Rein visuelles Suchen und Finden in der Astronomie, eine Anleitung. Aber zeitgemäss, new old-school.

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CHnuschti

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Rein visuelles Suchen und Finden in der Astronomie, eine Anleitung. Aber zeitgemäss, new old-school.

Hmja. Der schwärmerische Anfänger des Sternguckens schreibt gerne von "entdecken wollen". Ich meine: zu entdecken gibt es am Himmel nichts (mehr): die Kunst besteht vielmehr darin, das Bekannte auch zu finden. Dem Aspekt sollte der Anfänger grösste Aufmerksamkeit widmen.

Ebenso scheint der Anfänger öfters zu meinen, es bedürfe zwingend irgend einer Art "Motorisierung" oder "Mechanik" am Beobachtungsgerät, sei es Linsenteleskop oder Spiegelteleskop, die dann das Gerät das gewünschte Objekt anpeilen lässt. Oder aber mindestens irgend eine Art Software mit Auswertung des Himmelsanblicks, die dann die einzuschlagende Richtung vorgibt. Oder aber man müsse mindestens an irgendwelchen Skalen am Gerät Werte einstellen.

Auch falsch. Es lässt sich rein von Hand, wie unsere Altvorderen es schon immer taten ;), nun ja damals wohl noch etwas umständlicher, ein Objekt ansteuern, mit wenigen Hilfsmitteln. Und man muss dabei nicht mal was von Rektaszension und Deklination wissen bzw. verstanden haben.

Die Voraussetzungen sind einfach:
a) das Beobachtungsgerät, EGAL welche Montierung, muss von Hand bewegt werden können, vorzugsweise mit EINER Hand.
b) Es müssen Karten des Himmels vorliegen. In Papier oder eben besser digital auf Anzeigegeräte.
c) Es bedarf einens sog. Rotpunktsuchers für das grobe Ausrichten.
d) Optional aber empfehlenswert noch ein sog. Sucher mit Vergrösserung im Bereich von 6x-10x für die Feinausrichtung und das Sternhopping, vereinfacht bzw. beschleunigt einiges. Eine ebenfalls optionale Alternative dazu ist ein übliches Okular mit (beleuchtetem?) Fadenkreuz.

Nun kommt jedoch das Aber:
e) Der Himmel bzw. die Sternbilder und deren markanteste Sterne sollte man vorzugsweise schon kennen. Beziehungsweise, es vereinfacht halt den Suchvorgang erheblich.
Also bei einem von Auge sichtbaren Stern man sagen kann, jawohl, das ist der und der, ober aber mindestens, jawohl, der gehört zum Sternbild soundso usw., bzw. man die markantesten Hauptvertreter der Sternbilder zweifelsfrei identifizieren kann. Diesen Teil der Hausaufgabe meinen m.E. leider allzuviele Anfänger einfach auslassen zu können.

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Vorgehen mit Skysafari (SF), verfügbar für Android und iOs=Apple am Handy oder Tablet. Das Prinzip ist auch übertragbar auf Papierkarten oder eben andere Apps / Programme, die entsprechende Einblendungen von Sichtfelder erlauben.

Der Kernpunkt der Sache ist, dass man bei Skysafari (SF) die sog. Sichtfelder auf der Himmelskarte ein- und ausblenden kann. Also die Darstellung der "maximalen" Sicht bis hin zum Rand, die beim Blick visuell durchs Teleskopokular oder Suchers sich darbietet. Es ermöglicht damit, das Verhältnis der überblickbaren Distanzen zu erkennen, die ein gegebenes Okular bietet. Stellt sozusagen den Massstab her für jedes Okular, bezogen auf den Hintergrund des Sternenhimmels.

Beispiel am Widder / Aries. Eingetragen sind 3 verschiedene Sichtfelder. Das Sichtfeld des Suchers 6x30 ist in der Lage, das gesamte (auch von Auge gut sichtbare) Haupt-Sternbild mit den Hauptsternen alpha=Hamal beta=Sheratan gamma=Mesarthim einzufangen. Die Sichtfelder der Okulare sind viel kleiner, hier dargestellt ein Nagler 20mm und ein Delos 6mm, am William Optics Refraktor D=88mm/Brennweite=498mm.

A1.Sichtfelder.jpg



a) das gesuchte Objekt sollte bereits auf der SF Karte markiert sein, mittels einer sog. Beobachtungsliste. Diese lässt sich importieren, oder aber auch direkt in SF erstellen.
b) Mit Vergleich mit der SF-Karte wird ermittelt, welcher der naheste Stern zum Objekt ist, der noch mit blossem Auge sichtbar ist, und der zweifelsfrei identifiziert ist.
c) Darauf wird nun den Leuchtpunktsucher zu diesem ersten Referenzpunkt (=Bezugspunkt) gerichtet.
d) Nun wird anhand der in der SF-Karte eingeblendeten Sichtfelder des verwendeten Okulars oder des Sucher beurteilt ob das gesuchte Objekt bereits in Griffweite ist, oder aber, welche weitere Hops erforderlich sind.
e1) Ist das Objekt bereits innerhalb des Sichtfelds, bewegt man das Teleskop von Hand -das Auge bleibt am Okular- mittig darauf zu, damit es in der "Mitte" des Okulars liegt. Ist das Objekt selbst sogar bereits sichtbar im Sucher, nimmt man es geradewegs ins Fadenkreuz.
e2) Dann Wechsel auf grössere Vergrösserung. Mittels Vergleich vom im Okular Gesehenen mit der SF Karte vergewissert man sich nun, ob das gesehene Objekt auch das gesuchte Objekt ist, bzw. orientiert sich am vorhandenen sichtbaren Muster der umliegenden Sterne, um das gesuchte Objekt zweifelsfrei zu identifizieren. Bzw. wenn das gesuchte Objekt nicht / kaum sichtbar ist, man sich zumindest vergewissert, dass man am richtigen Ort ist, mittels Vergleich der Umgebung mit der SF-Karte
f1) Ist das gesuchte Objekt ausserhalb des Sichtfelds gem. d) wird nun Starhopping gemacht, mit den grösstmöglichen Schritten, d.h. kleinstmöglicher Vergrösserung. Dafür ist ein Sucher besser geeignet als jedes Okular.
f2) Dazu wird das Sichtfeld auf der SF-Karte so in Richtung des gesuchten Objekts verschoben, dass der Referenzpunkt gem. c) gerade noch am Rande sichtbar ist. Dieselbe Verschiebung wird dann mit dem Teleskop durchgeführt, während man durch das Okular schaut. Nun ermittelt man am Okular der am weitest davon entfernte, gut sichtbarer / möglichst heller / hervorstechender Stern der gerade noch im Sichtfeld des Okulars bzw. des Suchers liegt. Dieser wird als neuer Referenzpunkt verwendet. Mittels Vergleich mit der SF Karte wird nun festgestellt, welcher Stern dieser auf der Karte ist. Dies ist der nächste Referenzpunkt.
f3) Nun wird anhand des nächsten Referenzpunkts die ganze Sache einfach wiederholt gem. f2). Verschieben des neuen Referenzpunkts auf der SF Karte an den Rand, dann entspr. Nachschieben des Teleskops während man durch das Okular schaut. Solange wiederholen, bis das gesuchte Objekt selbst im Sichtfeld ist, danach gehts mit e1) / e2) weiter.

A2.Beobachtungsliste.jpg
A3.Schema.Hopping.jpg



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Beispiel

Die Mission: lambda Andromeda zu finden, von Caph = alpha Cassiopeia aus, das eine Ende des Sternbilds Cassiopeia, ein gut von Auge sichtbarer Stern.

0) Caph = alpha Cassiopeia mit dem Rotpunktsucher ins Visier nehmen. Ist der erste Referenzpunkt.
Dann verschiebt man das Sichtfeld, hier der meines SVBONY 6x30 Suchers, auf der Skysafari (SF) Karte, um festzustellen, welcher im Sucher gut sichtbare Stern, möglichst weit entfernt, als nächster Referenzpunkt in Frage kommt. Ist sigma Cas mit dem roten Kringel.
1) Dementsprechend nun das Teleskop, mit Auge am Sucherokular verschieben, bis sigma Cas gut und klar zu erkennen und identifiziert ist. Gegebenenfalls Wechsels aufs Teleskopokular mit grösserer Vergrösserung, Vergleich der gesehenen Umgebung mit der SF Karte, ob man tatsächlich am richtigen Ort ist.
Dann wieder auf der SF Karte mit Verschieben des Sichtfelds den nächsten Referenzpunkt festlegen. Im den Falle hier 18 And, gut und klar erkennbar, mit dem roten Kringel.
2) Wieder das Teleskop entspr. Verschieben mit Auge am Okular, bis 18 And klar erkannt und identifiziert ist.
Wiederum Sichtfeld auf SF Karte verschieben, ja, nun kommt das Ziel lamdba And bereits ins Sichtfeld
3+4) Das Teleskop nachschieben, bis beide 18 And und lambda And im Sichtfeld sind. Dann nochmals Vergleich mit der SF Karte, ob man lambda And richtig identifiziert hat und gleich weiterschieben, bis lambda And direkt im Fadenkreuz des Suchers ist.

Mission erfüllt, ich gratuliere. Nun kann man am Teleskop gleich auf ein stärker vergrössernde Okular wechseln.
Hat man nur ein normales Übersichtsokular ist das Vorgehen das gleiche, man benötigt wegen dem kleineren Sichtfeld einfach mehr Zwischenschritte.

Punkt ist, dass man immer 2 Referenzpunkte innerhalb des Sichtfelds behält. Damit lässt sich "kontrolliert" weiterwandern, ohne die Peilung zu verlieren, und nötigenfalls, wenn doch die Orientierung mal verloren geht, man auf den letzten Referenzpunkt zurückschwenken kann, ohne ganz von vorn wieder anfangen zu müssen. Gerade bei schlecht oder gar nicht sichtbaren Objekten/Zielen ist der Vorgang im "Endanflug" m.E. zu empfehlen.

Mit Übung und Erfahrung lässt sich das dann weiter verkürzen. Z.B. indem man sich mittels der Karte merkt, welche herausragende Sterne, vielleicht farblich unterscheidbar, den Weg weisen, und man diese gleich in einem Zug am Sucher "abfährt". Oder wie im Beispiel oben, man sich den auffälligen Haufen lamdba, psi, kappa und iota And merkt, auf der SF Karte abschätzt wie viele Hops es sind, hier ca. 2-3 "Sichtfelddurchmesser" des Suchers, und aufs Geratewohl darauf zuhält, dann nur noch kurz abgleichen muss, ob das gesehene Bild des Haufens dem der SF Karte entspricht.

A4.Mission.jpg
A5.Schritte.jpg



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Der unschlagbare Vorteil der SF-Karte (oder sonstiger digital Karten) gegenüber Papierkarten ist m.E. dass man beliebig rein- und rauszommen kann. Auch die realistische (farbige) Darstellung der SF-Karte enspricht wohl einiges besser dem visuellen Bild durch das Okular als jede Papierkarte, inbesondere vermittelt die SF-Karte ein guter Eindruck, welches die helleren und die weniger hellen Sterne sind. Zudem lässt sich die Karte in SF dynamisch anpassen, wenns denn sein muss?, dass z.B. nur Sterne mit maximal mag 12 angezeigt werden, so dass das Bild bestmöglich dem angepasst wird, was durch das Okular auch tatsächlich zu sehen ist.

Im Sinne einer einfacheren, verkürzten Handhabung sind m.E. Papierkarten längst nicht mehr konkurrenzfähig mit einer (ordentlichen ...) Darstellung auf dem Bildschirm. Es gibt/gab mehrere Programme, die viel Aufwand in den einfachen, anpassbaren Papierdruck von Aufsuchkarten gesteckt haben, denke, zunehmend ein Relikt der Vergangenheit.

Will man obiges Prozedere mit Papierkarten durchführen, muss man sich eine durchsichtige Folie basteln mit eingezeichneten Ringen der Sichtfelder der Okulare/Sucher, die man dann auf der Papierkarte rumschiebt. Viel Glück beim Gefummel bei Rotlicht, würde ich sagen.

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Zu den "fertigen" Suchern noch soviel: üblich gibt es 6x30 oder 9x50, 8x50 ist auch noch zu finden. Die Sucher haben meist ein Fadenkreuz auf eine Linse geätzt; dieses ist unbeleuchtet, reicht aber völlig und ist gut sichtbar vor dem Hintergrund des Himmels, es muss also nicht zwangsläufig ein sog. "beleuchtetes Fadenkreuz" sein. Je kleiner die Vergrösserung, desto grösser das Sichtfeld. Das Sichtfeld ist beim 6x30 einiges grösser als beim 9x50, was ein Vorteil ist bei obigem Vorgehen, um grösstmögliche Hops zu tätigen. Allerdings sieht man auch weniger, die 6x30 wiegen aber auch weniger. Muss man halt selbst ausmachen, was einem am besten in den Kram passt.
Der Sucher von SVBONY 6x30 hat z.B. ein Sichtfeld von ganzen 7.5°, das ist die Grössenordnung eines üblichen Fernglases, bietet also eine maximale Übersicht. Ein üblicher 9x50 Sucher hat ein Sichtfeld von um die 5°, ist schon eine Grössenordnung kleiner.
Zum Vergleich dazu: das grösstmögliche "Übersichts"-Okular von Televue Panoptic, das 41mm mit 68° FOV bietet an einem Refraktor 100/700 ein Sichtfeld von ca. 4°, an einem Newton 200/1000 ca. 3°.
Optional anstatt eines Suchers ist auch ein (beleuchtetes) Okular mit Fadenkreuz denkbar. Hier fällt jedoch dann wieder die Fummelei eines Okularwechsels an.

Ich hatte eine ganze Weile so nur mit meinem Übersichtsokular mit 25x Vergrösserung beobachtet/gesucht. Da ich eh nach Sternbild "vorgehe", also alles Interessante daran anschaue, lernt man so sozusagen jedes Sternbild auch kennen, das heisst, auch die heller leuchtende B-Prominenz davon, nicht nur die Hauptsterne. Mit einem Sucher kürzt man das stark ab, als dann maximal noch 3 bis 4 Hops nötig sind, um ein ganzes Sternbild zu "durchwandern". In der Hinsicht kann es dann schon fast "zu gut" funktionieren, als man dann nur noch rasch zum Objekt durchzieht, sich das Zwischendrin gar nicht mehr anschaut. Würde meinen, ist wie eine Zugfahrt und ein Flug. Die Zugfahrt meditativer, man kann die sich ändernde Landschaft begutachten und auf sich einwirken lassen. Beim Flug ist man zwar schnell da, hat vom "unterwegs" aber kaum was mitbekommen. ;)

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Zuletzt noch ein Hinweis zur "Ergonomie". Im Sinne eines möglichst flüssigen Ablaufs sollten Rotpunktsucher, Sucher und Teleskopokular möglichst beieinander und so abgestimmt montiert sein, dass nur mit leichter Kopfbewegung zwischen den Dreien gewechselt werden kann. Die Sternkarte auf Tablet oder Handy ist der weitere vorteilhafte "ergonomische" Punkt. Nämlich als Rechtshänder die rechte Hand am Teleskop, um es nachzuschieben, und die Linke hält das Tablet/Handy, so dass immer wieder der Abgleich zwischen Karte und Okular gemacht werden kann, der Vorgang demnach mit möglichst wenig Brimborium abgewickelt werden kann. Ich musste z.B. den Rotpunktsucher drastisch erhöhen, damit es zu Sucher- und Okulareinblick passte.

A6.Anordnung.Sucher_1.jpg A7.Anordnung.Sucher_2.jpg


Über und zu möglichen Einstellungen für "möglichst dunkel" am Tablet mit Android habe ich hier was geschrieben:
Handschuhe müssen Touchscreen-fähig sein:
 
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Einstellungen / Handhabung in Skysafari

Die Sichtfelder werden in SF wie folgt eingestellt:
1) Menü am Fuss Beobachten > Equipment. Dort Teleskop, Okulare, Ferngläser, Sucher eintragen mit entspr. Werten.
2) Beobachten > Teleskopanzeige . Mit "FOV-Indikator hinzufügen" können dort sind alle verfügbaren, in 1 eingestellten Kombinationen eingetragen werden. Nun oben Edit tippen; danach unten eine Kombination antippen, und oben mit den Pfeiltasten nach oben und unten schieben. Die 3 Einträge, die zuoberst stehen/dorthin geschoben werden, sind die 3, die in der Karte dann "schnell" ein- und ausgeblendet werden können. Unten gibts noch weitere Einstellung, wie Fadenkreuz, Beschriftung usw.
3) Optional unter Einstellungen > Gradnetz & Referenz, Raster anzeigen lassen mit äquatorialen Koordinaten, damit ist auch immer die Nordrichtung mit angezeigt, man muss nur noch feststellen, welche es ist. ;)

A8.Okulare.Liste.jpg A9.Gesichtsfelder.Liste.jpg A10.Gesichtsfelder.Edit.jpg


Schnelles Ein- und Ausblenden der Sichtfelder (es können maximal 3 verschiedene Sichtfelder "aufs Mal" so umgeschaltet werden):
1) Menü am Fuss Einstellungen > Aussehen & Verhalten . Dort "zeige Koordinaten & Gesichtsfeld" wählen.
2) Dann zurück zur Karte, oben rechts auf die Zahlen "Gesichtsfeld" tippen. Ein Fenster öffnet sich. Bei Rings kann man nun die einzelnen 3 Gesichtsfelder ein- und ausschalten. Zudem unten bei Flip anpassen, entspr. dem Gerät, Zenitspiegel, Amici-Prisma usw.. Abwählen einfach auf Karte tippen. Die Einstellung unter 1) kann auch wieder abgewählt werden, ein Tippen an der Stelle ruft die Fenster trotzdem auf.

A11.Gesichtsfelder.Schnelleinstellung.jpg


Schnelle Anpassung der dargestellten Grenzgrösse an Helligkeit der Sterne in der SF Karte:
1) wie oben 1)
2) Auf Karte oben links auf die Zahlen "Koordinaten" tippen. Dort kann man die mag Zahl verändern +/-, ebenso für DSO, die Anzeige zeigt entspr. mehr oder weniger. Aufgepasst, der Wert bleibt dann so bzw. die Helligkeiten werden relativ dazu angezeigt. Unten lassen sich die Koordinaten Systeme ändern.
3) Optional unter Einstellungen > Sterne bzw. Deep Sky. Dort lassen sich absolute Werte der Magnitudengrenze einstellen unter "niemals schwächer anzeigen als" ... Bei Standardeinstellung "unbegrenzt" werden beim reinzoomen immer schwächer leuchtende Sterne / DSOs angezeigt.

A12.Magnituden.Schnelleinstellung.jpg
 
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Der Nachtrag: die Predigt

Dem Begriff "Hobby-Astronom" stand ich ja schon immer skeptisch gegenüber. Nämlich, wieviel "Astronomie" ist denn eigentlich dabei beim Hochschauen in den Himmel, von Auge, mit Teleskop, mit Astrofotografie? Ich würde ja vermuten, dass hier im Forum formal ausgebildete Astronomen/Astrophysiker sich an einer, vielleicht zwei Händen abzählen lassen.

Da ist das gute Kennen des Himmels bzw. erkennen der Sternbilder doch der kleine verbliebene Rest an Astronomie des "Hobby-Astronomen". Dass Anfänger, aber auch Fortgeschrittene selbst diese verbleibende Hausaufgabe abkürzen oder umgehen wollen mit irgendwelchem un- und motorisiertem "Guiding", ich spreche es aus, ich halte das für jämmerlich. Oder schlimmer ... Kann nur für mich sprechen, aber irgend ein motorisiertes Tool, das mir vorkaut, wohin ich nun zu gucken hätte ist einfach unter meiner Würde, beleidigt mein Ehrgeiz, ein ordentlicher "Hobby-Astronom" zu sein. Später vielleicht ja, wenn ohnehin alles bekannt ist, um "Zeitverschwendung" zu vermeiden. Aber gleich von Anfang an?

Den Himmel kennenlernen, das kann wirklich Jeder UND Jede. Würde meinen, mit Entschlossenheit lässt sich das in einem wettermässig ordentliche Monat locker und dauerhaft mit einem Fernglas und eine kleine drehbare Sternkarte o.ä. erledigen, danach ist das Thema gegessen. Die Abschlussprüfung besteht dann darin, die 12 Tierkreiszeichen runtersagen zu können vor dem geistigen Auge, in der richtigen Reihenfolge entspr. der Lage am Horizont. Und man vielleicht noch aufsagen kann, welches Sternbild jeweils darüber und darunter liegt.

Ich halte mich an den grossen Auguste Cousteau, ein ehemaliger Angestellter von Pixar:
Jeder kann Sterngucken. Aber nur die Furchtlosen werden Meister darin.

Gruss
 
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Die Ergänzung:

Stellarium Plus, die (kostenpflichtige) Android/Apple App kann auch immerhin EIN (einstellbares) Sichtfeld einblenden. Etwas problematisch ist dort, dass man Ziele nicht dauerhaft mittels Beobachtungslisten markieren kann. Aber man kann immerhin das Ziel markieren (händisch oder per Suchen) und danach die Karte rumschieben, ohne dass die Markierung wegfällt.

A13.StellariumPlus.Sichtfeld.jpg


Stellarium am PC/Windows ist diesbezüglich eingeschränkt. Sichtfelder lassen sich einblenden, die Karte ist dann aber nicht mehr zoombar. Ein Workaround ist, die Telrad Anzeige dahingehend zu modifizieren, und die Sichtfelder entspr. den eigenen Okularen usw. anpassen, 4 Kreise sind möglich.
Einstellungen > Erweiterungen > Okulare > Konfigurieren > Allgemein > Telrad Blick
Das kann man dann auf der (gezoomten) Karte beliebig rumschieben. Hier sind auch (händisch gesetzte ...) Markierungen für die Zielobjekte möglich.

A14.StellariumPC.Telrad.nominell.jpg A15.StellariumPC.Telrad.custom.jpg A16.StellariumPC.Einstellungen.jpg
 
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...mehr muss / kann / braucht man zum Thema "Such und Find" nicht schreiben, wer heutzutage mit der visuellen Astronomie anfängt, der sollte sich das auf jeden Fall durchlesen.
Ich für meinen Fall kann sagen - es geht aber auch nach wie vor ganz "Old School" und nur mit Sternkarte, Taschenlampe und Fernrohr. Warum ich das mache? Na, ich starre schon genug Zeit am Tag auf Pixel, in meiner Freizeit (und Astronomie ist nun mal mein Hobby) bin ich sehr froh, wenn ich das auch einmal vermeiden kann.
Wie es funktioniert? Üben, üben, üben - und sich eben die Zeit nehmen, die man für ein Hobby nehmen will.
Schön auf jeden Fall, das hier jemand so intensiv in das Thema "Visuelle Astronomie" reinhaut!

CS,
Stefan Korth
 
Hi @CHnuschti ,

wow, danke für die Mühe dieser sehr ausführlichen Anleitung.

Kleine Anmerkungen:
Deine Anleitung basiert sehr stark auf dem sogenannten Starhopping.
Ich habe das noch nie gemacht oder vielleicht doch ganz am Anfang, als ich noch keinen Telrad gehabt habe. Die optischen Sucher benutze ich seit Jahrzehnten nicht mehr. Weiß gar nicht mehr wo die sind. ;)
Ich lasse das Sterne-Hüpfen einfach weg. Mit dem freien Auge vergleiche und suche ich Muster der Hauptsterne in Relation zur Position des gesuchten Objekts.
Durch diesen Muster-Vergleich erkenne ich die Position des Objekts direkt und fahre es auch gleich mit dem Telrad (oder Leuchtpunkt-Sucher) direkt an.
Sehr gut unterstützen/vereinfachen eingeblendete Telrad Kreise auf der Karte den Mustervergleich.
Damit habe ich praktisch alle Messier Objekte gefunden (praktisch deswegen weil ich sie nicht gezählt habe ;) ) und auch einige NGCs.

Gruß
Peter
 
...wie man in jener Stadt südlich von Leverkusen sagt: "Jeder Jeck is anders...". Ich kombiniere mich mit Sucherfernohr, virtuellen Dreiecksmustern und Sky Atlas 2000.0 über den Himmel. Telrad hilft mir bei meinem hellen Vorstadthimmel nicht, ist aber nur eine komplett persönliche Sache. Als die Teile seinerzeit auf den Markt kamen, da war es für Anfänger auch hier im Rheinland viel leichter, damit Objekte zu finden.

Hauptsache, es wird wieder einmal klar...

Stefan Korth
 
Finde auch dass die Problematik des Telrads ist, dass sie die Sichtbarkeit von möglichst vielen Sternen von Auge voraussetzt. In der Wüste von Namibia oder in den Alpen sicher eine patente Lösung, als neben jedem Objekt von Interesse gewiss irgend ein sichtbarer Stern in Telrad-Reichweite liegt. In Bortle 4 verseuchtem urbanen Gebiet hingegen wird es weniger was draus, als das "Angebot" an Referenzsternen durchaus überschaubar ist.

Gruss
 
Salli CHnuschti, (knusprig? hö)
Du hast hier einen super tollen Bericht geschrieben der vielen helfen wird Objekte am Himmel auch ohne Goto zu finden, Chapeau. Womit ich aber auf keinen Fall einhergehen kann ist deine Abschluss Predigt. Astronomie ist dann doch schon etwas breiter gefächert als nur den Sternenhimmel zu kennen und deshalb sehe ich mich auch weiterhin als Hobbyastronom (mit Schwerpunkt Hobby) und nutze mein Goto ohne mich zu schämen.
CS
Dietmar
 
Hallo zusammen,

vorweg, nichts gegen die ordentliche Fleißarbeit der Erstellung dieser Anleitung.
Es ist wohl die Methode, die demjenigen liegt und das liefert, was er erreichen möchte.
Muss aber nicht für jeden passend sein.

Womit ich aber auf keinen Fall einhergehen kann ist deine Abschluss Predigt.
So ist es bei mir auch.

ein ordentlicher "Hobby-Astronom" zu sein
Alle die nicht so vorgehen sind also keine ordentlichen Hobby-Astronomen???
Ja, es ist von Vorteil wenn man rein manuell anfängt und sich der Systematik eines Teleskop und der Montierung so nähert. Da entsteht ein Verständnis für die eventuell später angeschafften elektronischen Helferlein und man kann sich bei Problemen selbst helfen und gegebenenfalls bei nicht vorhandenen Strom behelfen.

Die Abschlussprüfung besteht dann darin, die 12 Tierkreiszeichen runtersagen zu können vor dem geistigen Auge, in der richtigen Reihenfolge entspr. der Lage am Horizont. Und man vielleicht noch aufsagen kann, welches Sternbild jeweils darüber und darunter liegt.
Puh... ... ...
Nur wer alles beim Namen kennt und es runterbeeten kann ist ein ordentlicher Hobby-Astronom?
Ich bin ja nun auch ein Verfechter des manuellen Einstieges und das Kennen markanter Objekte und/oder Konstellationen ist sehr von Vorteil und da eben auch für GoTo und ähnlicher elektronischer Helferlein, denn ohne diese, hier dann wohl nur die Kenntnisse des nicht ordentlichen Hobby-Astronom, braucht es schon dafür.

Astronomie ist dann doch schon etwas breiter gefächert als nur den Sternenhimmel zu kennen
Eben.
Was mache ich denn da?
Ich richte ein Optisches System gen Nachthimmel und erfreue mich an dem was ich da schönes sehe, was dann aber auch im Auge des Betrachters liegt, was schön oder unschön ist, oder besser ansprechend oder nicht ansprechend.
Jeder legt doch da selbst seine Schwerpunkte. Doppelsterne, Mehrfachsystem, Kugel- /offene Sternhaufen... ... ... ... ...
Letztendlich ist es "nur" ein kleiner Teil der Astronomie. Ob nun im Hobby-Bereich oder im professionellen Bereich.

Das was ich und wohl auch die meisten anderen erreichen können, was wirklich viel ist im Hobby-Bereich, ist sich ein Teleskop anzuschaffen (Teleskop als gesamt System gemeint), oder eine Antenne für die Radioastronomie anzuschaffen.
(Fast) Alles andere was die Astronomie angeht kann ich doch nur in rein theoretischer Natur mir aneignen, sprich lesen.
Weiteres *entfernt* liegt doch so weit außerhalb der meisten finanziellen Mittel, dass es nur theoretisch geht.
Und in diesem rein theoretischen Bereich kommt man doch auch an seine Grenzen.

Kurzum, ich würde mich nicht als Astronom bezeichnen.
Ich bin Beobachter, Sternen- /Planetenbeobachter... ... ... und kennen mich einigermaßen am Nachthimmel aus.
Ich kennen markante Punkte am Nachthimmel und das reicht mir.

Es ist doch wohl der Anspruch den man an sich selbst erhebt.
Aber per se zu sagen das man nur dann ein ordentlicher Hobby-Astronom ist, wenn man alles per Namen runterbeeten kann... ... ...

Nichts gegen einen manuellen Einstieg und sich da, eine für sich selbst passende Methode, selbstständig erarbeiten um sein Objekte zu finden.
Dann aufstocken, aus welchen Gründen auch immer, auch recht. Das muss jeder selbst entscheiden.

deshalb sehe ich mich auch weiterhin als Hobbyastronom (mit Schwerpunkt Hobby) und nutze mein Goto ohne mich zu schämen.
So ist es.
Auch werde ich mein Vorhaben mir das Celestron StarSense AutoAlign Modul anzuschaffen in die Tat umzusetzen und somit zum nicht ordentlichen Hobby-Astronom mutieren.
Wobei ich "nur" zum Nachthimmel aufschaue und mich an dem erfreue was ich zu sehen bekomme.

Aber seine Methode als einzig wahre darzustellen... ... ...
Erinnert mich an die Diskussionen über den Dobson als das wahre Allheilmittel des ordentlichen Hobby-Astronomen.

Mit dieser Predigt ist die dargestellte gute Methode des Auffindes leider nicht besser geworden.

Jeder sucht sich seinen Zugang zum Beobachten selbst, oder sollte es zumindest und sich nicht alles vorkauen lassen.
Grundlagenwissen, Ja! Oder Neudeutsch Basics, Ja!
 
Moin! Als ich mit astronomischen Beobachtungen angefangen habe, war schon eine motorisierte Montierung Luxus, das Wort Goto gab es nicht. Ich habe den Sternhimmel mit Karten und den eigenen Augen kennengelernt. Ich hatte auch nie einen Sucher am Fernrohr. Ich habe einen "Leitstern" über den Tubus angepeilt, mit schwacher Vergrößerung und großem Gesichtsfeld eingestellt, und dann wurde zum Ziel "gehoppt". Das funktionierte irgendwann perfekt, aber ich fühlte/fühle mich am Nachthimmel auch irgendwie zu Hause :LOL:.
Aber es gibt da alle möglichen Extreme, und es gibt inzwischen alle Möglichkeiten dazu. Ich moderiere gerade etwas in einer Facebook-Gruppe für Astroanfänger, und da kann es passieren, daß jemand schreibt: ich bin neu hier, habe keine Ahnung von Astronomie und Sternhimmel, was brauche ich, um den Pferdekopfnebel zu fotografieren? Dann gibt es ein paar Tips, und nach der nächsten Schönwetterphase stellt der ein Foto ein, das vor Jahren noch die Krönung einer amateurastronomischen Karriere gewesen wäre!
Andererseits habe ich mal an einem öffentlichen Beobachtungsabend der Hamburger Sternwarte eines der kleineren Teleskope bedient (als Mitglied im Förderverein), als einer der Profs. mit einer Besuchergruppe vorbeikam und etwas über Sternassoziationen erzählte. Zum Schluß sagte er, wir stellen jetzt mal mit dem Teleskop den hellen Kugelsternhaufen M13 ein, und ich trat einen Schritt zurück, um ihn machen zu lassen. Da flüsterte er mir zu, daß er sich doch am Himmel nicht auskenne, das sollten wir erfahrenen Beobachter doch mal machen.
Und irgendwo dazwischen liegt die wunderbare Welt unseres Sternhimmels, der man sich auf ganz unterschiedliche Weise nähern kann.

Gruß, Michael
 
Nochwas, erst eben realisiert. In der Schnelleinstellung für die Sichtfelder von Skysafari entsprechen die Zahlen oberhalb der Toggles für die Ein-/Ausblendung dem maximalen Zoom des Sichtfelds des darunterliegenden, eingestellen Sichtfelds, man kann also gleich entspr. den Zoom mit Fingertip maximieren.

A17.Toggle.Zoom.Sichtfelder2.jpg
 
Da ist das gute Kennen des Himmels bzw. erkennen der Sternbilder doch der kleine verbliebene Rest an Astronomie des "Hobby-Astronomen". Dass Anfänger, aber auch Fortgeschrittene selbst diese verbleibende Hausaufgabe abkürzen oder umgehen wollen mit irgendwelchem un- und motorisiertem "Guiding", ich spreche es aus, ich halte das für jämmerlich. Oder schlimmer ... Kann nur für mich sprechen, aber irgend ein motorisiertes Tool, das mir vorkaut, wohin ich nun zu gucken hätte ist einfach unter meiner Würde, beleidigt mein Ehrgeiz, ein ordentlicher "Hobby-Astronom" zu sein. Später vielleicht ja, wenn ohnehin alles bekannt ist, um "Zeitverschwendung" zu vermeiden. Aber gleich von Anfang an?
Ok, zunächst vielen Dank für Deine Mühe und vor allem die gut nachvollziehbare Verknüpfung zwischen Karte/App und dem, was am Teleskop passiert. Gleichwohl möchte ich dann auch auf das Zitat oben eingehen und die Sichtweise, die Du zum Ausdruck bringst - zwar so, dass es "deine" ist, aber in einer Form, die eben forumsöffentlich ist und damit zum Dialog darüber einlädt... Also: Ich habe mal in Deiner Predigt das Wort "Hobbyastronom" durch "Autofahrer" ersetzt. Folgt man dieser Analogie, dann gibt es also "ernsthafte Autofahrer" die - um genau das zu sein - tunlichst als Anfänger auf das Navigationsgerät verzichten, um zunächst einmal mit Straßenkarte, Fotos der Zielregion und einem Set an Fragen für Passanten sich zum Zielort durchzuhangeln und erstmal alles kennenlernen sollten auf dem Weg, statt einfach hinzufahren. Um dann im Bewusstsein höherer Weihen das Navi einschalten zu dürfen - das wäre sonst ja jämmerlich... Sorry, das ist jetzt satirisch überzeichnet. Aber genau diese Haltung steckt da drin. Und da kann ich für mich sagen: Ohne "Navi" am Himmel hätte ich längst aufgegeben, gerade als Anfänger...

Ich habe immer Goto genutzt, habe mich an dem Anblick erfreut und die Zeit, die ich durch blankes Suchen vermeide z.B. dadurch genutzt in der Vorbereitung, der Nachbereitung oder sogar noch am Handy über das Objekt zu lesen und zu lernen, warum es da ist, wann es entdeckt wurde, alle diese Dinge. Bin ich deshalb der schlechtere oder weniger "ernsthafte" oder gar ein jämmerlicher Astronom, weil ich alles tue, nur nicht zu suchen?? Natürlich nicht. Umgekehrt wurde für mich ein Schuh draus. Inzwischen weiß ich eben, wo bestimmte Objekte sind und kann - auch ohne Goto - da mal einschwenken. So war mein Weg. Kurzum: Ich halte nichts von diesen letztlich dogmatischen Sichtweisen auf unser Hobby, alles, was Menschen dazu bewegt, sich mit dem Himmel zu beschäftigen, einen Zugang zu dieser so alltäglichen und dennoch so außerordentlichen Welt zu finden, ist ein guter und sollte unterstützt und nicht abqualifiziert werden. Das treibt die Leute weg, nicht hin zu uns.

Beste Grüße
Lars
 
Hi Lars,
...
Folgt man dieser Analogie, dann gibt es also "ernsthafte Autofahrer" die - um genau das zu sein - tunlichst als Anfänger auf das Navigationsgerät verzichten, um zunächst einmal mit Straßenkarte, Fotos der Zielregion und einem Set an Fragen für Passanten sich zum Zielort durchzuhangeln und erstmal alles kennenlernen sollten auf dem Weg, statt einfach hinzufahren. Um dann im Bewusstsein höherer Weihen das Navi einschalten zu dürfen - das wäre sonst ja jämmerlich... Sorry, das ist jetzt satirisch überzeichnet. Aber genau diese Haltung steckt da drin. Und da kann ich für mich sagen: Ohne "Navi" am Himmel hätte ich längst aufgegeben, gerade als Anfänger...
Ach Gott, Analogien sind halt einfach Analogien. Kann man auch einfach weglassen. ;)
Beim manuellen Finden eines Objekts ohne GoTo geht es doch mM um das Lernen und Kennenlernen des realen Himmels und wo bestimmte Objekte sind und nicht nur um die Positionierung. Dieses Lernen bedeutet einen gewissen Aufwand, wie bei jedem Lernen. Danach hat man aber etwas gelernt.

Klar, man kann sich das auch sparen.

Inzwischen weiß ich eben, wo bestimmte Objekte sind und kann - auch ohne Goto - da mal einschwenken.
...
Ich kenne GoTo, wie man da nur vorm Gerät sitzt und sich einfach darauf verlässt, dass das das richtig macht.
Jetzt mal ganz ehrlich. ;)
Du hast dadurch gelernt Objekte ohne GoTo zuverlässig zu finden?

Aber ich verstehe die GoTo Anhänger schon, man kann sich das Lernen des Himmels und des manuellen Anfahrens ersparen und man "spart" dadurch Zeit.
Ausser die Technik versagt oder das Alignment klappt nicht oder .... ;)

Gruß
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi Lars,

Ach Gott, Analogien sind halt einfach Analogien. Kann man auch einfach weglassen. ;)
Beim manuellen Finden eines Objekts ohne GoTo geht es doch mM um das Lernen und Kennenlernen des realen Himmels und wo bestimmte Objekte sind und nicht nur um die Positionierung. Dieses Lernen bedeutet einen gewissen Aufwand, wie bei jedem Lernen. Danach hat man aber etwas gelernt.

Klar, man kann sich das auch sparen.


Ich kenne GoTo, wie man da nur vorm Gerät sitzt und sich einfach darauf verlässt, dass das das richtig macht.
Jetzt mal ganz ehrlich. ;)
Du hast dadurch gelernt Objekte ohne GoTo zuverlässig zu finden?

Aber ich verstehe die GoTo Anhänger schon, man kann sich das Lernen des Himmels und des manuellen Anfahrens ersparen und man "spart" dadurch Zeit.
Ausser die Technik versagt oder das Alignment klappt nicht oder .... ;)

Gruß
Peter
Hi Peter,

tatsächlich habe ich das genau so gelernt bzw gemacht :) Bei mir hat es mit dem Goto immer gut geklappt, habe mir die dann die Region gemerkt, umgebende bzw markante Sterne eingeprägt. Ich weiß noch M13 war mein erstes Objekt, das ich erst so angefahren und dann später einfach angeschwenkt hab. Übersichtsokular und gut ist. Vielleicht bin ich ja ein Sonderfall - von Sonderling mag ich gar nicht sprechen lol ... Aber ich fand's super hilfreich. Vielleicht auch deshalb, weil - damit Goto funktioniert - ein wenig die Himmelsmechanik und die Funktion der Montierung verstanden bzw. gelernt werden muss. Auch nicht übel.

Und ja, ich habe natürlich auch "ins Leere" geschaut. Das ist dann genauso Lehrgeld, wie ich es mit Starhopping auch erlebt habe. Deshalb ist für mich auch alles ok, jeder macht halt, wie er will. Worum es mir insbesondere ging, war mich dagegen zu verwahren meine/ bzw eine andere Herangehensweise als "jämmerlich" zu charakterisieren.

Beste Grüße
Lars
 
Hi Lars,
Und ja, ich habe natürlich auch "ins Leere" geschaut. Das ist dann genauso Lehrgeld, wie ich es mit Starhopping auch erlebt habe. Deshalb ist für mich auch alles ok, jeder macht halt, wie er will. Worum es mir insbesondere ging, war mich dagegen zu verwahren meine/ bzw eine andere Herangehensweise als "jämmerlich" zu charakterisieren.
ja, das in die Leere schauen. ;)
Habe ich erst wieder erlebt, weil ich dachte ich könnte mit meinem 20 Zöller endlich den Pferdekopfnebel sehen. ;)
Da braucht man wahrscheinlich unter meinen Vorstadt Bedingungen und meinen Beobachtungsfähigkeiten einen 40Zöller. ;)

Gruß
Peter
 
Nun ja, anzusprechen ist m.E. das neue Phänomen, "die gekränkte Gesellschaft". Die mit fiebrigem Auge unablässig nach "Anstössigem" screent, dann, wenn ansatzweise vertretbar man es umdeuten kann, dies aus dem Zusammenhang reisst, daraus ein grosses "aber Hallo!" macht, und sich in die Pose: "man hat mich hier beleidigt!" wirft. Kann man tun. Aber der Blick für das grössere Bild ist halt dann nicht mehr unbedingt gegeben. Und möglicherweise überstrahlt die Fokussierung auf Fussnoten dann irgenwann alles.
Scheint mir weiter oben exemplarisch dargestellt. Wo die eigene Befindlichkeit der alleinselige Massstab für alles zu werden scheint. Viel Glück damit, würde ich sagen.

Gleichwohl möchte ich dann auch auf das Zitat oben eingehen und die Sichtweise, die Du zum Ausdruck bringst ...

Deine Autofahrer Analogie halte ich für wenig überzeugend. Füge aber an, für das (legale) Autofahren ist ja immer noch ein Führerschein erforderlich, gesellschaftspolitisch sozusagen pocht man auch hier doch auf die Erbringung eines Mindeststandards an "Tüchtigkeit".

Sehe aber nicht, was an meinem Geschreibsel oben speziell dogmatisch sein soll, ebensowenig wie du (etwas pathetisch?) kolportierst, es "jemand davon abhalten" soll. Der geneigte Astroliebhaber, der GoTo oder ähnliches will, wird den Thread voraussichtlich schon gar nicht lesen.

Schon erstaunlicher finde ich, wieviele im Thread sich schnurstracks den Schuh anziehen ...

Gibt einige im Forum, die die These, man müsse als Anfänger "schnelle Erfolge" haben, vertreten. Sie hat etwas für sich, persönlich bin ich aber wenig überzeugt, wie förderlich dies für die Nachhaltigkeit des Interesses am Hobby ist. Mit von Anbeginn "100% Erfolg" kann das Interesse durchaus auch rasch erlöschen, denke ich.

Und, bin schon der Meinung, dass der Misserfolg, das Scheitern, die Enttäuschung doch ein wesentlicher Motor für "Lebenstüchtigkeit" im Allgemeinen ist, genauso beim Hobby. Die Vertreter, die -Gott behüte- "Enttäuschungen" um jeden Preis vermeiden wollen, tun m.E. den letztlich Betroffenen keinen Gefallen, auf lange Sicht.

Gruss
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo CHnuschti,

Der geneigte Astroliebhaber, der GoTo oder ähnliches will, wird den Thread voraussichtlich schon gar nicht lesen.
Doch, doch, ich lese hier mit, gerade weil ich überzeugter Gotorianer bin. Ein anderes Leben kann ich mir für mich und meinen 25" Dobson nicht mehr vorstellen, aber da darf jeder natürlich seine eigene Einstellung haben. Mich hat nur überrascht, wie kompliziert Dein Verfahren letztlich ist, was man am Umfang der Erklärung sehen kann. Die Anti-Gotorianer unter den Dobsonauten weisen meistens darauf hin, daß die manuelle Bewegung eines Dobsons so einfach und intuitiv ist, was ja auch stimmt. Und wenn man völlig auf Stromverbraucher im Feldeinsatz verzichten will, ist das für mich durchaus ein bedenkenswerter Punkt. Aber das ist bei Deinem Ansatz ja nicht der Fall. Dein Verfahren ist sozusagen semi-elektrisch. Ich bevorzuge dagegen das voll-elektrische Verfahren, auch deshalb, weil es viel einfacher ist.

Trotzdem ist es natürlich sehr verdienstvoll, wie ja viele andere auch schon geschrieben haben, daß Du uns hier Dein Verfahren als mögliche Alternative vorstellst. Besten Dank dafür.

Viele Grüße
Johannes
 
Hallo!

Doch, doch, ich lese hier mit, gerade weil ich überzeugter Gotorianer bin.
Ich lese als Goto-Anwender auch mit und sehe es ganz ähnlich wie Johannes.
darf jeder natürlich seine eigene Einstellung haben.
das meine ich auch. Ich bin kein alt Jahrzehntelanger eingesessener Astronomische Beobachter. Meine Frau und ich haben erst im Sommer 2020 mit einem 10" Galaxy Dobson begonnen. Als First-Light hatten wir uns Jupiter und Saturn vorgenommen, beide nicht wirklich schwer rein händisch zu finden. Auch wenn natürlich alles für uns als Beginner auf Anschlag war. Welches Okular? Fokus? und und .... aber mal gefunden waren wir endgültig mit dem Astro-Virus infiziert. Aber bereits beim nach Hause fahren haben wir diskutiert wie könnte man Dreh- und Schwenkwinkel (Azimut / Altitude) mit einer Skala, Winkelgeber und und versehen um einfacher und vor allem reproduzierbar zu finden. Natürlich fehlte am Anfang noch das komplette astronomische Verständnis. Im November hatte ich dann absolute Winkelgeber am Newton dran. Die dann zu Beginn dieses Jahres durch die Celestron Starsense Halterung und Platesolving per Smartphone ersetzt wurde.

Hallo CHnuschti @CHnuschti ich respektiere Deinen Zeitaufwand und Engagement Dein Procedere zum Suchen und Finden im Detail vorzustellen. Nur ich sehe keinen tieferen Sinn, keine Erfüllung irgendeiner Philosophie oder einen Bildungsauftrag für astronomisch ferne Bildungsschichten weder in einem händischen noch in einem durch moderne Techniken und Abläufe unterstütztem Verfahren. Das muss jeder machen wie er will und kann.

Meine Frau und ich sind in Vor-Corona-Zeiten häufig mit unseren Mopeds von München nach Südtirol gefahren.

jaufen2014-03.jpg


Die Straße konnte nicht klein genug sein, der Alpenpass sollte lieber mehr als weniger Serpentinen haben.

jaufen2014-04.jpg

Der Weg war das Ziel und wir haben uns dafür mit Pausen sieben oder acht Stunden Zeit von München nach Südtirol gegönnt. München -> Bozen über die Brenner Autobahn mit dem PKW inklusive Klimaanlage/Heizung für 280 km braucht man knapp drei und eine halbe Stunde. Welcher ist der bessere Weg nach Südtirol?

Ich habe für Deinen Ablauf zum Suchen und Finden weder die Geduld noch die Zeit. Besonders seit ich mein EAA Setup auf einer Celestron GoTo Montierung parat stehen habe und weiß, dass ich Dank Goto, Starsense Autoalignement und ZWO EAF Autofokusser in längsten vier Minuten bereit bin mit der Beobachtung am gewünschten Zielobjekt beginnen zu können. Was jetzt nicht bedeuten soll, dass astronomische Beobachtungen Dir und Anderen händisch-arbeitenden Astro-Kollegen/Kolleginnen genau so viel Freude bereitet wie mir!

Ich wünsche uns allen, möglicht beste Bedingungen in der Nacht MünchenBeiNacht - Ewald
 
Hallo Zusammen,

da halte ich es ganz so wie es Johannes oder Ewald oben anmerken.:y:

Man könnte jetzt auch ein wenig ketzerisch dem Eröffner des Beitrags antworten: Warum einfach, wenn es komplizierter geht? Schmunzel;)
Aber: Vor mehr als 40 Jahren ging eh nix mit Goto, da war ohnehin nur „old-school“ meist völlig ohne Elektronik angesagt. Deswegen schätze ich auch die Mühe und die Ausführungen die sich der Eröffner hier gemacht hat.

Viele Grüße
Werner
 
Zuletzt bearbeitet:
Deja vu?


Alle weitere Liebeserklärungen an GoTo & al. können auch dort "abgeliefert" werden. Der Thread hier ist weniger geeignet, ausser man will ihn zu einer Missionierungsangelegenheit dafür umfunktionieren. ;)

Gruss
 
Alle weitere Liebeserklärungen an GoTo & al. können auch dort "abgeliefert" werden. Der Thread hier ist weniger geeignet, ausser man will ihn zu einer Missionierungsangelegenheit dafür umfunktionieren. ;)

Gruss

Hätte dich gerne mit deinem Namen angesprochen aber … Nun ja, ich denke vieles in deinen Ausführungen könnte man ganz ähnlich betrachten, ungeachtet dessen, dass viele hier deine durchaus interessanten Ausführungen zu würdigen wissen.;)

Viele Grüße
Werner
 
Rein visuelles Suchen und Finden in der Astronomie, eine Anleitung. Aber zeitgemäss, new old-school.

Hmja. Der schwärmerische Anfänger des Sternguckens schreibt gerne von "entdecken wollen". Ich meine: zu entdecken gibt es am Himmel nichts (mehr): die Kunst besteht vielmehr darin, das Bekannte auch zu finden. Dem Aspekt sollte der Anfänger grösste Aufmerksamkeit widmen.

Ebenso scheint der Anfänger öfters zu meinen, es bedürfe zwingend irgend einer Art "Motorisierung" oder "Mechanik" am Beobachtungsgerät, sei es Linsenteleskop oder Spiegelteleskop, die dann das Gerät das gewünschte Objekt anpeilen lässt. Oder aber mindestens irgend eine Art Software mit Auswertung des Himmelsanblicks, die dann die einzuschlagende Richtung vorgibt. Oder aber man müsse mindestens an irgendwelchen Skalen am Gerät Werte einstellen.

Auch falsch. Es lässt sich rein von Hand, wie unsere Altvorderen es schon immer taten ;), nun ja damals wohl noch etwas umständlicher, ein Objekt ansteuern, mit wenigen Hilfsmitteln. Und man muss dabei nicht mal was von Rektaszension und Deklination wissen bzw. verstanden haben.

Die Voraussetzungen sind einfach:
a) das Beobachtungsgerät, EGAL welche Montierung, muss von Hand bewegt werden können, vorzugsweise mit EINER Hand.
b) Es müssen Karten des Himmels vorliegen. In Papier oder eben besser digital auf Anzeigegeräte.
c) Es bedarf einens sog. Rotpunktsuchers für das grobe Ausrichten.
d) Optional aber empfehlenswert noch ein sog. Sucher mit Vergrösserung im Bereich von 6x-10x für die Feinausrichtung und das Sternhopping, vereinfacht bzw. beschleunigt einiges. Eine ebenfalls optionale Alternative dazu ist ein übliches Okular mit (beleuchtetem?) Fadenkreuz.

Nun kommt jedoch das Aber:
e) Der Himmel bzw. die Sternbilder und deren markanteste Sterne sollte man vorzugsweise schon kennen. Beziehungsweise, es vereinfacht halt den Suchvorgang erheblich.
Also bei einem von Auge sichtbaren Stern man sagen kann, jawohl, das ist der und der, ober aber mindestens, jawohl, der gehört zum Sternbild soundso usw., bzw. man die markantesten Hauptvertreter der Sternbilder zweifelsfrei identifizieren kann. Diesen Teil der Hausaufgabe meinen m.E. leider allzuviele Anfänger einfach auslassen zu können.

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Vorgehen mit Skysafari (SF), verfügbar für Android und iOs=Apple am Handy oder Tablet. Das Prinzip ist auch übertragbar auf Papierkarten oder eben andere Apps / Programme, die entsprechende Einblendungen von Sichtfelder erlauben.

Der Kernpunkt der Sache ist, dass man bei Skysafari (SF) die sog. Sichtfelder auf der Himmelskarte ein- und ausblenden kann. Also die Darstellung der "maximalen" Sicht bis hin zum Rand, die beim Blick visuell durchs Teleskopokular oder Suchers sich darbietet. Es ermöglicht damit, das Verhältnis der überblickbaren Distanzen zu erkennen, die ein gegebenes Okular bietet. Stellt sozusagen den Massstab her für jedes Okular, bezogen auf den Hintergrund des Sternenhimmels.

Beispiel am Widder / Aries. Eingetragen sind 3 verschiedene Sichtfelder. Das Sichtfeld des Suchers 6x30 ist in der Lage, das gesamte (auch von Auge gut sichtbare) Haupt-Sternbild mit den Hauptsternen alpha=Hamal beta=Sheratan gamma=Mesarthim einzufangen. Die Sichtfelder der Okulare sind viel kleiner, hier dargestellt ein Nagler 20mm und ein Delos 6mm, am William Optics Refraktor D=88mm/Brennweite=498mm.

Den Anhang 226808 betrachten


a) das gesuchte Objekt sollte bereits auf der SF Karte markiert sein, mittels einer sog. Beobachtungsliste. Diese lässt sich importieren, oder aber auch direkt in SF erstellen.
b) Mit Vergleich mit der SF-Karte wird ermittelt, welcher der naheste Stern zum Objekt ist, der noch mit blossem Auge sichtbar ist, und der zweifelsfrei identifiziert ist.
c) Darauf wird nun den Leuchtpunktsucher zu diesem ersten Referenzpunkt (=Bezugspunkt) gerichtet.
d) Nun wird anhand der in der SF-Karte eingeblendeten Sichtfelder des verwendeten Okulars oder des Sucher beurteilt ob das gesuchte Objekt bereits in Griffweite ist, oder aber, welche weitere Hops erforderlich sind.
e1) Ist das Objekt bereits innerhalb des Sichtfelds, bewegt man das Teleskop von Hand -das Auge bleibt am Okular- mittig darauf zu, damit es in der "Mitte" des Okulars liegt. Ist das Objekt selbst sogar bereits sichtbar im Sucher, nimmt man es geradewegs ins Fadenkreuz.
e2) Dann Wechsel auf grössere Vergrösserung. Mittels Vergleich vom im Okular Gesehenen mit der SF Karte vergewissert man sich nun, ob das gesehene Objekt auch das gesuchte Objekt ist, bzw. orientiert sich am vorhandenen sichtbaren Muster der umliegenden Sterne, um das gesuchte Objekt zweifelsfrei zu identifizieren. Bzw. wenn das gesuchte Objekt nicht / kaum sichtbar ist, man sich zumindest vergewissert, dass man am richtigen Ort ist, mittels Vergleich der Umgebung mit der SF-Karte
f1) Ist das gesuchte Objekt ausserhalb des Sichtfelds gem. d) wird nun Starhopping gemacht, mit den grösstmöglichen Schritten, d.h. kleinstmöglicher Vergrösserung. Dafür ist ein Sucher besser geeignet als jedes Okular.
f2) Dazu wird das Sichtfeld auf der SF-Karte so in Richtung des gesuchten Objekts verschoben, dass der Referenzpunkt gem. c) gerade noch am Rande sichtbar ist. Dieselbe Verschiebung wird dann mit dem Teleskop durchgeführt, während man durch das Okular schaut. Nun ermittelt man am Okular der am weitest davon entfernte, gut sichtbarer / möglichst heller / hervorstechender Stern der gerade noch im Sichtfeld des Okulars bzw. des Suchers liegt. Dieser wird als neuer Referenzpunkt verwendet. Mittels Vergleich mit der SF Karte wird nun festgestellt, welcher Stern dieser auf der Karte ist. Dies ist der nächste Referenzpunkt.
f3) Nun wird anhand des nächsten Referenzpunkts die ganze Sache einfach wiederholt gem. f2). Verschieben des neuen Referenzpunkts auf der SF Karte an den Rand, dann entspr. Nachschieben des Teleskops während man durch das Okular schaut. Solange wiederholen, bis das gesuchte Objekt selbst im Sichtfeld ist, danach gehts mit e1) / e2) weiter.

Den Anhang 226809 betrachten Den Anhang 226810 betrachten


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Beispiel

Die Mission: lambda Andromeda zu finden, von Caph = alpha Cassiopeia aus, das eine Ende des Sternbilds Cassiopeia, ein gut von Auge sichtbarer Stern.

0) Caph = alpha Cassiopeia mit dem Rotpunktsucher ins Visier nehmen. Ist der erste Referenzpunkt.
Dann verschiebt man das Sichtfeld, hier der meines SVBONY 6x30 Suchers, auf der Skysafari (SF) Karte, um festzustellen, welcher im Sucher gut sichtbare Stern, möglichst weit entfernt, als nächster Referenzpunkt in Frage kommt. Ist sigma Cas mit dem roten Kringel.
1) Dementsprechend nun das Teleskop, mit Auge am Sucherokular verschieben, bis sigma Cas gut und klar zu erkennen und identifiziert ist. Gegebenenfalls Wechsels aufs Teleskopokular mit grösserer Vergrösserung, Vergleich der gesehenen Umgebung mit der SF Karte, ob man tatsächlich am richtigen Ort ist.
Dann wieder auf der SF Karte mit Verschieben des Sichtfelds den nächsten Referenzpunkt festlegen. Im den Falle hier 18 And, gut und klar erkennbar, mit dem roten Kringel.
2) Wieder das Teleskop entspr. Verschieben mit Auge am Okular, bis 18 And klar erkannt und identifiziert ist.
Wiederum Sichtfeld auf SF Karte verschieben, ja, nun kommt das Ziel lamdba And bereits ins Sichtfeld
3+4) Das Teleskop nachschieben, bis beide 18 And und lambda And im Sichtfeld sind. Dann nochmals Vergleich mit der SF Karte, ob man lambda And richtig identifiziert hat und gleich weiterschieben, bis lambda And direkt im Fadenkreuz des Suchers ist.

Mission erfüllt, ich gratuliere. Nun kann man am Teleskop gleich auf ein stärker vergrössernde Okular wechseln.
Hat man nur ein normales Übersichtsokular ist das Vorgehen das gleiche, man benötigt wegen dem kleineren Sichtfeld einfach mehr Zwischenschritte.

Punkt ist, dass man immer 2 Referenzpunkte innerhalb des Sichtfelds behält. Damit lässt sich "kontrolliert" weiterwandern, ohne die Peilung zu verlieren, und nötigenfalls, wenn doch die Orientierung mal verloren geht, man auf den letzten Referenzpunkt zurückschwenken kann, ohne ganz von vorn wieder anfangen zu müssen. Gerade bei schlecht oder gar nicht sichtbaren Objekten/Zielen ist der Vorgang im "Endanflug" m.E. zu empfehlen.

Mit Übung und Erfahrung lässt sich das dann weiter verkürzen. Z.B. indem man sich mittels der Karte merkt, welche herausragende Sterne, vielleicht farblich unterscheidbar, den Weg weisen, und man diese gleich in einem Zug am Sucher "abfährt". Oder wie im Beispiel oben, man sich den auffälligen Haufen lamdba, psi, kappa und iota And merkt, auf der SF Karte abschätzt wie viele Hops es sind, hier ca. 2-3 "Sichtfelddurchmesser" des Suchers, und aufs Geratewohl darauf zuhält, dann nur noch kurz abgleichen muss, ob das gesehene Bild des Haufens dem der SF Karte entspricht.

Den Anhang 226811 betrachten Den Anhang 226812 betrachten


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Der unschlagbare Vorteil der SF-Karte (oder sonstiger digital Karten) gegenüber Papierkarten ist m.E. dass man beliebig rein- und rauszommen kann. Auch die realistische (farbige) Darstellung der SF-Karte enspricht wohl einiges besser dem visuellen Bild durch das Okular als jede Papierkarte, inbesondere vermittelt die SF-Karte ein guter Eindruck, welches die helleren und die weniger hellen Sterne sind. Zudem lässt sich die Karte in SF dynamisch anpassen, wenns denn sein muss?, dass z.B. nur Sterne mit maximal mag 12 angezeigt werden, so dass das Bild bestmöglich dem angepasst wird, was durch das Okular auch tatsächlich zu sehen ist.

Im Sinne einer einfacheren, verkürzten Handhabung sind m.E. Papierkarten längst nicht mehr konkurrenzfähig mit einer (ordentlichen ...) Darstellung auf dem Bildschirm. Es gibt/gab mehrere Programme, die viel Aufwand in den einfachen, anpassbaren Papierdruck von Aufsuchkarten gesteckt haben, denke, zunehmend ein Relikt der Vergangenheit.

Will man obiges Prozedere mit Papierkarten durchführen, muss man sich eine durchsichtige Folie basteln mit eingezeichneten Ringen der Sichtfelder der Okulare/Sucher, die man dann auf der Papierkarte rumschiebt. Viel Glück beim Gefummel bei Rotlicht, würde ich sagen.

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Zu den "fertigen" Suchern noch soviel: üblich gibt es 6x30 oder 9x50, 8x50 ist auch noch zu finden. Die Sucher haben meist ein Fadenkreuz auf eine Linse geätzt; dieses ist unbeleuchtet, reicht aber völlig und ist gut sichtbar vor dem Hintergrund des Himmels, es muss also nicht zwangsläufig ein sog. "beleuchtetes Fadenkreuz" sein. Je kleiner die Vergrösserung, desto grösser das Sichtfeld. Das Sichtfeld ist beim 6x30 einiges grösser als beim 9x50, was ein Vorteil ist bei obigem Vorgehen, um grösstmögliche Hops zu tätigen. Allerdings sieht man auch weniger, die 6x30 wiegen aber auch weniger. Muss man halt selbst ausmachen, was einem am besten in den Kram passt.
Der Sucher von SVBONY 6x30 hat z.B. ein Sichtfeld von ganzen 7.5°, das ist die Grössenordnung eines üblichen Fernglases, bietet also eine maximale Übersicht. Ein üblicher 9x50 Sucher hat ein Sichtfeld von um die 5°, ist schon eine Grössenordnung kleiner.
Zum Vergleich dazu: das grösstmögliche "Übersichts"-Okular von Televue Panoptic, das 41mm mit 68° FOV bietet an einem Refraktor 100/700 ein Sichtfeld von ca. 4°, an einem Newton 200/1000 ca. 3°.
Optional anstatt eines Suchers ist auch ein (beleuchtetes) Okular mit Fadenkreuz denkbar. Hier fällt jedoch dann wieder die Fummelei eines Okularwechsels an.

Ich hatte eine ganze Weile so nur mit meinem Übersichtsokular mit 25x Vergrösserung beobachtet/gesucht. Da ich eh nach Sternbild "vorgehe", also alles Interessante daran anschaue, lernt man so sozusagen jedes Sternbild auch kennen, das heisst, auch die heller leuchtende B-Prominenz davon, nicht nur die Hauptsterne. Mit einem Sucher kürzt man das stark ab, als dann maximal noch 3 bis 4 Hops nötig sind, um ein ganzes Sternbild zu "durchwandern". In der Hinsicht kann es dann schon fast "zu gut" funktionieren, als man dann nur noch rasch zum Objekt durchzieht, sich das Zwischendrin gar nicht mehr anschaut. Würde meinen, ist wie eine Zugfahrt und ein Flug. Die Zugfahrt meditativer, man kann die sich ändernde Landschaft begutachten und auf sich einwirken lassen. Beim Flug ist man zwar schnell da, hat vom "unterwegs" aber kaum was mitbekommen. ;)

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Zuletzt noch ein Hinweis zur "Ergonomie". Im Sinne eines möglichst flüssigen Ablaufs sollten Rotpunktsucher, Sucher und Teleskopokular möglichst beieinander und so abgestimmt montiert sein, dass nur mit leichter Kopfbewegung zwischen den Dreien gewechselt werden kann. Die Sternkarte auf Tablet oder Handy ist der weitere vorteilhafte "ergonomische" Punkt. Nämlich als Rechtshänder die rechte Hand am Teleskop, um es nachzuschieben, und die Linke hält das Tablet/Handy, so dass immer wieder der Abgleich zwischen Karte und Okular gemacht werden kann, der Vorgang demnach mit möglichst wenig Brimborium abgewickelt werden kann. Ich musste z.B. den Rotpunktsucher drastisch erhöhen, damit es zu Sucher- und Okulareinblick passte.

Den Anhang 226813 betrachten Den Anhang 226814 betrachten


Über und zu möglichen Einstellungen für "möglichst dunkel" am Tablet mit Android habe ich hier was geschrieben:
Handschuhe müssen Touchscreen-fähig sein:
Hallo!
Ein ganz ausgezeichneter Beitrag -Du hast Dir viel Mühe gemacht ,aber für den Leser ausgezeichnet und vor allem sehr verständlich dargestellt.
Ein sehr guter Beitrag wie ich meine!
Im möchte noch anfügen,das ich ein 2“ Fadenkreuz beleuchtet habe,26 mm.
Der Grund warum ich Interesse am Telrad habe ist eigentlich der zentrale Kreis um in ihm den Alignmentstern zu positionieren ,denn bisher deckt der Leuchtpunkt ihn zu.
Im Grunde benötige ich,so wie bei mir alles funktioniert keinen Telrad.
Na ja,die Spielerei im Kopf…….
Aber nochmals besten Dank für Deinen Hinweis hier!!!
 
Nun ja, anzusprechen ist m.E. das neue Phänomen, "die gekränkte Gesellschaft". Die mit fiebrigem Auge unablässig nach "Anstössigem" screent, dann, wenn ansatzweise vertretbar man es umdeuten kann, dies aus dem Zusammenhang reisst, daraus ein grosses "aber Hallo!" macht, und sich in die Pose: "man hat mich hier beleidigt!" wirft. Kann man tun. Aber der Blick für das grössere Bild ist halt dann nicht mehr unbedingt gegeben. Und möglicherweise überstrahlt die Fokussierung auf Fussnoten dann irgenwann alles.
Scheint mir weiter oben exemplarisch dargestellt. Wo die eigene Befindlichkeit der alleinselige Massstab für alles zu werden scheint. Viel Glück damit, würde ich sagen.

Naja, du hast in deiner Anleitung die gröbsten Anfeindungen ja bereits entfernt durch nachträgliche Bearbeitung, weil du vermutlich selbst bemerkt hast, dass du über die Stränge schlägst. Denn Zeilen wie:

"Da ist das gute Kennen des Himmels bzw. erkennen der Sternbilder doch der kleine verbliebene Rest an Astronomie des "Hobby-Astronomen". Dass Anfänger, aber auch Fortgeschrittene selbst diese verbleibende Hausaufgabe abkürzen oder umgehen wollen mit irgendwelchem un- und motorisiertem "Guiding", ich spreche es aus, ich halte das für jämmerlich. Oder schlimmer ... Kann nur für mich sprechen, aber irgend ein motorisiertes Tool, das mir vorkaut, wohin ich nun zu gucken hätte ist einfach unter meiner Würde, beleidigt mein Ehrgeiz, ein ordentlicher "Hobby-Astronom" zu sein. Später vielleicht ja, wenn ohnehin alles bekannt ist, um "Zeitverschwendung" zu vermeiden. Aber gleich von Anfang an?"

erinnern mich immer an die übergewichtigen mit Harley-Davidson Unterhose ausgestatteten Boomer vor der Pommesbude, die mit Currywurst vollgestopftem Mund lautstark kundgeben, dass sie die einzig wahren Motorradfahrer sind und alle anderen ja keine richtigen Motorradfahrer sind.

Hier von einer - wie du sagst - gekränkten Gesellschaft zu sprechen, weise ich aufs Schärfste zurück. Das sollte bei einem erneuten Durchlesen deiner Zeilen aber auch dir klar werden.
 
Hallo,

Ich bin visueller Beobachter, ich suche aber nicht nach der oben vorgestellten Methode auf.
Zunächst verzichte ich in der Nacht und am Teleskop auf alle elektronischen Sternkarten, sondern ich setze auf gedruckte Sternkarten und einer schwachen Rotlichtlampe. Künstliches Licht von Displays vermeide ich. Des weiteren wären mir Sternkarten dargestellt auf Smartphone Displays zu klein, deshalb fertige ich mir meine Aufsuchkarten im DIN A4 Format selbst an.

Zum Aufsuchen nehme ich den Stern, der sich am dichtesten zum Objekt befindet. Diesen Stern stelle ich mit Hilfe vom Telrad in das Teleskop ein. Das klappt auch sehr gut noch bei Bortle 4 bis Bortle 6 Himmel.
Ich gehe danach mit dem optischen 80mm Sucher zum gewünschten Objekt. Helle Objekte erkenne ich schon im Sucher, für schwache Objekte positioniere ich das Teleskop auf einen Stern oder einer Sternkette die dem Objekt am nächsten steht und gehe mit dem Aufsuchokular oder mit höherer Vergrößerung oder mit entsprechenden Filter zum gewünschten Objekt. Das klappt mühelos.

Ich suche zwar rein mit dem Augen auf, aber ich finde dennoch GoTo für eine gute und hilfreiche Sache um am Nachthimmel Objekte aufzusuchen und beobachten zu können. Eine automatische Positionierung vom Teleskop ist nicht zu verachten, ich verteufle dieses nicht.

Viele Grüße
Gerd
 
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