Reisebericht: Neuseeland 2003

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

PeterSurma

Aktives Mitglied
Ciao all,

für all diejenigen Astronomie-Interessierten, die vielleicht einmal beabsichtigen, nach Neuseeland (New Zealand = NZ) zu fahren, hier ein kleiner (einschlägig astronomischer) Bericht von mir zu meinem Aufenthalt dort im Nov/Dez 2003.

Ich hatte eigentlich kein Astronomie-Equipment auf die Reise mitgenommen, da es im wesentlichen ein Wanderurlaub werden sollte und ich keine Lust hatte zusätzlich zu allem essentiellen auch noch 1-2 Kg Feldstecher (dies wäre die Minimalausführung gewesen) auf dem Rücken zu schleppen, geschweige denn ein Teleskop + Reisemontierung. Letztlich - nach langem Zögern - habe ich aber diese Entscheidung angesichts des tollen Himmels derartig bereut, dass ich mir in Wellington eine NoName-Feldstecher-Gurke für 75 Euro (150 NZ$) besorgte - und das hat sich sogar mehr als gelohnt !!!

Der Himmel

Zunächst - so ist es ja auch zu erwarten - ist der Himmel über Neuseeland wunderbar dunkel. Die geringe Bevölkerungsdichte und die klare Luft machen sich wirklich extrem stark bemerkbar. Die Milchstrasse ist selbst noch in der Dämmerung sofort sichtbar (obwohl das Michstrassenzentrum gerade am Untergehen war bei Dämerungsende).

Die eingehenste Beobachtung (mit Feldstecher) musste ich leider sogar innerhalb einer kleineren Stadt machen (Kaikoura an der Ostküste der Südinsel) - auf dem Campingplatz. Dennoch war die Milchstrasse mit Ihren Objekten wahnsinnig gut im 7x50 Feldstecher zu sehen. Ich beobachte des öfteren im Schwarzwald auf 900m Höhe und bin dadurch durch den dort ganz guten Himmel etwas verwöhnt. Dennoch war der Kleinstadt-Himmel in NZ sehr deutlich besser. Dies liegt (trotz Strassenlichtern) vielleicht auch an der klaren, relativ staubfreien Luft, die das Kunstlich wohl wenig streut und damit den Himmelshintergrund dunkel belässt.

Objekt-Highlights

- Dunkelwolken: südwestlich des Kreuz des Südens gibt es eine (von Grösse + Form her mit dem Kreuz fast identische Dunkelwolke) mit einigen Ausläufern. Die Ausläufer waren schmal, schwarz und scharf gegen das umliegende Sternfeld abgegrenzt, wie ich es am Nordhinmmel noch nie gesehen habe. Erst im letzten
Sommer hatte ich mir im Adler die 3-teilige Dunkelhöhle Nähe Altair im Feldstecher und C11 + Fokalreduktor angesehen (Schwarzwald). Die NZ-Beobachtungen waren aber um Grössenklassen besser, trotz Stadtnähe und NoName-Feldstecher-Gurke. Man sieht ja hin und wieder Mittelformat-Panorama-Aufnahmen der Milchstrasse (z.B. aus Namibia). Das visuelle Aussehen in meinem 7x50 war dazu wirklich vergleichbar: kein 'Gerade-Noch-Erraten' der Dunkelwolken, sondern wirkliches direktes (!) Sehen.

- Magellansche Wolken: Klarerweise ein Highlight. Beeindruckenderweise sind mit dem 7x50 schon tolle Fetzen- und Wolkenstrukturen in beiden Wolken zu sehen. Ausserdem in der grossen Wolke das grosse HII-Gebiet. Nahe der kleinen sieht man auch easy (sogar mit blossem Auge) einen Kugelsternhaufen (NGC 104 schätze ich). Selbst bei Mondschein sieht man die Wolken ohne weiteres ! Es ist beeindruckend sich klar zu machen, dass die beiden Wolken Nachbargalaxien der Milchstrasse sind und man damit Galaxien mit blossem Auge vor sich sehen kann, oder man im 7x50 Details darin erkennt... Bei diesem Himmel (und diesen Obkjekten - zugegeben !) sieht m,an erst wie schön schon Feldstecher-Astronomie
sein kann. Währendessen wir im heimischen Europa nach 20-Zoll-Monstern lechzen,
mit denen wir versuchen, den licht-versauten Himmel wieder irgendwie wettzumachen. Tatsächlich fehlt es uns am Himmel nicht an Öffnung !!!

- Sternhaufen: Östlich des Kreuzes ist die Milchstrasse durchsetzt mit Sternhaufen und Gasnebeln, wie ich es im Norden (und im lichtverseuchten Europa) noch nicht gesehen habe. Natürlich wünscht man sich für die Details der Nebel mitunter das C11 herbei, aber dennoch das grosse Gesichtsfeld und das Überfliegen der vielen Details im Feldstecher (6.5Grad Gesichtsfeld) sind phantastisch anzusehen.

Grössere Teleskope vor Ort ?

Ich habe durchaus auch versucht das eine oder andree Mal an ein grösseres Teleskop ranzukommen (jedoch nicht mit extremem Feuereifer, da ich ja eigentlich zum Wandern mit meiner Frau hingefahren war und sich deshalb nicht soviel Zeit entsprechend opfern liess). Zwei (enttäuschende !) Sachen habe ich ausprobiert:

(1) In der Nähe von Lake Tekapo auf der Südinsel liegt eines der nationalen (Profi-) Observatorien von NZ ( http://www.tekapo.net.nz/mt_john.htm ). Dort gibt es auch einen japanischen Amateur, der gegen Geld Führungen an seinem Amteurinstrument durchführt (C14 auf Takahashi-Montierung in einer Kuppel). Leider war seine 'Führung' maximal enttäuschend (trotz 18 Euro Eintritt pro Nase). Obwohl ich ihm klargemacht habe, dass ich seit Jahrzehnten Astronomie mache, ging er darauf praktisch überhaupt nicht ein. Er zeigte unserer Gruppe (die zugegebenermassen niveaumässig gemischt war) beharrlich (ausserhalb der Kuppel) wo das Kreuz des Südens zu finden sei, und wo der Orion ... Sein Englisch war eine Katastrophe, am C14 hat er praktisch nur ein ziemlich gurkiges Okular dabei (trotz einer Takahashi-Montierung in der ALT-6 Klasse). Seinen Nachführmotor + Steuerung hatte er auch abgebaut oder zuhausegelassen, so dass man dauernd mit der Hand auf Zuruf nachstellen musste. Arrrrgh ! Also meine Empfehlung: Geht ihm nicht auf den Leim und vergesset Herrn 'Haide' und seine Dienste !

(2) Das Carter-Observatory auf einem Berg im Botanischen Garten von wellington ist streulichtverseucht und macht dennoch ebenso 'lauwarme' Führungen an seinen Teleskopen. ( http://www.carterobs.ac.nz/New/Programmes.aspx ) Man kann durchaus auch semi-professionelle Führungen bekommen, allerdings nur auf lange Vorausreservierung und für jenseits 50 Euro pro Nase. Ob dann aber der Himmel über Wellington auch gut genug ist... ?

Wenn ich nochmal nach NZ fahre, werde ich deshalb eher versuchen, mit einer lokalen Amateur-Vereinigung Kontakt aufzunehmen und dort (wahrscheinlich umsonst) mal zusammen mit lokalen Astronomie-Begeisterten durch ihre Privat-Teleskope zu gucken. Unter http://www.rasnz.org.nz/ findet man hier einige lokale Adressen. Offenichtlich bestehen in NZ auch relativ enge Partnerschaften zwischen Profi-Instituten und Amateuren ! Letztes Jahr (2002) hatte ich hier in Cchristchurch schon per Email vorher etwas eingefädelt, aber leider machte mir das wetter (das NZ-Wetter wechselt schnell und gern) einen Strich durch die Rechnung. Ich denke aber mit lokalen Leuten sollte es am ehesten gehen. D9e Neuseeländer sind im allgemeinen eigentlich sehr aufgeschlossen und nett und
hilfsbereit. Es sollte also auch ohne (oft sinnlosen) Kapital-Einsatz gehen.

Wetter

Einer der grössten Hinderungsgründe ist allerdings das wetter in NZ. Wie gesagt - es wechselt oft, gern und schnell. Eine Wetterkarte + Voraussagen findet man unter folgendem Link: http://www.metservice.co.nz
Deshalb ist es eben oft so, dass man sich bei gutem Wetter mitten auf einer 5-tägigen Wanderung in den Bergen befindet - und bei schlechtem Wetter dann vielleicht eine Abmachung zum Beobachten (etwas näher an der Zivilisation) hat. Der typische Outdoor-NZ-Urlaub und Astronomie stehen sich also etwas gegensätzlich gegenüber, wenn man kein eigenes Equipment (zumindest 7x50 Feldstecher empfehle ich dringend !) dabeihat.

Tatsächlich ist das Gebiet um den oben ewähnten Lake Tekapo im Zentrum der Südinsel astronomisch gesehen SEHR zu empfehlen ! - während aussen herum miesestes Wetter herrscht ist es dort oftmals total klar und sehr trocken. Central Otago (der Landstrich dort) ist sichtlich etwas trockener als der gesamte Rest von NZ. Deshalb auch das Profi-Observatorium dort ! Auch wenn man mal zwischendurch etwas Sonne braucht (und es sonstwo regnet) sollte man es mal mit der Gegend versuchen.

Ausserdem noch den Tip: Filme immer selbst mitbringen - diese sind SEHR teuer in NZ !

Schöne Grüsse also aus DownUnder (naja ich bin schon wieder zuhause - jetzt zu Weihnachten :-)
Peter






 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben