CHnuschti
Aktives Mitglied
Rein visuelles Suchen und Finden in der Astronomie, eine Anleitung. Aber zeitgemäss, new old-school.
Hmja. Der schwärmerische Anfänger des Sternguckens schreibt gerne von "entdecken wollen". Ich meine: zu entdecken gibt es am Himmel nichts (mehr): die Kunst besteht vielmehr darin, das Bekannte auch zu finden. Dem Aspekt sollte der Anfänger grösste Aufmerksamkeit widmen.
Ebenso scheint der Anfänger öfters zu meinen, es bedürfe zwingend irgend einer Art "Motorisierung" oder "Mechanik" am Beobachtungsgerät, sei es Linsenteleskop oder Spiegelteleskop, die dann das Gerät das gewünschte Objekt anpeilen lässt. Oder aber mindestens irgend eine Art Software mit Auswertung des Himmelsanblicks, die dann die einzuschlagende Richtung vorgibt. Oder aber man müsse mindestens an irgendwelchen Skalen am Gerät Werte einstellen.
Auch falsch. Es lässt sich rein von Hand, wie unsere Altvorderen es schon immer taten
, nun ja damals wohl noch etwas umständlicher, ein Objekt ansteuern, mit wenigen Hilfsmitteln. Und man muss dabei nicht mal was von Rektaszension und Deklination wissen bzw. verstanden haben.
Die Voraussetzungen sind einfach:
a) das Beobachtungsgerät, EGAL welche Montierung, muss von Hand bewegt werden können, vorzugsweise mit EINER Hand.
b) Es müssen Karten des Himmels vorliegen. In Papier oder eben besser digital auf Anzeigegeräte.
c) Es bedarf einens sog. Rotpunktsuchers für das grobe Ausrichten.
d) Optional aber empfehlenswert noch ein sog. Sucher mit Vergrösserung im Bereich von 6x-10x für die Feinausrichtung und das Sternhopping, vereinfacht bzw. beschleunigt einiges. Eine ebenfalls optionale Alternative dazu ist ein übliches Okular mit (beleuchtetem?) Fadenkreuz.
Nun kommt jedoch das Aber:
e) Der Himmel bzw. die Sternbilder und deren markanteste Sterne sollte man vorzugsweise schon kennen. Beziehungsweise, es vereinfacht halt den Suchvorgang erheblich.
Also bei einem von Auge sichtbaren Stern man sagen kann, jawohl, das ist der und der, ober aber mindestens, jawohl, der gehört zum Sternbild soundso usw., bzw. man die markantesten Hauptvertreter der Sternbilder zweifelsfrei identifizieren kann. Diesen Teil der Hausaufgabe meinen m.E. leider allzuviele Anfänger einfach auslassen zu können.
******************
Vorgehen mit Skysafari (SF), verfügbar für Android und iOs=Apple am Handy oder Tablet. Das Prinzip ist auch übertragbar auf Papierkarten oder eben andere Apps / Programme, die entsprechende Einblendungen von Sichtfelder erlauben.
Der Kernpunkt der Sache ist, dass man bei Skysafari (SF) die sog. Sichtfelder auf der Himmelskarte ein- und ausblenden kann. Also die Darstellung der "maximalen" Sicht bis hin zum Rand, die beim Blick visuell durchs Teleskopokular oder Suchers sich darbietet. Es ermöglicht damit, das Verhältnis der überblickbaren Distanzen zu erkennen, die ein gegebenes Okular bietet. Stellt sozusagen den Massstab her für jedes Okular, bezogen auf den Hintergrund des Sternenhimmels.
Beispiel am Widder / Aries. Eingetragen sind 3 verschiedene Sichtfelder. Das Sichtfeld des Suchers 6x30 ist in der Lage, das gesamte (auch von Auge gut sichtbare) Haupt-Sternbild mit den Hauptsternen alpha=Hamal beta=Sheratan gamma=Mesarthim einzufangen. Die Sichtfelder der Okulare sind viel kleiner, hier dargestellt ein Nagler 20mm und ein Delos 6mm, am William Optics Refraktor D=88mm/Brennweite=498mm.
a) das gesuchte Objekt sollte bereits auf der SF Karte markiert sein, mittels einer sog. Beobachtungsliste. Diese lässt sich importieren, oder aber auch direkt in SF erstellen.
b) Mit Vergleich mit der SF-Karte wird ermittelt, welcher der naheste Stern zum Objekt ist, der noch mit blossem Auge sichtbar ist, und der zweifelsfrei identifiziert ist.
c) Darauf wird nun den Leuchtpunktsucher zu diesem ersten Referenzpunkt (=Bezugspunkt) gerichtet.
d) Nun wird anhand der in der SF-Karte eingeblendeten Sichtfelder des verwendeten Okulars oder des Sucher beurteilt ob das gesuchte Objekt bereits in Griffweite ist, oder aber, welche weitere Hops erforderlich sind.
e1) Ist das Objekt bereits innerhalb des Sichtfelds, bewegt man das Teleskop von Hand -das Auge bleibt am Okular- mittig darauf zu, damit es in der "Mitte" des Okulars liegt. Ist das Objekt selbst sogar bereits sichtbar im Sucher, nimmt man es geradewegs ins Fadenkreuz.
e2) Dann Wechsel auf grössere Vergrösserung. Mittels Vergleich vom im Okular Gesehenen mit der SF Karte vergewissert man sich nun, ob das gesehene Objekt auch das gesuchte Objekt ist, bzw. orientiert sich am vorhandenen sichtbaren Muster der umliegenden Sterne, um das gesuchte Objekt zweifelsfrei zu identifizieren. Bzw. wenn das gesuchte Objekt nicht / kaum sichtbar ist, man sich zumindest vergewissert, dass man am richtigen Ort ist, mittels Vergleich der Umgebung mit der SF-Karte
f1) Ist das gesuchte Objekt ausserhalb des Sichtfelds gem. d) wird nun Starhopping gemacht, mit den grösstmöglichen Schritten, d.h. kleinstmöglicher Vergrösserung. Dafür ist ein Sucher besser geeignet als jedes Okular.
f2) Dazu wird das Sichtfeld auf der SF-Karte so in Richtung des gesuchten Objekts verschoben, dass der Referenzpunkt gem. c) gerade noch am Rande sichtbar ist. Dieselbe Verschiebung wird dann mit dem Teleskop durchgeführt, während man durch das Okular schaut. Nun ermittelt man am Okular der am weitest davon entfernte, gut sichtbarer / möglichst heller / hervorstechender Stern der gerade noch im Sichtfeld des Okulars bzw. des Suchers liegt. Dieser wird als neuer Referenzpunkt verwendet. Mittels Vergleich mit der SF Karte wird nun festgestellt, welcher Stern dieser auf der Karte ist. Dies ist der nächste Referenzpunkt.
f3) Nun wird anhand des nächsten Referenzpunkts die ganze Sache einfach wiederholt gem. f2). Verschieben des neuen Referenzpunkts auf der SF Karte an den Rand, dann entspr. Nachschieben des Teleskops während man durch das Okular schaut. Solange wiederholen, bis das gesuchte Objekt selbst im Sichtfeld ist, danach gehts mit e1) / e2) weiter.
******************
Beispiel
Die Mission: lambda Andromeda zu finden, von Caph = alpha Cassiopeia aus, das eine Ende des Sternbilds Cassiopeia, ein gut von Auge sichtbarer Stern.
0) Caph = alpha Cassiopeia mit dem Rotpunktsucher ins Visier nehmen. Ist der erste Referenzpunkt.
Dann verschiebt man das Sichtfeld, hier der meines SVBONY 6x30 Suchers, auf der Skysafari (SF) Karte, um festzustellen, welcher im Sucher gut sichtbare Stern, möglichst weit entfernt, als nächster Referenzpunkt in Frage kommt. Ist sigma Cas mit dem roten Kringel.
1) Dementsprechend nun das Teleskop, mit Auge am Sucherokular verschieben, bis sigma Cas gut und klar zu erkennen und identifiziert ist. Gegebenenfalls Wechsels aufs Teleskopokular mit grösserer Vergrösserung, Vergleich der gesehenen Umgebung mit der SF Karte, ob man tatsächlich am richtigen Ort ist.
Dann wieder auf der SF Karte mit Verschieben des Sichtfelds den nächsten Referenzpunkt festlegen. Im den Falle hier 18 And, gut und klar erkennbar, mit dem roten Kringel.
2) Wieder das Teleskop entspr. Verschieben mit Auge am Okular, bis 18 And klar erkannt und identifiziert ist.
Wiederum Sichtfeld auf SF Karte verschieben, ja, nun kommt das Ziel lamdba And bereits ins Sichtfeld
3+4) Das Teleskop nachschieben, bis beide 18 And und lambda And im Sichtfeld sind. Dann nochmals Vergleich mit der SF Karte, ob man lambda And richtig identifiziert hat und gleich weiterschieben, bis lambda And direkt im Fadenkreuz des Suchers ist.
Mission erfüllt, ich gratuliere. Nun kann man am Teleskop gleich auf ein stärker vergrössernde Okular wechseln.
Hat man nur ein normales Übersichtsokular ist das Vorgehen das gleiche, man benötigt wegen dem kleineren Sichtfeld einfach mehr Zwischenschritte.
Punkt ist, dass man immer 2 Referenzpunkte innerhalb des Sichtfelds behält. Damit lässt sich "kontrolliert" weiterwandern, ohne die Peilung zu verlieren, und nötigenfalls, wenn doch die Orientierung mal verloren geht, man auf den letzten Referenzpunkt zurückschwenken kann, ohne ganz von vorn wieder anfangen zu müssen. Gerade bei schlecht oder gar nicht sichtbaren Objekten/Zielen ist der Vorgang im "Endanflug" m.E. zu empfehlen.
Mit Übung und Erfahrung lässt sich das dann weiter verkürzen. Z.B. indem man sich mittels der Karte merkt, welche herausragende Sterne, vielleicht farblich unterscheidbar, den Weg weisen, und man diese gleich in einem Zug am Sucher "abfährt". Oder wie im Beispiel oben, man sich den auffälligen Haufen lamdba, psi, kappa und iota And merkt, auf der SF Karte abschätzt wie viele Hops es sind, hier ca. 2-3 "Sichtfelddurchmesser" des Suchers, und aufs Geratewohl darauf zuhält, dann nur noch kurz abgleichen muss, ob das gesehene Bild des Haufens dem der SF Karte entspricht.
******************
Der unschlagbare Vorteil der SF-Karte (oder sonstiger digital Karten) gegenüber Papierkarten ist m.E. dass man beliebig rein- und rauszommen kann. Auch die realistische (farbige) Darstellung der SF-Karte enspricht wohl einiges besser dem visuellen Bild durch das Okular als jede Papierkarte, inbesondere vermittelt die SF-Karte ein guter Eindruck, welches die helleren und die weniger hellen Sterne sind. Zudem lässt sich die Karte in SF dynamisch anpassen, wenns denn sein muss?, dass z.B. nur Sterne mit maximal mag 12 angezeigt werden, so dass das Bild bestmöglich dem angepasst wird, was durch das Okular auch tatsächlich zu sehen ist.
Im Sinne einer einfacheren, verkürzten Handhabung sind m.E. Papierkarten längst nicht mehr konkurrenzfähig mit einer (ordentlichen ...) Darstellung auf dem Bildschirm. Es gibt/gab mehrere Programme, die viel Aufwand in den einfachen, anpassbaren Papierdruck von Aufsuchkarten gesteckt haben, denke, zunehmend ein Relikt der Vergangenheit.
Will man obiges Prozedere mit Papierkarten durchführen, muss man sich eine durchsichtige Folie basteln mit eingezeichneten Ringen der Sichtfelder der Okulare/Sucher, die man dann auf der Papierkarte rumschiebt. Viel Glück beim Gefummel bei Rotlicht, würde ich sagen.
******************
Zu den "fertigen" Suchern noch soviel: üblich gibt es 6x30 oder 9x50, 8x50 ist auch noch zu finden. Die Sucher haben meist ein Fadenkreuz auf eine Linse geätzt; dieses ist unbeleuchtet, reicht aber völlig und ist gut sichtbar vor dem Hintergrund des Himmels, es muss also nicht zwangsläufig ein sog. "beleuchtetes Fadenkreuz" sein. Je kleiner die Vergrösserung, desto grösser das Sichtfeld. Das Sichtfeld ist beim 6x30 einiges grösser als beim 9x50, was ein Vorteil ist bei obigem Vorgehen, um grösstmögliche Hops zu tätigen. Allerdings sieht man auch weniger, die 6x30 wiegen aber auch weniger. Muss man halt selbst ausmachen, was einem am besten in den Kram passt.
Der Sucher von SVBONY 6x30 hat z.B. ein Sichtfeld von ganzen 7.5°, das ist die Grössenordnung eines üblichen Fernglases, bietet also eine maximale Übersicht. Ein üblicher 9x50 Sucher hat ein Sichtfeld von um die 5°, ist schon eine Grössenordnung kleiner.
Zum Vergleich dazu: das grösstmögliche "Übersichts"-Okular von Televue Panoptic, das 41mm mit 68° FOV bietet an einem Refraktor 100/700 ein Sichtfeld von ca. 4°, an einem Newton 200/1000 ca. 3°.
Optional anstatt eines Suchers ist auch ein (beleuchtetes) Okular mit Fadenkreuz denkbar. Hier fällt jedoch dann wieder die Fummelei eines Okularwechsels an.
Ich hatte eine ganze Weile so nur mit meinem Übersichtsokular mit 25x Vergrösserung beobachtet/gesucht. Da ich eh nach Sternbild "vorgehe", also alles Interessante daran anschaue, lernt man so sozusagen jedes Sternbild auch kennen, das heisst, auch die heller leuchtende B-Prominenz davon, nicht nur die Hauptsterne. Mit einem Sucher kürzt man das stark ab, als dann maximal noch 3 bis 4 Hops nötig sind, um ein ganzes Sternbild zu "durchwandern". In der Hinsicht kann es dann schon fast "zu gut" funktionieren, als man dann nur noch rasch zum Objekt durchzieht, sich das Zwischendrin gar nicht mehr anschaut. Würde meinen, ist wie eine Zugfahrt und ein Flug. Die Zugfahrt meditativer, man kann die sich ändernde Landschaft begutachten und auf sich einwirken lassen. Beim Flug ist man zwar schnell da, hat vom "unterwegs" aber kaum was mitbekommen.
******************
Zuletzt noch ein Hinweis zur "Ergonomie". Im Sinne eines möglichst flüssigen Ablaufs sollten Rotpunktsucher, Sucher und Teleskopokular möglichst beieinander und so abgestimmt montiert sein, dass nur mit leichter Kopfbewegung zwischen den Dreien gewechselt werden kann. Die Sternkarte auf Tablet oder Handy ist der weitere vorteilhafte "ergonomische" Punkt. Nämlich als Rechtshänder die rechte Hand am Teleskop, um es nachzuschieben, und die Linke hält das Tablet/Handy, so dass immer wieder der Abgleich zwischen Karte und Okular gemacht werden kann, der Vorgang demnach mit möglichst wenig Brimborium abgewickelt werden kann. Ich musste z.B. den Rotpunktsucher drastisch erhöhen, damit es zu Sucher- und Okulareinblick passte.

Über und zu möglichen Einstellungen für "möglichst dunkel" am Tablet mit Android habe ich hier was geschrieben:
forum.astronomie.de
Handschuhe müssen Touchscreen-fähig sein:
forum.astronomie.de
Hmja. Der schwärmerische Anfänger des Sternguckens schreibt gerne von "entdecken wollen". Ich meine: zu entdecken gibt es am Himmel nichts (mehr): die Kunst besteht vielmehr darin, das Bekannte auch zu finden. Dem Aspekt sollte der Anfänger grösste Aufmerksamkeit widmen.
Ebenso scheint der Anfänger öfters zu meinen, es bedürfe zwingend irgend einer Art "Motorisierung" oder "Mechanik" am Beobachtungsgerät, sei es Linsenteleskop oder Spiegelteleskop, die dann das Gerät das gewünschte Objekt anpeilen lässt. Oder aber mindestens irgend eine Art Software mit Auswertung des Himmelsanblicks, die dann die einzuschlagende Richtung vorgibt. Oder aber man müsse mindestens an irgendwelchen Skalen am Gerät Werte einstellen.
Auch falsch. Es lässt sich rein von Hand, wie unsere Altvorderen es schon immer taten
Die Voraussetzungen sind einfach:
a) das Beobachtungsgerät, EGAL welche Montierung, muss von Hand bewegt werden können, vorzugsweise mit EINER Hand.
b) Es müssen Karten des Himmels vorliegen. In Papier oder eben besser digital auf Anzeigegeräte.
c) Es bedarf einens sog. Rotpunktsuchers für das grobe Ausrichten.
d) Optional aber empfehlenswert noch ein sog. Sucher mit Vergrösserung im Bereich von 6x-10x für die Feinausrichtung und das Sternhopping, vereinfacht bzw. beschleunigt einiges. Eine ebenfalls optionale Alternative dazu ist ein übliches Okular mit (beleuchtetem?) Fadenkreuz.
Nun kommt jedoch das Aber:
e) Der Himmel bzw. die Sternbilder und deren markanteste Sterne sollte man vorzugsweise schon kennen. Beziehungsweise, es vereinfacht halt den Suchvorgang erheblich.
Also bei einem von Auge sichtbaren Stern man sagen kann, jawohl, das ist der und der, ober aber mindestens, jawohl, der gehört zum Sternbild soundso usw., bzw. man die markantesten Hauptvertreter der Sternbilder zweifelsfrei identifizieren kann. Diesen Teil der Hausaufgabe meinen m.E. leider allzuviele Anfänger einfach auslassen zu können.
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Vorgehen mit Skysafari (SF), verfügbar für Android und iOs=Apple am Handy oder Tablet. Das Prinzip ist auch übertragbar auf Papierkarten oder eben andere Apps / Programme, die entsprechende Einblendungen von Sichtfelder erlauben.
Der Kernpunkt der Sache ist, dass man bei Skysafari (SF) die sog. Sichtfelder auf der Himmelskarte ein- und ausblenden kann. Also die Darstellung der "maximalen" Sicht bis hin zum Rand, die beim Blick visuell durchs Teleskopokular oder Suchers sich darbietet. Es ermöglicht damit, das Verhältnis der überblickbaren Distanzen zu erkennen, die ein gegebenes Okular bietet. Stellt sozusagen den Massstab her für jedes Okular, bezogen auf den Hintergrund des Sternenhimmels.
Beispiel am Widder / Aries. Eingetragen sind 3 verschiedene Sichtfelder. Das Sichtfeld des Suchers 6x30 ist in der Lage, das gesamte (auch von Auge gut sichtbare) Haupt-Sternbild mit den Hauptsternen alpha=Hamal beta=Sheratan gamma=Mesarthim einzufangen. Die Sichtfelder der Okulare sind viel kleiner, hier dargestellt ein Nagler 20mm und ein Delos 6mm, am William Optics Refraktor D=88mm/Brennweite=498mm.
a) das gesuchte Objekt sollte bereits auf der SF Karte markiert sein, mittels einer sog. Beobachtungsliste. Diese lässt sich importieren, oder aber auch direkt in SF erstellen.
b) Mit Vergleich mit der SF-Karte wird ermittelt, welcher der naheste Stern zum Objekt ist, der noch mit blossem Auge sichtbar ist, und der zweifelsfrei identifiziert ist.
c) Darauf wird nun den Leuchtpunktsucher zu diesem ersten Referenzpunkt (=Bezugspunkt) gerichtet.
d) Nun wird anhand der in der SF-Karte eingeblendeten Sichtfelder des verwendeten Okulars oder des Sucher beurteilt ob das gesuchte Objekt bereits in Griffweite ist, oder aber, welche weitere Hops erforderlich sind.
e1) Ist das Objekt bereits innerhalb des Sichtfelds, bewegt man das Teleskop von Hand -das Auge bleibt am Okular- mittig darauf zu, damit es in der "Mitte" des Okulars liegt. Ist das Objekt selbst sogar bereits sichtbar im Sucher, nimmt man es geradewegs ins Fadenkreuz.
e2) Dann Wechsel auf grössere Vergrösserung. Mittels Vergleich vom im Okular Gesehenen mit der SF Karte vergewissert man sich nun, ob das gesehene Objekt auch das gesuchte Objekt ist, bzw. orientiert sich am vorhandenen sichtbaren Muster der umliegenden Sterne, um das gesuchte Objekt zweifelsfrei zu identifizieren. Bzw. wenn das gesuchte Objekt nicht / kaum sichtbar ist, man sich zumindest vergewissert, dass man am richtigen Ort ist, mittels Vergleich der Umgebung mit der SF-Karte
f1) Ist das gesuchte Objekt ausserhalb des Sichtfelds gem. d) wird nun Starhopping gemacht, mit den grösstmöglichen Schritten, d.h. kleinstmöglicher Vergrösserung. Dafür ist ein Sucher besser geeignet als jedes Okular.
f2) Dazu wird das Sichtfeld auf der SF-Karte so in Richtung des gesuchten Objekts verschoben, dass der Referenzpunkt gem. c) gerade noch am Rande sichtbar ist. Dieselbe Verschiebung wird dann mit dem Teleskop durchgeführt, während man durch das Okular schaut. Nun ermittelt man am Okular der am weitest davon entfernte, gut sichtbarer / möglichst heller / hervorstechender Stern der gerade noch im Sichtfeld des Okulars bzw. des Suchers liegt. Dieser wird als neuer Referenzpunkt verwendet. Mittels Vergleich mit der SF Karte wird nun festgestellt, welcher Stern dieser auf der Karte ist. Dies ist der nächste Referenzpunkt.
f3) Nun wird anhand des nächsten Referenzpunkts die ganze Sache einfach wiederholt gem. f2). Verschieben des neuen Referenzpunkts auf der SF Karte an den Rand, dann entspr. Nachschieben des Teleskops während man durch das Okular schaut. Solange wiederholen, bis das gesuchte Objekt selbst im Sichtfeld ist, danach gehts mit e1) / e2) weiter.
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Beispiel
Die Mission: lambda Andromeda zu finden, von Caph = alpha Cassiopeia aus, das eine Ende des Sternbilds Cassiopeia, ein gut von Auge sichtbarer Stern.
0) Caph = alpha Cassiopeia mit dem Rotpunktsucher ins Visier nehmen. Ist der erste Referenzpunkt.
Dann verschiebt man das Sichtfeld, hier der meines SVBONY 6x30 Suchers, auf der Skysafari (SF) Karte, um festzustellen, welcher im Sucher gut sichtbare Stern, möglichst weit entfernt, als nächster Referenzpunkt in Frage kommt. Ist sigma Cas mit dem roten Kringel.
1) Dementsprechend nun das Teleskop, mit Auge am Sucherokular verschieben, bis sigma Cas gut und klar zu erkennen und identifiziert ist. Gegebenenfalls Wechsels aufs Teleskopokular mit grösserer Vergrösserung, Vergleich der gesehenen Umgebung mit der SF Karte, ob man tatsächlich am richtigen Ort ist.
Dann wieder auf der SF Karte mit Verschieben des Sichtfelds den nächsten Referenzpunkt festlegen. Im den Falle hier 18 And, gut und klar erkennbar, mit dem roten Kringel.
2) Wieder das Teleskop entspr. Verschieben mit Auge am Okular, bis 18 And klar erkannt und identifiziert ist.
Wiederum Sichtfeld auf SF Karte verschieben, ja, nun kommt das Ziel lamdba And bereits ins Sichtfeld
3+4) Das Teleskop nachschieben, bis beide 18 And und lambda And im Sichtfeld sind. Dann nochmals Vergleich mit der SF Karte, ob man lambda And richtig identifiziert hat und gleich weiterschieben, bis lambda And direkt im Fadenkreuz des Suchers ist.
Mission erfüllt, ich gratuliere. Nun kann man am Teleskop gleich auf ein stärker vergrössernde Okular wechseln.
Hat man nur ein normales Übersichtsokular ist das Vorgehen das gleiche, man benötigt wegen dem kleineren Sichtfeld einfach mehr Zwischenschritte.
Punkt ist, dass man immer 2 Referenzpunkte innerhalb des Sichtfelds behält. Damit lässt sich "kontrolliert" weiterwandern, ohne die Peilung zu verlieren, und nötigenfalls, wenn doch die Orientierung mal verloren geht, man auf den letzten Referenzpunkt zurückschwenken kann, ohne ganz von vorn wieder anfangen zu müssen. Gerade bei schlecht oder gar nicht sichtbaren Objekten/Zielen ist der Vorgang im "Endanflug" m.E. zu empfehlen.
Mit Übung und Erfahrung lässt sich das dann weiter verkürzen. Z.B. indem man sich mittels der Karte merkt, welche herausragende Sterne, vielleicht farblich unterscheidbar, den Weg weisen, und man diese gleich in einem Zug am Sucher "abfährt". Oder wie im Beispiel oben, man sich den auffälligen Haufen lamdba, psi, kappa und iota And merkt, auf der SF Karte abschätzt wie viele Hops es sind, hier ca. 2-3 "Sichtfelddurchmesser" des Suchers, und aufs Geratewohl darauf zuhält, dann nur noch kurz abgleichen muss, ob das gesehene Bild des Haufens dem der SF Karte entspricht.
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Der unschlagbare Vorteil der SF-Karte (oder sonstiger digital Karten) gegenüber Papierkarten ist m.E. dass man beliebig rein- und rauszommen kann. Auch die realistische (farbige) Darstellung der SF-Karte enspricht wohl einiges besser dem visuellen Bild durch das Okular als jede Papierkarte, inbesondere vermittelt die SF-Karte ein guter Eindruck, welches die helleren und die weniger hellen Sterne sind. Zudem lässt sich die Karte in SF dynamisch anpassen, wenns denn sein muss?, dass z.B. nur Sterne mit maximal mag 12 angezeigt werden, so dass das Bild bestmöglich dem angepasst wird, was durch das Okular auch tatsächlich zu sehen ist.
Im Sinne einer einfacheren, verkürzten Handhabung sind m.E. Papierkarten längst nicht mehr konkurrenzfähig mit einer (ordentlichen ...) Darstellung auf dem Bildschirm. Es gibt/gab mehrere Programme, die viel Aufwand in den einfachen, anpassbaren Papierdruck von Aufsuchkarten gesteckt haben, denke, zunehmend ein Relikt der Vergangenheit.
Will man obiges Prozedere mit Papierkarten durchführen, muss man sich eine durchsichtige Folie basteln mit eingezeichneten Ringen der Sichtfelder der Okulare/Sucher, die man dann auf der Papierkarte rumschiebt. Viel Glück beim Gefummel bei Rotlicht, würde ich sagen.
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Zu den "fertigen" Suchern noch soviel: üblich gibt es 6x30 oder 9x50, 8x50 ist auch noch zu finden. Die Sucher haben meist ein Fadenkreuz auf eine Linse geätzt; dieses ist unbeleuchtet, reicht aber völlig und ist gut sichtbar vor dem Hintergrund des Himmels, es muss also nicht zwangsläufig ein sog. "beleuchtetes Fadenkreuz" sein. Je kleiner die Vergrösserung, desto grösser das Sichtfeld. Das Sichtfeld ist beim 6x30 einiges grösser als beim 9x50, was ein Vorteil ist bei obigem Vorgehen, um grösstmögliche Hops zu tätigen. Allerdings sieht man auch weniger, die 6x30 wiegen aber auch weniger. Muss man halt selbst ausmachen, was einem am besten in den Kram passt.
Der Sucher von SVBONY 6x30 hat z.B. ein Sichtfeld von ganzen 7.5°, das ist die Grössenordnung eines üblichen Fernglases, bietet also eine maximale Übersicht. Ein üblicher 9x50 Sucher hat ein Sichtfeld von um die 5°, ist schon eine Grössenordnung kleiner.
Zum Vergleich dazu: das grösstmögliche "Übersichts"-Okular von Televue Panoptic, das 41mm mit 68° FOV bietet an einem Refraktor 100/700 ein Sichtfeld von ca. 4°, an einem Newton 200/1000 ca. 3°.
Optional anstatt eines Suchers ist auch ein (beleuchtetes) Okular mit Fadenkreuz denkbar. Hier fällt jedoch dann wieder die Fummelei eines Okularwechsels an.
Ich hatte eine ganze Weile so nur mit meinem Übersichtsokular mit 25x Vergrösserung beobachtet/gesucht. Da ich eh nach Sternbild "vorgehe", also alles Interessante daran anschaue, lernt man so sozusagen jedes Sternbild auch kennen, das heisst, auch die heller leuchtende B-Prominenz davon, nicht nur die Hauptsterne. Mit einem Sucher kürzt man das stark ab, als dann maximal noch 3 bis 4 Hops nötig sind, um ein ganzes Sternbild zu "durchwandern". In der Hinsicht kann es dann schon fast "zu gut" funktionieren, als man dann nur noch rasch zum Objekt durchzieht, sich das Zwischendrin gar nicht mehr anschaut. Würde meinen, ist wie eine Zugfahrt und ein Flug. Die Zugfahrt meditativer, man kann die sich ändernde Landschaft begutachten und auf sich einwirken lassen. Beim Flug ist man zwar schnell da, hat vom "unterwegs" aber kaum was mitbekommen.
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Zuletzt noch ein Hinweis zur "Ergonomie". Im Sinne eines möglichst flüssigen Ablaufs sollten Rotpunktsucher, Sucher und Teleskopokular möglichst beieinander und so abgestimmt montiert sein, dass nur mit leichter Kopfbewegung zwischen den Dreien gewechselt werden kann. Die Sternkarte auf Tablet oder Handy ist der weitere vorteilhafte "ergonomische" Punkt. Nämlich als Rechtshänder die rechte Hand am Teleskop, um es nachzuschieben, und die Linke hält das Tablet/Handy, so dass immer wieder der Abgleich zwischen Karte und Okular gemacht werden kann, der Vorgang demnach mit möglichst wenig Brimborium abgewickelt werden kann. Ich musste z.B. den Rotpunktsucher drastisch erhöhen, damit es zu Sucher- und Okulareinblick passte.

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