeitet.

Ich bin inzwischen auch beim Evostar 80/600 als mögliche Alternative angekommen. Wie schätzt du den Farbfehler des 80/555 im Verhältnis zum 80/1200 FH oder 100/1000 FH ein?

Kennt jemand dieses Gerät genauer? Ist er (und ggf. der Evostar 100/900) von den verwendeten Materialien her Herschelkeil-tauglich? Also kein Kunststoff oder Gummi etc. an Stellen, die von der zunächst ungefilterten Sonne aufgeheizt werden?
 
Hallo Leute,

mag der Herschelkeil das schnellere Öffnungsverhältnis oder wird der lieber hinter einer langen Nudel betrieben? Nicht daß man damit die Vorteile eines EDs verschenkt...der 80/600 ist praktisch genau so farbrein wie der 90/900 das tut sich fast nichts.

Ansonsten ist so ein kurzer Stumpen natürlich noch universeller weil die Weitfeldfähigkeit dann nah an größere Ferngläser reicht.


Viele Grüße Felix
 
Hallo Felix,

dem Herschel ist das Öffnungsverhältnis egal - er reflektiert die 4% an der Oberseite des Prismas zum Okular; das restliche Licht wird innerhalb des Prismas in die Lichtfalle abgeleitet: Herschelkeil – Wikipedia

Am ED80/600 funktioniert der Herschel genauso wie bei f/15 oder langsamer (um mal die Geräte zu nennen, an denen ich ihn nutze).

Beste Grüße,
Alex
 
Der Vixen A80M hat sehr wohl einen 2'' OAZ, die 1 1/4 Zoll-Angabe ist ein Fehler in der Beschreibung. Siehe Bildergalerie hier, der Tubus hat 90mm Durchmesser:
Bist du sicher, dass Vixen das weiß und den Klappspiegel nicht einfach per T-2 anschließt, und das Gerät aus der privaten Anzeige lediglich auf 2" nachgerüstet wurde?
Bei anderen Geräten wird der 50,8mm-Anschluss extra erwähnt (teils als optional).

Beste Grüße,
Alex
 
Hallo Christian,

bei einem Einzelteil würde ich kein Geld darauf wetten, dass es so auch 1:1 am Teleskop verbaut ist. 2"/T-2-Steckhülsen gibt es ja. Frag lieber beim Händler oder direkt bei Vixen nach. Wenn etwas nicht extra erwähnt wird, fehlt es meistens. Wenn das Teleskop mittlerweile 2"-Steckanschluss hat: Gut für dich.

In der Grafik im Vixen-Katalog auf S. 40 ist der 2"-Adapter erwähnt, auf S. 44 nur beim A81M und beim A80Mf nicht. A80M gibt's laut Katalog gar nicht.

Der Lieferumfang kann sich in jede Richtung ändern, technischer Fortschritt und so. Vielleicht ist der A80M von TS ja eigentlich der A81M mit 2".

Beste Grüße,
Alex

Nachtrag: Ich will dir den Vixen keinesfalls ausreden. Ich bin nur vorsichtig bei Produktbeschreibungen, ich habe da zu oft Dinge als selbstverständlich hingenommen. Wir haben einen alten 90/1000 Vixen im Verein - klasse Bild, und damals nur mit 1,25"-Anschluss. Mittlerweile haben wir den Okularauszug getauscht.
 
Hallo Alex,

vielen Dank für die Aufklärung. Es hat sich für mich jedoch erledigt, da ich mich endgültig für den SW Evostar ED 80/600 entschieden habe. In erster Linie wegen des größeren Gesichtsfeldes und der geringeren Hebelwirkung auf die Montierung.

Zum Thema Produktbeschreibungen:

Da habe ich schon öfters gesehen, dass, vermutlich durch schlampiges copy/paste, Beschreibungen von zwei Geräten vermischt wurden. Das hier habe ich auch mal wörtlich so gesehen:

"Empfohlen für...
Einsteiger: nein
Fortgeschrittene: nein" ;) (steht übrigens jetzt auch noch so da...)
 
Hi!

Das kann ja auch einfach nur eine ehrliche Produkteinschätzung von einem ehrlichen Händler sein :)

Viel Spaß mit dem ED80/600 – das Objektiv habe ich (von Celestron) auch im Einsatz, wenn auch fast alles andere mittlerweile getauscht ist. Macht Spaß, der Kleine, auch wenn ihm bei Deep-Sky recht bald die Puste ausgeht.

Clear Skies,
Alex
 
Hallo Alex,

vielen Dank!

So, ab Freitag gibt's acht Tage schlechtes Wetter. ;):)

Aber auch im DS-Bereich geht damit schon Einiges: Offene Sternhaufen, viele Doppelsterne und helle Nebel. Letztendlich ist es, auf die Öffnung bezogen, ein hervorragender Allrounder.
 
Hi Christian,

der 80/555 SD ist fast komplett farbfrei. Nur am Vollmond sieht man noch etwas Farbe. Das ist bei kangen FH von Vixen die mir bekannt sind mehr - insgesamt aber moderat.
Mein 80M hatte nur 1,25 " OAZ, Mir ist der 80 iger nie mit 2" begegnet.

Ich finde den Entscheid mit dem kurzen ED nachvollziehbar. Der alte Volksapo ist ein vielseitiges und optisch auch am Planeten im Rahmen der Öffnung gut. Meiner nutze ich gerne an der Sonne und für Großfeld und auf Reisen da er nur eine kleine Montierung braucht.
Viel Spaß
CS
 
Hi Christian,
ein zweilinsiger 4" APO kühlt sehr schnell aus. Bei Bedenken zum OAZ des 100/900 Skywatcher würde ich ggf. auch den TSAPO102F7 in Betracht ziehen, der hat einen Zahntrieb OAZ. Da die Giro Ercole anscheinend gut mit einem 100er Refraktor zurecht kommt würde ich kleinere Öffnungen eher nicht in Betracht ziehen.
Viele Grüße,
Marcus
 
Hallo Antares,
ich habe den neuen Vixen 81 M mit 2" OAZ, Farbfehler gering, visuell ohne Bedeutung.
Gruß,
Wilfried
 
Liebe Sternfreunde,

der Skywatcher Evostar ED 80 wurde inzwischen geliefert und gestern war sein First Light.

Der Schornsteinkanten-Test versprach eine sehr gute Optik: Mit 120- und 240-fach (für Zwischenvergrößerungen habe ich aktuell leider keine Okulare, daher nahm ich zähneknirschend diese Übervergrößerung) war das Bild eines Schornsteins mit scharfem Metallrand gegen den hellen Himmel im Fokus farbrein. Bei 120-fach war es knackscharf, mit 240-fach minimal weichgezeichnet, aber immer noch sehr gut. Kein Vergleich zu meinem Mak mit 30% Obstruktion.

Der Test am Polarstern bestätigte diese Vorschusslorbeeren: Mit 120-fach bei kurzen Momenten mit ruhiger Luft ein kleines, klar definiertes und farbreines Beugungsscheibchen. Mit 240-fach war das Bild leicht flau, aber bezogen auf die enorme Übervergrößerung noch als "gut" zu bewerten.

Beim Mond waren aufgrund des katastrophalen Seeings kaum Detailbeobachtungen möglich, nur für Sekundenbruchteile war das Bild gut. Der Erdschein erschien mir jedoch kontrastreicher, als in einem obstruierten Spiegelteleskop. Die Sichelspitzen waren in den kurzen Momenten mit ruhiger Luft messerscharf (120-fach).

M31 zeigte sich unter meinem Berliner Stadtrandhimmel (visuelle Grenzgröße ca. 4,2 mag) im Skywatcher SWA 32mm (19-fache Vergrößerung, AP 4,3mm) als schwache Ellipse mit ca. einem Grad Längsauflösung. Der Kern war diffus, die Helligkeit nahm gleichmäßig und stufenlos zu den Randbereichen hin ab.

Mein Fazit:

Der ED hat im Vergleich zu meinen Spiegeln mit sechs Zoll Öffnung zwar eine deutlich geringere Auflösung und Lichtsammelvermögen, aber meiner Meinung nach das "härtere" und ästhetischere Bild. Während ich bei DS, von Großfeld-Beobachtungen abgesehen, den 150/750 Newton wegen der höheren Leistung bevorzuge, wird der ED am Mond wegen des ästhetischeren Bildes ein ernsthafter Konkurrent zu meinen Reflektoren werden. Am Mond war mir ein möglichst ästhetisches Bild schon immer sehr wichtig.
 
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