Refraktor-Selbstbau - wo gibt es Anleitungen?

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Hallo Bernd, hallo Oli,

so halte ich es auch! Brennpunkt der vorhandenen Optik 1:1 auf Papier malen, Blenden dazu und ab an die Dreh-/Fräsmaschine! Zufällig, habe ich vergangenen Woche das Ding gebaut! Refraktor 102x460, ob das Ding was taugt wird sich bei besseren Seeing zeigen. Die Kollimation war gut. Ist halt ziemlich schnell! (Beschäftigungstherapie während Corona).

Bilder im Anhang!

Grüße Alex

Hallo Oli,


ich habe es bisher immer andersherum gemacht: Ich hatte ein Objektiv, habe überlegt, was ich damit mache und habe angefangen zu bauen.
Du musst doch genau wissen, was Du machen möchtest. Das kannst Du doch nicht in einem Buch nachlesen?
Der große Vorteil beim Selbstbau ist doch, dass man sein Gerät genau so baut, wie man es nachher benötigt. Ich habe mir schon als Kind / Jugendlicher die ersten Refraktoren gebaut. Eben weil es so einfach ist. Objektiv, Okular und ein Rohr, das sind die Komponenten. Möchtest Du ev. eine Kamera, 90° Prisma, Bino nutzen? Dann muss man das in die Längen / OAZ mit berücksichtigen. Um nur mal eine Optik zu Testen nehme ich meistens meine "Klo-Rohr" Bauweise (KG160 Rohr). Da kostet der Meter im Baumarkt ca. 6€... meistens habe ich aber immer Reststücke hier und könnte gleich anfangen. Dazu gibt es passende Deckel und Muffen... ein richtiger Astro-Baukasten :).
Wenn dann alles passt kann man die Feinabstimmung machen und "richtig" bauen. Im Gegensatz zu früher gibt es heute alles, was das Bastlerherz benötigt, fertig zu kaufen. Angefangen von den Tuben, die man "auf Maß" in verschiedenen Materialien bekommt, weiter zu den OAZ und den ganzen anderen mechanischen Kram bis zu elektrischem Zubehör (Fokus-Motor). Dann hast Du das Internet und Astro-Foren, wo man sich informieren kann... mir scheint es manchmal, viele Leute sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht :oops:
Zurück zu meinen Anfängen: Ich hatte noch alles mit Rechenschieber und Logarithmentafeln gemacht. Taschenrechner wäre ein Traum gewesen bzw. gab es noch nicht und Bücher waren absolut außerhalb meiner finanziellen Reichweite.

CS Bernd
 

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Gut wenn man eine Drehbank hat ;)

CS.Oli
 
Kein Problem.
Ich benötige Minimal-Angaben, dann kann ich mit den spiegelnden Flächen rechnen:

Diagonale Sensor bzw. Feldblende Okular
Durchmesser Objektiv
Brennweite
Durchmesser (Innen) Tubus

Das ist das absolute Minimum, damit kann man dann schon mal einen Versuchsaufbau rechnen.
Für einen entgültigen Aufbau müsstest Du die Schnittweite ausmessen (wenn Du den OAZ ausreizen möchtest, benötigst Du die sowieso).

CS *entfernt*
 
Hallo Bernd,

vielen Dank für die Bereitschaft. Hier die Angaben, soweit ich sie habe:

1592234915594.png


Problem ist natürlich, dass ich keinerlei Erfahrung mit dem Refraktorbau habe und bestimmte Dinge noch in Planung bzw auch nicht genau absehbar sind.

Ich dachte an ein Rohr von 83 mm Innendurchmesser. Die Kamera liegt noch nicht fest aber allein die Frage ist schon gut, denn ich muss mich entscheiden. Das wird auch mehr Astroknipserei als wirklich anspruchsvolle Astrofotografie. Es wird eine CMOS-Kamera dran gehängt. Gehen wir im Moment von einer maximalen Diagonalen von 9 mm aus (ASI385 oder ASI178).

Einen AOZ wird es nicht geben. Jedenfalls nicht für die Anwendung in der Astrofotografie. Ziel ist es ein möglichst leichtes Gerät zu bauen. Deshalb wird ganz am Ende ein Helicalfokussierer angebracht werden. Zur genauen Astimmung sind evtl. ein paar T2 Distanzringe geplant. Also brauche ich am Ende etwas Luft und werde den Tubus etwas kürzer machen als möglich.

Folgende Idee möchte ich noch erwähnen, muss aber nicht unbedingt berücksichtigt werden: Um das Gerät auch visuell nutzen zu können, überlege ich, mit zwei Tubusdurchmessern zu arbeiten. Der Haupttubus wird dann so lange, dass man mit OAZ (Baader Steeltrack für SCT liegt hier noch rum) und einem 2" Spiegel in den Fokus kommt. Ab diesem Hauptrohr würde ich dann mit einem kleineren Durchmesser weitermachen. Aber ich fürchte, dass das zu kompliziert wird. Also macht es vermutlich Sinn, nur mit einem Rohrduchmesser zu rechnen und das Ganze für den fotografischen Teil zu optimieren.

Am Mittwoch bekomme ich die Optik, dann kann ich anfangen Versuchsaufbauten durchzuführen, um die genauen Längen zu ermitteln oder zu testen.

CS.Oli
 
Ich habe das Ganze jetzt mal grob maßstabsgerecht skizziert und bin wieder ein Stück weiter mit meinen Überlegungen:

Die Alternative mit dem Baader Steeltrack ist nicht sinnvoll. Im Moment bin ich bei folgendem Konzept:

Optik -> Tubus ca 320 - 350 mm lang -> 2" Helikal-Fokussierer (73 mm opt Länge bei 50 % Verstellweg) -> T2-Adaptierung ca 50 mm -> ASI CMOS Kamera (alle in Frage kommenden Kameras haben einen Backfokus von 12,5 mm)

Die Bildebene wurde zeichnerisch mit 10 mm berücksichtigt.

Ich bekomme die Teile am Mittwoch und werde dann mit HT-Rohr alles mal grob zusammensetzen, um die Fokuslage zu bestimmen bzw die Maße zu verifiziern. Wenn meine Zeichnung halbwegs korrekt ist, dann sollten die geplanten Elemente ausreichend Durchlass haben.

CS.Oli
 
Hallo Bernd,

da habe ich mich wahrscheinlich zu legere ausgedrückt. Aber tatsächlich mache ich eine 1.1 Skizze auf Papier und ermittle so iterativ die Blendenpositionen, Blendendurchmesser, Tubusdurchmesster, Taukappe, Linsenfassung, etc. Was soll daran falsch sein?

Lerne ja gerne dazu!

Grüße

Alex

Hallo Alex,
meinst Du mich? Denn so mache ich es genau nicht!

CS Bernd
 
Ich dachte an ein Rohr von 83 mm Innendurchmesser
Hallo Oli,



das ist zu wenig... würde gehen, aber konstruktiv nimmt man besser einen größeren Durchmesser. Wenn Du jetzt für Deinen Versuchsaufbau ein HT-Rohr nimmst (HT110) hast Du ungefähr 104mm Innendurchmesser.

Dein nächstes Problem ist die Objektivaufnahme. Normalerweise habe Objektive 3 Schrauben zur Befestigung und 3 Schrauben zum Kontern. Damit kann man das Objektiv einfach befestigen und gut zur "Teleskopachse" ausrichten. Dein Objektiv hat Innengewinde M89x1, d.h. es muss irgendwie auf ein gleiches Aussengewinde aufgeschraubt werden. Als Bastellösung ist das erst einmal nicht so einfach. Für die endgültige Lösung (mit einem Drehteil) hast Du dann immer noch keine Justiermöglichkeit. Als Bastellösung könnte man erst einmal einen passenden Kunststoffring nehmen, der den Zwischenraum Fassung / HT-Rohr ausfüllt. Auf der Okularseite musst Du sehen, wie Du den Helikal-Fokussierer in den HT-Deckel bekommst. Für ein OAZ mit Gewinde und Vorschraubring müsstest Du nur ein passendes Loch in den Deckel einarbeiten.

Eine wichtige Angabe hast Du schon: Fokusposition ab dem 89x1 Gewinde = 445mm. Da weiss ich jetzt aber nicht, ob da der Anfang vom Gewinde gemeint ist oder das Ende? Logischerweise müsste das der Anfang (Aussen) vom Gewinde sein.

Von da ab kannst Du die 445mm bis zum Fokuspunkt schon mal aufzeichnen.

Ich habe mir mal einen ähnlichen Refraktor gebaut 80 / 310 mit einem 2“ Baader Steeltrack und einem 100x2 Alu-Rohr. Um mir Arbeit zu sparen, habe ich die Zeichnung schnell mal angepasst und die Blenden neu gerechnet. Da Du den Refraktor auch visuell nutzen möchtest, macht die Berechnung nur für die (kleine) Sensorgröße keinen Sinn. Ich habe deshalb mit einem Feldblendendurchmesser von 27mm gerechnet.

Wenn Du die Blenden für ein HT110 Rohr benötigst, muss ich einfach die neuen Maße in die Excel- Tabelle eintragen. Zum Vergleich habe ich Dir mal meinen 80 / 310 in einem 100x2 Alu-Rohr angefügt.
DSC_8311.JPG

80_310.jpg

80_480.jpg
 
Aber tatsächlich mache ich eine 1.1 Skizze auf Papier und ermittle so iterativ die Blendenpositionen, Blendendurchmesser, Tubusdurchmesster, Taukappe, Linsenfassung, etc. Was soll daran falsch sein?
Alex, ist nicht falsch!
Der Unterschied, den ich mache: Es gibt nur eine mathematisch richtige Position und Durchmesser für eine Blende, wenn man die spiegelnden Flächen mit in die Rechnung aufnimmt. Daher sind auch die Anzahl der Blenden genau bestimmt.

CS *entfernt*
 
Hallo Bernd,

danke für die ausführliche Darstellung! Ich schau mir das später genauer an.

das ist zu wenig... würde gehen, aber konstruktiv nimmt man besser einen größeren Durchmesser. Wenn Du jetzt für Deinen Versuchsaufbau ein HT-Rohr nimmst (HT110) hast Du ungefähr 104mm Innendurchmesser.

Eigentlich dachte ich an das 90 mm Rohr und hätte das Objektiv - ganz brutal - mit Gaffa einfach dran geklebt. Das müsste zum Testen des Fokus reichen. Aber ich denke nach Deinem Hinweis nochmal drüber nach.

Dein nächstes Problem ist die Objektivaufnahme. ... Für die endgültige Lösung (mit einem Drehteil) hast Du dann immer noch keine Justiermöglichkeit.

Das Objektiv hat Justierschrauben - reicht das nicht, wenn man es gerade auf dem Tubus sitzt?

Auf der Okularseite musst Du sehen, wie Du den Helikal-Fokussierer in den HT-Deckel bekommst.

Hier habe ich einen M48-Ring mit "Flansch" bestellt, den ich einfach gegen einen Muffenstopfen schrauben kann. Der Helicalfokussierer hat ja ein M48-Gewinde.

Von da ab kannst Du die 445mm bis zum Fokuspunkt schon mal aufzeichnen.

Eine Skizze habe ich schon grob gemacht - leider nur mit GIMP, da ich keine Konstruktionssoftware habe oder beherrsche. Ich muss nochmal etwas korrigieren, dann kommt die Skizze.

Da Du den Refraktor auch visuell nutzen möchtest, macht die Berechnung nur für die (kleine) Sensorgröße keinen Sinn.

Das hatte ich ja ad acta gelegt (siehe Post #37). Ich rechne das Ganze jetzt nur für die Kamera.

Wenn Du die Blenden für ein HT110 Rohr benötigst, muss ich einfach die neuen Maße in die Excel- Tabelle eintragen. Zum Vergleich habe ich Dir mal meinen 80 / 310 in einem 100x2 Alu-Rohr angefügt.

Ich denke, dass ich das HT Rohr nur zum Bestimmen der Längen nehmen werde und dort keine Blenden einarbeite. Die werden erst für den endgültigen Tubus gefertigt und eingesetzt. Könntest Du mir das Excel per PN zukommen lassen? Das wäre super!

CS.Oli
 
so... hier noch die Skizze

ApoEigenbau80f6_03klein.jpg
 
Das Objektiv hat Justierschrauben - reicht das nicht, wenn man es gerade auf dem Tubus sitzt?
Wie willst Du denn mit den "Justierschrauben" eine Verkippung ausgleichen?

In der optischen Fertigung werden die Bauteile mit einem Durchmesser-Übermaß gefertigt und dann wird mit einer Laserzentriermaschine die geometrische Achse mit der optischen Achse in Übereinstimmung gebracht. Achromate werden beim- und nach dem Verkitten ebenfalls so zentriert. Bei Objektiven mit Luftabstand ist der Aufwand etwas größer, aber auf jeden Fall stimmt die optische Achse mit dem Aussendurchmesser überein. Wozu also "Justierschrauben"? (Finde den Fehler)

CS *entfernt*
 
Lieber Bernd,

bitte hab doch Geduld mit einem Novizen. Ich hatte noch nie ein solches Objektiv in der Hand und bin natürlich dankbar für jeden Tipp. Und ich habe durch diesen Thread auch schon sehr viel gelernt. Dafür vielen Dank an alle, insbesondere an Dich.

Zu der Berechnung der Blenden: in Deinem Beitrag ist für mich nur die Formel für die erste Blendenposition ersichtlich. Wie komme ich auf Durchmesser und und die weiteren Blendenpositionen? Ich nehme an, in Deinem Spreadsheet sind diese Formeln enthalten. Kannst Du mir da noch auf die Sprünge helfen oder mir das Spreadsheet schicken?

Danke Oli
 
Alex, ist nicht falsch!
Der Unterschied, den ich mache: Es gibt nur eine mathematisch richtige Position und Durchmesser für eine Blende, wenn man die spiegelnden Flächen mit in die Rechnung aufnimmt. Daher sind auch die Anzahl der Blenden genau bestimmt.

CS Bernd

Hallo Bernd,

danke für die Erläuterungen! Natürlich habe ich nicht planlos losgemalt, allerdings ist die grafische Lösung sicher nicht so präzise wie die gerechnete, bei mir sitzen die Blenden sicher nicht auf das Zehntel genau. Kannst Du das Excel-Sheet teilen?

Danke im Voraus!

CS
Alex
 
Hallo *entfernt*,

danke für die Erläuterungen! Natürlich habe ich nicht planlos losgemalt, allerdings ist die grafische Lösung sicher nicht so präzise wie die gerechnete, bei mir sitzen die Blenden sicher nicht auf das Zehntel genau. Kannst Du das Excel-Sheet teilen?
Hallo Alex,

mein Excel-Sheet kann ich leider nicht herausgeben. Im Grunde muss man schon genau wissen, was man macht und das Excel-sheet nimmt einem dann nur noch die Tipperei ab.
Ich hatte vor Jahren mal etwas im Internet gefunden, mit dem ich auch sehr zufrieden war. Ist auf jeden Fall schneller als die Zeichenmethode und reduziert das Streulicht auch zuverlässig. Lohnt sich auf jeden Fall mal anzusehen.
Blendenberechnung in Refraktoren (Excel-Sheet download)

CS *entfernt*
 
Hallo Bernd,

danke für den Link zur Exceltabelle. Ich werde es mir anschauen und damit die Blenden berechnen. Bin mal gespannt was dabei rauskommt.

an alle:
ich bin inzwischen "tätig" geworden und habe einen Ruck-Zuck-Refraktor gebaut, um zu testen.

CS.Oli
 
Moin Leute,

ich hab jetzt mal mit dieser Excel-Tabelle gespielt und meine folgendes gelernt zu haben:

Je größer die beabsichtigte Feldblende, desto mehr Streulichtblenden werden empfohlen, ergo scheint das Problem mit Streulicht mit zunehmender Größe der Feldblende auch größer zu werden. Das war mir so bisher nicht klar.

Würde ich den Refraktor visuell mit meinem TSWA38 nutzen wollen, das 46 mm Feldblende hat, bekomme ich 4 Streulichtblenden empfohlen, von denen allerdings 2 schon im Bereich von Auszug und Zenitprisma liegen. Verblieben also 2, die ich einbauen könnte.

Rechne ich allerdings die rein fotografische Nutzung mit dem angepeilten Sensor von 8,9 mm (der Einfachheit halber mit 9mm gerechnet) Diagonale, dann bleibt 1 Streulichtblende mit 39 mm Durchmesser, die fast am Ende des Tubus liegen würde. Hier könnte ich also das Ganze so rechnen, dass der Adapter zum Fokussierer gleichzeitig die Streulichtblende bildet. Der Fokussierer mit M48 Anschluß hat zwar hier etwas zu viel Durchlass, aber das lässt sich durch entsprechende Gestaltung des Adapters lösen.

Fazit: das Thema sollte für mich konstruktiv nicht all zu kompliziert werden. Das hat sich im Prinzip gestern beim First Light mit meinem Ruck-Zuck-Refraktor mit der ASI120 auch bestätigt, denn zumindest am Mond hatte ich nicht das Gefühl, dass irgendwelches Streulicht stört. Und das obwohl der Tubus innen noch nicht einmal geschwärzt ist.

Wenn ich was übersehen habe bitte ich um Eure Kommentare!

Danke und einen schönen Sonntag

CS.Oli
 
Hallo Oli,

schön, dass es voran geht. Was deine Entdeckung zu den Blenden angeht, so darf ich mich nochmal aus meinem Post von Seite 1 zitieren:

...da die Anzahl der benötigten Blenden mit größer werdendem, zu 100% ausgeleuchteten Bildfeld und kleiner werdendem Tubusinnendurchmesser sonst sehr schnell steigt.

Aber selbst gemachte Erfahrungen sind immer einprägsamer...;):)

Viel Erfolg noch!

Grüße Markus
 
Hallo Markus,

ich habs geahnt, dass da schonmal jemand drauf aufmerksam gemacht hatte :ROFLMAO:

Aber wie Du schon sagtest: selbst gemachte Erfahrungen halten besser.

CS.Oli
 
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